Ein-Euro-Jobs werden ausgenutzt

vom 09.05.2008, 12:23 Uhr

Wie der Bundesrechnungshof jetzt in einem Bericht bestätigte, werden Ein-Euro-Jobs ausgenutzt. Jeder hat es gewusst und nun haben wir es schwarz auf weiß. Anstatt die Arbeitslosen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren und ihnen langfristig Arbeitsstellen zu verschaffen, bringen Ein-Euro-Jobs genau das Gegenteil, sie vernichten Arbeitsplätze. Sie würden dafür eingesetzt um kurz- oder mittelfristigen Personalmangel auszugleichen, reguläre Arbeitsplätze einzusparen oder Fördermittel zu bekommen.

Wer ein klein wenig darüber nachdenkt, der kommt von alleine darauf. Wenn bei der Stadt für die Gärtner, die unserer Grünanlagen pflegen, Ein-Euro-Jobber eingestellt werden, dann übernehmen sie doch die Arbeit für Arbeitnehmer, die aus dem Berufsleben durch Rente oder ähnliches aussteigen. Keine Firma wird eine gelernten Gärtner einstellen und viel Geld für ihn zahlen, wenn er für Ein-Euro-Jobber nur ein Bruchteil bezahlen muss. Die Ein-Euro-Jobber bekommen ja nicht einmal Krankengeld oder Urlaubsgeld, von Weihnachtsgeld wollen wir gar nicht reden.

Das heißt, wenn ein Ein-Euro-Jobber krank wird oder eine Woche Urlaub macht, dann bekommt er während dieser Zeit noch nicht einmal Lohnfortzahlung, obwohl das ja eh nicht besonders viel ist. Das alles ist moderne Sklavenhaltung, denn sie können sich nicht mal dagegen wehren. Sagen sie etwas gegen schlechte Arbeitsbedingungen, dann wirft man sie raus, bekommt den nächsten und der Entlassene bekommt vielleicht auch noch eine Sperre für das Arbeitslosengeld. Warum hat das denn so lange gedauert, bis man es gemerkt hat, das das nicht die Lösung ist?

» urilemmi » Beiträge: 2266 » Talkpoints: 8,39 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Das ist ja nichts neues, dass die ein Euro Jobber ausgenutzt werden. Ein Bekannter von mir ist gelernter Gärtner und arbeitslos Er "darf " aber bei der Stadt als ein Euro Jobber arbeiten. Es hieß damals, wenn er sich rentiert und gut ist, dann kann es sein, dass er sogar bei der Stadt übernommen wird. Pustekuchen. Er arbeitet schon 1 Jahr für die Stadt für ein Euro. Seitdem er da arbeitet bekommt er aber auch keine Stellen mehr vom Arbeitsamt angeboten. Er schreibt zwar so Bewerbungen, aber er hat sogar schon Absagen bekommen, weil er ja "Arbeit" hat und die Gärtnereien dann lieber jemanden die Chance geben wollen, die nicht am arbeiten sind.

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» Diamante » Beiträge: 41860 » Talkpoints: 10,10 » Auszeichnung für 41000 Beiträge


Natürlich ist es nichts neues, dass die Ein-Euro-Jobber ausgenutzt werden. Allerdings ist es für mich trotzdem ein Anliegen, das nicht unter den Teppich gekehrt werden darf! Für mich ist es eine Schweinerei, dass Menschen, die teilweise schon am Verzweifeln sind, auf diese Art und Weise ausgenutzt werden. Oft sind es gerade die Menschen, die von sich selber wissen, dass sie auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance mehr haben und sich somit an jeden Strohhalm klemmen müssen. Das wissen natürlich auch die Arbeitgeber. Aufgrund dessen findet die Ausnutzung überhaupt erst statt.

Ähnlich wie bei der Kinderarbeit hilft hier aber auch kein Verbot der Ein-Euro-Jobs! Die Menschen, die somit der Arbeitslosigkeit überlassen würden, standen dann am Abgrund. Am Besten wären schärfere Kontrollen der Arbeitgeber und das die Euro-Jobber einen "richtigen" Job angeboten bekommen. Hier müsste der Staat eventuell nachhelfen.

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» hsvrules999 » Beiträge: 357 » Talkpoints: 0,34 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Wie wäre es mit 1 Euro Jobs nur noch da, wo es eh keine bezahlten Stellen für gibt? Ich denke an solche Sachen wie in kleinen Gemeinden für die Bücherhalle arbeiten oder für Museen die fummelige Auswertungsarbeit machen, für die sich nie Zeit findet sonst. Oder im sozialen Bereich, wo eh immer chronisch Gelder fehlen und auch keine weiteren Stellen für bestimmte Arbeiten vorgesehen sind. Aber die meisten dieser Jobs gehen ja in die Richtung, das dort normalerweise ein "normaler" Job bestanden hätte und mal ehrlich: Kennt irgendwer irgendjemanden der aus einem 1 Eurojob übernommen wurde?

Andererseits sind die 1 Eurojobs leider teilweise echt zum Machtinstrument von frustrierten ARGE Mitarbeitern mutiert, die da ihre ganze Menschenfeindlichkeit fröhlich ausleben. Einen Akademiker weit über 50 zum Spargelstechen zu schicken ist bei genauer Betrachtung ziemlicher Nonsens (aber nicht von der lustigen Weise).

Erstens: Es würde sich vermutlich was finden wo die entsprechende Ausbildung besser ausgeschöpft werden kann.

Zweitens: Die medizinische Nachbehandlung dürfte da locker das mehrfache des wirtschaftlichen Nutzens einfahren.

Drittens: Ist einfach Schikane. Und nein, es ist nicht weit hergeholt das Beispiel, sondern stammte aus meiner alten Nachbarschaft.

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» Nephele » Beiträge: 1047 » Talkpoints: 2,22 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Ich finde es auch schlimm, dass manchen Menschen so wirklich die Lebensgrundlage genommen wird. Der Vater einer Freundin von mir musste dies am eigenen Leib erleben. Seine Firma ging pleite und da er mit Ende vierzig als zu alt für den normalen Arbeitsmarkt galt, wurde er in einen Ein-Euro Job vermittelt, den er über 2 Jahre lang ausführte.

Ich bin mir nicht sicher, ob er zwischendurch als manchmal wieder entlassen wurde, weil es aus irgendwelchen Gründen nicht mehr zulässig war in als Ein-Euro-Jobber anzustellen, aber sie zog sich das ewig lang hin. Erst als er drohte zu kündigen stellte sein Chef ihn auf Teilzeit Basis an und mittlerweile hat er eine 3/4 Stelle.

Ich denke dies ist auch die einzige Möglichkeit um eine solche Sache zu bekämpfen, denn erst wenn die Ausgenutzten sich wehren und anfangen zu streiken sind die Firmen gezwungen ihnen bessere Löhne zu zahlen, weil sie auf die Arbeitskraft angewiesen sind.

Aber letztendlich bleibt es doch eine Methode um wieder einen Einstieg ins Arbeitsleben zu erlangen, solange es nicht wie oben schön beschrieben in der Ausnutzung endet!

» Lutzilein » Beiträge: 122 » Talkpoints: 0,72 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Lutzilein, wenn die 1 Euro Jobber sich wehren und mit Kündigung drohen, dann droht ihnen Geldsperre vom Amt. Und das kann sich kaum ein ein Euro Jobber leisten, dass er 3 Monate ganz ohne Geld da steht. So einfach ist es nicht, mit Kündigung zu drohen, wenn man nicht übernommen wird, oder mehr Geld haben will.

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» Diamante » Beiträge: 41860 » Talkpoints: 10,10 » Auszeichnung für 41000 Beiträge


Das gesamte Konzept ist fehlerbehaftet bis in die letzten Paragrafen. Aber, außer dem Volk hat das damals keiner gemerkt (oder wollte es nicht merken). Die Politiker haben (wie immer eigentlich) geglaubt, das sie etwas gutes verbrochen hätten, eher sie von der Realität eingeholt wurden.

Anstatt sich Informationen aus Nachbarländern zu holen (Dänemark zum Beispiel hat ein sehr gutes Konzept, welches auch mit einer Wiedereingliederung punktet), ist wieder versucht wurde, etwas eigenständiges auf die Beine zu bringen, was letztendlich teurer wird als die vorherige Lösung und auf jeden Fall kontraproduktiver für die Arbeitslosen sich auswirkt.

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» Entertainment » Beiträge: 3663 » Talkpoints: -9,34 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Es ist doch nicht das Konzept was falsch ist. Sondern einfach der Umgang mit der ganzen Thematik. Ein Euro-Jobber sollen doch nur in öffentlichen und sozialen Bereichen eingesetzt werden. Also da wo früher ABM-Stellen waren. Wenn die wirklich in gewerbliche Firmen kommen, dann machen die Leute von der ARGE was falsch.

Bei uns kenne ich niemanden, der in Firmen geschickt wurde. Die sind nur direkt bei der Gemeinde und pflegen die Grünanlagen und Fusswege. Oder halt die beiden Damen die in der Kita sauber machen, was sonst die Erzieher machen mussten.

» Punktedieb » Beiträge: 16548 » Talkpoints: 84,99 » Auszeichnung für 16000 Beiträge


Das war mir von vorne herein klar, das das vollkommen ausgenutzt wird. Sehe es leider Tag für Tag selbst, da meine Chefin selbst so ist, das sie Ein-Euro-Jobber einstellt, die die Arbeit übernehmen, wofür man jemand hätte fest einstellen können. Sie nutzt sie leider sehr aus und gibt ihnen wirklich Aufgaben, die in meinen Augen "unter aller S**" sind. Ich verstehe jedesmal, wenn die Ein-Euro-Jobber von selbst aufhören, denn meiner Meinung sind die "meisten" Arbeiten, die sie verrichten müssen, nicht die Arbeit, die zum Beruf passt.

Bei meinem Freund in der Firma ist dasselbe Spielchen. Es werden Ein-Euro-Jobber eingestellt, die die Arbeit verrichten müssen, die keiner tun will. Bei mir in der Firma sind das nicht wirklich schöne Arbeiten, u.a. unter der Laderampe den Müll, der ab und an schon lebt (das ist noch harmlos ausgedrückt) wegräumen, das eigentlich die Arbeit unserer Parkplatzreinigung ist und nicht die der Ein-Euro Jobber.

Mir tun diese Menschen einfach leid, so aufgenutzt zu werden. Aber auf die Zukunft hin gesehen war es so klar, das das nichts richtiges ist mit den Ein-Euro-Kräften. Aber das wollte anfangs ja niemand wissen, hauptsache das Konzept klappt am "Anfang", wie es sich in der Zukunft zeigt ist egal.

Klar, ab und an werden Ein-Euro-Jobber auch eingestellt als Teilzeit-Kraft oder sogar Vollzeit-Kraft, aber wie oft kommt das vor?! Also ich habe davon noch nicht viel mitbekommen. Meistens wird es ihnen doch versprochen und kaum ist ein Jahr herum, werden sie entweder entlassen oder es kommt ein nächster Jahresvertrag.

Ich halte von diesem Ein-Euro-System ehrlich gesagt nicht wirklich viel.

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» SybeX » Beiträge: 3896 » Talkpoints: 11,19 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Die einzige legitime Methode sich zu wehren, wenn es zu verstrahlt wird ist leider die "Gesundheitskarte". Ich kenne etliche die sich einst noch halb am verenden zur Arbeit geschleppt haben aus Pflichtgefühl, die inzwischen mindestens einmal sich via ärztlichen Bescheid gegen einen von der ARGE zugeteilten 1-Euro Job gewehrt haben.

Das ganze System geht einfach fest davon aus, man müsse alle Arbeitssuchenden dazu zwingen jeden Job anzunehmen und hält sehr viel mehr für zumutbar, als es in der Tat ist. Erlebnisse wie "Dann müssen sie halt woanders hinziehen" hat inzwischen so gut wie jeder aus meinem Bekanntenkreis gemacht. Das auf diese Weise soziale Strukturen völlig zerschlagen werden scheint für die ARGE kein Problem zu sein, wohl aber für die Menschen die ihr ausgeliefert sind.

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» Nephele » Beiträge: 1047 » Talkpoints: 2,22 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


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