Lange Krankschreibungen, wie geht euer Betrieb damit um?
Angeregt durch diese Fragestellung
Wie lange dauerte eure längste Krankschreibung? fiel mir wieder ein dass ich vor einigen Wochen durch Zufall eine Aufstellung meines Vorgesetzten im Kopierer fand auf der er eine Zusammenfassung der Krankentage aller Kollegen des letzten Jahres notiert hatte. Ob nun Zufall oder Absicht dieses Fundes im Spiel war, die Aufstellung hatte mich echt erschüttert. Ich wusste dass es da einige Experten gibt die ständig einen Krankenschein parat haben, aber dass es so viele sind war einfach unglaublich.
Spitzenreiter war eine Kollegin mit 106 Krankentagen, gefolgt von einem Kollegen mit 79, dann kommen drei Kollegen mit ungefähr 50 Ausfalltagen. Dahinter dicht gedrängt das Mittelfeld mit auch noch ziemlich vielen Krankschreibungen. In diesem Jahr hat es eine Kollegin bereits auf über 40 Krankentage gebracht, unterbrochen von einem einzigen Arbeitstag. Wir haben heute den 22. Februar und ihr Krankenschein gilt erst einmal bis zum 27., da drin steckt also noch viel Potential.
Ich will nicht einmal die Rechtmäßigkeit der Krankschreibungen in Frage stellen, wobei ich aber doch immer öfters meine Zweifel habe ob nun wirklich das alles der Wahrheit entspricht. Soweit ich weiß wird bei den Kollegen viel auf Rücken diagnostiziert obwohl wir hier keine körperlich anstrengenden Arbeiten ausführen, einer verletzt sich ständig selber und das meistens an seinem letzten Urlaubstag und ein anderer steht kurz vor dem Rentenalter und er sagt auch dass er die Zeit nur noch irgendwie durchstehen will. Gut, hier sind alle Kollegen schon etwas älter, die jüngsten werden im nächsten Jahr alle 50 Jahre. Im Alter ist man nun nicht einmal mehr so fit und steckt alles so leicht weg wie mit 18.
Ich wundere mich aber dass mein Betrieb da augenscheinlich nichts unternimmt. Wir sind hier vielleicht 20 Leute, davon ein Großteil ständig abwesend. Die Arbeit muss natürlich trotzdem erledigt werden, das ist ja auch jedem klar. Wir sind fast alles Beamte, deshalb schwebt bei langen Erkrankungen auch über jeden von uns das Damoklesschwert der frühzeitigen Pensionierung. Das bedeutet nichts anderes als ein Ausscheiden aus dem Dienst bei 50 Prozent der Bezüge (so ungefähr jedenfalls). So etwas ist aber wahrscheinlich nur sehr schwierig durchzuführen weil sich naturgemäß die Mitarbeiter dagegen wehren und Rechtsmittel einlegen. Es ist ja auch bequemer bei vollen Bezügen alles auszusitzen und so ein Amtsarzt der das alles begutachten muss hat ja auch einen Ruf zu verlieren.
Als einzige Konsequenz die mir bekannt ist wurde ein Brief mit Hilfe des Personalrates und der Personalstelle erarbeitet in dem man Hilfe und Gespräche anbietet. Dieser wird automatisch nach sechs Wochen Krankschreibung verschickt und manche haben schon eine ordentliche Sammlung davon. Ein Kollege wurde vor einiger Zeit sogar verdonnert vor jeder Krankschreibung sofort zum Amtsarzt zu gehen, das wurde aber wieder gekippt weil unser Chef die Befugnisse nicht hatte und es auch nicht zumutbar war bei Krankheit mit dem Auto 60 Kilometer weit zu fahren.
Mich würde einmal interessieren ob es in euren Unternehmen ähnliche Probleme gibt und wie damit im Allgemeinen umgegangen wird.
In einem solchen Fall sollten sich die Chefs einmal an die eigene Nase fassen, ob sie denn für ausreichend gute Arbeitsbedingungen und ein gutes Betriebsklima sorgen. Bei uns gab es zwar auch Krankmeldungen, aber bei Weitem nicht so viele. Das Betriebsklima war so gut, dass wir wussten, welche Krankheiten die Leute hatten, und uns auch nach den Genesungsfortschritten erkundigten. Auch Krankenhausbesuche wurden durchgeführt, selbst vom Chef. Wenn das Betriebsklima stimmt, kommen so häufige Krankmeldungen nicht vor.
Bei uns gibt es zwar keine langen Krankmeldungen aber dafür recht gehäuft... also bei uns sind sehr viele immer mal wieder "krank". Ich denke mal, dass es das schlechte Klima bei uns ist, also Betriebsklima und die langweilige Arbeit! Aber irgendwie juckt es hier keinen so richtig. Aber mal schauen wie lange noch, da unser Chef dem HR ja erklären muss, weshalb bei uns so viele ständig immer mal wieder krank sind. Lange geht das auch nicht mehr gut!
Bei uns kommt es ganz darauf an, wie man das angeht. Wenn jemand mehrere Einzeltage krank ist, dann wird schon mal ein Gespräch geführt. Jedoch muss man dazu sagen, dass kein Mitarbeiter sagen muss, was er hat, das steht so im Gesetz. Soweit so gut. Man kann also Gespräche führen, möchte der Mitarbeiter aber nicht rausrücken, ist man damit auch nicht unbedingt weiter.
Hat jemand eine längere Erkrankung, dann weiß der Vorgesetzte zumeist um was es geht. Und längere Erkrankungen haben ja auch einen schwerwiegenden Hintergrund. Deshalb wird bei uns niemand nach 6 Wochen zum Gespräch gebeten, was ist das bitte für eine Praxis? Es gibt zahlreiche Erkrankungen, die können einen monatelangen Ausfall nach sich ziehen und es ist meiner Meinung nach eine Zumutung für einen kranken Menschen, auch noch zum Appell ins Geschäft erscheinen zu müssen. Das geht gar nicht. Verboten ist es zwar nicht, aber richtig finde ich das nicht.
Meiner Meinung nach sollte man eher diejenigen verfolgen, die sich mit dem Krankschreiben einen Spaß erlauben und einfach zu Hause bleiben weil sie keine Lust haben zu arbeiten. Von der Sorte gibt es genügend, aber die, die länger als 6 Wochen krank geschrieben werden, gehören da sicher nicht dazu.
Wir hatten in unserer Firma mal einen Kollegen, der auch in der Produktion gearbeitet hat, aber überwiegend als Fahrer angestellt war. Und der hatte auch extreme Probleme mit seinem Rücken und war deshalb öfter mal krank. Ich glaube, das längste waren mal drei Wochen, also nie wirklich lange, aber dafür eben öfter.
Und ich habe auch ab und zu Gespräche mitbekommen, in denen der Chef zwar irgendwo Mitleid geäußert hat, aber man konnte auch gut eine gewisse Genervtheit heraus hören, so nach dem Motto, der besagte Mitarbeiter ist schon wieder krank. Und als sich abzeichnete, dass unsere Firma auch von der Finanzkrise betroffen sein wird, war er auch einer der Kollegen, denen dann gekündigt wurde.
Ich denke auch dass solche langen Krankschreibungen viel mit den Arbeitsbedingungen zu tun haben könnten. Sicherlich gibt es auch persönliche Befindlichkeiten, aber so etwas steht dann im Vordergrund oder wird meiner Vermutung nach auch oft vorgeschoben. Ich wollte ja mit meiner Frage im Prinzip auch gleich noch herausbekommen ob wir da ein Einzellfall sind oder ob so etwas häufiger vorkommt.
Wir haben hier im Amt eigentlich nichts auszustehen. Es ist schön hell, sauber und wir sitzen im Warmen. Der Feierabend ist pünktlich und die Bezahlung kommt auch regelmäßig. Die Computertechnik ist neu, meistens ist es uns auch überlassen wie wir unsere Arbeit erledigen um an das Ziel zu kommen. Wer nicht gerade die goldenen Löffel klaut der müsste es eigentlich bis zur Pensionierung aushalten können ohne ständig krank zu sein. Was hier tief an Frust sitzt sind die fehlenden Beförderungsmöglichkeiten und die wirklich geringen Bezahlungen des mittleren Dienstes. Zwanzig Jahre keinerlei Aufstieg, egal ob absoluter Überflieger oder Dumpfbacke, zehrt doch etwas. Sicherlich mag das für einige Jammern auf hohem Niveau bedeuten und ich sehe das zum Teil auch so, aber für mich ist es eben die fehlende Anerkennung die eventuell krank macht.
Wir sind hier auch total überaltert. Ein Wirtschaftsbetrieb würde sofort Pleite gehen wenn er nicht rechtzeitig an seinem Nachwuchs arbeitet und das Durchschnittalter senkt. Sicherlich wird man dann auch länger und vor allem schneller krank geschrieben. Aber so richtig kann ich mir das trotzdem immer noch nicht so richtig erklären. Meine Chefin erklärte neulich dass sie keinerlei Möglichkeiten habe um meinetwegen Kontrollen durchzuführen. Diese angedrohten Gespräche mit den Krankenschein-Experten finden wir aber alle albern oder zumindest grenzwertig.
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