Stirbt ein Mensch beim Sport, ist es selten Doping

vom 19.07.2012, 21:29 Uhr

Bricht ein Leistungssportler tot zusammen oder ein Fußballspieler steht nicht mehr auf, nachdem er zusammengebrochen ist, oder ein Todesfall beim Marathon passiert, dann wird oft geglaubt, dass es Doping ist. Aufschreckende Schlagzeilen gibt es auch, wenn jemand tot zusammenbricht beim Marathon. Auch mit Überlastung werden solche Todesfälle in Zusammenhang gebracht.

Schuld daran ist fast immer plötzlich auftretendes Kammerflimmern. Das ist eine Herzrhythmusstörung, die bösartig ist. Es gibt angeborene Erkrankungen, die mit einer starken Verdickung des Herzmuskels zusammenhängen oder erweiterte Herzkammern. Dazu kommen noch seltenere Herzkrankheiten und solche, die im Alter entstehen. Auch durch Erreger hervorgerufene Herzmuskelentzündung kann verantwortlich sein.

Diese Herzkrankheiten haben Nichtsportler genauso häufig wie Sportler. Eine Überbelastung beim Sport alleine ist nicht verantwortlich, die kann dem gesunden Herz nichts anhaben. Es sei denn, es kommt eine Herzkrankheit dazu. Präventiv wird allen Sport treibenden ein Basisuntersuchung empfohlen und zusätzlich jährlich eine sportmedizinische Untersuchung. Wenn ihr Sportler seid, nehmt ihr jährlich eine solche Untersuchung in Anspruch oder ist euch das zu lästig? Eine jährliche gründliche Untersuchung ist zwar jedem anzuraten, aber für Sportler ganz wichtig, seht ihr das auch so?

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



Das ist schlicht und ergreifend falsch. Von den tragischen Fällen, in denen Leistungssportler sterben, gibt es nur sehr wenige, die auf etwaige Vorerkrankungen zurückzuführen sind.

Die häufigste Ursache ist die von dir so vehement ausgeschlossene Überlastung. Nicht unbedingt die des Herzen isoliert, sondern die des gesamten Herz-Kreislaufsystems. Psychischer Druck, hohe Temperaturen, das falsche Essen und eine plötzliche Leistungsspitze reichen leider aus, um Sportler, die nicht absolut fit sind und dennoch auf Hochleistungsniveau trainieren, zu einem Herzinfarkt oder einer schwächeren Herzattacke zu führen, die normalerweise nicht tödlich wäre.

Da sie jedoch in einem absolut vollbelasteten Zustand stattfinden, gibt es keine Reserven, die für die physiologische oder künstliche Reanimation notwendig werden, weshalb wenige Sportler, die während der Aktivität eine Herzattacke erleiden, direkt wiederbelebt werden können. Dem Körper fehlt in diesem Moment die Grundlage, die Leistung wieder zu erbringen und den Herz-Kreislauf wieder aufzubauen.

Über deine Aussage, dem gesunden Herzen können keine Überlastung etwas anhaben, kann ich fast nicht einmal lachen, weil dieses erschreckende Fehlwissen einfach so erschreckend falsch ist, dass ich lieber weinen würde. Eine Überlastung kann jeder Struktur des Körpers etwas anhaben. Auch dem Herzen oder der Lunge. Und da, wie schon von mir beschrieben, Überlastungen mit plötzlichen Spitzen durch andere Faktoren beeinflusst einhergehen, kann auch eine Präventivuntersuchung im Leistungssport niemanden davor schützen, ein solch tragisches, seltenes Schicksal zu erleiden.

Ein Belastungstest wird auch von mir bei den von mir behandelten Sportlern regelmäßig durchgeführt, das bezweckt aber nur die Einschätzung der Belastbarkeit und des Trainingszustands und nicht etwa dem Ausschließen eines plötzlichen Herztods. Bitte recherchiere doch besser oder stell deine Fragen vorsichtiger und eher in die Richtung "Stimmt es, dass.." anstatt mit "Das ist ..." große Lügen in den Raum zu stellen, die im schlimmsten Fall sogar weiterverbreitet werden.

» benutzer7 » Beiträge: 2116 » Talkpoints: 49,80 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


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