Gibt es wirklich schon Kinder mit Burn-Out-Syndrom?

vom 07.12.2012, 12:25 Uhr

Neulich habe ich gehört, dass das Kind von einem Bekannten in psychologischer Behandlung ist, weil es das Burn-Out-Syndrom hat. Das Kind ist erst 11 Jahre alt und kommt erst im nächsten Schuljahr auf das Gymnasium. Es ist noch in der 4. Klasse der Grundschule, weil es erst mit 7 eingeschult wurde.

Gibt es das wirklich, dass ein Kind schon Anzeichen eines Burn-Out-Syndrom hat oder wird heute mehr aus etwas gemacht als es ist? Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein Kind in dem Alter schon so gestresst sein soll, dass es wegen Burn-Out behandelt werden muss.

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» supermami » Beiträge: 2317 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Dazu wäre zunächst mal zu diskutieren, inwieweit es das Burn-Out-Syndrom überhaupt gibt. Da das nicht deine Frage ist, lasse ich das mal außen vor und rede nur von Erschöpfung. Natürlich können in der heutigen Zeit auch schon Kinder so erschöpft sein, dass sie dem Druck nicht mehr gewachsen sind. Die Anforderungen in der Schule steigen, dann sollen Kinder auch in der Freizeit schon so gefördert werden, dass sie wenn möglich sowohl Musik, als auch Sport und ganz viele soziale Kontakte pflegen. Ich bin froh, dass ich als Kind noch einen recht leeren Kalender hatte.

» Sunaika » Beiträge: 323 » Talkpoints: 3,50 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Ich sehe schon bei vielen Kindern, wie schnell sie überfordert und komplett erschöpft sein können von dem ganzen Druck, der durch die Schule und die Anforderungen der Eltern entstehen kann. Nicht selten hört man in Gesprächen mit Kindern, dass die komplette Woche irgendwie durchgeplant ist, hier der Sportverein, da die Musikschule, dort die zweite Fremdsprache.

In meinen Hausaufgabengruppen merke ich oft, dass die Kinder stark unter Druck stehen. Sobald etwas nicht direkt klappt, brechen sie in Tränen aus und müssen erstmal beruhigt werden. Ich muss ihnen immer wieder sagen, dass es nicht schlimm ist, wenn sie mal 10 Minuten länger brauchen, um etwas zu verstehen und ihnen versichern, dass sie ihre Aufgaben auf jeden Fall schaffen werden und das auch so gut wie alleine können. Denn in fast allen Fällen sind diese Kinder nicht dumm oder unbegabt. Sie machen, wenn sie sich ihrer großzügigen Zeit bewusst sind, ihre Hausaufgaben fast problemlos und sind danach wieder einigermaßen entspannt.

Solche Situationen zeigen mir immer wieder, dass den Kindern Leistungsdruck gemacht wird - sobald etwas nicht in der angesetzten Zeit geschafft wird, gibt es irgendwelche Konsequenzen - und die Angst vor solchen Konsequenzen blockiert teilweise das Denken so sehr, dass kurzzeitig nichts mehr geht. Wenn mir ein Kind sagt "Ich muss alle meine Hausaufgaben schaffen, sonst kriege ich von Mama ärger und darf mich nicht verabreden." dann frage ich mich, was das Ganze soll. Natürlich sollen Kinder ihre Aufgaben zeitig schaffen, aber wenn die Hausaufgaben nun 1 1/2 Stunden dauern oder 1 ist im Endeffekt auch egal.

Ich kann mir daher gut vorstellen, dass schon Kinder unter so etwas wie Burn-Out leiden können. Denn gerade schulisch wird der Druck ja nicht gerade weniger. Eltern können sicherlich einen Teil dazu beitragen, dass die Kinder etwas Entspannung in ihrer Freizeit haben, indem einfach mal gar nichts auf dem Plan steht und die Kurzen mal Zeit haben, sich zu langweilen. Denn dann werden sie schon kreativ, auch ohne dass sie ohne Maßen gefördert werden müssen.

» Suzuki1990 » Beiträge: 150 » Talkpoints: 10,02 » Auszeichnung für 100 Beiträge



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