Lieber Arznei als gesundes Essen

vom 30.03.2009, 14:09 Uhr

Eine Studie der Universität Münster hat einen Fakt ans Licht gebracht, der so erstaunlich gar nicht zu sein scheint: Die meisten Herzkranken in Industriestaaten (auch in Deutschland) schlucken lieber mehr Medikamente als ihr Leiden durch einen gesünderen Lebenswandel zu lindern. Untersucht wurden 2.400 Herzpatienten aus acht europäischen Staaten.

Die erste Studie dieser Art wurde 1995 durchgeführt. Im Vergleich dazu stieg der Anteil der übergewichtigen Studienteilnehmer um 13 auf 38 %, trotzdem sank der Anteil der Studienteilnehmer mit erhöhten Cholesterinwerten von 94 auf 46 %. Allerdings ist dies laut dem Epidemiologen Ulrich Keil kein Widerspruch, da heute hervorragende Medikamente zur Senkung des Cholesterinspiegels verfügbar sind.

» JotJot » Beiträge: 14058 » Talkpoints: 8,38 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Das glaube ich gerne. Ich kenne hier auch Leute die essen nicht gerne Obst und Gemüse bzw. Salate. Die nehmen lieber diese Vitamin C + Zink-Kapseln und gut ist. Ich verstehe das nicht. Man kann durch einen gesunden Lebenswandel viele Medikamente sparen. Aber ist ja auch einfacher Kapseln zu schlucken. Dann kann man ja in sich reinstopfen was man möchte und ist trotzdem ein gesunder Mensch.

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» MoneFö » Beiträge: 2938 » Talkpoints: -3,73 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Hallo!

Oft ist auch die Aufkärung beim Arzt schuld. Ich weiß noch, als mein Vater diabetiker wurde. Er bekam einen richtigen Essensplan und durfte auch nur eine bestimmte Menge Insulin spritzen. Als meine Schwiegermutter Diabetiker wurde (beide Alktersdiabetis) meinten die Ärzte, dass sie selber Blutzucker messen kann und auch alles essen kann was sie will. Sie durfte Pralinen, Schokolade, marmelade und alles süßes essen. Wenn sie beim Blutzuckermessen gemerkt hat, dass der Blutzucker zu hoch war, dann hat sie "gelernt" mehr zu spritzen.

Ich denke, dass die Ärzte sich nciht mehr die richtige Zeit nehmen, dem Patienten wirklich einen Ernährungsplan zu geben. Es ist einfacher, wenn sie denen erklären, was sie machen sollen, wenn sie zuviel des Guten gegessen haben und dann muss Medizin herhalten.

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Ich kenne so viele Leute, die eigentlich nie Obst und Gemüse essen, sich furchtbar schlecht ernähren, aber dann offenbar trotzdem ein schlechtes Gewissen zu bekommen scheinen und sich in der Apotheke immer diese Vitamin-Brausetabletten zum Auflösen kaufen. Ich weiss gar nicht was es da alles gibt: Vitamen C, Vitamen E, Traubenzucker,..Auch wenn es sich dabei nicht um typischen Arznei oder ein Medikament handelt, so ist es doch eine Tablette, die die Leute viel lieber nehmen als sich einfach in ihrer Ernährung so umzustellen, dass die gar nicht mehr nötig sind.

Gerne beobachte ich auch mal, dass Leute immer gleich zur Kopfschmerztablette greifen statt es erstmal auf natürlichem Weg zu probieren. Die haben Kopfschmerzen, klagen kurz und dann sage ich manchmal, dass sie sich doch kurz hinlegen könnten, dass wir doch raus gehen könnten an die frische Luft, kurz um den Block laufen, biete ein Glas stilles Wasser an und so weiter. Aber nein. Das wird erstmal alles abgelehnt und dann sofort zur Tablette gegriffen.

» Sippschaft » Beiträge: 7575 » Talkpoints: 1,14 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Ich finde dieses Ergebnis auch erschreckenderweise nicht besonders erschreckend. Man bekommt es ja auch im Bekanntenkreis häufig mit, hier nimmt der Vater der Freundin zum Tee immer seine Vitamine und dort schluckt die Mutter ihre Nahrungsergänzungen zum Abendbrot.

An sich finde ich diese Entwicklung auch wenig überraschend. Meine Mutter beklagte sich vor einiger Zeit über häufiges Schwindelgefühl, ging damit zum Arzt und nachdem die möglichen Ursachen durchdiskutiert wurden hieß es, sie müsse mehr Eisen zu sich nehmen. Anstatt einen Stubs in die Richtung zu geben, welche Lebensmittel denn viel Eisen enthalten, wurde meiner Mutter gleich ein gutes Nahrungsergänzungsmittel aufgeschrieben das sie dafür nehmen kann.

Zum Teil finde ich mittlerweile auch die Werbung - speziell im Bereich der Nahrungsmittelergänzungen eben - fast schon irreführund. Von welchen lebenswichtigen Vitaminen und Spurenelementen da die Rede ist, deren Namen der Konsument vorher noch nie gehört hat, aber jetzt gleich dazu gesagt bekommt, dass er ohne krank wird - na da muss man sowas doch nehmen :roll:

Die gesamte Entwicklung ist wohl als Konsequenz der modernen Lebensweise zu betrachten. Keine Zeit, sich zu informieren, was eigentlich wichtig ist, keine Zeit, beim Einkaufen auf die Zutaten zu schauen und erst recht keine Zeit, sich Rohkoststicks zurecht zu schneiden, oder gar einen leckeren Dipp dazu zu machen! Und wer doch die Zeit hat, der gibt nichts darauf, immerhin ist bequem ja doch was anderes.

Offen gestanden nehme ich mich von der ungesunden Lebensweise auch nicht aus. Aber wenigstens bin ich noch soweit gesund, dass ich auch ohne jegliche Tabletten "funktioniere", und zumindest jene Tipps für einen gesunden Lebensstil, die mir gut in den Kram passen, befolge ich auch (Treppe statt Aufzug mag ich zum Beispiel eh lieber ;) ). Da muss wohl jeder für sich das richtige Maß herausfinden, wie oft in der Woche bei den Lebensmittel gesündigt werden darf und in welcher Form usw.

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» Taline » Beiträge: 3594 » Talkpoints: 0,75 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Diese Entwicklung muss ich in der Apotheke leider auch immer wieder feststellen. Wenn ich einige Kunden sehe, dann sieht man ihnen oft schon an, dass sie z.B. durch Übergewicht Probleme haben. Wenn sie dann ein Rezept einlösen, stehen darauf meistens Tabletten gegen hohen Blutdruck, gegen einen erhöhten Cholesterinwert, und so weiter. So etwas ist dann auch nicht weiter verwunderlich. Ich bin nun noch recht jung und vor allem schlank und traue mich dann auch nicht recht, etwas zu sagen, aber mein Chef sagt dann schon mal etwas.

Aber von vielen Kunden hört man dann auch, dass sie sich ja wohl fühlen, weil der Blutdruck eben durch Tabletten gesenkt wird und auch beim Cholesterinwert ist die Motivation nicht da, diesen durch die Ernährung zu beeinflussen. Die Tabletten wirken ja und es ist doch so viel bequemer, als die Ernährung umzustellen. Ich finde es manchmal schon erschreckend, aber wenn die Leute es nicht wollen, kann man sie nicht zu ihrem Glück zwingen. Allerdings nervt es mich dann schon, wenn sie sich auf der anderen Seite über die hohen Preise der Arzneimittel aufregen. Das steht dann in keinem Verhältnis.

» Barbara Ann » Beiträge: 28946 » Talkpoints: 58,66 » Auszeichnung für 28000 Beiträge


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