Zwei Ärzte diskutieren vor Patienten ihre Meinungen
Unlängst waren wir mit unserer Tochter im Krankenhaus weil sie so schlecht Luft bekam. Und da sie schon einmal ziemliche Lungenprobleme hatte, waren wir eben vorsichtig und sind ins Krankenhaus gefahren. Wir wurden von einer Krankenschwester und einem jungen Arzt betreut und fühlten uns auch recht gut aufgehoben. Sie wurde gründlich untersucht und anschließend musste sie mit einem Medikament inhalieren. Und man merkte sofort eine Besserung. Er besprach mit uns was wir weiter machen sollen, welche Medikamente wir verabreichen sollen und fertig.
Dann kam ein älterer Arzt herein, was anscheinend der Oberarzt war und der hörte unsere Tochter für 3 Sekunden ab und meinte er kann gar nichts feststellen und weiß nicht was es war und wir sollen da bleiben, also stationär. Zu dem Zeitpunkt ging es meiner Tochter dank der Inhalation schon wieder recht gut. Der ältere Arzt wusste eigentlich gar nichts außer den paar Sekunden abhören. Der junge Arzt hat dann gesagt das wir eh sämtliche Medikamente zu Hause hätten auch einen Inhalator und so weiter und so fort. Schließlich ging der ältere Arzt und irgendwie hatte ich das Gefühl er ist genervt.
Wenig später habe ich dann eine Standpauke beobachtet. Als wir dazugekommen sind, weil wir halt gerade da vorbei gehen mussten, wurde es leise. Der junge Arzt hat anscheinend nicht ganz im Interesse des älteren gehandelt. Aber ich muss sagen dass ich mich beim jungen Arzt besser aufgehoben gefühlt habe. Er hat sich wenigstens für das Kind interessiert. Meiner Tochter ging es dann übrigens auch wirklich besser und innerhalb von ein paar Tagen war das ganze wieder ausgestanden.
Ich muss sagen dass es irgendwie ein komisches Gefühl war wenn zwei Ärzte irgendwie darum ringen das richtige zu machen, aber nicht einer Meinung sind. Und das Ganze dann auch noch vor dem Patienten beziehungsweise vor den Eltern machen. In dem Moment weiß man gar nicht so wirklich welchem man jetzt glauben kann. Wenn ich jetzt nicht das ganze schon zweimal durchgemacht hätte dann hätte ich vermutlich dem älteren geglaubt und wären stationär geblieben aber so wusste ich das auch stationär nichts anderes gemacht wird als wir zu Hause auch machen. Und schlimmstenfalls kann ich ja wieder in die Klinik fahren. Wie würdet ihr reagieren wenn ihr euch zwischen zwei Ärzte entscheiden müsstet?
Diese Standpauken gibt es seitens der Oberärzte ständig, insbesondere wenn der diensthabende Assistenzarzt neu ist und noch recht unerfahren. Es ist schon bedenklich, wenn junge Ärzte patientenorientiert handeln, während die meisten Oberärzte Finanzen, Buchhaltung und Kosten ständig im Auge haben.
Ich habe auch schon oft mitbekommen, wie Assistenzärzte zurechtgewiesen wurden, obwohl sie meines Erachtens alles richtig gemacht und dem Patienten letzlich auch geholfen haben. Die Oberärzte wollen es aber immer besser wissen und müssen ihren Teil immer dazu beitragen, so scheint das Geschäft zu laufen. Ich würde nicht unbedingt aus der Positionen ableiten, dass die Empfehlungen des Oberarztes auch zwangsläufig die besseren sein müssen. Die Oberärzte sind Fachärzte, klar, dementsprechend haben sie auch reichlich Erfahrung. Aber Medizin beruht nicht nur Erfahrung, da gehören wesentlich mehr Aspekte dazu: Allein das Gefühl, dass sich der Patient gut aufgehoben fühlt, beeinflusst das Krankheitsgeschehen schon positiv.
Für den Patienten ist es, vermute ich mal, etwas unangenehm, insbesondere dann, wenn er gar nicht darüber aufgeklärt wird, worum es geht. Auch hier sind einige Oberärzte noch recht konservativ und schieben die Patienten ganz auf die Assistenzärzte - Diskussionen führen sie gerne, aber wenn es darum geht, es dem Patienten beizubringen (was auch immer es ist), soll es der Assistenzarzt richten. Da kann ich beispielsweise einfach nur den Kopf schütteln, wenn einige Ärzte meinen - da gehören übrigens auch einige Chefs dazu -, ihre Position kaltschnäuzig ausnutzen zu müssen.
Solche Diskussionen sollte man natürlich vor den Patienten vermeiden, aber vielleicht hat sich der ältere Arzt einfach ein bisschen gekränkt gefühlt, weil der junge Arzt sich mit seiner Methode durchgesetzt hat. Ich denke mal, dass man sich schon absprechen muss, aber Streitgespräche nie vor einem Patienten ausgetragen werden sollten, weil dann schnell der Eindruck entsteht, dass beide nicht wissen was sie tun, wobei das mit Sicherheit nicht der Fall ist. Es verunsichert die Patienten aber und das muss ja nicht sein.
Man hat als Patient ja auch nicht direkt die Auswahl, was mit einem gemacht wird. Wahrscheinlich hätte ich dem Arzt aber in der Situation erklärt, dass es gut funktioniert hat und man das Ganze auch zu Hause machen kann. Es ist aber auch keine schlechte Sache, wenn der Arzt auf Nummer sicher gehen will. Immerhin hattet ihr ja auch eine lange Fahrt.
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