Aus Angst vor Ergebnis nicht beim Arzt anrufen?
Person A hat beim Arzt einen Bluttest gemacht und soll nun am nächsten Tag dort anrufen, um das Ergebnis zu erfahren. Nun schiebt Person A den Anruf aber auf, aus Angst, was das Blutbild ergeben hat. Inzwischen sind schon drei Tage vergangen, und Person A hat noch nicht beim Arzt angerufen.
Könnt ihr ein solches Verhalten nachvollziehen? Ging es euch schon einmal ähnlich? Wie kann es sein, das Person A so sehr Angst vor dem Ergebnis hat? Es wäre ja nur die Benennung des Problems, woraufhin sogar eine Behandlung folgen würde, also eigentlich nur Besserung.
Es lebt sich manchmal eben schwer mit einer konkreten Diagnose. Ich hatte auch mal eine Untersuchung und dann musste das Ergebnis vom Facharzt bestätigt werden. Bis dahin hielt ich mich daran fest, dass ich das sicherlich nicht habe. Es war aus Selbstschutz und Angst, krank zu sein. Ich denke aber, dass man dann eh damit leben muss und sich deswegen dazu aufraffen sollte. Krankheiten, die rechtzeitig gefunden werden, können auch behandelt werden. Es ist schwer, aber A sollte anrufen, um Gewissheit zu bekommen. Vielleicht ist ja auch gar nichts und dann hat sich A umsonst Sorgen gemacht.
Mir würde es viel schlechter dabei gehen, wenn ich nicht wüsste, was das Ergebnis des Bluttestes ist. Die Ungewissheit wäre für mich am schlimmsten und ich würde wohl auf heißen Kohlen sitzen, bis ich endlich beim Arzt anrufen und nach dem Ergebnis fragen kann. Daher verstehe ich das Verhalten von Person A nicht.
Aber ich habe schon häufiger gehört, dass manche Leute durch so ein Verhalten meinen, dass sie eben vor unschönen Ergebnissen geschützt sind. Was sie nicht wissen, kann sie quasi nicht verrückt machen oder ängstigen. Aber bei mir wäre es eher andersherum der Fall.
Das Problem ist mir nicht bekannt und verständlich ist es natürlich auch nicht. Auch wenn man diese Angst nur dann haben kann, wenn man selbst schon vermutet, dass es eine Möglichkeit gibt, ernsthaft erkrankt zu sein. Wer z.B. ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte und später feststellt, dass die Person HIV Positiv ist, wird so einen Bluttest natürlich machen und mit einem mulmigen Gefühl das Ergebnis erwarten. Aber den Anruf hinauszuzögern macht keinen Sinn, weil es das Ergebnis nicht verändert und man selbst die "gewonnene" Zeit nicht unbeschwert genießen kann.
Nachvollziehbar wäre in so einem Fall eher der Umstand, so ungeduldig zu sein, dass man den Arzt mehrfach anruft, noch bevor der die Ergebnisse der Analyse zur Hand hat. Also ein Vorpreschen ist für mich eher denkbar, weil man letztlich doch mit der Gewissheit besser umgehen kann, als mit der Ungewissheit und der ständig unterschwelligen Katastrophendrohung.
Das Verhalten ist mit dem von Menschen vergleichbar, die ihre Rechnungen zum Beispiel nicht öffnen, weil sie deren Inhalt scheuen. In beiden Fällen geht es darum, etwas hinauszuzögern, ohne dass sich das Problem damit lösen lässt. Im Gegenteil - durch dieses Hinauszögern kann sich die Situation auch noch verschlimmern. Im konkreten Fall, der von dir geschildert wurde, könnte es ja theoretisch auch so sein, dass eine unverzügliche Behandlung beginnen sollte, die durch den ausbleibenden Anruf natürlich auch weiter hinausgezögert wird.
Ich persönlich bin bei solchen Dingen viel zu neugierig, so dass ich direkt anrufen würde, um das Ergebnis zu erfahren. Ich würde hingegen den Anruf höchstens dann hinauszögern oder vergessen, wenn ich davon ausgehen würde, dass ich nichts habe. Wenn diese Neugier auf das Ergebnis also nicht vorhanden ist, könnte es passieren, dass ich nicht so schnell anrufe. Wenn ich aber unsicher bin, würde ich so schnell wie möglich zum Telefon greifen.
Ich habe aber schon von Leuten gehört, denen es ähnlich ging wie Person A. Da spielte dann das leugnen der möglichen oder bereits diagnostizierten Erkrankung eine Rolle. Solange die Leute sich nicht mit diesem Thema beschäftigen, haben sie vielleicht das Gefühl, dass alles in Ordnung ist und dass sie sich keine Sorgen machen müssen. Für mich wäre diese Ungewissheit nichts, weil ich mir dann erst recht Sorgen machen würde, aber manche ticken da eben ganz anders.
Ich kann ein solches Verhalten nicht unbedingt verstehen, denn Person A ist ja genau wegen dieser Blutuntersuchung zum Arzt gegangen, um dann zu wissen, ob etwas mit den Werten nicht in Ordnung ist. Es wre also recht unsinnig, nicht beim Arzt anzurufen. Die Angst von Person A wird sicherlich auch nicht besser, wenn man den Anruf unnötig verzögert. Sollte das Ergebnis positiv für Person A sein, hat sie sich unnötig Sorgen gemacht. Sollte es hingegen negativ bestätigt sich ja eigentlich nur das, was A schon die ganze Zeit denkt. Sollte sich dieses Ergebnis bewahrheiten, muss man schauen, wie man damit klar kommt bzw. mit dem Arzt sprechen, was man in dieser Situation machen kann.
Ein solches Verhalten ist mir nicht völlig unverständlich und ich würde dann entweder von einer stark depressiven Phase dieser Person ausgehen oder von einer Reihe von Enttäuschungen, wie sie z. B. bei Langzeitarbeitslosen nach 200 bis 300 Absagen oder Personen, die jahrelang sterbenskranke Menschen betreuen, vorkommt.
Solch eine Person gehört für mich in qualifizierte Behandlung und auf gar keinen Fall würde ich dieser Person Vorwürfe machen, sondern eher fragen, was los ist.
Ich kann es nicht verstehen, war diese Person nicht extra beim Arzt, um zu klären, woher die Probleme kommen? Verstehen kann ich, wenn jemand gar nicht erst zum Arzt geht mit gesundheitlichen Problemen, um unschöne Wahrheiten nicht zu hören. Aber dass jemand erst hingeht und dann das Ergebnis nicht wissen möchte ist mir so noch nie untergekommen.
Die Person sollte wirklich beim Arzt anrufen um zu erfahren, was Sache ist. Ich musste damals so viele Untersuchungen über mich ergehen lassen und habe jedes Mal gehofft, dass die Krankheit endlich einen Namen hat und behandelt werden kann. Als es endlich soweit war, fiel mir ein Riesenstein vom Herzen. Mit der Ungewissheit lebt es sich viel schlechter, als mit einer Krankheit, die einen Namen hat. Denn behandelbar ist nur, was bekannt ist.
Ich kann das schon verstehen, dass man kritische Dinge aufschiebt. Ist es aber nicht üblich, dass Ärzte, wenn ein schlechter Befund da ist, selber anrufen? So kenne ich das jedenfalls, dass der Arzt sofort, wenn er von einem Behandlungsbedarf weiß, initiativ zum Hörer greift und man dann, wenn der Arzt sich nicht meldet, eher davon ausgehen kann, dass nichts Schlimmes vorliegt.
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