Liegt Depression in den Genen?

vom 09.05.2009, 21:03 Uhr

Ist jemand , der Verwandtschaft ersten Grades hat, der an Depressionen leidet besonders gefährdet auch Depressionen zu bekommen oder sind Depressionen nicht vererbbar?

Wenn Depressionen in der Erbanlage liegen, warum bekommen dann so viele auch Kinder, die selber an Depressionen leiden und schon die Vorfahren Depressionen hatten/haben? Kann man, sollte es an den Erbanlagen liegen auch schon im Kindesalter was unternehmen, dass Depressionen erst gar nicht ausbrechen?

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Bestimmte Charaktereigenschaften scheinen vererbar zu sein. In meiner Verwandschaft habe ich beobachtet, dass viele dazu neigen sich Sorgen zu machen und übertrieben ängstlich sind. Auch ich mache mir manchmal zu schnell Sorgen und neige zur Ängstlichkeit. Möglicherweise liegt dass wirklich in den Genen. Bei Depressionen wird es vermutlich ähnlich sein.

Aber Depressionen können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Da kann vieles eine Rolle spielen. Die Gene, die Erziehung, das persönliche Umfeld oder Erlebnisse in der Kindheit. Vielleicht gibt es auch viele Ursachen, die bis heute nicht richtig erforscht sind. Ich finde das Thema ziemlich komplex.

Ich bin davon überzeugt, dass man bei Kindern die Weichen so stellen kann, dass sie später weniger zu Depressionen neigen. Ganz wichtig finde ich eine offene Beziehung zwischen Eltern und Kind. Wenn Kinder zu Hause über alles reden können, dann ist die Gefahr, dass sich innerlich irgend etwas anstaut viel geringer.

Wichtig ist aber auch, dass Kinder lernen mit Schwierigkeiten und Konflikten konstruktiv umzugehen. Ich denke, dass man auch dadurch die Neigung zu Depressionen vermindern kann. Kinder beobachten Erwachsene genau. Wenn sie sehen, dass die Eltern konstruktiv mit Konflikten umgehen, dann werden sie gestärkt und haben ein Vorbild.

Ich denke schon, dass die Gene bei Depressionen eine große Rolle spielen können. Aber ich bin auch der Meinung, dass man gezielt gegensteuern kann bzw. soll.

» kengi » Beiträge: 886 » Talkpoints: 17,93 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Da Depression ja häufig eine physische Erkrankung ist, d.h. körperliche Ursachen hat, denke ich schon das sie prinzipiell vererbbar ist. Denn ein krankes Gen für die Serotoninsynthese (z.B. das auf Chromosom 12) würde ja zu einer geringeren Menge an funktionsfähigem Serotonin und damit zu depressiven Charakterzügen führen.

Bei der Zeugung eines Kindes bestünde dann ja auch die Möglichkeit das kranke Gen weiterzuvererben, was die Depression als Erbkrankheit klassifizieren würde.

Wenn Depressionen in einer Familie gehäuft auftreten muss dies aber nicht unbedingt genetische Ursachen haben, schließlich wirkt die Erziehung der Eltern auch auf die Kinder und wenn die Eltern an Depressionen leiden wären die Kinder durch diese Erziehung wohl stärker gefährdet als die von Eltern ohne Depression.

» TuDios » Beiträge: 1475 » Talkpoints: 4,83 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



ich schließe mich mit meinem gefährlichem halbwissen meinen vorrednern an. auch ich vermute, dass der der hang zu einer gewissen schwermütigkeit erblich ist. ich kenne einige familien, in der das so ist, und in denen einige fälle von verschieden stark ausgeprägten depressionen vorkommen. ob das ganze aber wirklich genetisch bedingt ist, oder durch soziale prägung über gererationen weitergereicht wird, werden wohl nur wissenschaftler, die sich eingängig damit beschäftigen beurteilen können.

» BlueFlower » Beiträge: 2 » Talkpoints: 0,53 »



Soweit ich weiß kommen Depressionen familiär gehäuft vor, sodass man schon die genetische Disposition weitervererben kann, dass ein Kind später mal schneller zu Depressionen neigt als genetisch unvorbelastete Kinder. Ich meine, bei einem Alkoholiker ist die Wahrscheinlichkeit auch größer, dass dessen Kind mal trinkt als bei einem Nicht-Alkoholiker. Bei Rauchern ist es doch meines Wissens nach auch ähnlich, also dass die Kinder eine 50% höhere Wahrscheinlichkeit haben, selbst später mal zu rauchen. Ich denke, bei Depressionen wird es da genauso sein. Wie man dem aber effektiv vorbeugen kann, übersteigt leider meinen Horizont.

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» Olly173 » Beiträge: 14700 » Talkpoints: -2,56 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


Es ist in der Tat so, dass Depression teilweise erblich bedingt sein kann. Das heißt aber bei aller Liebe nicht, sei Gen XY für den Ausbruch der Depression verantwortlich ist. In vielen Zwillingsstudien konnte nämlich nachgewiesen werden, dass eineiige Zwillinge eine deutlich höhere Konkordanz bzgl. der Depression zeigten als zweieiige Zwillinge - das spricht dann doch schon für eine genetische Beteiligung, wenn auch die Genetik nicht alleine verantwortlich ist. Das "depressive" Gen gibt es (noch) nicht, wird es sehr wahrscheinlich auch nicht geben.

Depression ist nämlich vom Entstehungsmechanismus mehr oder weniger mit Bluthochdruck und Diabetes Mellitus Typ 2 zu vergleichen: Eine multifaktorielle Genese wird angenommen, da gehören die Gene dazu, die Biographie, Umweltfaktoren und das Alter. Bei Depression bzw. insgesamt psychischen Erkrankungen kommt allerdings auch die Resilienz hinzu, die Widerstandsfähigkeit eines Organismus gegenüber Störungen. Diese ist wiederum sehr unterschiedlich, erklärt also auch die sehr unterschiedlichen Ausprägungen und den Aspekt, warum einige an Depression erkranken, andere wiederum nicht.

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» getku » Beiträge: 883 » Talkpoints: 11,06 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Bei Depressionen ist es, wie bei anderen vererbbaren Krankheiten auch, dass sie ausbrechen können, aber nicht müssen. Sie können aber auch durch Medikamente erst hervorgerufen werden. So sind unter anderem Blutdruck senkende Mittel eine medikamentöse Ursache für Depressionen. Selbst wenn es in der Familie noch nie diese Erkrankung gab.

Aber auch wenn ein Elternteil an starken Depressionen leidet, muss es nicht unbedingt bei den Kindern zu diesen Erkrankungen kommen. Es kommt dabei auch immer auf die Ursachen der Erkrankung an. Wenn zum Beispiel bestimmte Erlebnisse eine Depression ausgelöst haben, wird diese Krankheit eher nicht auf dem Erbgut basieren.

» Punktedieb » Beiträge: 17970 » Talkpoints: 16,03 » Auszeichnung für 17000 Beiträge



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