Wurde bei euch fälchlicherweise eine Krankheit vermutet?
Bei einem Verwandten von mir wurde Krebs vermutet, wobei sich das dann doch nicht als wahr herausgestellt hat. Darüber waren wir natürlich alle sehr froh. Allerdings ist es natürlich schon unnötig belastend, wenn der Arzt eine schlimme Krankheit bei einem vermutet, wobei es dann doch nicht so ist. Es muss ja aber nicht nur der Arzt eine Krankheit bei einem vermuten, die man dann doch nicht hat, das können natürlich auch andere Personen.
Wurde bei euch schon einmal fälschlicherweise eine Krankheit vermutet, die ihr dann doch nicht hattet? Um welche Krankheit handelte es sich und wer hatte das vermutet? Wie belastend war diese Vermutung für euch? Habt ihr selbst dran geglaubt?
Wie vermutet man denn fälschlicherweise eine Krankheit? Normalerweise vermutet man ein oder mehrere Erkrankungen, weil Leitsymptome darauf hinweisen und eine genauere Untersuchung erforderlich machen. Nur weil man etwas vermutet, muss es nicht tatsächlich so sein. Deshalb vermutet man es nur. Wenn diese Vermutung sich nicht bestätigt, dann war sie nicht falsch, sie war nur nicht zutreffend.
Nehmen wir an, ich habe Schnupfen. Dann könnte das ein normaler Schnupfen durch einen Virus, eine bakterielle Infektion, eine allergische Reaktion oder ein gut- oder bösartiger Tumor sein. Prinzipiell ist noch mehr möglich.
Über die Anamnese, den Schleim, die Art und Dauer der Beschwerden und so weiter lässt sich die Sache eingrenzen. Würde man nur den Schnupfen sehen und auf Erkältung schließen, würde man einiges übersehen. Denn nicht jeder hat nur eine Erkältung, auch wenn das natürlich im Winter die häufigste Ursache ist.
Natürlich ist die Vermutung, dass es eine schwere Erkrankung sein könnte, für den Patienten nicht schön. Abwarten, bis es zu spät ist, ist auch keine Option, oder? Zu sagen, da ist ein Knubbel, der dort nicht sein sollte, wir gucken mal nach, das ist bestimmt nichts, klappt auch nicht gut. Wenn es doch etwas ist, fällt der Patient aus allen Wolken und verliert vollkommen das Vertrauen.
Soweit ich weiß deutet ein Symptom doch nie auf eine einzige Krankheit hin, sondern kann auch für mehrere Erkrankungen stehen. Daher müssen erst einmal nähere Untersuchungen gemacht werden bevor man eine richtige Diagnose hat und die Sicherheit hat, ob es ein gesundheitliches Problem gibt und welches das ist.
Nehmen wir zum beispiel das Symptom Kopfschmerzen. Das kann durch Wassermangel entstehen, Müdigkeit, vielleicht wurden die Augen überanstrengt oder aber der Nacken ist verspannt. Es kann auch sein, dass man erschöpft ist oder einen Tumor hat. Aber das sind eben eine ganze Reihe von Möglichkeiten und nur weil jemand einmal Kopfschmerzen hat, heißt das noch lange nicht, dass er wirklich einen Tumor hat und deswegen sterben muss.
Wäre es in deinen Augen weniger "belastend", wenn eine schlimme Krankheit übersehen oder falsch diagnostiziert wurde, oder wenn sich ein Verdacht als gerechtfertigt herausstellt? Natürlich gibt es Lustigeres, als tage- oder wochenlang mit dem Gedanken herum zu laufen, dass man vielleicht Krebs hat, aber leider kommen solche Diagnosen nun mal vor, und es laufen genug Leute herum, bei denen es sich nicht um falschen Alarm handelt.
Und selbst wenn man als MedizinerIn sein Bestes gibt, um bei der Erläuterung potenzieller Diagnosen keine Panik zu verbreiten, ist es ja auch nur menschlich, dass der Betroffene nur "Tumor" oder was auch immer hört und für Relativierungen dann nicht mehr empfänglich ist. Ich würde jedenfalls meinen Arzt oder meine Ärztin nicht für eine "Belastung" verantwortlich machen, falls sich ein Verdacht glücklicherweise als haltlos herausstellt, sondern dem Himmel danken, dass ich noch einmal davon gekommen bin. Manche Leute sind auch nie zufrieden.
Ich selber hatte nur einmal einen Arzt, der bei einem Symptom, das wirklich alles Mögliche bedeuten kann, praktisch glänzende Augen bekommen hat, als er mir das schlimmst mögliche Szenario ausgemalt und mir versichert hat, dass der vielleicht nötige chirurgische Eingriff "gar nicht schlimm" sein wird und ich gute Chancen habe, wieder ganz gesund zu werden. Nur leider war ich ganz anders und völlig harmlos krank, der gute Mann hat sich nur von der Vorstellung mitreißen lassen, dass eine "interessante" Diagnose nicht ganz ausgeschlossen war. Angesichts von so viel Begeisterung für potenzielle Tumorzellen habe ich dann doch lieber den Arzt gewechselt.
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