Gibt es in Europa verschiedene Melatonin Präperate?

vom 09.03.2013, 04:03 Uhr

Während man Melatonin-Präperate in anderen Ländern wie den USA überall als Nahrungsmittelergänzung findet, gibt es in Deutschland ein einziges Melatonin-Medikament, welches vielen Ärzten aber völlig unbekannt ist. Und wenn sie es kennen, bestehen teilweise keine Erfahrungen damit und Ärzte haben Hemmungen dieses zu verschreiben. Circadin ist jedoch verschreibungspflichtig und muss zudem von Patienten unter 55 Jahren immer privat gezahlt werden. Weiß jemand, ob es neben Circadin noch andere Melatonin-Präperate gibt?

Da mir Ärzte bisher wenig weiterhelfen konnten, habe ich selbst einmal versucht nähere Informationen zu bekommen und stieß dabei bei wikipedia auf einen Absatz über Melatonin als Zusatz in diätischen Lebensmitteln:

Solche Lebensmittel sind als „ergänzende bilanzierte Diäten“ in einigen Ländern der Europäischen Union (z. B. Österreich) inzwischen mit bis zu 5 mg Melatonin pro Kapsel von verschiedenen Herstellern erhältlich.
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Weiß jemand aus Österreich vielleicht näheres darüber? Um welche Waren handelt es sich dabei? Und wo bekommt man sie? Gibt es andere Präparate in europäischen Nachbarländern?

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» Trisa » Beiträge: 3323 » Talkpoints: 38,55 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Wir haben in der Apotheke schon mal Melatonin- Präparate von der Firma VitaBasix bestellt, die meines Wissens ihren Sitz in den Niederlanden hat. Bei dieser Firma werden Melatonin- Präparate in verschiedenen Stärken angeboten, wir haben es schon mit 3mg und 5mg für unsere Kunden bestellt. Allerdings sind auch diese Präparate in Deutschland verschreibungspflichtig und ich denke nicht, dass Ärzte sie unbedingt lieber verordnen als das von dir genannte Circadin.

» Barbara Ann » Beiträge: 28946 » Talkpoints: 58,66 » Auszeichnung für 28000 Beiträge


In der roten Liste von 2011 ist Circadin als einziges Melatonin-Präparat angeführt, ich kenne auch keine anderen, muss sich sagen. Auch mein Hausarzt kannte kein Melatonin-Präparat, auch das Circadin nicht. Erst, als ich ihn darauf ansprach, dass es in der roten Liste steht, hat er es mitbekommen.

Auf das Circadin kamen wir zu sprechen, als eine Patientin ihn darauf ansprach, ob er denn nicht Melatonin verschreiben könnte, weil sie nachts massive Schlafprobleme hätte und sie in einer Zeitschrift gelesen hätte, dass das Melatonin den Schlafprozess unterstütze. Als ich wie gesagt meinen Hausarzt darauf ansprach, dass es ein Präparat namens Circadin gibt und er der Patientin die Nebenwirkungen aufzählte, lehnte sie es plötzlich strikt ab.

Ich persönlich halte von noch relativ unbekannten Hormonen wenig, wenn sie explizit exogen zugeführt werden. Ich weiss nicht, ob es große Studien zu Melatonin gibt, was es genau macht, was für Nebenwirkungen in erster Linie im Vordergrund stehen, etc.

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» getku » Beiträge: 883 » Talkpoints: 11,06 » Auszeichnung für 500 Beiträge



@getku Dein Hausarzt kannte das Präparat nicht, aber konnte einer Patientin sämtliche Nebenwirkungen aufzählen? Natürlich stehen diese in Beipackzetteln, die man auch online ansehen kann. Aber wenn ein Arzt ein Medikament nicht kennt, finde ich es schon fragwürdig, wenn er direkt negativ darüber urteilt. Was ist die "rote Liste"?

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» Trisa » Beiträge: 3323 » Talkpoints: 38,55 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Trisa hat geschrieben:@getku Dein Hausarzt kannte das Präparat nicht, aber konnte einer Patientin sämtliche Nebenwirkungen aufzählen? Natürlich stehen diese in Beipackzetteln, die man auch online ansehen kann. Aber wenn ein Arzt ein Medikament nicht kennt, finde ich es schon fragwürdig, wenn er direkt negativ darüber urteilt. Was ist die "rote Liste"?

Er kannte das Medikament nicht, in der Tat. Die Nebenwirkungen konnte er aber dennoch aufzählen, da alle sämtlichen Informationen über den Wirkstoff auf dem Bildschirm erscheinen, sobald man nach dem Medikament sucht. Es liegt dann praktisch der Beipackzettel direkt am Bildschirm des Arztes in digitaler Form vor. Aber nicht der Arzt hat über das Medikament ein negatives Urteil gefällt - zumal ihm Ergebnisse möglicher Langzeitstudien nicht bekannt waren und er das Präparat scheinbar gar nicht kannte-, sondern die Patientin selbst war nach dem Aufzählen der Nebenwirkungen nicht mehr so begeistert davon. Klar, auch sehr seltene Nebenwirkungen waren mit angegeben, wie bei jedem anderen Medikament auch, aber irgendwie haben sie sie erschreckt. :)

Die rote Liste eine Art Buch mit allen sämtlichen Arzneimittelinformationen - in erster Linie geht es dabei um Arzneimitteln, die in Deutschland erhältlich sind. Soweit ich weiß, sind aber auch einige, EU-weit zugelassene Medikamente angegeben, bin mir in den Details aber nicht sicher. Wenn du diesbezüglich mehr Informationen haben möchtest, kannst du gerne hier auf der Homepage nachschauen.

Aber generell bin ich persönlich skeptisch bei sämtlichen exogenen Hormonen, sofern sie nicht zur Behandlung chronischer Erkrankungen in Erwägung gezogen werden. Wie gesagt, ich selbst hätte der Patientin abgeraten das Medikament zu nehmen, weil man insbesondere Schlafprobleme auch mit ganz anderen Therapiemöglichkeiten sehr gut in den Griff kriegen kann. Auf der anderen Seite sind aber auch mir mögliche Langzeiteffekte (bzw. -nebenwirkungen) unbekannt, vielleicht gibt es auch Indikationen, wo der Einsatz von Melatonin das Mittel der Wahl ist, was ich mir aber nicht vorstellen kann. Lasse mir aber gerne eines besseren belehren.

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» getku » Beiträge: 883 » Talkpoints: 11,06 » Auszeichnung für 500 Beiträge


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