Zur Wahl gehen, nur um "gesehen" zu werden?

vom 30.09.2019, 11:56 Uhr

Ich komme aus Österreich und gestern gab es bei uns Nationalratswahlen. Auch mit Verwandten und Bekannten kommt man da ja auch diesbezüglich immer wieder ins Gespräch. Gestern erzählte mir eine Bekannte, dass sie zwar zur Wahl gehen wird, allerdings wird sie niemanden wählen. Sie geht nur hin, um "gesehen" zu werden, bzw. damit eben offiziell sichtbar ist, dass sie wählen war.

Auch in den Auswertungen von Wahlen sieht man ja immer wieder, dass meine Bekannte hier scheinbar kein Einzelfall ist. Es gibt ja scheinbar mehrere, die zur Wahl gehen, dort dann aber entweder gar nichts ankreuzen oder eben ungültig wählen, indem sie eben zum Beispiel mehrere Kreuze machen oder dergleichen.

Würdet ihr zu einer Wahl gehen, eben nur um "gesehen" zu werden? Welchen Sinn macht das? Klar, machen vor allem in kleineren Dörfern einige was, nur um "gesehen" zu werden, aber dennoch ist es für mich etwas eigenartig. Wie ist das bei euch?

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» tournesol » Beiträge: 7660 » Talkpoints: 59,95 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Ich würde sicher nicht zur Wahl gehen, um gesehen zu werden. Zum einen ist es hier in der Großstadt den Leuten völlig gleichgültig, wer zur Wahl geht, und zum anderen mache ich sowieso fast immer Briefwahl, was ja auch ohne Beobachtung geschieht. Ehrlich gesagt kann ich mir gar keinen Anlass vorstellen, bei dem ich wegen des Gesehen-Werdens zu einer Wahl gehen würde.

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» lascar » Beiträge: 1842 » Talkpoints: 401,80 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Da hast du Recht lascar. Das sehe ich wie gesagt im Prinzip genauso wie du. An die Briefwahl habe ich dabei ja noch gar nicht gedacht. Das stimmt natürlich, wobei es meiner Bekannten glaube ich auch darum geht, dass in der Gemeinde ja auch in einer Liste ersichtlich ist, wer gewählt hat und wer nicht. Wobei ich ehrlich gesagt glaube, dass sich niemand diese Listen ernsthaft anschaut und sich dann irgendwas denkt, ob da jemand zur Wahl gegangen ist oder nicht.

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» tournesol » Beiträge: 7660 » Talkpoints: 59,95 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



In meinem Wahllokal wählen tatsächlich nicht so viele Leute, weil hier am Stadtrand hauptsächlich Einfamilienhäuser stehen und die Bebauung generell nicht so dicht ist. Es kommt deshalb schon vor, dass man jemanden trifft, den man kennt. Ich habe aber noch nie gehört, dass jemand sich nur deshalb im Wahllokal sehen lässt. Und ich habe auch noch nie gehört, dass es irgendwie mit einem Stigma verbunden ist wenn man nicht im Wahllokal gesehen wird. Viele Leute wählen doch inzwischen eh per Briefwahl.

Wenn ich an einem Wahlsonntag zu Hause bin und nicht schon gewählt habe gehe ich eigentlich immer über die Mittagszeit wählen. Da sitzen die meisten Leute beim Mittagessen und ich kann direkt ohne Wartezeit in die Wahlkabine durchgehen. Dabei werde ich dann aber natürlich eher nicht gesehen, weil außer den Wahlhelfern oft niemand da ist.

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» Cloudy24 » Beiträge: 23843 » Talkpoints: 69,88 » Auszeichnung für 23000 Beiträge



tournesol hat geschrieben:dass in der Gemeinde ja auch in einer Liste ersichtlich ist, wer gewählt hat und wer nicht.

Ich weiß nicht wie das in Österreich ist, aber ich in Deutschland gibt es zwei Listen. Einmal das Wählerverzeichnis, in dem dein Name und deine Anschrift vermerkt sind und dann die Liste, in der die abgehakt werden, die gewählt haben. Auf dieser Liste stehen aber keine Namen sondern Nummern. Und die Nummern werden bei jeder Wahl neu vergeben, weil sich ja die Zahl der Wahlberechtigten im Wahlkreis ständig ändert. Du kannst mit dieser Liste also nicht viel mehr machen als die Wahlbeteiligung ausrechnen. Das hat mir mal ein Wahlhelfer erklärt, der über die Mittagszeit viel Zeit hatte.

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» Cloudy24 » Beiträge: 23843 » Talkpoints: 69,88 » Auszeichnung für 23000 Beiträge


Ich kenne solch ein Verhalten nur noch aus tiefsten DDR-Zeiten, denn da hätte es durchaus ein paar Unannehmlichkeiten geben können, wenn man nicht zur Wahl gegangen ist. Aber heutzutage ist das doch glücklicherweise etwas anders und lockerer. Ich finde es aber nicht gut, wenn man von seinem Wahlrecht nicht Gebrauch macht und nur so tut, als würde man wählen. Das ist doch absoluter Kinderkram, denn wie will man sonst seine Zustimmung oder Ablehnung zur aktuellen Landespolitik zum Ausdruck bringen, wenn nicht bei Wahlen.

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» falscher fuffziger » Beiträge: 135 » Talkpoints: 28,85 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Ehrlich gesagt verstehe ich gar nicht, warum man einerseits wählen geht, um dann doch nichts Sinnvolles anzukreuzen. Hat nicht normalerweise jeder Mensch gewisse Präferenzen bei politischen Meinungen, Strömungen und Parteien? Selbst wenn ich mit gar keiner Partei völlig zufrieden bin, gibt es doch normalerweise doch meistens wenigstens eine Partei, die man noch halbwegs gut findet, oder? Wenn ich aber Unsinn oder gar nichts ankreuze, dann signalisiere ich doch quasi, dass mir alles egal ist und ich mit jeder Politik zufrieden bin?

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» lascar » Beiträge: 1842 » Talkpoints: 401,80 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Ich weiß jetzt leider gar nicht genau, ob auf diesen Listen Nummern oder Namen stehen. Darauf habe ich noch nie geachtet.

Und bei mir ist es auch so, dass ich nicht großer Fan einer einzigen Partei bin. Ich schwanke da manchmal auch. Aber bei mir ist es zum Beispiel auch so, dass ich sehr gegen eine bestimmte Partei bin und selbst wenn ich mir manchmal etwas unschlüssig bin, welche Partei ich wählen soll, gehe ich auf jeden Fall, einfach um zumindest eine "Gegenstimme" zu der Partei, die ich so gar nicht mag, zu setzen.

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» tournesol » Beiträge: 7660 » Talkpoints: 59,95 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


In meinem Bundesland wird im Wählerverzeichnis abgehakt, wer gewählt hat. Theoretisch kann ich genau nachsehen, was meine Nachbarn so machen. Aber wen interessiert das. Wir haben normalerweise drei Wahllokale in nebeneinander liegenden Klassenzimmern und folglich 21 Wahlhelfer aus der Gegend. Da hat nun nie jemand gezielt nachgesehen, ob der Nachbar wählen war. :lol:

» cooper75 » Beiträge: 11649 » Talkpoints: 523,72 » Auszeichnung für 11000 Beiträge


Das ist ja schon irgendwie auch total dumm oder meint ihr nicht? Ich gehe also aus dem Haus, um vorzugeben, dass ich wählen gehe. Okay und dann statt doch wirklich zu wählen, tue ich es dennoch nicht? Jetzt, wo ich keine Ausrede wie ich war krank, zu faul etc. gelten lassen muss, wieso ich nicht wählen war. Immerhin war ich zum Beispiel mit meinem sprichwörtlich dicken Hintern draußen, also wieso sollte ich es dann nicht auch tatsächlich tun?

Also ich verstehe es beim besten Willen nicht, wieso man ohnehin aus dem Haus geht, damit andere glauben, dass ich wählen gehe. Derweil habe ich dann draußen nicht gewählt, aber war zumindest draußen, damit alle glauben, dass ich gewählt habe? Wie bescheuert muss ich eigentlich sein, um derartig vorzugehen. Dann kann ich doch auch einfach raus gehen und schauen, dass ich irgendwie und irgendwo mein Kreuz mache. Ich kapiere also wirklich nicht, wieso man das dann nicht dennoch tut, auch wenn man vorher keine Lust hatte.

Ich finde es also sehr dumm, wenn man so vorgeht, um anderswo etwas vorzugeben. Das ist eben doch ganz schön viel „dummer Aufwand“, um andere glauben zu machen, dass ich wählen würde, aber sonst gehe ich vielleicht nur vor das Wahllokal. Wie doof müsste ich sein und meine Zeit verschwenden, wenn ich dann nicht reingehe. Was ergibt das denn für einen Sinn. Ich bin scheinbar nicht schlau genug, um dahinter etwas zu sehen.

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» Kätzchen14 » Beiträge: 4947 » Talkpoints: 6,39 » Auszeichnung für 4000 Beiträge


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