Zweifel am Studium

vom 12.06.2008, 20:29 Uhr

Hallo,

zur Zeit zweifel ich mal wieder sehr stark, ob meine Entscheidung, Jura zu studieren, wohl richtig war. Ich stehe wieder kurz vor meinen Klausuren am Ende des Semesters, und merke, wie schwer es mir teilweise fällt, bestimmt Zusammenhänge richtig zu verstehen und sie dann in den Fallprüfungen darzustellen.

Auch sonst arbeite ich viel lieber als studieren zu gehen und verbringe daher viel zu wenig Zeit mit dem Lernen. Andererseits möchte ich nicht ewig Fremdsprachensekretärin bleiben und stelle mir den späteren Anwaltsberuf sehr vielseitig und interessant vor - hier in der Kanzlei bekomme ich das ja regelmäßig mit.

Mir kommen solche Zweifel immer mal wieder, obwohl ich eigentlich noch recht am Anfang meines Studiums bin. Ich falle dann in ein richtiges Loch, kann mich nicht mehr richtig aufs Lernen konzentrieren und stöbere nach Alternativen zu meinem Studium.

Geht Euch das auch manchmal so? Zweifelt ihr auch ab und zu mal an dem, was ihr studiert? Habt ihr Euer Studium irgendwann wegen Zweifeln abgebrochen und wann? Findet ihr, man sollte bei so frühen Zweifeln etwas anderes machen?

Ich kann mich nicht richtig dazu durchringen, mein Studium an den Nagel zu hängen, denn bisher habe ich alle Prüfungen bis auf eine Hausarbeit bestanden und denke daher immer, dass es so schlecht ja gar nicht sein kann, auch wenn ich regelmäßig das Gefühl habe, nichts zu wissen und nichts zu können und der ganze Stoff auch niemals in meinen Kopf reinpassen kann.

LG,H

Benutzeravatar

» Qn » Beiträge: 1539 » Talkpoints: 7,83 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Ich studiere zwar nicht, sondern absolviere eine Ausbildung, was sich ja durchs davon unterscheidet. Dennoch kann ich deine Zweifel manchmal sehr gut nachvollziehen. Bis heute zweifelte ich auch mal wieder an meiner "tollen" Ausbildungsentscheidung, weil ich mich häufig unfähig fühle, verhältnismäßig einfache Sachen zu machen, und meine Kollegen mir dann gutmütigerweise helfen... Ich versuche mir dann in Erinnerung zu rufen, dass ich ja erst im ersten Lehrjahr stecke, und natürlich noch nicht alles können kann, sonst müsste ich die Ausbildung ja nicht absolvieren. Aber andererseits halten meine Zweifel oft dagegen, dass es manchmal um grundlegende Dinge geht, die man nicht einfach so "lernen" kann.

Ich kann dir nur raten, was mir in so einer Situation hilft: Denke daran, was du später damit machen kannst! Du hast selbst gesagt, du willst nicht ewig Fremdsprachensekretärin bleiben sondern Anwältin werden! Das ist ein tolles, berufliches Ziel, welches in mir immer vor Augen halten würde. (Klar, bei mir ist es nicht Anwältin sondern Designerin, aber es geht ja um's Prinzip ;) ) Träum ziwschendurch mal ein bisschen rum, wie dein späterer Arbeitsalltag an tollen Tagen aussieht, wenn dir mal wieder die Motivation fehlt. Denn das bringt zumindest mir unheimlich viel motivation, weiter zu machen. ich konnte dir ein wenig helfen...

Benutzeravatar

» Taline » Beiträge: 3594 » Talkpoints: 0,75 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Hallo,

also ich habe Deinen Tip auch schon mehrmals angewendet, denn meine Familie rät mir regelmäßig das Gleiche. Inzwischen ist es nur so, dass ich mich dann nur noch mehr ärgere, dass ich erst am Studienanfang bin und es bis dahin noch so ein weiter Weg ist. Bei mir wirkt das praktisch total kontraproduktiv und verstärkt meinen Unmut nur noch. Am liebsten würde ich dann noch eher alles hinschmeißen und denke, dass ich an dieses Ziel sowieso nie kommen will.

Irgendwie motiviert mich das alles nicht, und wenn ich dann monatlich mein Gehalt bekomme, hier auf der Arbeit eine verantwortungsvolle Tätigkeit übernehmen kann, genauso nah an den Fällen dran bin als Sekretärin wie ein Anwalt, nur eben dass ich die Sachen nur bearbeite und nicht selbst erstelle, überlege ich immer wieder, ob ich nicht doch lieber in diesem Beruf bleiben will. Das kollidiert dann wiederum mit meinen Vorstellungen über mein späteres Leben, vorallem in Hinblick auf einen Lebensstandart, den ich mir mal sichern will.

LG,H

Benutzeravatar

» Qn » Beiträge: 1539 » Talkpoints: 7,83 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Hallöchen,

In welchem Semester bist du denn? Ich muss sagen,dass ich auch manchmal an meinem Wissen zweifel. Außerdem bin ich unglaublich faul, was bei diesem Studiengang nicht gerade vorteilhaft ist. Aber ich selbst habe es bisher nicht breut. Man merkt das vor allem daran, dass man sich auf die Vorlesungen freut, sie interessant.

Wenn du das Gefühl nicht hast und weder gerne Vorlesungen besuchst, es eher eine Quälerei ist,dann macht man sich schon Gedanken.

Aber mal ehrlich, du hast doch ein Ziel oder? Der Anwaltsberuf ist unglaublich interessant und du hast nicht umsonst angefangen Jura zu studieren. Vielleicht gehst du nochmal in dich und überlegst ob es sich lohnt den steilen Weg auf sich zu nehmen und ob du das willst,was am Ende steht.

Liebe Grüße
winny

Benutzeravatar

» winny2311 » Beiträge: 15159 » Talkpoints: 4,91 » Auszeichnung für 15000 Beiträge



Dein Problem ist ein einfaches: Du arbeitest neben dem Studium.

Ich hab ja auch schon aus anderen Threads herausgelesen dass Du wahrscheinlich neben dem Studium einem normalen Job nachgehst, also wahrscheinlich auch 35 - 40 Stunden die Woche arbeiten wirst (oder von mir aus leicht weniger) und das noch bis spät abends. Ich gehe mal recht in der Annahme dass Du so gegen 24 Uhr / 1 Uhr ins Bett kommst bei deinen Arbeitszeiten und nicht eher, oder?

Dazu kommt noch das Studium was Dir auch so 40 - 60 Stunden in der Woche abverlangen wird. Also nehme ich mal an, eine 100 Wochen Stunde ist bei Dir realistisch. In welchem Semester bist Du? 2. / 3. / 4.? Naja, ich nehme mal an irgendwo da.

Warum ich denke, dass dein Problem die Arbeit ist? Weil`s mir am Anfang genauso ging! Ich hab ab dem 2. Semester wieder bei meinem alten Zwangsarbeitgeber wieder weitergearbeitet und arbeite seitdem dort als freier Mitarbeiter (bringt mir viele Vergünstigungen, wie Home Office). Das beschert mir knapp 60 - 100 Wochenarbeitsstunden in der Woche und dazu kommt noch das Studium (befinde mich 1 - 2 Semester vor der Staatsprüfung) und Freundin. Wenn ich mal eine 100 Stunden Woche habe bin ich schon unterbeschäftigt :wink:. Bei mir ist es auch so, dass ich jetzt bereits mehr verdiene als ich nach dem Studium im Referendariat verdienen werde und wahrscheinlich auch in der ersten Zeit danach - ich hab zwar einen Platz bei einer sehr namhaften internationalen Kanzlei dank meines jetzigen Arbeitgebers sicher aber da gilt das Prinzip: Top Platz = miserable Bezahlung dank guter Konkurrenz.

Und ganz ehrlich: Das in Kombination entmutigt. Ich hab mich das ganze zweite und dritte Semester über fast täglich zur Uni zwingen müssen und hab auch oft genug einfach Uni Uni sein lassen und mich ferngehalten. Lag einfach daran, dass ich mich recht schnell ausgebrannt gefühlt habe da ich im Grunde keine Freizeit mehr hatte, dadurch auch Streß mit meiner Freundin hatte, ich mich ständig so gefühlt habe dass der Tag für mich 30 Stunden bräuchte und im Grunde kaum Zeit und Energie für die Uni hatte - die ganze Situation hat mich dann ziemlich zermürbt da ich mich nur noch rackern sah ohne echtes Vorankommen in der Uni. Grad die ersten Semester sind dahingehend sehr entmutigend, weil man keinen echten Fortschritt sieht.

Dazu kam halt die Situation mit der Arbeit dass ich immer im Hinterkopf hatte dass wenn ich in der Uni war, dass ich dort Zeit verplemper ohne dafür angemessen entschädigt zu werden und wenn ich arbeiten würde schon wieder gut Geld dafür bekommen würde. Und natürlich, dass mir das Studium "kein Geld" bringt und ich mit meiner Arbeit ungelernt genug verdiene um mir und meiner Freundin einen gehobenen Lebensstandard leisten zu können und im Grunde das mache was mit weitestgehend Spaß macht.

Am Ende des dritten Semesters stand ich also wie Du ernsthaft und kurz davor mein Studium komplett zu schmeißen weil ich keinen Sinn mehr darin sah und das Gefühl hatte das mich und meine Reserven die Situation so langsam aufzehrt.

Irgendwann in den Semesterferien hat`s dann, ich weiß auch nicht mehr genau, ich schieb das meist auf meine Freundin die mich da immer gestützt hat in meiner "Jeden Tag jammern" Phase, bei mir klick gemacht dass das halt nicht ewig gut geht und ich keine Lust habe jahrelang trotz guten Verdienst auf einer Stufe auf einem realistisch gesehen doch recht unsicheren Arbeitsplatz zu verweilen oder maximal die Chance haben in 20 Jahren zweimal aufzusteigen. Und natürlich, dass ich das Tempo nicht durchhalten kann, außer ich reduzier meinen Schlaf auf 4 Stunden täglich - ich hab mich dann an der Uni schlau gemacht und meine Situation geschildert und eine Art Aufschub aushandeln können. Ich habe natürlich nicht darauf verwiesen dass ich meine Arbeit nur betreibe um ein gutes Leben zu haben sondern vor allem um damit für mich nach dem Studium wichtige Beziehungen aufrechtzuerhalten und wichtige Praxiserfahrung zu sammeln. Von meinem Arbeitgeber konnte ich über 3 Ecken eine Zusage von der für uns tätigen Großkanzlei herausschlagen unter der Bedingung dass ich sowohl im Studium als auch im Betrieb gute Leistungen erbringe. Dadurch darf ich sozusagen etwas langsamer studieren und meine Scheine auch später machen als gefordert und gleichzeitig war ich durch den Praktikumsplatz und den Rückhalt bei meinem Arbeitgeber wieder gut motiviert.

Im 4. Semester hab ich mich dann noch so durchgehangelt und irgendwann war die Dauerbelastung dann Routine und es gleitet dann an einem ab, also 100 - 120 Stunden die Woche nur zu rackern. In den Semesterferien hab ich mich dann gut vorbereitet und meinen Rückstand von 2 Semestern mit der Zeit so aufgeholt und jetzt bin ich soweit wie meine Kommilitonen die mit mir angefangen haben.

Und auch wenn das Refendariat mich gut Geld kosten wird freu ich mich trotzdem drauf da es mal was anderes ist und eine Abwechslung und gute Chance darstellt - denn so langsam nervt mich auch der oft gleiche Trott auf meiner Arbeit.

Und solang das Studium Dich nicht durch Rückschläge belastet, also Du ständig Klausuren verhaust, stehst Du bei der Doppelbelastung echt gut da - das schaffen viele Studis die nichts nebem dem Studium machen nicht. Verständnisprobleme kommen immer mal auf, die hat jeder - und der Stoff wird immer anspruchsvoller. Solang Du hier immernoch mitkommst lass Dich davon nicht unterkriegen - und zur Not nutze auf jeden Fall die Möglichkeit einen Anwalt bei Dir in der Kanzlei zu fragen und Dir bei Unklarheiten zu helfen wenn Du wirklich mal völlig in einer Sackgasse steckst. Zu dem einen oder anderen wirst Du sicher einen guten Draht haben.

Also würde ich Dir deswegen empfehlen:
- Das Studium eröffnet Dir sowohl persönlich, als auch finanziell große Möglichkeiten.
- Nutze die Gelegenheit auf Arbeit.
- Wenn das Studium Dich zu sehr belastet stufe es zurück, bei der Arbeit geht das ja schlecht - ein oder zwei Semester später fertig zu werden ist keine Schande, vor allem wenn man nebenher arbeitet.
- Halte Dir am besten immer deine Zukunft vor Augen mit und ohne Studium. Dabei ist es auch nicht unrühmlich die Zukunft mit Studium sehr optimistisch und die ohne eher pessimistisch zu sehen.

Das ganze kostet eine Menge Kraft - trotzdem werden Deine Entbehrungen durch deine wesentlich höhere Qualifikation am Ende belohnt werden.

Benutzeravatar

» Subbotnik » Beiträge: 9308 » Talkpoints: -7,05 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Hallo,

Danke für deinen informativen und langen Post. Du hast in gewisser Weise schon recht mit der Belastung, die mir durch meine Vollzeit tätigkeit in meinem Beruf zukommt. Allerdings macht mir mein Beruf in der Kanzlei viel Spaß, und ich kann im Grunde genommen auf ihn gar nicht verzichten. Neben dem guten Geld, dass ich dort verdiene, habe ich dort ein tolles Kollegium und arbeite an großen Fällen aus allen Bereichen, was mich sehr interessiert und mir auch Spaß macht.

Ich arbeite 160 - 200 Stunden im Monat, das hängt vorm Arbeitsaufkommen ab und der Wochenendelage, also wie oft ich am Wochenende zusätzlich ins Büro muss. Meine Arbeitszeiten sind von 14:00- 23:00 Uhr bzw länger, wenn ich Überstunden machen muss, was oft vorkommt. Bis ich dann zu Hause bin vergehen 1 1/2 Stunden, also vor ein Uhr komme ich nie ins Bett. Der Wecker klingelt täglich um 5 bzw. an zwei Tagen um sechs.

Abgeschlafft bin ich aber selten. Man merkt natürlich manchmal, dass einem einfach der nötige Schlaf fehlt, und ein paar Stunden mehr am Tag würde ich mir auch wünschen. Dennoch fühle ich mich eben in meinem momentanen Beruf sehr wohl und kann mich dort in gewisser Weise selbst verwirklichen, da ich dort schon erfolgreich bin und eine verantwortungsvolle Tätigkeit übernehmen kann. Das liegt mir und fehlt mir im Studium natürlich total.

Ich glaube auch, dass ich generell nicht der Studientyp bin. Ich kann dem im Hörsaal sitzen und dem Professor lauschen nicht viel abgewinnen, und so vernachlässige ich die Vorlesungen und gehe nurnoch in die Tutorien, dass aber regelmäßig. Ich lerne viel von zu Hause, "viel" für eine Jurastudentin nicht, aber viel im Vergleich zu meinen Unizeiten. Bisher hat es auch immer gereicht, um gut bzw generell zu bestehen.

Meistens kommt die Zeit zum lernen auch einfach zu kurz, denn auch ich muss ja noch einen Haushalt schmeißen, habe Haustiere und ein Pferd und muss meinen generellen Pflichten nachkommen. Auch mit meinem Partner will ich genug Zeit verbringen, und da ich nicht der Studientyp bin, aber dennoch etwas "ordentliches" lernen will, bleibt das Studium oft hinten dran.

Generell denke ich mir dann aber immer wieder, dass ich das Studium durchziehen will, auch wenns mir schwer fällt, damit ich einfach eine gute und fundierte Ausbildung habe und später eben nicht mein Leben lang als Sekretärin arbeiten muss. Momentan füllt mich der Job vielleicht aus, aber das wird sich auch mit Sicherheit noch ändern. Ich bin erst im 2. Semester und 20 Jahre alt. Vielleicht bin ich auch deswegen so stolz auf meinen Job in der Kanzlei, weil ich dort schon für wirklich gute Anwälte die Verträge erstellen darf und so weiter. Ich denke, nicht viele können das mit 20 mit einem zusätzlichen Jurastudium und eigenem Haushalt bewältigen, auch das macht mich immer ein bischen stolz.

Dennoch zweifel ich eben an meiner Entscheidung, zu studieren, weil ich viel zu wenig lerne und mich auch einfach nicht richtig dazu durchringen kann. Es ist meistens für mich eine Qual, mir Dinge in den Kopf zu prügeln, und manchmal kann ich auch einfach nicht und lasse es dann ganz bleiben. Ich versuche dran zu bleiben am Studium und auch erfolgreich im Beruf zu sein, aber ich weiß nicht, ob ich das auf Dauer durchhalten kann und ich den weiter folgenden Stoff weiterhin so "locker" mit so "wenig" Lernaufwand mithalten und mitnehmen kann. Das wird sich dann wohl zeigen.

Da ich erst im 2. Semester bin tut sich für mich eben immer wieder ein genereller Zweifel auf, ob ich nicht doch das Ganze mit dem Studieren lassen soll. Ich weiß zwar im Notfall immer, wofür ich es eigentlich mache und das ich es auch will, aber die Ganzen Umstände kombiniert sind manchmal, wenn ich sowieso Zweifel habe und dementsprechend unsicher bin, ein bischen zu viel.

LG,H

Benutzeravatar

» Qn » Beiträge: 1539 » Talkpoints: 7,83 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Wie gesagt, mir ging es bei meinem Job anfangs genauso und wenn das eine mehr Spaß zu machen scheint demotiviert das was spaßraubend ist umso mehr. Die Vorlesung hab ich auch meist nur physisch anwesend miterlebt und hab meist mit dem Laptop nur drin gesessen, das Gerede über mich ergehen lassen und nebenher dank WLAN meine Arbeit gemacht.

Hm, wie eng stehst Du denn im Kontakt zu den Anwälten in deiner Kanzlei? Unterhälst Du Dich mit ihnen auch über ihre Arbeit? Wenn nicht, probier in der Pausenzeit hier mal ein SmallTalk Gespräch anzustoßen über ihre Arbeit und was ihnen Spaß daran macht und wie sie diese wahrnehmen. In der Regel, grad als Jurist :wink:, kehrt man dabei immer die Vorteile heraus und somit kannst Du Dich vielleicht darüber motivieren dass Du auch das in der Zukunft machen wirst und ähnlich viel Spaß an deinem Beruf haben wirst. Denn wir Juristen sind zwar oft ziemlich zynisch aber in der Regel liebt man seinen Beruf mit Hingabe.

Ich kann, auch wenn Dir das nicht direkt hilft, nur raten: Beiß Dich weiter durch und lass Dich nicht demotivieren - denn insgesamt, so wie Du es schilderst kann ich Dir mit etwas Abstand zum zweiten Semester sagen: Andere machen es schlechter als Du und sind heute trotzdem vor der Prüfungskommission. Und all die trockene Theorie vergisst man schnell im Refendariat und dort fängt dann auch richtig der Spaß an. Als ich mal in den Semesterferien praktisch arbeiten durfte hab ich das so richtig gemerkt. Vielleicht wäre das auch was für Dich, wenn Du versuchst in den Ferien mal bei Dir in der Kanzlei ein Zwischenpraktikum rauszuschlagen um mehr Tuchfühlung mit der Praxis aufzunehmen kann Dir das vielleicht am weitesten bei deiner Entscheidung helfen, also ob der Beruf Dir zusagt oder eher nicht, ob er Dir Spaß macht oder nicht.

Benutzeravatar

» Subbotnik » Beiträge: 9308 » Talkpoints: -7,05 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Hallo,

also Praktika habe ich schon zwei gemacht, einmal in einer kleinen Kanzlei mit 5 Anwälten und in meiner vorherigen Großkanzlei, in der ich dann auch gearbeitet habe, mit 120 Anwälten. Beides hat mir super viel Spaß gemacht, wobei mir das Arbeiten in einer Großkanzlei mehr lag bzw mir die Arbeit der Anwälte dort wesentlich mehr zugesagt hat. Mit solchen "kleinen" Fischen kann ich nicht so viel anfangen bei der Fallbearbeitung.

Ich glaube, wenn ich bis in die höheren Semester vorgedrungen bin, lichten sich die Zweifel auch von selbst, und ich spiele nicht mehr mit dem Gedanken, einfach so abzubrechen. Ich bin schon sehr erfolgsorientiert und würde niemals mehrere Jahre Studium dann abbrechen und die Jahre wegwerfen. Nach zwei Semestern denkt man sich dann noch, dass es ja "nur" ein Jahr ist und man vielleicht doch noch umschwenken kann.

Dass das Refrendariat wirklich toll ist glaube ich gerne. Eine Arbeitskollegin macht jetzt ihre Anwaltsstation in Mexiko, und das finde ich zum Beispiel super spannend und interessant. Nur muss ich es eben erstmal bis dahin schaffen. Danke dass Du mir Mut machst und sagst, dass ich es durchaus schaffen kann, auch mit Job. Mein Arbeitgeber ist sehr nett und bietet mir auch an, in Monaten, in denen es in der Uni wirklich eng wird, meine Stunden zu reduzieren bis gar zu halbieren.

Dass Du in den Vorlesungen auch den Vorzügen des WLans erlegen bist finde ich sehr symphatisch, das kenne ich nämlich auch schon. Daher nutze ich die Zeit dann lieber zu Hause, den zur Uni hin und zurück fahre ich 3 Stunden Zug insgesamt, und die drei Stunden nutze ich dann eben lieber zu Hause.

Dieser lange Weg zur Uni ist auch noch ein Punkt, der mich dann total demotiviert. Wenn ich für eine Vorlesung, die 1:30 dauert, 3 Stunden fahren muss, denke ich mir immer, wie sehr das doch verschenkte Zeit ist. Denn im Zug kann ich mich oftmals nicht genug konzentrieren, um wirklich sinnvoll etwas aus Büchern aufzunehmen. Auch zu den Tutorien zwinge ich mich, aber das schaffe ich dann doch noch, weil die mir wirklich etwas bringen. Da lohnt sich die investierte Zeit dann viel eher.

Mit den Anwälten dort hat man eigentlich ein eher nüchternes Verhältnis. Allerdings arbeite ich eng mit ihnen zusammen und bekomme ihre Arbeitsweise in vielen Bereichen des Berufsbildes mit, von Litigation über Tax bis zu M&A. Das ermöglicht mir natürlich viele verschiedene Einblicke, und ich kenne neben den Vorzügen dieses Berufes auch die Nachteile, in einer Großkanzlei eben ewig lange Arbeitstage und sehr wenig Freizeit. Allerdings ist die Arbeit auch super interessant und verlangt einem einiges ab - eigentlich das was ich suche bzw. worin ich mich finden könnte, würde ich denn mal dort ankommen.

LG,H

Benutzeravatar

» Qn » Beiträge: 1539 » Talkpoints: 7,83 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Also so wie es aussieht hast Du ja doch noch den ein oder anderen Punkt neben der Aussicht auf materiellen Erfolg am Studium dranzubleiben :wink:.

In einer kleinen Kanzlei würde ich auch nicht arbeiten wollen. Ich strebe zwar neben meiner Tätigkeit als hoffentlich promovierter Jurist auch an noch nebenher Gewerkschaft und Partei als Jurist mit meiner Arbeit auch unentgeltlich zu unterstützen und dann nur sowas "um die Ohren zu haben" aber ausfüllen würde es mich auch nicht - irgendwo fehlt beim reinen kleinbürgerlichen Rechtsbeistand doch der Anspruch und man fühlt sich mehr als Sachbearbeiter der in eher unbedeutenden Standardfragen Hilfe leistet. Aber sowas fällt bei mir dann eher unter Hobby anstatt unter ernsthafte Aufgabe.

Wenn dein Arbeitgeber Dir dieses große Plus einräumt - perfekt. Besser kannst Du es ja kaum erwischen - bei dem Entgegenekommen kannst Du sicherlich auch mit mehr rechnen, also z. B. Hilfe im Studium oder Zuspruch wenn`s mal brenzlig wird. Auch wenn bei euch eher ein nüchternes Verhältnis herrscht (Juristen halt :wink:) hat jeder irgendwann im Studium auch mal einen Tiefpunkt durchlaufen und kann Dir da vielleicht auch mal Beistand und seelische Unterstützung geben oder Dich mit seinen Erfahrungen stärken.

Das mit der Zugfahrt ist natürlich extrem schlecht, zugegeben. Ich muss 3 mal die Woche nach Kassel rauschen aufgrund meiner Ausrichtung (unsere tolle Uni bietet es trotz "Elite Uni" Status nicht an) und die 40 km über die Autobahn und im im Stadtverkehr regen mich auch wirklich auf, auch wenn es bei mir nur 1 Stunde statt 3 ist (die man aber auch sinnvoller nutzen könnte als mit stupidem Autobahn und Stadtverkehr fahren).

Warum brauchst Du denn solange? Soweit ich das bisher mitbekommen haben bist Du doch in FFM tätig - sind da die Wege zur Fakultät soweit auseinander?

Benutzeravatar

» Subbotnik » Beiträge: 9308 » Talkpoints: -7,05 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Hallo,

also ich arbeite auch in Frankfurt, das ist korrekt. Jedoch wohne ich hinter Darmstadt - eigentlich sind es nur 60 km bis nach Frankfurt rein, aber die A5 ist immer dermaßen vollgestopft am Frankfurter Kreuz morgens, und meine Tutorien liegen alle um 7:30 bzw 8:15 Uhr, sodass ich auf jeden Fall Zug fahren muss, um rechtzeitig an zu kommen.

Neben dem zeitlichen Aspekt, spielen die Kosten natürlich auch eine große Rolle. Zur Arbeit fahre ich oft mit dem Auto, da bekomme ich von der Arbeit natürlich auch Spritkosten erstattet, die den eigentlichen Betrag jedoch nicht mal im Ansatz decken. Zudem fahre ich so, da ich ab und zu auch bei meinen Eltern in Luxemburg vorbei schaue, pro Jahr knapp 40 000 km. Da ich mein Auto eigentlich noch ein wenig länger behalten wollte, muss ich meist auch mit dem Zug zur Arbeit fahren. Dies dauert 20 Minuten weniger, da ich vom Hauptbahnhof zu Fuß gehen kann, was bei meiner Uni nicht der Fall ist. Hier fahre ich vom Hauptbahnhof nochmal U-Bahn.

Durchhänger habe ich zum Beispiel auch, wenn ich darüber nachdenke, wie ich in Zivilrecht bestehen soll. Das macht mir super viele Sorgen. Ich kann Schuldrecht dieses Semester auf keinen Fall mitschreiben, muss also nächstes Semester in Deliktsrecht ran. Bis auf die Strafrecht Hausarbeit, in der ich kurioser Weise wie 85% der Anderen mit 3 Punkten durchgefallen bin, habe ich dann Ende dieses Semesters alles zur Zwischenprüfung bestanden, Strafrecht schreibe ich in den Semesterferien nochmal, und dann fehlt mir eben nurnoch Zivilrecht. Da habe ich aber seit dem 1. Semester kein Tutorium besuchen können, da die Tutorienplätze auf ein Minimum an Studenten begrenzt war und ich zu den Unglücklichen gehörte, die keinen Platz bekommen haben.

Somit ist mein Wissensstand Zivilrecht betreffend mehr oder minder gleich 0. Die Theorie ist nicht das Problem, ich lese Bücher und versuche so den Stoff nachzuarbeiten, aber da ich keine Praxis bekomme kann ich nicht mal einen einzigen winzigen Fall lösen. Ich vergesse Anspruchsgrundlagen oder weiß zwischendurch auf einmal nicht mehr weiter. Das deprimiert mich schon sehr und ich muss mich in den Semesterferien richtig auf den Hosenboden setzten und irgendwie an "Musterlösungen" für zivilrechtliche Fälle kommen, sonst sehe ich da schon wieder schwarz.

Auf der Arbeit kann ich leider seltenst jemanden fragen. Wir haben 120 Anwälte bei uns, die alle ziemlich hohe Tiere sind, und auch die Associates, die erst "neu" dabei sind, sind da sehr eingespannt und haben einfach weder Zeit noch Nerv, mir im 2. Semester bei etwaigen Problemen zu helfen. Das kann ich aber nachvollziehen und nehme ich auch keinem Übel. Natürlich ist das Verhältnis zu Juristen generell kühl, jedoch habe ich im Gegensatz zu vielen Anderen zu dieser Kühle eine Affinität; meinen Kolleginnen macht das meistens sehr viele Probleme. Daher habe ich auch gar nicht den Drang meinerseits, einen Anwalt etwas zu meinem privaten Studium zu fragen - abgesehen davon, dass ich sowieso keine Antwort bekommen würde oder könnte.

Es sind einfach so viele verschiedene Aspekte, die da mit rein spielen, und ständig überlege ich mir, ob ich mit etwas Anderem nicht besser dran sein würde. Ich hätte gerne Journalismus studiert, bin aber mit einem 1,3er Abi überall abgelehnt worden. Wartesemester wollte ich nicht, da ich, wie gesagt, kein Mensch bin, der gerne sinnfrei Zeit verschenkt, und somit habe ich dann auf meine Zweitwahl Jura umgeschwenkt. Ein Fernstudium für Journalismus wäre zwar drin, jedoch ist der Abschluss dort für mich mehr als zweifelhaft und eher nicht erstrebenswert, da er einem richtigen Universitätsabschluss sehr hinterher steht. Mit Voluntariaten will ich mich auch nicht herumärgern müssen, da mir das Ganze viel zu unsicher ist.

Danke!!H.

Benutzeravatar

» Qn » Beiträge: 1539 » Talkpoints: 7,83 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^