Arztwechsel wegen Verschreibungsdiskussionen?

vom 30.12.2010, 12:03 Uhr

Immer öfter höre ich beim Arzt die Worte: "Das bezahlt die Kasse nicht" oder "Das müssen sie sich selbst kaufen". Medizin, die einfach zum Auskurieren einer Krankheit nach dem Krankenhausaufenthalt dazu gehört. Wenn ich dann sage, dass mir bekannt ist, dass die Krankenkasse die Medizin bezahlt, wird das Gesicht zu einer Maske. Ein Rezept wird ausgestellt, mir ohne Worte hingeschoben und ich werde verabschiedet. Soll man da den Arzt wechseln oder ist das bei anderen Ärzten auch so?

Warum ist das so schlimm geworden? Werden die Ärzte wirklich für manche Verschreibungen zur Rechenschaft gezogen? Klar, die Kassen haben kein Geld. Aber die Beiträge sind auch nicht gerade gering und zusätzlich kommt noch der Sonderbeitrag. Es ist ja auch nicht so, dass die Patienten im Geld schwimmen. Diese ganzen Sonderausgaben muß man ja irgendwo wieder einsparen. Nur langsam geht das auch nicht mehr, denn die Geldbörsen der Patienten sind mittlerweile auch leer.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



Die Ärzte haben ein Budget was sie verschreiben können. Sprich pro Monat steht eine Summe X zur Verfügung. Diese geht aber schon zum großen Teil für Stammpatienten drauf, welche regelmäßig bestimmte Medikamente brauchen. Das man dann bei einmaligem Rezepten gern versucht die Kosten auf den Patient abwälzen möchte scheint dann der logische Weg.

Denn jeder Arzt muss versuchen sein Budget zu halten. Kommt man drüber, so steht, meines Wissens nach, dem Arzt im Folgemonat halt weniger zu, weil es schon verrechnet wurde. Es liegt also weder an dem einen Arzt, noch an dir. Solltest du deswegen den Arzt wechseln, wirst du wohl die selben Probleme haben. Es sei denn du findest einen Arzt der kaum Patienten hat und somit auch wenig Rezepte ausgeben muss.

» Punktedieb » Beiträge: 17970 » Talkpoints: 16,03 » Auszeichnung für 17000 Beiträge


Ich glaube, die Ärzte haben ein bestimmtes Budget, welches sie verschreiben dürfen und wenn das aufgebraucht ist, gibt es eben nichts mehr. Deswegen wird immer wieder versucht, die Patienten dazu zu bringen, auf Medikamente zu verzichten oder sich etwas selbst zu kaufen.

Auch dürfen verschiedene Medikamente nicht mehr über die Kasse verschrieben werden, sie müssen eben wirklich selbst bezahlt werden. Ständig gibt es in dieser Medikamentenliste Änderungen und die Ärzte werden da auch nicht immer durchblicken. Wenn es dir aber ständig so geht, solltest du ihn vielleicht mal drauf ansprechen, und wenn du mit deinem Arzt unzufrieden bist, kannst du dir ja einen anderen Hausarzt suchen.

» urilemmi » Beiträge: 2263 » Talkpoints: 7,31 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Ich bin Stammpatientin und seit vielen Jahren schon bei meinem Arzt. Allerdings habe ich im letzten halben Jahr festgestellt, dass kaum noch Patienten im Wartezimmer sitzen. Somit komme ich fast immer sofort dran ohne Termin. Das bedeutet möglicherweise, dass es noch mehrere unzufriedene Patienten gibt.

Die Tabletten wurden im Krankenhaus umgestellt und mir neue verabreicht. Es handelt sich um eine Folgeerkrankung durch verabreichtes Antibiotika und Kortison, die ich im Krankenhaus erhielt. Ich habe aber nun das Gefühl, dass diese Umstellung dem Arzt nicht genehm war. Somit werden Probleme und Meinungsverschiedenheiten auf den Rücken der Patienten ausgetragen. Das ist doch nicht korrekt!

Ja,ich könnte mir problemlos einen anderen Arzt suchen. Nur da ich keinen anderen kenne, müsste ich erst wieder herumfragen bei Bekannten, um einen vernünftigen zu finden. Ich habe schon überlegt, ob ich den Urlaub des Arztes dazu benutzen kann, zu einem anderen Arzt zu gehen. Weiß jemand, ob man als Vertretungarzt jeden Arzt konsultieren kann oder nur den vom jetzigen Arzt vorgeschlagenen?

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



Das du kaum Patienten im Wartezimmer vorfindest, wird vielleicht am Bestellsystem des Arztes liegen. Bei meinem jetzigen Hausarzt ist dies auch so. Aber wenn ich da ohne Termin komme, was recht selten ist, dann sind doch einige Mitpatienten dort. Mein Hausarzt hat nämlich Zeiten, wo er niemanden bestellt, um genug Kapazitäten für die Patienten zu haben, die eben bei akuten Erkrankungen ohne Termin kommen.

Das es zwischen der Medikamentenauswahl im Krankenhaus und dem Hausarzt unterschiedliche Meinungen gibt, ist durchaus normal. Denn dein Hausarzt kennt deine Krankengeschichte im Normalfall besser als die Ärzte im Krankenhaus. Und daher kann es auch meist besser einschätzen, welche Medikante für dich die besseren sind.

Und wenn du mit seiner Reaktion unzufrieden bist, dann besprich es mit ihm und lass dir gegebenfalls erklären, warum er die Meinung der Ärzte aus dem Krankenhaus nicht teilt. Denn auch dazu ist der Hausarzt da und muss auch seine Patienten entsprechend aufklären.

» Punktedieb » Beiträge: 17970 » Talkpoints: 16,03 » Auszeichnung für 17000 Beiträge


Ich erlebe es in meinem Alltag in der Apotheke auch oft, dass ein Patient mit einem grünen Rezept vor mir steht, weil der Arzt ein Medikament nicht als Kassenrezept verordnen möchte oder kann. Ich hatte aber auch schon mit einigen Ärzten Ärger, weil ich auf die Fragen der Patienten wahrheitsgemäß geantwortet habe, dass die Kassen das Medikament schon bezahlen, wenn der Arzt es eben so verordnen möchte. Es ist dann mehr als ein Mal so gewesen, dass die Ärzte mich dann wütend angerufen haben, wieso ich so etwas gesagt habe.

Seither halte ich mich raus und antworte auf Fragen der Patienten nur noch ausweichend. Es gibt ja auch Medikamente, die die Ärzte wirklich nicht verschreiben dürfen, auch wenn sie bei der Erkrankung gut sind. Das sind dann die meisten freiverkäuflichen Arzneimittel, die nur noch auf dem grünen Rezept verordnet werden können. Wenn der Arzt sich bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln weigert, diese zu verordnen, wird es meistens an seinem Budget liegen, das er nicht weiter belasten kann oder möchte.

Ob ein Arztwechsel den gewünschten Erfolg bringt, dass dann die Medikamente problemlos auf einem Kassenrezept verordnet werden, kann man nicht sagen. Jeder Arzt wird, gerade bei teuren Medikamenten, sein Budget im Auge behalten und diese dann nicht ganz so gerne verordnen.

» Barbara Ann » Beiträge: 28946 » Talkpoints: 58,66 » Auszeichnung für 28000 Beiträge


Klar wollen die Ärzte auch sparen, da sie ein bestimmtes Budget haben, über das sie nicht hinaus verschreiben dürfen. Ich erlebe es in der Apotheke immer wieder, dass am Ende eines Quartals zum Beispiel nur noch kleine Packungen verordnet werden, anstatt der großen, die die meisten Stammpatienten normalerweise bekommen, einfach, weil die Ärzte sparen müssen und erst wieder im nächsten Quartal ihr volles Budget zur Verfügung haben.

Da kommt es dann im Zuge dieser Einsparungen auch vor, dass die Leute grüne Rezepte mitbringen, anstatt der roten, die sie vielleicht am Anfang des Quartals bekommen haben. Auch das dient eben zur Entlastung des Arztbudgets.

Wie Barbara Ann es auch schon geschrieben hat, habe ich anfangs auch meinen Beruf richtig ausüben wollen und habe meinen Kunden ebenfalls erzählt, dass bestimmte Medikamente auf Kassenrezept, also auf rotes Rezept Verordnungfähig wären und habe dann auch vom Arzt böse Worte zu hören bekommen, so dass ich nun auch dazu übergegangen bin, den Kunden zu sagen, dass das im Ermessen des jeweiligen Arztes liegt, was er verordnen darf und was nicht.

Benutzeravatar

» Nettie » Beiträge: 7637 » Talkpoints: -2,59 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Ja, es gibt dieses Budget, und dennoch wird die Krankenkasse gern vorgeschoben. Ich kann es auch nicht nachvollziehen, wobei es auch Ausnahmen gibt, zum Beispiel, wenn nun jeder Patient seine Wünsche hat. Mit meinen Medikamenten habe ich an sich nur ein Problem, wenn meine Hausärztin mir mein Insulin nur als Export verschreibt. Sie hatte ich schon darauf angesprochen und gemeint, es geht eben von ihrem Budget ab. Seitdem lasse ich nur noch in absoluten Ausnahmefällen mir von ihr das Insulin verschrieben, ich will keine Diskussion mit ihr haben, zumal ich die Ausweichmöglichkeiten habe.

Jedoch erlebe ich so etwas auch bei den Blutzuckerteststreifen, die sehr rationalisiert herausgegeben werden. Ich selbst habe bislang bei meinem bisherigem Facharzt für Diabetologie damit noch keine Probleme gehabt. Wie es sich verhalten wird, wenn ich nun fünfzig Stück mehr brauchen werde, was nun der Fall sein wird, ist mir nicht bekannt. Aber einen Grund, da den Arzt zu wechseln, wird es nicht geben, ebenfalls nicht so, wie oben beschrieben. Ich kenne es jedoch von anderen Diabetikern, die ihre Teststreifen wirklich nur schwerlich erhalten, die haben jedes Quartal die gleiche Diskussion geführt und sind dann auf andere Ärzte und auch Methoden über gegangen. Immerhin sind bei Typ 1-Diabetikern die Teststreifen auch eine Kassenleistung, während sie bei Typ 2-Diabetikern ungern verschrieben werden, sofern noch kein Insulin gespritzt wird.

Das Problem ist, dass wahrscheinlich irgendwann einmal alle in Frage kommenden Ärzte abgeklappert sind und sie dann allesamt nichts mehr herausgeben oder nur noch bis zu einem bestimmten Punkt. Solange man ansonsten mit dem Arzt zufrieden ist, sehe ich es nicht als wichtig an, wegen der Verschreibungen den Arzt zu wechseln. Kommt aber auch darauf an, wie groß da die Akzeptanz ist. Da Du, Cid, aber das Medikament letztendlich doch bekommen hast, sollte dies auch ausschlaggebend sein.

Benutzeravatar

» *steph* » Beiträge: 18439 » Talkpoints: 38,79 » Auszeichnung für 18000 Beiträge


Ich kenne das Problem leider ähnlich. Wobei ich bei meiner Hausärztin noch nie Probleme hatte. Die hat aber auch viele Muster vorrätig, die sie erst vergibt. Wenn sie tatsächlich mal was verschreiben muss, von dem sie auch weiß, dass ich das Medikament selber bezahlen muss, dann sieht sie erst nach und fragt mich, ob ich den Betrag aufbringen kann. Wobei man aber klar merkt, ob das nun absolut notwendig ist oder es einfach nur sinnvoll wäre.

Ich war allerdings auch vor ein paar Jahren in einer Klinik. Dort wurden auch die Medikamente umgestellt. Der behandelnde Facharzt war nicht sehr begeistert. Erster Kommentar war, dass das auch ein sehr gutes Medikament sei. Ich sollte dazu sagen, dass was er mir vorher verschrieben hat, hat ziemlich viele Nebenwirkungen, die auch bekannt sind. Im Endeffekt hatte das neue Medikament mehr Wirkung und weniger Nebenwirkungen- zumindest wenn man den Fachmeinungen glauben schenken will. Er hat mir das neue Medikament dann auch verschrieben. Aber ansonsten hat er sich nicht darum gekümmert.

In der Einnahmephase habe ich den Arzt gewechselt. Allerdings aus anderen Gründen. Eine kleine Praxis. Die Ärztin hat mir pausenlos einen Vortrag gehalten, wie sehr mein Medikament ihr Budget belastet. Dann gab es noch den Wunsch einer anderen Stelle, mir das Medikament nur noch in Kleinpackungen zu verschreiben, was für sie richtig zum Problem wurde. Da sich sonst nicht um die Wirkung gekümmert wurde, ich das Geld für die Zuzahlung nicht mehr hatte, setzte ich das Medikament ab. Was ihr scheinbar auch sehr recht war.

Es folgte ein weiterer Klinikaufenthalt. Dort gab es neue Medikamente. Es gab durch die Klinik klare Anweisungen, in welchen Dosierungen ich das Medikament nehmen soll. Unter anderem sollte ich in festen Abständen mehr davon nehmen. Gut das ich den Arztbrief vorher gelesen hatte. Sie meinte dann zu mir, nein im Arztbrief steht weniger und beharrte auch darauf. Da ich keine Lust auf Diskussionen hatte, habe ich das so hingenommen. Dann wühlte sie im Schrank nach Mustern und gab mir die auch mit. Daheim stellte ich ein paar Tage später fest, dass die Medikamente zum größten Teil bereits lange ihr Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht hatten. Da noch mehr Probleme dazu kamen, unter anderem konnte sie keine nötige Blutabnahme machen, was auch am Budget lag, hat sie mich da das letzte Mal gesehen.

Ich würde auch offen ansprechen, wenn ich weiß, die Medikamente gehen sonst auf Rezept. Wobei ich nun eh einen Befreiungsausweis habe und daraus an sich auch hervor geht, wenn man die Sache logisch betrachtet, dass ich eine Patientin mit wenig Geld bin. Da achten nicht alle Ärzte drauf, aber meine Hausärztin schon.

So weit ich das weiß, muss man zur Vertretung gehen, es sei denn, man hat was anderes mit dem behandelnden Hausarzt besprochen. Mehr Auskunft dazu kann aber die Krankenkasse geben. Die kann eventuell auch Auskunft geben, in wie weit der Arzt Privatrezepte für Medikamente, die an sich auf ein Rezept gehen, schreiben darf.

» LittleSister » Beiträge: 10426 » Talkpoints: -11,85 » Auszeichnung für 10000 Beiträge


Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^