Viele Ketone im Urin

vom 13.08.2010, 21:14 Uhr

Kann mir einer von euch bitte sagen was es auf sich hat wenn man sehr viele Ketone im Urin hat? Ich habe das von meinem Arzt gehört aber er hat es nicht für nötig befunden mir das näher zu erklären.

Es klang auch nicht dramatisch aber ich würde schon gern wissen was das ist und ob das ein Zeichen für eine Krankheit ist. Sicher gibt es unter euch auch Leute die sich damit auskennen oder die beruflich damit zu tun haben und die mir das mal erklären oder mir zeigen wo ich das nachlesen kann.

» ImbA » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »



An sich kann ich nicht ganz verstehen, warum du nicht auf eine Erklärung gepocht hast. Ich habe mich nun mal für dich zu dem Thema belesen. Kretone sind laut der Internetseite jameda.de Stoffwechselprodukte, die beim Abbau von Fett anfallen und die dann im Urin ausgeschieden werden. Nun macht es einen Unterschied, ob du Diabetiker bist oder nicht. Bei Diabetikern würden nun die Alarmglocken angehen, weil man dann zu wenig Insulin hat und Gefahr läuft, dass man ins Koma fällt.

Bei "normalen" Patienten ist das aber nicht der Fall. Hier können zwar angeborene Stoffwechselerkrankungen vorliegen, aber es kann auch einfach daran liegen, dass man eine Schilddrüsenüberfunktion hat oder im einfachsten Fall Hunger. Sicherlich wird der Arzt in so einem Fall noch mal ein Urintest machen, um zu sehen,
ob alles in Ordnung ist.

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» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge


Ketone sind Abbauprodukte des Fettstoffwechsels (hauptsächlich Acetessigsäure, Betahydroxybuttersäure und vor allem Aceton). Sie entstehen vermehrt, wenn im Organismus der Kohlenhydratstoffwechsel hinter dem Fettstoff- wechsel zurücktritt, gehen dann in großer Menge ins Blut über und ein Teil wird schließlich mit dem Urin ausge- schieden. Der medizinische Fachausdruck dafür ist Ketonurie.

Eine Ketonurie kommt beim Gesunden normalerweise nicht vor, jedoch können auch sie Ketone mit dem Urin aus- scheiden, wenn sie fasten, sich körperlich sehr anstrengen oder sich fettreich ernähren. Weitere Ursachen sind längerdauerndes Erbrechen (z.B. in der Schwangerschaft), Fieber, starke Verletzungen oder Operationen und Stoff- wechselstörungen, wie sie z.B. beim Diabetes mellitus vorkommen (wenn aber zwar Ketone, aber keine Glucose mit dem Urin ausgeschieden werden, ist ein Diabetes mellitus unwahrscheinlich). Bei der sog. Zuckerkrankheit kann es aufgrund Insulinmangels (Typ 1) oder Nichtansprechen der Zellen auf Insulin (Typ 2) zu einer Störung des Glycogenstoffwechsels in der Leber kommen. Bei dessen Versagen führt der hohe Anstieg der Ketone im Blut dazu, dass sie nicht in genügendem Ausmaß ausgeschieden werden können und es kommt im schlimmsten Fall zum diabetischen Koma. Bei Diabetikern ist deshalb eine Ketonurie stets ernstzunehmen.

Auch die Einnahme bestimmter Medikamente wie Azetylsalizylsäure (ASS, Aspirin ...) oder Streptozocin (Zytostati- kum) kann zu einer Ketonurie führen. Außerdem stören einige Arzneimittel wie Azetylsalizylsäure, Captopril (Herzmedikament, Blutdrucksenker), N-Acetylcystein (ACC, Schleimlöser) oder Valproinsäure (Antiepileptikum) den Urintest auf Ketone und führen so zu falsch positiven Ergebnissen.

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» Vega » Beiträge: 207 » Talkpoints: 137,19 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Ketone sind, um vereinfacht auszudrücken, Energielieferanten, wenn der Körper - aus welchem Grund auch immer - Zucker nicht verwerten kann (z.B. beim Diabetes Typ 2) bzw. Zucker erst gar nicht zur Verfügung steht (z.B. beim Fasten). Die Glykogenvorräte des Körpers reichen ungefähr bis zu 24 Stunden, alles, was darüber hinaus geht, läuft dann letzlich über die Ketone.

Der Grund, wieso die Energieversorgung über die Ketone läuft, ist folgender: Glucose ist normalerweise der Energielieferant Nummer 1, insbesondere für das Gehirn. Das Gehirn hat einen durcschnittlichen Glucosebedarf von rund 120 Gramm. Steht nun aus irgendeinem Grund nicht genügend Glucose zur Verfügung, wird auf Fette umgeschaltet. Das Problem bei den Fetten ist aber der, dass ihr Abbau innerhalb der Zelle in einem Stoffwechselprodukt mit Acetyl-CoA endet. Dieses Produkt kann nicht aus der Zelle transportiert werden. Um das zu schaffen, wird Acetyl-CoA in einigen Schritten zu Ketonsäuren prozessiert, die raustranportiert und den Gehirnzellen zur Verfügung gestellt werden können, denn nach Glucose deckt das Gehirn z.B. beim Fasten den Energiebedarf über Ketonsäuren ab. Diese sind logischerweise dann auch im Blut bzw. im Urin nachweisbar.

Ketone sind bei Gesunden eigentlich nicht im Urin nachzuweisen. Allerdings variieren da die Laborwerte, je nachdem können minimale Werte toleriert werden, ohne, dass großartig was dahinterstecken muss. Ich an deiner Stelle hätte den Arzt schon danach gefragt, was es nun damit auf sich hat. Immerhin hat er die Pflicht den Patienten stets aufzuklären.

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» getku » Beiträge: 883 » Talkpoints: 11,06 » Auszeichnung für 500 Beiträge



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