Was tun bei Paranoia?

vom 31.10.2012, 02:54 Uhr

In meinem Bekanntenkreis gibt es jemanden, dessen Mutter an Paranoia leidet. Und da meine ich nicht einfach nur diesen Grundverdacht oder etwas Abnormalität, sondern ein schon recht ausgeprägtes Krankheitsbild.

So meint sie, wenn ich das Haus verlassen würde, wäre sie von Leuten umgeben, die sie umbringen wollen. Unbekannte seien hinter ihr her, sie leidet an Schlafstörungen und Wahnvorstellungen über Bedrohungsszenarien.

Es gibt Medikamente die da helfen, aber wenn man glaubt, dass auch der Doktor mit dem unbekannten Feind zusammen arbeitet und einen nur schleichend umbringen will, dann gibt es dazu ja auch keine Motivation, diese Hilfe zu suchen.

Was glaubt ihr kann man da machen? Sollte man das Horrorszenario Wirklichkeit werden lassen und Pfleger nutzen um die Medikamenten Einnahme zu erzwingen? Es schleifen lassen? Psychologische Beratung suchen?

» BlindKanshi » Beiträge: 243 » Talkpoints: 2,11 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Das Problem was du schilderst ist ein alt bekanntes Szenario. Ich habe selber 9 Monate in einer geschlossenen Psychiatrie gearbeitet und obwohl die Patienten bei uns auf der Station waren, haben sie oft nicht eingesehen, dass sie die Medikamente nehmen müssen. Es ist in Deutschland aber auch nicht so einfach möglich ihnen diese Medikamente zwangsweise zu verabreichen. Dazu braucht man immer einen richterlichen Beschluss und den bekommt man nur wenn eine akute Selbst- oder Fremdgefährung vorliegt.

Der einzige Weg führt bei deiner Bekannten also zu den Medikamenten. Sie muss überzeugt werden, dass die Medikamente ihr helfen. Dies kann auf ambulanten oder stationären Wege erfolgen. Es gibt in ihrem Leben sicher Vertrauenspersonen, denen sie noch vertrauen kann ohne die Paranoia. Über diese Personen muss dann versucht werden eine Medikamenteneinnahme durchzusetzen.

Es ist ziemlich schwierig und ein Drahtseilakt, aber der Erfolg einer medikamentösen Therapie spricht für sich. Sollten alle Versuche scheitern, bleibt nur noch der Weg die Dinge einfach laufen zu lassen. Sollte es irgendwann jedoch soweit sein, dass eine akute Selbst- oder Fremdgefährdung besteht, muss man den Rettungsdienst rufen, dieser bringt sie dann in eine Psychiatrie. Dort wird ihr dann fachkundig geholfen.

Als Bekannter kannst du dich auch gleich an einen Psychiater wenden, dieser wird dir sicherlich Tipps geben, wie du am besten mit ihr umgehen sollst. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Psychiater und Psychologe, nur der Psychiater kann ihr weiterhelfen mit Medikamenten. Der Psychologe kann nur durch Gespräche helfen.

» frankiskrank » Beiträge: 289 » Talkpoints: 15,61 » Auszeichnung für 100 Beiträge


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