Tollwut wirklich nicht heilbar?
Ich schaue ja "Unter uns" und da ist ja der Tobias von einem Frettchen gebissen worden, welches mit Tollwut infiziert war. Tobias hat nun Angst um sein Leben und die Tierärztin hat gesagt, dass ein nicht geimpfter Mensch oder ein nicht geimpftes Tier, welches mit Tollwut infiziert wurde nicht überleben würde, weil es keine Heilung für diese Krankheit gibt. Man kann eben nur im Voraus impfen lassen, aber wenn man infiziert ist, kann man nichts mehr machen.
Dass man nicht immer alles glauben kann und darf, was im Fernsehen und besonders in solchen Serien gesagt wird, ist mir klar. Deswegen würde mich mal interessieren, ob es wirklich stimmt, dass man, wenn man sich mit Tollwut infiziert, wirklich nicht gerettet werden kann und Tollwut immer zum Tode führt.
Die Tollwut, eine meist tödlich endende Erkrankung als Folge einer schweren Hirnschädigung, wird durch das Lyssavirus verursacht. Es ist in der Tat so, dass die Krankheit progressiv ist und unerkannt sehr schnell zum Tod führen kann. Man muss aber auch hinzufügen, dass die Manifestationswahrscheinlichkeit der Erkrankung rund 50% beträgt und von vielen Faktoren abhängig ist: So ist das Risiko einer Ausprägung bei Patienten, die am Bein gebissen wurden, viel geringer als bei Patienten, die im Gesicht gebissen wurden. Hängt wohl mit dem retrograden Transport in den entsprechenden Nerven zusammen, das Gesicht ist dem Gehirn schließlich näher gelegen als das Bein.
Was die Therapie angeht, kann man folgendes sagen: Postexpositionell - also ab dem Zeitpunkt des Bisses - hat man 10 Tage Zeit den Menschen zu impfen, mit entsprechenden, direkten Immunglobulinen, also eine Art passive Impfung mit Antikörpern. Dann ist eine mehr oder weniger komplette Ausheilung möglich, ein Auszug aus:
wikipedia.de hat geschrieben:[...]Die rechtzeitige Intervention kann einen Krankheitsausbruch zu 100 Prozent verhindern[...]
Das gilt natürlich für Patienten, die nicht gegen Tollwut geimpft sind, liegt eine Impfung vor, braucht man sich keine Sorgen machen - bis auf die Auffrischung, die man nicht verpassen sollte. Aber zu behaupten, dass die Tollwut unter keinen Umständen therapiert werden kann, ist nach dem heutigen Stand obsolet, eine postexpositionelle Therapie innerhalb von 10 Tagen ist mit einer 100%igen Ausheilung verbunden.
Man kann nicht pauschal sagen, dass jeder mit dem Tollwut-Virus infizierte Mensch auch stirbt. Allerdings ist die Todesrate ohne Behandlung so hoch, so dass man davon ausgehen kann, dass die meisten Leute, die sich infizieren, auch an der Tollwut sterben werden. Wenn der erkrankte Patient also nicht behandelt wird, ist ein tödlicher Ausgang nahezu garantiert.
Es gibt die Möglichkeit, auch nach einer möglichen Infektion, eine postexpositionelle Impfung vorzunehmen. Dazu bekommt der Patient möglichst direkt nach der möglichen Ansteckung im Verlauf von einigen Wochen mehrere Impfungen verabreicht. Dies ist die einzige Möglichkeit, die Tollwut zu überleben.
Also uns wurde schon als Kindern, was mittlerweile 30 Jahre her ist, gesagt, dass man nach einem Tierbiss sofort ins Krankenhaus muss. Gerade wenn es sich um Wildtiere handelt würde man dann prophylaktisch wegen eventueller Tollwut behandelt. Damals war es so, dass man täglich eine Spritze rund um den Bauchnabel bekommen würde.
Also ist es wohl in der Serie eher so, dass die Dramatik mehr Schein als Sein dem Zuschauer geben soll. Denn wenn es damals schon möglich war bei einem Tollwutbiss als geheilt nach Hause zu können, wird das heute noch wesentlich besser sein.
Mal davon abgesehen, dass die Überlebenschance nach einem Ausbruch der Krankheit ohnehin sehr gering ist, gibt es meines Wissens keinen einzigen Menschen auf der Welt, der eine Tollwut-Erkrankung ohne schwere Hirnschäden überlebt hat. Es gibt wohl nur einen Fall von einem Mädchen aus den USA, der es nach einer experimentellen Therapie wieder relativ gut geht (
klick). Da dieselbe Therapie bei anderen Patienten aber erfolglos war, geht man davon aus, dass es mehr oder weniger nur ein Zufall war.
Was die nun in Unter Uns genau vorhaben, weiß ich nicht. Ich gehe aber mal davon aus, dass Tobias überleben und hinterher auch wieder gesund sein wird, insofern darf man wohl eine sehr unrealistische Geschichte erwarten.
Ich wohne seid kurzem auch in einem Tollwut gefährdeten ländlichen Gebiet. Beim letzten Hausarzt Besuch bin ich aber auch nicht drauf angesprochen worden, obwohl es für die Region vielleicht sinnvoll wäre. Da vor vielen Dörfern die Tollwut Schilder stehen. Werde wohl mal meinen Hausarzt bei meinem nächsten Besuch drauf ansprechen ob eine Impfung sinnvoll ist.
Ich habe mich eben aus Interesse mal durchs Netz geklickt und was ein nach einem Biss erwarte wünsche ich keinem.
Ich wurde mal selbst als Kind von einem Hund gebissen. Nur leicht, aber doch so, dass eine eventuell bestehende Tollwut übertragen worden wäre. Da das Tier ein Streuner war und nicht eingefangen werden konnte, gab es auch keine Möglichkeit irgendwo zu erfahren ob eine Impfung des Hundes vorhanden war.
Somit kam ich in den Genuss sechs Wochen lang eine Spritze pro Woche zu bekommen, die mich rückwirkend vor einer eventuellen Infizierung geschützt haben. Diese Impfungen mussten allerdings zwingend 24 Stunden nach dem Biss beginnen, sonst hätten sie im Ernstfall auch nichts mehr bewirkt.
Es gibt inzwischen eine zweite Überlebende nach dieser Koma-Therapie. Ich kann noch keine Links posten, aber sucht mal nach Precious Reynolds. (So heißt die zweite Überlebende.)
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