Chemotherapie obwohl der Krebs weg ist?
Bei einer Verwandten von mir wurde vor ungefähr einem Jahr Lungenkrebs festgestellt. In den folgenden Monaten hatte sie zwei Operationen, an der Lunge und am Hals, und bekam auch alle 4 Wochen Chemotherapie. Nach ungefähr 8 Monaten wurde per Computertomographie festgestellt das der Tumor durch die Operation und die anschließende Chemotherapie glücklicherweise entfernt werden konnte.
Bei ihrem letzten Arztbesuch vor ungefähr 2 Monaten meinte dieser allerdings sie sollte trotz der Entfernung des Tumors weiterhin alle 4 Wochen eine Chemo bekommen. Diese bekam sie jetzt schon 2 Mal. Sie vertraut natürlich ihrem Arzt, ist sich aber sehr unsicher ob sie die Chemotherapie weiterhin benötigt. Schließlich ist der Tumor ja weg und die Chemos sind auch nicht ohne.
Habt ihr selbst Erfahrungen damit ob das normal ist? Oder vielleicht Freunde/Verwandte von euch? Wäre für ein paar Meinungen und Erfahrungen dankbar.
Vielleicht will sich der Arzt einfach absichern und die letzten Krebszellen beseitigen. Man muss dem Arzt schon vertrauen. Er weiß selber, dass so eine Chemo nicht besonders angenehm ist und die Patienten damit sehr zu kämpfen haben. Er würde es nicht machen, wenn es sich vermeiden lassen würde. Vielleicht ist er ja auch noch nicht ganz weg und der Arzt hat es nur noch nicht so gesagt. Man weiß es nicht, weil man ja auch die Krankengeschichte nicht mit den entsprechenden Nachweisen kennt, aber ich würde auf jeden Fall dem Arzt vertrauen. Er macht das nicht zum ersten Mal und wird auf Nummer sicher gehen.
Ärzte sagen leider auch nicht immer die Wahrheit. Wenn der Tumor laut Computertomographie nun weg ist und das acht Monate her ist, kann eigentlich der Arzt ohne eine neue MRT oder CT nicht sagen, ob der Tumor Tochtergeschwülste entwickelt hat. Wenn er eine weitere Chemo für richtig hielt, dann vielleicht zur Vorsorge. Aber da mit einer Chemo auch ziemliche Unannehmlichkeiten verbunden sind, sollte sie auf einer genauen Untersuchung basieren.
Ich würde den Arzt noch einmal genau fragen, ob der Tumor nun weg ist oder nicht. Manchen Patienten kann der Arzt aber auch nicht die Wahrheit sagen, obwohl sie ein Anrecht darauf hätten, weil sie nicht in der Lage sind, damit umzugehen.
Meiner Nachbarin wurde gesagt, dass sie nicht mehr lange zu leben hat, weil sie Lungenkrebs und Bauchspeichelkrebs hat und alles inoperabel sei. Trotzdem sollte sie eine Chemo machen. Wie der Arzt ihr gesagt hatte, sei er dazu verpflichtet.
Erschwerdend kommt noch dazu, dass Krebs eine hinterhältige Krankheit ist. Auch wenn man einen Tumor herausoperiert hat, heißt das ja leider nicht immer, dass keine Krebszellen mehr im Körper vorhanden sind. Es kann ja immer noch entartete Zellen geben, die im Organismus herumsausen und sich wieder ansiedeln können. Auch ganz kleine Tumore oder Metastasen sind mit heutigen Verfahren nicht immer nachweisbar, können aber schnell wachsen, wenn sie nicht mit Medikamenten in Schach gehalten werden.
Es wäre schön, wenn man sagen könnte: Tumor entfernt, Patient geheilt, aber so funktioniert das leider nicht in allen Fällen. Wenn deine Verwandte keine Chemo mehr bekommt, vermute ich mal, dass das Risiko steigt, dass sich wieder ein Tumor bildet.
Eine Chemoterapie kann eben auch die Zellen bekämpfen, die der Chirurg nicht erwischen kann. Auch bei inoperablen Tumoren macht eine Chemotherapie durchaus noch Sinn, wenn dadurch das Wachstum der Geschwülste gestoppt oder zumindest verlangsamt werden kann und so das Leben des Patienten verlängert und die Beschwerden gelindert werden können.
Selbst wenn eine Heilung nicht in Sicht ist, gibt es doch mittlerweile schon relativ viele Krebskranke, die trotz Chemo noch ein paar gute Jahre verbringen können. Darauf verzichtet kaum jemand freiwillig. Auch wenn eine Chemotherapie wirklich unangenehme Nebenwirkungen haben kann, ist sie wohl in vielen Fällen das kleinere Übel verglichen mit unkontrolliert wuchernden Tumoren oder Metastasen, die sich im Körper ausbreiten.
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