Ablauf und Kosten einer künstlichen Befruchtung

vom 22.11.2012, 22:26 Uhr

Mein Cousin kann keine Kinder zeugen, weil seine Spermien zu langsam sind. Es ist so gut wie unmöglich, dass die Frau von ihm ganz normal schwanger werden kann. Sie "probieren" schon 3 Jahre lang schwanger zu werden und es klappt nicht. Nun sind sie soweit, dass sie sich überlegen durch eine künstliche Befruchtung schwanger zu werden. Die Frau meines Cousins meinte, dass es bestimmt zumindest teilweise von der Krankenkasse übernommen wird.

Welche Voraussetzung bedingt eine künstliche Befruchtung? Welche Kosten würden auf meinen Cousin und seine Frau zukommen? Wie ist der Ablauf einer künstlichen Befruchtung und können die Samenzellen vom Mann genommen werden, auch wenn sie zu langsam sind um "normal" eine Eizelle zu befruchten? Was kommt alles auf meinen Cousin und seine Frau zu?

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» MissMarple » Beiträge: 6786 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



Aus meiner "aktiven" Kinderwunschzeit und der Phase in einer Kinderwunsch-Klinik in Hamburg kenne ich all diese Fragen und die meisten können auch schnell beantwortet werden mit der eher nichtssagenden Antwort: "Kommt drauf an". Denn: Das ist von Arzt zu Arzt und von Bundesland zu Bundesland verschieden und kann stark variieren.

Seit einigen Jahren zahlt die Krankenkasse nur noch maximal 50% der Behandlungen und laut Information des FCHH in Hamburg auch nur eine begrenzte Anzahl an Versuchen (3 je Methode wenn ich das richtig verstehe). Aber: Zu den normalen Kosten kommen noch Kosten für Medikamente, eventuelle Kryo-Kosten (Einfrieren) und so weiter, an denen sich die Krankenkasse manchmal gar nicht beteiligt.

Das Paar muss verheiratet sein und die Frau darf weder unter 25 noch über 40 sein. Der Mann hingegen darf die 50 noch nicht überschritten haben. Zudem muss ein "Grund" klinisch nachgewiesen sein. Wenn kein medizinischer Grund vorliegt muss der Versuch zu 100% getragen werden (Ausnahmen nur in sehr seltenen Fällen).

Uns wurde damals gesagt, ein ICSI-Zyklus koste so circa 3.600-3.800 €, also eine ungefähre Eigenleistung von 1.600 €. Da wir aber erst einmal die Gründe der bisher erfolglosen Versuche ergründen wollten und auch ein wenig vor dem "Gott spielen" Angst hatten, haben wir uns gegen einen Eingriff entschieden. Denn während der gesamten Kinderwunsch-Phase und gerade in aktiver Behandlung kommt ziemlich viel Stress auf deinen Cousin und sein Frau zu! Ich habe zeitweise an nichts anderes mehr denken können und dann macht der Körper natürlich auch dicht. Dennoch sollte man vielleicht wirklich mit einem Arzt sprechen, der kann oftmals das Paar auch psychologisch mitbetreuen. Denn die Hormonstimulierung plus die regelmäßigen Abgaben des Ejakulats strengen an. Und nicht immer klappt es bei einem ersten Versuch.

Und zum Thema "Spermien": Weisst du, wie die Spermien klassifiziert wurden? Es wird zwischen verschiedenen Graden gruppiert und auch die Kopfform ist wichtig. Selbst wenn die Geschwindigkeit stimmen würde, wenn die Kopfform nicht normal ist, dann können die Spermien das Ei nicht selbst durchdringen und meist ist es dann auch beschädigt. Das vorhandene Ejakulat wird "gereinigt" und aufbereitet und dann eingeordnet. Ich glaube alles schlechter als C konnte nur noch schlecht verwertet werden - wobei das Ergebnis auch von der Tagesform abhängt. Der Mann wird also mehrere Male vorher Ejakulat abliefern müssen, damit die Praxis genug Material hat, um genügend fähige Schwimmer zu gewinnen.

» Rheanna » Beiträge: 639 » Talkpoints: 3,67 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Eine Beratung beim Arzt zu diesem Thema kostet nichts und so etwas würde ich auf jedem Fall empfehlen. Zumal man da Gewissheit hat. Es gibt so viele verschiedene Informationen im Internet, dass dein Bruder sowieso nicht weiß, was davon auf ihn zutreffen kann und was in Frage käme. Nicht alles wird oder muss nämlich durchgeführt werden können.

Ich war einmal Arbeitbedingt bei einer Aufklärung dabei. Bei der Person war es so, dass die Kosten von der Krankenkasse erst dann übernommen werden konnten, wenn das Paar verheiratet war, was damals noch nicht der Fall war. Eigenleistung wurde mit ungefähr 2000 Euro angegeben für die ersten drei Versuche. Danach musste die Behandlung abgebrochen werden oder eben komplett übernommen werden. Ich kann dir aber auch nicht mehr sagen, welche Methode hier besprochen wurde. Da wurden schon von vornherein welche ausgeschlossen, die hier nicht in Frage gekommen wären.

Wie gesagt, er sollte sich da wirklich mal in Ruhe mit seiner Frau beraten lassen. Dann hat er auch Gewissheit.

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» winny2311 » Beiträge: 15159 » Talkpoints: 4,91 » Auszeichnung für 15000 Beiträge



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