Wie und wann werden Herzrhythmusstörungen behandelt?

vom 25.04.2013, 21:44 Uhr

An welchen Symptomen Herzrhythmusstörungen erkennen? habe ich ja schon gefragt. Mich würde aber auch interessieren, wie man diese Herzrhythmusstörungen eigentlich behandelt? Muss man immer Medikamente nehmen und wie werden diese dann eingestellt? Könnten die Medikamente auch schaden? Oder sollte man bei Herzrhythmusstörungen einfach irgendwelchen Sport treiben, damit das Herz wieder im "normalen Takt" schlägt? Woher bekommt man Herzrhythmusstörungen?

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» supermami » Beiträge: 2317 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Natürlich kommt es immer darauf an, wodurch diese Herzrhythmusstörungen explizit verursacht werden. Da dies natürlich sehr schwer zu lokalisieren ist, wird, vor Allem hier in Deutschland, sehr gerne eine sogenannte Katheteruntersuchung durchgeführt. Dabei wird ein Dünner Schlauch in der Leiste in eine dicke Vene eingeführt, wodurch ebenfalls ein sehr dünner Metalltaster geschoben wird. Diese beiden werden von der Leiste bis an das Herz geschoben und mithilfe von Kontrastmittel werden in einer Röntgenaufnahme dann die genauen Verästelungen und allgemein die ganze Blutbahn sichtbar gemacht, wodurch wiederum der Fehler lokalisiert werden kann. Ist dieser dann gefunden, so kann der Metallstab erhitzt werden, wodurch man die gestörte Stelle im Herzen veröden kann, sodass diese eben wieder gleichmäßig im Takt schlägt.

Wie ich bereits angedeutet habe, wird diese "Untersuchung" europaweit in Deutschland am meisten durchgeführt, was natürlich schlicht und ergreifend falsch ist! Diese "Untersuchung" sollte nämlich, aufgrund ihrer hohen Risikorate nur bei akuten Herzinfarkten durchgeführt werden. Die Sterberate bei dieser Untersuchung, durch beispielsweise Herzkammerflimmern und Ähnliches, liegt bei ca 1% - 2,4%, das heißt, dass von 100 Patienten mindestens einer stirbt.

Da mich das Thema selbst betrifft, obwohl ich noch recht jung bin, regt mich die ganze Systematik ziemlich auf! Man möchte mit aller Gewalt diese Untersuchung durchführen, obwohl es eine viel schonendere Möglichkeit gäbe, nämlich eine Herz-Computertomographie, welche für den Patienten im Gesamten risikofreier verläuft, zumal keine Strahlenbelastung oder ein Eingriff in den Körper stattfindet. Der Haken an der Sache ist, dass die Krankenkassen diese Behandlung noch nicht in den einheitlichen Bewertungsmaßstab, kurz EBM, eingetragen haben, wodurch der Patient, sofern nicht privatversichert, ca. 700€ für die Behandlung bezahlen muss, da die Krankenkassen ihrerseits Befürchtungen vor einer Kostenexplosion haben, da nach einer Herz-Computertomographie eventuell ja noch ein Herzkatheter gelegt werden muss.

Um zum Thema zurückzukommen, ja Herzrhythmusstörungen lassen sich des Weiteren medikamentös behandeln, was aber anscheinend auch Risiken mit sich bringt, die ich jetzt leider nicht genau weiß. Ein Medikament in die Richtung, von dem jungen Leuten aber partout abgeraten wird, ist Beta-Blocker. Ansonsten gehe lieber mal zu einem Kardiologen, denn Herzrhythmusstörungen sind im Großteil der Fälle ein Vorzeichen eines akuten Herztodes! :!:

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» KingTarzan » Beiträge: 722 » Talkpoints: 0,49 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Eines vorweg: Nicht jede Herzrhythmusstörung ist potenziell Lebensbedrohlich und muss nicht zwangsläufig behandelt werden. Herzrhythmusstörungen (=HRS) werden nämlich vielfach unterteilt. Unter HRS versteht man nämlich u.a. Reizbildungsstörungen (RBS), Reizleitungsstörungen (RLS) und Tachykardien (=Herzfrequenz >100/min), die schlimmste Form ist wohl der plötzliche Herztod.

Zu den RLS gehören beispielsweise AV-Blöcke: Einen AV-Block 1.Grades haben nahezu alle Sportler, auch Menschen mit sportlichem Hintergrund haben meist einen AV-I° - das heißt aber nichts anderes als, dass die sogenannte PQ-Zeit im EKG verlängert ist (>200 ms). Unter Belastung verschwindet sie allerdings, insofern nicht Behandlungbedürftig. Erst ab AV-II° (wobei hier auch nochmal zwischen Wenkebach und Mobitz unterschieden wird) sollte man eine genauere Untersuchung in Betracht ziehen und schauen, wie hoch das Risiko eines AV-III° ist, denn hier können sich lebensbedrohliche Zustände entwickeln. Unter anderem besteht hierbei die Therapie in der Einlage eines Schrittmachers, insbesondere beim AV-II° und AV-III°, wenn die Symptomatik sehr stark ist.

Tachykardien sind besonders Symptomreich, die Erstsymptomatik wird entweder vom Patienten nicht wahrgenommen oder aber sie ist sofort so etwas wie Herzrasen oder Herzstolpern, dem man auf jeden Fall nachgehen sollte. Hier besteht die primäre Therapie nach der endgültigen Diagnose in der medikamentösen Therapie, eine Katheterintervention ist nicht unbedingt notwendig - bei einigen, nicht allen, tachykarden HRS wäre er allerdings indiziert und kann in >90% Fällen zur endgültigen "Heilung" führen (z.B. beim Vorhofflimmern mittels Lungenvenenablationstherapie). Ein erfahrener Kardiologe kann am EKG so einiges ablesen und mit Hilfe dessen die weiteren Schritte dann einleiten. Die Medikamente, die als sogenannte Antiarrhythmika gelten, haben den sehr ungünstigen Nachteil, dass sie in einigen Fällen selbst proarrhythmogen wirken (können). Insofern muss auch hier überlegt werden, wie man genau behandelt. Insofern wäre bei solchen Sachen ein Besuch beim Facharzt nahezu unumgänglich.

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» getku » Beiträge: 883 » Talkpoints: 11,06 » Auszeichnung für 500 Beiträge



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