Wegen Gesundheit Sport machen müssen obwohl keine Zeit?

vom 27.12.2015, 09:12 Uhr

Mein Freund hat zwei ältere Brüder A und B, wobei der älteste A ein absoluter Sportfanatiker ist und auch extrem auf seine Ernährung achtet. Versteht mich nicht falsch, ich finde es gut, wenn man auf sich achtet, aber ich finde, dass das bei ihm schon fanatische und ungesunde Züge annimmt und sich sogar auf seine Kinder auswirkt und die meiner Ansicht nach zu wenig Essen, weil sie Angst haben zuzunehmen.

A hat aber auch sehr viel Freizeit, die er dann in Sport investieren kann. So hat er eine Mietwohnung, seine Kinder sind fast erwachsen, soziale Kontakte pflegt er nur die nötigsten aus der Familie. Freunde boykottiert er, weil sie seiner Meinung nach alle schlecht sind.

B jedoch hat seit über einem Jahrzehnt ein Haus, um welches er sich kümmern muss. Da ist der Garten und die Hecken, aber auch das Haus selbst, das modernisiert werden muss, damit es nicht verfällt. Er arbeitet in der Kontischicht, die ihn ziemlich schlaucht und er hat noch einen Minijob nebenher, weil er meint, dass das Geld sonst nicht reicht. Außerdem hat er ein Kleinkind zu Hause, das auch viel Aufmerksamkeit braucht.

A kritisiert jetzt ständig an B, dass B gefälligst mehr Sport machen sollte, um gesünder zu leben und sich besser zu fühlen. Ich finde, dass A ziemlich arrogant rüberkommt. Denn wie soll B großartig Sport machen - selbst wenn er wollte - wenn er offensichtlich nicht so viel Zeit dafür hat wie A?

Findet ihr, dass man aus gesundheitlichen Gründen unbedingt Sport machen muss, wenn man doch offensichtlich nicht besonders viel Zeit dafür hat? Oder gelten Renovierungsarbeiten nicht schon als Sport?

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» Olly173 » Beiträge: 14700 » Talkpoints: -2,56 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Olly173 hat geschrieben:Mein Freund hat zwei ältere Brüder A und B, wobei der älteste A ein absoluter Sportfanatiker ist und auch extrem auf seine Ernährung achtet. Versteht mich nicht falsch, ich finde es gut, wenn man auf sich achtet, aber ich finde, dass das bei ihm schon fanatische und ungesunde Züge annimmt und sich sogar auf seine Kinder auswirkt und die meiner Ansicht nach zu wenig Essen, weil sie Angst haben zuzunehmen.

A scheint leider keine Ahnung von gesunder und ausgewogener Ernährung in Kombination mit dem richtigen Maß an Sport zu haben. Wenn man trotz der beschriebenen Ernährung und einem gesunden Maß an Sport die ganze Zeit Angst hat zuzunehmen, stimmt leider etwas nicht.
Olly173 hat geschrieben:Findet ihr, dass man aus gesundheitlichen Gründen unbedingt Sport machen muss, wenn man doch offensichtlich nicht besonders viel Zeit dafür hat? Oder gelten Renovierungsarbeiten nicht schon als Sport?

Die Umstände, unter denen B lebt spielen keine Rolle. Würde er Sport als wichtig genug empfinden, ihn auszuüben, würde er auch die nötige Zeit dafür finden oder sich eben freischaufeln können. Ich habe Bekannte, die sind alleinerziehende Väter, arbeiten Vollzeit, machen den Haushalt und finden trotzdem genügend Zeit, noch Sport zu machen.

Das ist letztendlich eine Frage des Willens und Wollens. Dass B sich diese Zeit nicht nimmt erscheint logisch, da er keine Lust auf Sport zu haben scheint. Vorwerfen braucht man ihm das nicht, jeder machen und lassen, was er will. Das Verhalten gegenüber B zeigt eigentlich nur, dass A sich für etwas Besseres hält, weil er Sport macht. Obwohl er davon auch nicht viel Ahnung zu haben, zumindest aber den falschen Ansatz an seine Kindern zu vermitteln scheint.

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» TamiBami » Beiträge: 2166 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Wenn ein Arzt ihm mehr Bewegung ans Herz legen würde, würde B schon Zeit dafür finden. Wenn es wichtig ist, um gesund zu bleiben und auch für das Kind da zu sein, dann muss das eben sein. A ist allerdings kein Arzt, er hat keine Ahnung von den Blutwerten von B und offensichtlich hat B auch keine akuten Beschwerden.

Von daher nervt wohl nur dieses Aufdrängen eines Lebensstils. Es ist ja schön und gut, wenn A mit seinem Sport und seiner Ernährung glücklich ist. Und er kann auch ruhig MAL mit seinem Bruder darüber reden, warum es ihn glücklich macht und er kann es seinem Bruder auch MAL ans Herz legen.

Was ich immer so hasse, ist das Drängen und das immer und immer wieder. Am besten noch mit kleinen Neckereien über zu viel Körperfett verbunden, die nach dem zweiten Mal auch schon lange nicht mehr lustig sind, sondern einfach nur verletzend und nervig.

Oder gelten Renovierungsarbeiten nicht schon als Sport?

Meiner Meinung nach ja. Es ist Bewegung, anstrengend und ein Ausgleich zu beispielsweise Büroarbeit. Wobei man bei körperlicher Arbeit sehr darauf achten muss, sich nicht falsch zu bewegen, sonst ist es kontraproduktiv und geht auf den Rücken oder die Gelenke. Aber das muss man beim Sport auch.

Aber das wird, denke ich, generell nicht so gesehen. Es gibt im Internet beispielsweise so Lebenserwartungsrechner oder auch Rechner, die deine individuelle Trinkmenge pro Tag ausrechnen. Dazu muss man ein paar Daten von sich eingeben, u.a. wie viel Sport man treibt. Ob man einen körperlich anstrengenden Job hat, wird nie gefragt.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9449 » Talkpoints: 20,24 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Es wird doch allgemein gesagt, dass Bewegung im Alltag gut ist. Nur interessanterweise ist "Sport" im allgemeinen Sprachgebrauch nicht immer dasselbe wie Bewegung. So kann man doch auch im Alltag genug Bewegung einbauen, der nicht offiziell als "Sport" definiert wird. Beispielsweise statt Fahrstuhl dann die Treppe zu benutzen. Oder man steigt ein paar Haltestellen eher aus dem Bus aus und geht den Rest der Strecke zu Fuß. Oder man geht in der Mittagspause spazieren. Ich glaube, dass nicht mal Gassi gehen offiziell als "Sport" gilt.

Das finde ich schade. Denn nur weil jemand nicht das macht, was man im Allgemeinen als Sport bezeichnen würde, heißt das ja nicht, dass die Person ständig auf der Couch und vor der Glotze hängt. Auch hängt ja sehr viel vom Job ab. Manche Jobs sind körperlich so anstrengend und fordernd, dass man nach Feierabend keine Energie mehr übrig hat für Sport.

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» Täubchen » Beiträge: 33313 » Talkpoints: -0,56 » Auszeichnung für 33000 Beiträge



Ich denke man kann mit einem Kleinkind und einem Haus, was man renoviert ja auch nicht von wenig Bewegung sprechen. Daher gibt es sicherlich gezielten Sport und auch bessere Übungen, aber die Bewegung ist ja gegeben und auch mit einem Kind kann man Sport gut in den Alltag integrieren, wenn man das will. Kinder haben ja auch Spaß an Sport. Also wenn man welchen machen wollen würde, dann kann man das auch machen, so viel Zeit braucht das ja auch nicht. Übungen zu Hause kann man ja auch machen, wenn das Kind neben einem spielt und das Witzige ist, dass das Kind dann auch versuchen wird mitzumachen, nachzumachen und sich damit auch bewegt.

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» Ramones » Beiträge: 44121 » Talkpoints: 19,66 » Auszeichnung für 44000 Beiträge


Ich habe in der Zeit, als ich mit Renovierungen und dem Umzug beschäftigt war keinen Sport gemacht. Ich war Abends auch so schon total platt und ich hatte am nächsten Tag teilweise auch Muskelkater. Wobei ich mit meiner heutigen Erfahrung sagen würde, dass mir eine halbe Stunde einfache Yoga Stretchübungen am Abend auf jeden Fall gut getan hätten.

"Keine Zeit" finde ich als Argument aber immer schwierig, denn ich kenne wirklich niemanden, der sich nicht Zeit nehmen könnte wenn er den wirklich wollte. Weniger Zeit am Smartphone hängen, weniger Zeit vor dem Fernseher hocken oder weniger Zeit mit Zocken verbringen, dann findet sich bei den meisten Leuten die angeblich nicht vorhandene Zeit schon.

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» Cloudy24 » Beiträge: 25938 » Talkpoints: 75,82 » Auszeichnung für 25000 Beiträge


Erstmal finde ich, dass jeder so leben soll, wie er will und das es auch einem Bruder nicht zusteht, einen ständig zu mehr Sport aufzufordern. Das würde mich auch sehr nerven. Wenn jemand gern viel Sport machen will, gerne, aber dann soll er andere nicht damit belästigen. Diese Belehrerei dient nur dazu, um sich zu profilieren, das sind ganz arme Würstchen, die anderen immer das Leben vorschreiben müssen.

Dass man keine Zeit für Sport hat, denke ich, ist zwar durchaus eine Ausrede, aber man darf ja oft nicht sagen, dass man zu etwas keine Lust hat. Wer offen sagt, dass er keine Lust auf Sport hat, setzt sich ja gleich einem ganzen Haufen Kritik aus, wie man hier auch sieht. Daher ist "keine Zeit" das, was noch sozial erwünschter ist.

» Zitronengras » Beiträge: 9265 » Talkpoints: 69,08 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



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