Habt ihr schon einmal Korrektur gelesen?

vom 24.12.2013, 23:16 Uhr

Hier sind ja zahlreiche Studenten vertreten, die sicherlich schon einmal eine Hausarbeit oder gar ihre Bachelorarbeit schreiben mussten. Sicherlich habt ihr diese auch Korrektur lesen lassen, bevor ihr sie endgültig abgegeben habt.

Meine Frage beschäftigt sich aber damit, ob ihr schon einmal selbst Korrektur gelesen habt? Wenn ja, habt ihr einfach nur über die Rechtschreib- und Grammatikfehler drüber gesehen und diese korrigiert? Oder war euch die Materie, über die ihr gelesen habt, vertraut? Wie habt ihr korrigiert? Benutzt ihr die in Word vorhandene "Kommentar einfügen"-Funktion? Und verfasst ihr einen abschließenden Kommentar, um den Schreiber auf etwaige Fehler hinzuweisen, damit dieser sie nicht wiederholt?

» cupcake03 » Beiträge: 1152 » Talkpoints: 29,50 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Ich habe schon zahlreiche Arbeiten meiner kleinen Schwester Korrektur gelesen. Und letztens sogar die Bachelor-Arbeit ihres Freundes. Mir macht das sogar richtig Spaß. Leider passiert das oft auf den letzten Drücker und man steht dann noch unter Zeitdruck. Aber die Bachelor-Arbeit meiner Schwester habe ich in zahlreichen Versionen, Überarbeitungen und Stadien zur Korrektur bekommen.

Ich achte natürlich hauptsächlich auf Grammatik- und Rechtschreibfehler. Aber auch auf Formulierungen. Meine Schwester hat ganz eindeutig ein paar Lieblingsformulierungen, die dann immer wieder auftauchen. Nur so kleine Wörter wie "hierbei" oder "somit". Da mache ich dann immer Alternativvorschläge. Außerdem markiere ich, wenn ein Satz viel zu kompliziert oder unverständlich formuliert ist.

Das merkt man oft nicht, wenn man mittendrin steckt. Aber als Außenstehende fällt mir das sofort auf. Daher finde ich es auch ganz gut, wenn man nicht so drin ist in der Materie. Meine Schwester hat schon etliche Bücher und Studien über ihr Thema gelesen und sieht dann vieles als selbstverständlich an. Aber wenn man ganz unwissend rangeht, entdeckt man dann viele Lücken.

Zur Korrektur benutze ich zum einen die Kommentarfunktion. Also wenn ich andere Formulierungen vorschlage oder beschreibe, was ich an dem Satz unverständlich finde. Wenn ein Komma fehlt, markiere ich die Stelle gelb. Wenn ein Komma zu viel ist, wird dieses gelb markiert. Wenn irgendetwas falsch geschrieben ist, wird es rot markiert. Wenn eine Leerstelle zu viel ist, mache ich es blau.

Man kann die Fehler ja nicht einfach korrigieren. Meine Schwester arbeitet ja währenddessen selber noch an der Arbeit und wenn ich einfach korrigieren würde, müsste sie dann "meinen" und ihren Text vergleichen und die Unterschiede finden. Einen abschließenden Kommentar bekommt sie eigentlich nicht. Das erübrigt sich aus den Korrekturen. Manchmal fragt sie, ob sie den einen oder anderen Punkt noch mehr ausführen soll. Aber meistens schreibe ich einfach drunter, dass es schon sehr gut ist.

Benutzeravatar

» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Ich habe letztens die medizinische Doktorarbeit einer Bekannten Korrektur gelesen, da sie nicht wusste, wie sie die Einleitung formulieren sollte. Sie hatte das vorher nie gemacht und im Studium nie gelernt wie man wissenschaftlich arbeitet und war entsprechend unsicher. Da habe ich nicht zwangsläufig auf Rechtschreibung und Grammatik geachtet, sondern eher darauf, ob das Thema verständlich formuliert ist und ob es inhaltliche Schwächen und Logikfehler gibt. Da ich ja keine Medizinerin bin, habe ich ihr auch Feedback gegeben, was ich mich als Laie fragen würde, wenn ich mit dem Thema konfrontiert werde.

Benutzeravatar

» Täubchen » Beiträge: 33305 » Talkpoints: -0,78 » Auszeichnung für 33000 Beiträge



Ich betreibe Korrektur lesen als Nebenjob und habe mittlerweile recht feste Kategorien entwickelt, wo ich mich einmische und wo nicht. Rechtschreibung und Grammatik ist klar, und auch bei Bandwurmsätzen mache ich an geeigneter Stelle einen Punkt.

Auch die vielen "kleinen Wörter" korrigiere ich, wenn etwa offensichtlich ist, dass jemand immer "nachdem" schreibt", wenn er "weil" meint, oder nicht kapiert hat, dass man sich "für" etwas interessiert, aber "an" etwas Interesse hat. Dadurch wird auch der größte Schmonz schon etwas leserlicher, weil er einfach Struktur bekommt und sich die logischen Zusammenhänge besser herauskristallisieren, wenn ein paar Kommas an der richtigen Stelle sind.

Inhaltlich lasse ich jedoch prinzipiell die Finger davon. Schließlich werde ich nicht fürs "Ghostwriting" bezahlt, das wäre erheblich teurer. Aber ich bin zudem auch nicht der Meinung, dass man jedem dahergelaufenem Trottel, der von "wissenschaftlichem Arbeiten" keine Ahnung hat, einen Abschluss oder gar Titel hinterherwerfen muss.

Mein Job ist es nur, dafür zu sorgen, dass gut lesbarer und sprachlich korrekter Schwachsinn abgeliefert wird, was ich auch immer zu Anfang (natürlich in höflichen Worten) klar mache. Wer den inhaltlichen Teil partout nicht hinbekommt, kann sich immer noch an anderen Stellen Hilfe suchen oder einfach jemanden dafür bezahlen, dass der gegen entsprechendes Entgelt eine fertige Arbeit abliefert.

» Gerbera » Beiträge: 9805 » Talkpoints: 2,27 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Ich habe auch schon öfters Korrektur gelesen. Ich habe das Gefühl, dass viele dann ein komplettes Lektorat mit Inhaltskorrektur, sprachlicher Verbesserung und Co erwarten. Meistens mach ich allerdings wirklich nur Fehlerkorrektur - also Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Wenn es vorher vereinbart wurde oder ich die Person sehr mag, dann schaue ich mir auch den Ausdruck an.

» sugar-pumpkin » Beiträge: 654 » Talkpoints: 137,29 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Schon in meiner Schulzeit habe ich regelmäßig Korrektur gelesen, nämlich die Deutscharbeiten meiner Banknachbarin, die nicht besonders gut in Grammatik und Rechtschreibung war. Am Ende von Klassenarbeiten haben wir die Hefte heimlich ausgetauscht und ich habe ihre Fehler mit Bleistift, beziehungsweise die Kommafehler gleich mit Füller korrigiert. Wir sind nie erwischt worden.

Später habe ich mir dann die Referate meiner Kinder angeschaut und auf die gröbsten Fehler aufmerksam gemacht. Außerdem hatte ich die Diplomarbeit eines ehemaligen Freundes getippt, Computer gab es damals noch nicht und die Fehler aus seiner handschriftlichen Vorlage dabei korrigiert.

Die Facharbeit meiner Kinder habe ich auch Korrektur gelesen, wobei die Arbeit meines Jüngsten eine Katastrophe war. Er fiel in der Grundschule unter das Experiment "Schreiben nach Gehör", was er offensichtlich nie überwunden hat. Mir ist immer noch ein Rätsel, wie er es bis zum Abitur geschafft hat.

Ach ja, und wichtige E-Mails eines Kollegen habe ich korrigiert. Er hatte Legasthenie. Die Bachelor und Masterarbeiten meines Ältesten habe ich nicht korrigiert, weil sie auf Englisch waren. Ich habe sie noch nicht einmal gelesen, weil ich eh nichts davon verstand.

» blümchen » Beiträge: 3008 » Talkpoints: 2,11 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^