Ist Glaubenssucht eine Krankheit und mit welchen Folgen?
Ein weitläufiger Bekannte ist extrem stark gläubig und lebt auch so danach. Allerdings hat er einige medizinische Probleme, die einer dringenden Behandlung bedürfen. Das allerdings ist nun der Knackpunkt an der ganzen Sache, denn er lässt einfach nichts behandeln.
Sein Glaube kann eine ärztliche Abklärung der medizinischen Probleme nicht gut finden. Auch wird sein Glaube immer stärker und in Gesprächen wird er dabei schon fast aggressiv. Können solche Phasen und Situationen sich noch zuspitzen? Wie kann man hier überhaupt noch helfen? Wer kann hierbei wirklich noch seine Hilfe anbieten? Kennt ihr solche Situationen vielleicht auch aus dem Bekanntenkreis?
Religiöser Fanatismus alleine stellt meines Wissens keine Krankheit dar. Es müssen auch nicht immer zwingend psychische Probleme der Situation zu Grunde liegen: Manchen (wenigen) Leuten bedeutet eben ihre spirituelle Situation und ihr Verhältnis zu ihrem Glauben (oder was sie dafür halten) mehr als ihre körperliche Gesundheit.
Aus diesem Grund bin ich auch eher skeptisch, was Hilfsangebote von Außen angeht. Unabhängig von der Religion haben viele Menschen von jeher ein Talent, sich in irrationale Vorstellungen zu verrennen und diese aggressiv zu verteidigen. Mir fehlt es da ein bisschen an Geduld, sodass ich wohl nach etlichen Gesprächsangeboten und sachlichen Argumenten aufgeben und demjenigen mitteilen würde, wenn er sich schaden wolle, sei das sein Problem. Man kann ja niemanden zu seinem Glück zwingen: Wenn ein Bekannter aus welchen Gründen auch immer nicht zum Arzt geht, kann ich ihn oder sie wohl kaum bewusstlos schlagen und hintragen.
Wenn es sich bei dem Glauben deines Bekannten jedoch um eine gängige Religionsgemeinschaft handelt und nicht um eine obskure, superstrenge Sekte, könnte vielleicht ein Geistlicher der entsprechenden Richtung helfen, der ein paar Ideen und Vorstellungen im Gespräch zurechtrücken kann. "Normale" Anhänger einer Religion gehen ja schließlich auch zum Arzt: Mein Chef ist beispielsweise geweihter Priester einer christlichen Konfession und war diesen Monat sogar schon zwei Mal in medizinischer Behandlung.
Ich denke, dass man da wirklich nur wenig machen kann und eben abwarten muss, dass er sich selber dazu entscheidet sich behandeln zu lassen. Der Glaube ist immer so eine Sache, aber selbst wenn er so ausgeprägt ist würde ich ihn nicht als Krankheit sondern eher Fanatismus bezeichnen. Das sind ja aber nur Begriffe und das ändert ja nichts an der Situation.
Ich würde mich eben zurückhalten, weil es nichts bringt und wenn er schon aggressiv wird, dann wird er irgendwann vielleicht ganz auf den Kontakt verzichten und das würde ich mir nicht versauen wollen. Ich denke, dass er sich schon behandeln lassen wird, wenn es ihm schlecht genug geht.
Es gibt eine Sekte, deren Mitgliedern es untersagt ist, sich ärztlich behandeln zu lassen. Sollte dein Bekannter ein Mitglied dieser Gemeinschaft sein, wird er vielleicht deshalb aggressiv, weil er sich gerne vom Arzt behandeln lassen würde, aber als Teil der Gemeinschaft das nicht darf. Eventuell möchte er auch aussteigen und hat Angst vor Repressalien.
So wie ich mal vor einiger Zeit gehört habe, gibt es in Deutschland Beauftragte für solche Glaubensgemeinschaften, die helfen und beraten Mitglieder, die den Wunsch haben auszusteigen, aber nicht wissen, wie. Eventuell kannst du erst einmal klären, um welchen Glauben es sich handelt und dann nach Möglichkeiten googlen.
Eigentlich sollte einem kein Glaube eine ärztliche Behandlung untersagen. Es gibt durchaus Glaubensgemeinschaften, die gewisse medizinische Behandlungen ablehnen. Aber in der Regel umfasst das nur bestimmte Bereiche und es werden Blutkonserven, bestimmte Medikamente oder Behandlungsmethoden abgelehnt.
Dass eine Religionsgemeinschaft alle ärztlichen Behandlungen ablehnt, kenne ich in dieser Form nicht. Kann ich mir auch irgendwie nicht vorstellen, denn bei wohl fast jedem treten irgendwann einmal behandlungsbedürftige Dinge auf. Um welchen Glauben handelt es sich denn?
Aggressivität hat für mich nichts mit dem Glauben zu tun. Auch wer streng gläubig ist, muss doch nicht aggressiv werden. Ich habe schon manch gute Gespräche mit Anhängern von Religionsgemeinschaften geführt, ohne dass man einer Meinung war.
Aber wenn ein Außenstehender und entfernt Bekannter einem erklären möchte, wie man sein Leben zu leben hat, so reagiert darauf kaum jemand mit Begeisterung. Ich denke auch nicht, dass man in einer solchen Situation jemanden überreden kann. Man kann eventuell Denkanstöße liefern. Fragen stellen. Alternativen aufzeigen.
Die genauen Behandlungsmethoden sind direkt die Akupunktur und die Hypnose, die konkret abgelehnt werden. Allerdings sehe ich persönlich darin überhaupt keinen Sinn, denn beide Behandlungsformen machen ja bei vielen Erkrankungen Sinn. Welcher genaue Irrglaube steckt bei solchen Ablehnungen vielleicht dahinter? Ich kann mir die Sache mit logischen Argumenten wirklich nicht erklären. Könnt ihr euch solche Gedankengänge vorstellen?
In meinen Augen sind Akupunktur und Hypnose ebenfalls eher Glaubensangelegenheiten als Behandlungsmethoden für Krankheiten, auch wenn die Meinungen hier sicher weit auseinander gehen. Nach deiner ersten Schilderung dachte ich eher, dein Bekannter sei furchtbar krank, lehne aber Antibiotika, Infusionen oder ähnliche konventionelle Behandlungsmethoden aus religiösen Gründen ab. Aber wenn Hypnose helfen kann, geht es wohl doch nicht unmittelbar ans nackte Leben!
Ob es Religionen, Konfessionen oder Sekten gibt, die die oben genannten Behandlungen für ihre Anhänger pauschal verbieten, kann ich nicht sagen. Aber selbst als wenig religiöser Mensch halte ich Akupunktur und Hypnose (ehrlich gesagt) für unbewiesenen Humbug und würde mich einer solchen Behandlung erst unterziehen, wenn wirklich alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Vielleicht sieht das dein Bekannter ja ähnlich?
Soweit ich weiß, hat man noch niemanden als krank bezeichnet, weil er einen sehr strengen Glauben hat, obwohl das manchmal sicher nicht ganz unangebracht wäre. Ich habe ja nichts gegen Leute, die sich einem bestimmten Glauben verschrieben haben, weil es ihre Sache ist und ich das respektiere, aber bei gewissen Punkten ist es dann einfach nur noch übertrieben. So ein Punkt wäre in diesem Fall erreicht, bei dem sich dein Bekannter nicht medizinisch behandeln lässt.
Ich persönlich kenne solche Personen, die einen so ausgeprägten Glauben haben, nicht. Wenn du mich fragst, ist es schon fast sinnlos weiter auf ihn einzureden, denn er ist ja stur mit seinem Glauben verankert, da wirst du verbal nicht mehr viel erreichen. Am Ende habt ihr hier nur noch mehr Streit und die Bekanntschaft droht kaputt zu gehen. Hier muss man sich wohl oder übel fügen und ihm das ganze ertragen lassen, auch wenn das jetzt hier leicht gesagt ist. Vielleicht kommt er selbst mal zur Vernunft und sieht es ein, aber jeden Tag darauf rumzubohren wird nicht viel bringen. Es ist kein Wunder, wenn er dann aggressiv reagiert.
Eine Religion und ein Glaube haben definitiv große Auswirkungen auf die Psyche eines Menschen, aber diese wird mehr oder weniger anerzogen. Deswegen kann man es wohl nicht als Krankheit bezeichnen. Es wird nur sehr schwer gelingen einen Menschen davon abzubringen, wenn er selber nicht schon erkannt hat, dass er mit seinem Glauben oder seiner Religion nicht mehr im reinen ist. Da wird es auch der beste Psychiater nicht einfach haben den betreffenden Menschen umzustimmen. Manch einer würde das vielleicht als psychische Erkrankung der höchsten Stufe ansehen, aber das ist es nicht.
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