Tipps um einen Nichtesser zum Essen bewegen zu können

vom 22.12.2012, 00:46 Uhr

Ich pflege meine Schwiegermutter, sie ist 63 Jahre alt und hat innerhalb des letzten Jahres über 10 Kilogramm abgenommen. Da sie regelmäßig zur Blutwäsche muss, ist dies natürlich auch den Ärzten aufgefallen. Im Gespräch mit dem Oberarzt hat dieser mir gesagt, dass meine Schwiegermutter mittlerweile zu dünn ist und sie unbedingt mehr essen muss.

Da sie in meinem Haushalt lebt, fühle ich mich gewissermaßen dafür verantwortlich, dass sie nicht weiter abnimmt. Also kümmere ich mich darum, dass sie regelmäßig und ausgewogen isst. Doch so einfach ist das gar nicht, denn sie versucht sich oft mit allen Mitteln und Wegen darum zu drücken.

Ein Beispiel: Es gab neulich Abends Reis, Gyros und Salat. Sie bekam eine Kinderportion, allerdings mit der klaren Anweisung diese aufzuessen. Es war ein Kampf, ständig kam sie mit neuen Ausflüchten, warum sie schon satt sei, erzählte mir wie groß doch die Portion wäre und dass sie eben nicht mehr könne.

Ich bin bei so etwas mittlerweile sehr hart, sage ihr, dass für mich das Argument nicht zählt, dass sie aufzuessen hat oder ich ihr sämtliche Zigaretten und andere Annehmlichkeiten wegnehme für den Abend. Auf das Jammern gebe ich nichts, kann nicht, gibt es nicht, so sage ich ihr das immer und immer wieder. Mit vielen Seufzern und viel Geduld führen solche Diskussionen dann meist dazu, dass sie doch ihren Teller leer isst, aber es vergeht mindestens eine Stunde Zeit und ich verlieren jedes Mal einige meiner Nerven mehr.

Was kann ich denn tun, dass sie mehr isst? Sie frühstückt beispielsweise fast nie, nimmt lediglich ihre Tabletten und raucht dazu. Mittags isst sie ein oder zwei Scheiben Toastbrot und dann erst wieder am Abend die warme Mahlzeit. Es macht mich von Mal zu Mal wütender, wie ein erwachsener Mensch, der sich dem Problem Untergewicht bewusst ist, nicht in der Lage ist, sich die vorgegebene Portion reinzuzwingen.

Möglicherweise klingt das alles sehr gemein und menschenunwürdig von mir, doch sie braucht die regelmäßige Nahrung, da der Körper die Dialyse sonst nicht gut übersteht. Ich habe auch schon auf emotionale Erpressung gesetzt, nach dem Motto, wenn sie nicht isst, füttere ich auch die Katzen nicht. Das funktioniert zwar, aber nur mit Tränen und Ärger, was ich gern vermeiden möchte.

Habt ihr Tipps, wie man einen Nichtesser zum essen bewegen kann? Kennt ihr das Gefühl, dass ihr einfach nicht mehr könnt? Ist meine Einstellung zu rabiat, wenn ich sage "geht nicht, gibt es nicht", wenn es sich um normale Portionen handelt?

» Jess0708 » Beiträge: 715 » Talkpoints: 47,47 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Doch so einfach ist das gar nicht, denn sie versucht sich oft mit allen Mitteln und Wegen darum zu drücken.


Anstatt sie zum Essen zu zwingen, würde ich mal nach den Gründen suchen, warum sie nichts essen mag. Alter Leute verlieren manchmal den Geschmackssinn, vielleicht ist das auch bei ihr der Fall. Denn wenn ich nichts schmecken würde, dann hätte ich sicherlich auch sehr wenig Appetit. Zudem äußern sich Depressionen im Alter gerade durch Appetitlosigkeit. Hier könnte man ja entgegensteuern, wobei bei alten Menschen meist Antidepressiva und weniger eine Therapie zum Einsatz kommen, aber das muss ja nichts Schlechtes sein. Ist sie denn öfters etwas niedergeschlagen oder hat zu nichts so richtig Lust? Das kann der Hausarzt auch mal abklären.

Letztendlich muss man aber auch sagen, dass es zum Alter dazu gehört, dass der Appetit ein Stück nachlässt, das ist in gewissem Umfang auch normal. Es gehört zur natürlichen Entwicklung, dass Menschen im Rentenalter weniger essen möchten, gerade wenn der Körper sehr schwach ist. Dies ist ein Teil der Vorbereitung auf das Sterben – das nennt sich Terminal Decline. Zwar sind 63 Jahre noch relativ jung, aber wenn sie zur Dialyse muss, dann scheint es ihr ja schlecht zu gehen. Man muss Menschen nicht mit allen Mitteln zwingen, weiterzuleben. Nicht jeder will und kann 100 werden.

Ich würde Dir raten, erst einmal die Gründe abzuklären, warum sie nichts isst. Wie ist es mit mit ihrem Geschmackssinn, wie ist die Stimmung allgemein, ist sie vielleicht auch etwas dement oder ist eine eventuelle Diabetes-Erkrankung schlecht eingestellt, tut etwas weh beim Schlucken? Wenn man hier etwas findet, das man sinnvoll beheben kann, dann sollte man das tun. Wenn man aber nichts findet und die Dame auch noch „klar im Kopf“ ist und die Appetitlosigkeit eben „von ihr aus kommt“ und nicht von einer Krankheit, dann würde ich sie nicht zum Essen zwingen.

Ich bin bei so etwas mittlerweile sehr hart, sage ihr, dass für mich das Argument nicht zählt, dass sie aufzuessen hat oder ich ihr sämtliche Zigaretten und andere Annehmlichkeiten wegnehme für den Abend. Auf das Jammern gebe ich nichts, kann nicht, gibt es nicht, so sage ich ihr das immer und immer wieder. Mit vielen Seufzern und viel Geduld führen solche Diskussionen dann meist dazu, dass sie doch ihren Teller leer isst, aber es vergeht mindestens eine Stunde Zeit und ich verlieren jedes Mal einige meiner Nerven mehr.


Mal ehrlich, hättest Du Lust aufs Essen, wenn jemand neben Dir sitzt, der Dich zum Aufessen zwingt? Das ist wirklich ganz schön gemein, was Du da machst und so nimmst Du ihr ja jegliche Freude am Essen. Sicherlich machst Du das nur, weil Du eben Sorge um sie hast, aber das ist wirklich der falsche Weg. Stell Dir mal vor, jemand würde das mit Dir machen, wie ginge es Dir denn dabei?

Es macht mich von Mal zu Mal wütender, wie ein erwachsener Mensch, der sich dem Problem Untergewicht bewusst ist, nicht in der Lage ist, sich die vorgegebene Portion reinzuzwingen.


Versetze Dich wirklich mal in ihre Lage und stelle Dir vor, dass jemand neben Dir sitzt und damit droht, die Katzen nicht zu füttern etc. Das ist echt gemein und einem kranken Menschen sollte man das nicht antun und ihm so den Rest des Lebens versauen. Sorge doch lieber dafür, dass sie am Alltag noch etwas Freude hat, anstatt ihr die Freude durch Essenszwang zu nehmen.

Was mir noch einfällt, ist sogenannte hochkalorische Nahrung. Diese besteht aus einer Art Brei und da hat man mit wenigen Löffeln so viele Kalorien intus, dass man nicht abnimmt. Das klingt vielleicht nicht sehr lecker, wird aber bei untergewichtigen Älteren eingesetzt. Ich glaube, das muss der Arzt verschreiben.

Kennt ihr das Gefühl, dass ihr einfach nicht mehr könnt? Ist meine Einstellung zu rabiat, wenn ich sage "geht nicht, gibt es nicht", wenn es sich um normale Portionen handelt?


Kennst Du es denn nicht? Wenn man satt ist und zwar so, dass man schon kein Essen mehr sehen kann, dann noch zum Essen gezwungen zu werden ist eine Horrorvorstellung. Man sollte das auch mal akzeptieren, wenn jemand nicht mehr möchte und denjenigen dann nicht zwingen. Wer legt denn das auch fest, was eine normale Portion ist? Das bestimmst sicherlich Du, aber jeder hat doch eine andere körperliche Grenze beim Essen, eigentlich darfst Du das gar nicht vorbestimmen, wie viel andere zu essen haben. Für einen 1,90-Bauarbeiter ist eine normale Essensportion sicherlich etwas anderes als für eine alte Dame und deren Portion ist wieder etwas anderes als das, was Du zur Dir nehmen würdest.

» Zitronengras » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »


Also ich kenne das auch noch von meiner Oma und ich kann dir nur sagen das zwingen und erpressen hier sicher die falschen Mittel sind. Hast du mal nach den Gründen geforscht warum sie nichts essen möchte. Gerade wenn es ihr gesundheitlich nicht besonders gut geht kann es wirklich sein das sie kaum Appetit hat. Und da müssen dann andere Wege gefunden werden.

Bei meiner Oma war es ebenso das sie auf fast nichts Appetit hatte. Man wusste dann aber auch schon was sie gerne isst und hat halt das dann sehr oft bekommen. Vielleicht hat sie auf etwas anderes Appetit als das was du ihr vorsetzt. Nichts gegen das Essen, aber ältere Menschen sind da dann oft ein wenig wunderlich. Meine Oma hat zum Beispiel super gegessen wenn sie belegte Brötchen bekommen hat. Das hat sie immer gegessen. Als sogar das dann nicht mehr gewirkt hat, hat sie von der Apotheke die sogenannte Astronautennahrung bekommen, die sie nur trinken musste. Vielleicht wäre das für euch auch eine Lösung. Zumindest für eine Mahlzeit am Tag. Vielleicht schmeckt es ja und somit hätte sie zumindest eine Mahlzeit am Tag wo sie genügend Nährstoffe bekommt.

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» torka » Beiträge: 4376 » Talkpoints: 7,91 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



Ich kann mich meinen Vorrednern, insbesondere Zitronengras, nur anschließen. Einerseits verstehe ich, dass du es nur gut meinst - wer schaut schon gerne zu, wenn ein Angehöriger immer mehr abbaut? Andererseits glaube ich, dass die Wahl deiner Mittel eher dazu geeignet ist, dir und der alten Frau das Leben zur Hölle zu machen.

Auch wenn Menschen, z.B. auf Grund einer Behinderung, nicht in der Lage sind, eigene Entscheidungen zu treffen, werden sie doch nicht mit Erpressung und Zwang in eine Richtung gedrängt. Um so schlimmer finde ich es bei Leuten, die zwar mittlerweile alt und krank sind, aber dennoch jahrzehntelang eigenständig und normal gelebt haben. Ich würde auch vorschlagen, dass du dich mal in die Lage deiner Verwandten versetzt. Die war auch mal in deinem Alter und topfit, jetzt ist sie praktisch hilflos und wird - zumindest in ihren Augen - auch noch tyrannisiert.

Als praktische Tipps von meiner Oma damals kann ich nur zusammenfassen, was ich schon einmal geschrieben habe. Nicht drängeln, nicht erpressen und nicht zwingen! Statt dessen würde ich erst einmal körperliche Ursachen wie Schluckbeschwerden, einen schlechten Geschmack im Mund (manche Medikamente können dir jedes Essen verleiden) Zahnprobleme oder ein schlecht sitzendes Gebiss ausschließen. Manche älteren Menschen geben auch nicht zu, wenn es beim Kauen wehtut oder wenn sie Verdauungsprobleme bekommen, weil sie zu stolz sind oder nicht schon wieder zum Doktor geschleift werden wollen. Da hilft nur Spürsinn!

Dann würde ich einfach mal fragen, worauf deine Schwiegermutter denn Lust hätte und ihr das Essen auch nach Möglichkeit anbieten. Wenn es dir wirklich darauf ankommt, dass sie an die nötigen Kalorien kommt, kann es ja auch mal gerne etwas Fetthaltigeres oder Süßes sein. Auch Hausmannskost von "früher" kommt oft besser an als das "neumodische Zeug". Für meinen Vater ist schon Reis neumodisches Zeug, und so alt ist der auch noch nicht. Unterhalte dich doch einfach mal locker mit ihr darüber, was sie immer so alles gekocht oder gerne gegessen hat - das ist vielleicht sogar ganz interessant.

An kalorienreichen Nahrungsmitteln kann ich vollfette Milchprodukte empfehlen, also beispielsweise Kaffee mit VIEL Milch, dick belegte Käsebrote oder auch unverdünnten Saft. Damit hat sich meine Mutter nach einer schlimmen Phase ihrer Krankheit wieder halbwegs aufgepäppelt. Auch alkoholfreies Bier enthält viele Mineralstoffe, Kalorien und trinkt sich gut. Mittlerweile ist auch wirklich absolut kein Alkohol mehr drin. Ich hoffe echt, dass ihr eine gute Lösung findet, du dich nicht länger aufreibst und deine Schwiegermutter noch ein paar halbwegs schöne Jahre hat!

» Gerbera » Beiträge: 11346 » Talkpoints: 56,04 » Auszeichnung für 11000 Beiträge



Ich weiß nicht, ob man nun zuerst auf eine gesunden und ausgewogene Ernährung achten sollte oder eher darauf, dass möglichst viele Kalorien zugeführt werden. Hier kommt es, denke ich, auf das eigentliche Ziel an. In meinen Augen ist das Ziel, dass sich das Gewicht deiner Schwiegermutter nicht weiter minimiert. Und da würde ich ganz einfache andere Taktiken anwenden.

Meine Mutter hatte Krebs und hat sich auch geweigert zu essen. Wobei sie viele Sachen auch schon vorher nicht gegessen hatte, was das Problem erhöht hat. Allerdings hat sie auch enorm Gewicht verloren und war vorher schon sehr klein, zierlich und zart. Da fiel jedes verlorene Kilogramm auf. Wobei meine Mutter auf ihre Chemotherapie bestand. Die Ärzte auch sahen, die Patientin nimmt enorm ab. Da gab es irgendwann eine klare Ansage der Ärzte, wenn sie weiter abnimmt, kann man keine Chemotherapie mehr machen. Sicherlich könnten ihr bei deiner Schwiegermutter auch mal mit den Ärzten reden.

Meine Mutter hat noch dazu sehr wenig getrunken. Was der Chemotherapie nicht gerade dienlich war. Aber sie hat immer gerne Cola getrunken und so gab es halt öfters mal Cola. Brachte nämlich auch Kalorien und das nicht zu knapp.

Was auch geholfen hat, sie essen lassen, was sie essen wollte. Meine Mutter hat sich teilweise nur von Jägerschnitzel ernährt. Das hat sie aber auch fast gegessen und einen Großteil der Beilagen auch. Allerdings hat sie sich phasenweise auch nur von Kaffeestückchen ernährt. Da sie auch ständig Durchfall hatte, gehe ich an sich davon aus, dass kam von der Zuckerglasur oben drauf.

Da sie generell wählerisch war, war das Essen halt generell ein Problem, sonst hätte man eben mit Sahnesoßen und ähnlichem was erreichen können. Vielleicht wäre das für euch eine Option? Einfach mehr Sahne an die Gerichte. Wo es geht statt Milch Sahne verwenden. Kartoffelpüree bietet sich da wunderbar an. Und meine Mutter bevorzugte Sachen, die man einfach essen konnte. Mit drei Sachen wäre sie überfordert gewesen. Also Hauptessen, Beilage und noch Salat wäre kaum machbar gewesen. Es sei denn, sie hat sich das an einem Buffet in einem Restaurant selbst genommen.

Ich hatte leider keine Zeit, sie noch zu bekochen. Aber was immer zog, sich bei ihr zum Essen einladen und ich wünschte mir was. Dann kochte sie auch. Klingt nun doof, ich weiß. Aber sie hat sich quasi bis zum Schluss fast selbst versorgt. Und so hatte sie eine Aufgabe und war glücklich, wenn sie mir eine Freude machen konnte. Was sie aber ganz ablehnte, wenn mein Vater zum xten Mal in der Woche Bratwurst mitbrachte. Er mag Bratwurst und meine Mutter mochte sie in der Anzahl eben nicht mehr. Statt dem er das akzeptiert hat, hat er halt dann mit ihr geschimpft. Bis wir Kinder vermittelt haben, aber eigentlich dann beide sauer waren.

In Phasen in denen das alles nicht mehr geholfen hat und sie immer weiter abnahm, gingen wir auch so weit ihr Zwangsernährung anzudrohen. Also wir sagten nicht, wir lassen sie dann zwangsernähren. Machten ihr aber klar, wenn sie weiter so abnimmt, wird das ein Arzt mit Sicherheit in die Wege leiten. Da sie mit 37 Kilogramm bei knapp 1,60 Meter eindeutig Untergewicht hatte, war das auch nachvollziehbar.

» LittleSister » Beiträge: 10426 » Talkpoints: -11,85 » Auszeichnung für 10000 Beiträge


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