Sinn und Zweck von Dehnübungen
Ich habe seit längerem mal wieder starke Probleme mit meinem Rücken. Nun habe ich unter anderem auch Krankengymnastik, beziehungsweise Massagen verschrieben bekommen. Die Physiotherapeutin hat mir dann auch noch ein paar Übungen für daheim gezeigt. Ich mache auch regelmäßig die Übungen. Außerdem bringt mir mein Vater bei jeder sich bietenden Gelegenheit Anleitungen für irgendwelche Übungen mit. Immerhin schaue ich da mindestens mal rein. Das letzte Anleitungsheft enthielt ein paar nette Übungen, die ich mit übernommen habe.
In diesem Heft sind auch Dehnübungen enthalten. Auch meine Physiotherapeutin hatte mir Dehnübungen gezeigt. Nun verstehe ich aber den Sinn und Zweck dieser Übungen nicht? Mir ist klar, dass ich mit Übungen Muskel, vor allem Bauchbereich und im Rückenbereich stärken soll. Aber warum soll ich die Muskeln zusätzlich noch dehnen?
Ohje, also ich merke es ganz deutlich, wenn ich einen Tag mal nicht dehne. Ich sitze den ganzen Tag am Laptop in der Bibliothek, meistens sogar noch falsch (Schultern nach vorne und insgesamt vorn übergebeugt). Wenn ich, wie letzte Woche, wo ich mich nicht so gefühlt habe, zwischendurch nicht dehne, dann verspanne ich am Rücken total und bekomme Kopfschmerzen. Wenn ich dann eine Zeit dehne, dann lockert sich alles wieder und die Schmerzen gehen weg. Also: Dehnübungen sind dafür da, dass die Muskeln nicht steif werden und du durch Verspannungen keine Schmerzen bekommst.
Dehnübungen sind meist dazu gedacht Verletzungen von Muskeln durch plötzliche Überbeanspruchung vorzubeugen. Tatsächlich ist eine solche Funktion aber stark umstritten. Was dafür genau nachgewiesen wurde: Dehnübungen schwächen den Muskel kurzfristig bzw. machen ihn langsamer. Es ist ja auch logisch: Ist der Muskel ordentlich gedehnt, hat er dadurch mehr "Spiel" und reagiert insofern weniger genau auf eintreffende Aktionspotenziale. Meine ehemalige Sportlehrerin meinte dazu einst "Dehnübungen haben eher einen psychologischen Wert." und genauso sehe ich das auch: wenn man glaubt sich damit etwas Gutes zu tun - warum nicht?
Ich habe den Effekt von "Dehnübungen" auch am eigenen Leib erlebt: Wenn ich z.B. meine Finger allesamt im 90°-Winkel zum Handrücken hin ziehe, fühlen sich meine Finger dann beim Klavierspielen irgendwie wattig und gummimäßig an. Ich merke dann wirklich ganz eindeutig, dass die Finger insgesamt instabiler und "wackliger" werden, wodurch ich deren Bewegungen dann weniger genau kontrollieren kann, auch wenn es dabei objektiv um Millimeter gehen mag. Das einzig Sinnvolle ist meines Erachtens: richtiges Aufwärmen! Das reicht vollkommen um Muskelfaserrissen o.Ä. vorzubeugen und die Muskeln bleiben weiterhin wie gewohnt kontrollierbar.
Um den physiologischen Sinn der Dehnübungen verstehen zu können, muss man etwas weiter ausholen: Die funktionelle Einheit der Kontraktion besteht aus sogenannten Myofibrillen. Diese Myofibrillen beinhalten elektronenmikroskopisch erkennbare Strukturen, u.a. die kontraktionsessentiellen Elemente wie Aktin und Myosin. Durch das Aneinenadergleiten dieser beiden Proteine wird überhaupt eine Kontraktion ermöglicht - der Muskel zieht sich zusammen und die Summe der Myofibrillenverkürzungen ist die makroskopische Kontraktion.
Darüber hinaus gibt es das dehnbare, "federartige" Protein Titin, welches die Myosinproteine verankert. Bei der Dehnung wird sowohl der Überlappungsgrad der Aktion und Myosinproteine veringert - was per se gegen die Dehnung spricht - als auch die Dehnungsspannung der Titinproteine erhöht - was für die Dehnung spricht. Bei der Kontraktion werden Titinproteine nämlich wie eine Art Feder gedeht, weil sie die Myosinproteine fest verankern. Hat man sie aber vorgedehnt, ermöglich sie im Kontraktionsprozess das Aneinandergleiten von Aktin und Myosin viel leichter, sodass die Kontraktionsfähigkeit zunimmt.
Ich weiß, es ist etwas zu physiologisch geworden, aber im Grunde genommen ist das mit ein Grund, warum Dehnung empfohlen wird. Darüber hinaus gibt es aber auch natürlich Mythen, was Dehnung angeht, und unzählige Lügen, die verbreitet werden. Auf der anderen Seite gibt es aber auch weitere, durchaus logische und nachvollziehbare Gründe, warum Dehnung einen relativ hohen Stellenwert besitzt.
Dehnübung sind sehr wichtig, damit deine Muskeln nicht überdehnt werden. Wenn deine Muskeln überdehnt werden, dann spürst du einen Schmerz, wenn du das Körperteil bewegst. Fußballer machen vor dem Spiel oder vor dem Training auch immer Dehnübungen, damit sie sich nicht verletzten, weil sonst könntest du bei einem Spiel einen sehr starken Krampf bekommen oder einfach nur eine Überdehnung. Eine Überdehnung kann man beim Fußball ganz schnell bekommen.
Du brauchst einfach nur einmal falsch schießen und dann bekommst du schon eine Überdehnung, aber nur wenn du deine Dehnübungen nicht gemacht hast. Also deine Dehnübungen musst du auf jeden Fall weiter machen. Das tut dir nur gut auch wenn sich das komisch anhört, das man eine Überdehnung mit Dehnübungen verhindern kann.
@getku: Für mich ist das keineswegs "zu physiologisch". Ich verstehe nur nicht wie Du auf einmal "spricht für die Dehnung" kommst. Was ist deines Erachtens denn der Sinn einer Dehnung? Wem nützt die gesteigerte Kontraktionsfähigkeit? Durch die erhöhte Titit-Dehnungsspannung wird der Muskel nur langsamer und ungenauer. Das ist dann auch dadurch zu erklären, dass das Tititn länger braucht um das Aktin und Myosin wieder auseinanderzuziehen.
MasterOers hat geschrieben:@getku: Für mich ist das keineswegs "zu physiologisch". Ich verstehe nur nicht wie Du auf einmal "spricht für die Dehnung" kommst. Was ist deines Erachtens denn der Sinn einer Dehnung? Wem nützt die gesteigerte Kontraktionsfähigkeit? Durch die erhöhte Titit-Dehnungsspannung wird der Muskel nur langsamer und ungenauer. Das ist dann auch dadurch zu erklären, dass das Tititn länger braucht um das Aktin und Myosin wieder auseinanderzuziehen.
Was spricht denn für eine bessere Kontraktion? Ein Konstrukt, das auf Teufel komm raus das Myosin nicht gleiten lässt, oder ein vorgedehntes - um nicht zu sagen "ausgeleiertes", wobei der Begriff hier nicht negativ gemeint ist - Konstrukt, was das Myosin besser und leichter gleiten lässt? Das Zweite ermöglicht eine leichtere und vor allem schnellere Kontraktion.
Nicht umsonst sind insbesondere Muskelfaserrisse vermehrt vorzufinden, wenn man die Muskeln nicht korrekt und lang genug dehnt - weil eben der Anker sich fest dagegen wehrt, die Kontraktion so zu ermöglichen, wie es der Wille gerne möchte. Man könnte auch sagen, dass durch Dehnung die Beweglichkeit des Muskel erleichtert und sogar gesteigert wird, weil das Titin schneller nachgibt. Insbesondere bei kraftausdauerlastigen Sportarten ist Dehnung sehr wichtig, ist auch in einer Vielzahl der Literatur nachzulesen.
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