Wie kann man sich Krankheiten einbilden?

vom 07.03.2010, 16:52 Uhr

Ich habe mir vor kurzem eine Aufführung von „Der eingebildete Kranke“ im Theater angesehen. Ich habe mal über mich und meine Bekannten nachgedacht und festgestellt, dass viele Leute sich irgendwelche Krankheiten einbilden.

Ein gutes Beispiel dafür ist eine alte Frau, die ich aus meiner Nachbarschaft kenne: Sie liest immer die Apothekenrundschau und sobald sie von irgendeiner neuen Krankheit hört oder liest, meint sie sofort, die beschriebenen Symptome auch an sich selber zu beobachten und rennt zum Arzt. Der Arzt erklärt ihr dann immer, dass sie nicht krank ist, aber trotzdem geht sie jedes Mal wieder zum Arzt, wenn irgendeine Krankheit auftaucht und sie meint, sie wäre infiziert.

Aber ich verstehe nicht, wie sich Menschen Krankheiten einbilden können. Symptome sind doch eigentlich entweder da oder nicht da. Wie kann man sich das einbilden? Welchen Streich spielt solchen Menschen ihre Psyche? Warum haben das einige Menschen und andere nicht? Kann das vielleicht sogar Gründe in der Kindheit haben? Diese alte Frau hatte beispielsweise eine Mutter, die Erzählungen nach wohl einen fürchterlichen Putzzwang hatte.

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» JulietMay » Beiträge: 1078 » Talkpoints: -0,56 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Ich kenne viele ältere Personen, die sich öfters einbilden bestimmte Krankheiten zu haben. Bei älteren Personen ist dies keine Seltenheit. Ich denke es hängt zum Einen damit zusammen, dass ältere Personen sehr viel Zeit haben, sodass sie etwas brauchen womit sie sich beschäftigen können (in diesem Fall der Arztbesuch). Zum Anderen steigt bei ihnen die Angst vor dem Tod, da sie aufgrund ihres fortschreitenden Alters merken, dass ihr Ende langsam naht (ich weiß, es ist extrem grausam formuliert).

Mein Großvater bildet sich auch immer wieder Krankheiten ein, weshalb ich mich bereits bei seinem Arzt über die Gründe dafür informiert habe. Man muss diese Situation akzeptieren, da man sie nicht ändern kann, auch nicht wenn man mit ihnen darüber redet.

LG Anjitsch

» Anjitsch » Beiträge: 39 » Talkpoints: -0,04 »


JulietMay hat geschrieben:Symptome sind doch eigentlich entweder da oder nicht da. Wie kann man sich das einbilden?

Naja, ganz so einfach ist das ja nun mal leider nicht. Kopfschmerzen oder Müdigkeit sind zum Beispiel Symptome für Grippe, aber können eben auch sehr viele andere Dinge bedeuten. Ich kann Bauchschmerzen haben, weil ich etwas schlechtes gegessen habe oder weil gerade mein Eisprung stattfindet oder eben, weil ich die zur Zeit gefürchtete Magen-Darm-Grippe habe. Die Symptome bei einer einfachen Erkältung und einer Grippe sind auch meist zu Beginn ziemlich die gleichen.

Wenn man nun gerade von einer schlimmen Krankheit liest oder hört, die einige dieser Symptome beschreibt, fühlt man sich eben schnell alarmiert. Wüsste man davon nichts, würde man vielleicht eine Schmerztablette nehmen oder einfach mal früh ins Bett gehen, aber dadurch, dass man eben gerade gelesen hat, dass das Symptome für eine schwere Krankheit sein könnten, macht man sich nun Sorgen. Das ist doch wirklich nicht verwunderlich.

Außerdem kann man sich viele Symptome eben auch gut einbilden, obwohl sie gar nicht da sind. Kopfschmerzen oder eine verstopfte Nase sind ja irgendwo relativ. Ein bisschen Druck auf der Stirn hat man schnell mal, nicht jeder definiert das aber als Kopfschmerz. Und meine Nase ist zum Beispiel fast jeden Morgen verstopft, das macht aber noch keinen Schnupfen aus. Nur kann man solche Dinge eben immer verschieden interpretieren, wenn man das möchte.

» channale » Beiträge: 1371 » Talkpoints: 37,37 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Ich kenne auch eine Frau die sich alle möglichen Krankheiten einbildet und dann sogar die Symtome dafür bekommt.

Ich dachte auch immer das das nicht möglich sei, aber diese Frau hat mir das Gegenteil bewiesen. Sie hatte auch plötzlich jede Krankheit von der sie gehört hat oder von der sie gelesen hat. Und teilweise hat sie dazu auch die Symptome entwickelt.

Sie ist auch von Arzt zu Arzt gelaufen und hat dem Arzt erzählt welche Krankheiten sie hat. Sie wurde dann zwar immer wieder untersucht doch die Krankheiten hatte sie natürlich nicht. Das lustige ist nur das sie wirklich die Symptome dafür hatte. Ich denke wenn man sich etwas so stark einbildet dann kann man schon die Symptome dafür kriegen.

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» torka » Beiträge: 4376 » Talkpoints: 7,91 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



Ältere Menschen haben einfach Angst vor älter werden. Sie verbinden damit, dass sie krank und zerbrechlich werden und genau das ist das Problem: sie machen sich so viele Gedanken darüber, dass sie ihr Leben gar nicht mehr genießen und selber "krank" werden.

Die Regel ist das trotzdem nicht. Die meisten Menschen, die sich Krankheiten wirklich einbilden, haben entsprechend Angst vor dem krank sein. Es mag paradox klingen, aber genau das ist der Grund. Sie beschäftigen sich viel damit und der kleinste Fleck ist Krebs und Kopfschmerzen deuten sofort auf etwas ernstes hin.

Dabei kann es durchaus sein, dass die betreffenden Personen wirklich Kopfschmerzen haben, nur bedeutet das eben nicht gleich, dass sie ernsthaft krank sind.

Leider gibt es aber auch genug Leute, die das Gegenteil sind und sämtliche Signale des Körpers überhören. Wäre man da mal zum Arzt gegangen, hätte man schlimmeres verhindern können. Vielleicht ist das auch die Angst der Menschen, die sich das dann einbilden.

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» winny2311 » Beiträge: 15159 » Talkpoints: 4,91 » Auszeichnung für 15000 Beiträge


Jeder Mensch hat eben so seine Ängste und manche haben Angst krank zu werden. Andere wiederum suchen die Aufmerksamkeit, die einem Kranken zu teil wird. Es ist ganz unterschiedlich, was einen dazu treibt sich eine Krankheit einbilden zu können.

Eine große Rolle spielt hierbei aber die Psyche. Im Krankenhaus kann man beispielsweise bei Krankheiten, die gerade im Umlauf sind und vor denen gewarnt wird mit sehr vielen Patienten rechnen, weil es sich dann jeder einredet und auch die Symptome kann man bekommen, sodass man dann scheinbar daran leidet obwohl es von der Psyche ausgelöst ist.

Hier mal ein Beispiels aus meiner Kindheit. Es war Fasching und ich wollte nicht hingehen, ich habe mich da richtig hineingesteigert und mich verrückt gemacht. Am Ende hatte ich ohne eine vernünftige Erklärung Fieber. Ich habe da nichts zu beigetragen. Nach einigen Stunden ging es aber auch wieder weg. Man kann sich also Krankheiten auch so lange einreden, bis man in gewisser Weise Symptome verspürt. Zumal bei manchen Sachen auch ganz allgemeine Symptome genannt werden. Beispielsweise Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Unwohlsein. Wer hat das denn nicht ab und zu?

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» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge


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