Häusliche Pflege 24 Stunden am Tag

vom 15.04.2009, 13:17 Uhr

Hallo,

ich frage einmal wegen meiner Oma hat die 70 Jahre alt ist, pflegebedürftig und bei uns im Haushalt wohnt. Ich möchte meine Oma nicht in ein Altenheim abschieben, aber langsam komme ichmit der Pflege nicht mehr alleine zurecht. ich würde deswegen gern auf einen häuslichen Pflegeservice zurückgreifen wollen, der sich 24 h am Tag um meine Oma kümmern könnte.

Jedoch weiß ich nicht wirklich wie. Ich bin hier und da schon über Angebote der mobilen Pflege gestolpert, die aber nur stundenweise am Tag da sind oder über Pflegedienste alles andere als billig sind. Ich habe auch schon verschiedene Angebote zur 24 h Pflege gesehen, wo Pflegekräfte aus Polen eine solche Pflege (also 14 h am Tag) übernehmen könnten, die etwas billiger wären und meine Oma den ganzen Tag über betreuen könnten.

Hat jemand von euch irgendwelche Erfahrungen mit 24 h Pflege Services (auch aus dem Ausland Oder mit ausländischen Pflegekräften) und kann mir ein paar Tipps geben oder und was die ungefähr kosten würden?

» Smalla » Beiträge: 11 » Talkpoints: 0,16 »



Hallo Smalla,

einen Pflegedienst empfehlen kann ich Dir so nicht, diese sind ja auch nur regional tätig. Du schreibst nichts über eine evtl. vorhandene Pflegestufe bei deiner Oma. Das wäre mein erster Tipp, sich da mal zu erkundigen und einen Antrag zu stellen. Der Antrag muss bei der Pflegekasse eingereicht werden. Die Prüfung, ob eine Pflegestufe vorliegt, führt dann der MDK durch.

Wenn Deine Oma auf Hilfe angewiesen ist, hat der Antrag gute Chancen, durchzugehen. Wenn dann eine Pflegstufe vorliegt, kannst Du von dem bewilligten Geld, das je nach Pflegestufe variiert, auch einen Pflegedienst beantragen, die Sätze sind hier höher, als wenn Du die Pflege selbst übernimmst. Ich weiss das, weil wir meien Oma auch längere Zeit zu Hause gepflegt haben. Auch wir haben auf einen mobilen Pflegedienst zurückgegriffen. Die erste Pflegestufe ist Pflegestufe I, das geht hoch bis Pflegestufe III bzw. Pflegestufe III (Härtefall).

Es kann passieren, dass der erste Antrag abgelehnt wird, wenn Du aber der Meinung bist, dass eine Pflegebedürftigkeit vorliegt, dann sollte man ruhig in Erwägung ziehen, in Widerspruch zu gehen. Oftmals geben auch die ambulanten Pflegedienste Hilfestellung beim Antrag.

Bei der Auswahl des Pflegedienstes selbst könntest Du Dich ja mal in deiner Region umhören, wer ebenfalls Pflegefälle zu Hause betreut, und nach Empfehlungen fragen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sowohl Qualität als auch Preise für die Betreuung durch ambulante Pflegedienste stark schwanken. Anscheinend gibt es hier keine gesetzlich vorgegebenen Richtlinien.

Übrigens findest Du im Internet sehr viel Informationen zum Thema häusliche Pflege und Pflegestufe, einfach mal bei Google die entsprechenden Suchwörter eingeben.

Ich bin gerade auf diese Seite gestossen: www.pflegestufe.info - Scheint recht informativ zu sein.

» chris80 » Beiträge: 58 » Talkpoints: 43,61 »


Jeder muss für sich das richtige finden und damit leben können. Nicht nur der der gepflegt wird muss glücklich sein, sondern auch der der pflegt muss mit der Situation gut umgehen und leben können.

Ich möchte euch von meiner Geschichte erzählen: Bei mir war es wie folgt. Mein Vater war schon lange verstorben, er starb als ich gerade 14 war an Krebs. Den Rest meiner Jugend verbrachte ich mit meiner Mutter allein. Sie hat sich immer gut gekümmert und versucht auch die Vaterrolle weitestgehend zu ersetzen. Ich liebe sie über alles und aus diesem Grund entschied ich mich nach ihrem Schlaganfall 2010 auch sie zu Hause zu pflegen. Mein Mann ist auch sehr früh verstorben, ich war nicht gebunden und zog zu ihr. Sie konnte nicht mehr sehr viel selbst und ich hatte sehr schnell kein eigenes Leben mehr. Mama musste zur Toilette, Mama hatte Hunger, Mama wollte spazieren gehen. Mein eigenes Leben litt und so litt auch unsere Beziehung sehr schnell darunter. Es war nicht mehr schön meine Mutter zu sehen sondern nur noch eine Art Hilflosigkeit und Überarbeitung. Die Hilfe des ambulanten Pflegedienstes beim Waschen etc. war nicht ausreichend Hilfe genug.

Ein Heim kam für mich aber auf keinen Fall in Frage - meine Mutter hat sich immer um mich gekümmert und ich wollte mich um sie kümmern. Das ist Ehrensache. Also entschlossen wir uns für eine Pflege 24 Stunden aus Polen. Seit Mai kümmern sich nun immer abwechselnd 2 Polinnen um meine Mutter. Sie wohnen dann auch bei uns und wir sind eine gute 3-er WG. Es macht soviel Spaß, sowohl Magda als auch Gabriela kommen super mit meiner Mutter zurecht und meine Mutter und ich haben wieder ein normales Verhältnis. Natürlich kümmere ich mich auch noch um sie aber eben viel unbekümmerter und ganz ohne Zwang. Jetzt kann ich abends auch mal wieder ins Kino gehen und weiß meine Mutter trotzdem in guten Händen. Die Pflegerinnen kommen über eine deutsche Vermittlungsagentur Diadema Pflege. Also alles legal und auch gar nicht so teuer. Wenn ihr Fragen habt mailt mir gern.

» 68Marry » Beiträge: 2 » Talkpoints: 1,34 »



Es ist durchaus anstrengend für beide Seiten, wenn eine Person zu Hause rund um die Uhr Pflege benötigt. Man kann sich als "Pfleger" nicht mehr wirklich entspannen, weil immer irgendwo ein schlechtes Gewissen da ist. Auf der anderen Seite ist der zu Pflegende, der auch nicht immer beruhigt sein kann, dass er gut versorgt ist, denn oft machen diese Menschen sich Gedanken, dass sie anderen zur Last fallen und ähnliches.

Ist es dann ein enges Familien Mitglied, wie Vater oder Mutter, kommt dazu, dass man als Pfleger ein gewisses Pflichtgefühl hat und sich total aufopfert und auch vernachlässigt. Jede Minute, die man dann außerhalb des Hauses verbringt rächt sich in einem schlechten Gewissen. Das alles zusammen führt irgendwann beinahe unweigerlich dazu, dass man sich streitet und sich nur noch überfordert fühlt mit der Pflege. Da sollte man dann wirklich lernen, auf sich selbst zu hören, um auch mal mit ruhigem Gewissen ausgehen zu können.

Als die Oma meines Mannes letztes Jahr vor der Entscheidung stand, bleibt sie im Haus oder zieht sie in ein betreutes Wohnen, haben wir ihr ganz allein diese Entscheidung überlassen. Natürlich haben wir mit ihr die Einrichtungen angeschaut, haben ihr die Vor- und Nachteile klar gemacht und unsere Meinung dazu kundgetan. Aber gedrängt haben wir sie nie, nur war auch klar, dass ich sie bei uns zu Hause nicht pflegen kann.

Letztendlich ist sie in eine 2 Zimmer Wohnung im betreuten Wohnen gezogen und ihr gefällt es dort sehr gut. Sie wird da rund um die Uhr versorgt, wenn sie es benötigt, hat Hilfe beim Waschen und Anziehen und zudem viel Kontakt zu relativ gleichaltrigen Personen, was ich auch ganz wichtig finde. Im Haus war sie sehr viel alleine und das hat sich nach dem Umzug schlagartig geändert.

Wir hatten uns aber auch über die Pflegerinnen aus Polen erkundigt, die für uns eine Alternative gewesen wären. Jedoch weiß ich nicht, wie Oma das gesehen hätte, das haben nur mein Mann und ich besprochen, da es nie so akut war mit der Pflege, dass tatsächlich 24 Stunden am Tag jemand hätte da sein müssen. Aber ich denke, dass solch eine Pflegerin tatsächlich das Verhältnis zwischen Tochter und zu pflegender Mutter entspannen kann, denn man ist tatsächlich beruhigter, wenn man weiß, dass alles ok ist, auch man selbst nicht zu Hause sein kann.

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