Trotz Alkoholabhängigkeit seinen Job jahrelang gut machen?
Wie in einem anderen Thread bereits erwähnt, ist in einem Unternehmen hier in der Gegend ein Mensch in einer Führungsposition nun "weg vom Fenster", weil herausgekommen ist, dass er dem Alkohol verfallen ist. Nun ist der Mann aber schon jahrelang in dieser Position und hat das Unternehmen auch gut geführt. Ich frage mich, wie man trotz Alkoholabhängigkeit einen Job jahrelang so gut machen kann, dass es vor allen Dingen auch keiner merkt, was mit einem los ist.
Denkt ihr, dass es wirklich geht und wie kann ein Mensch jahrelang trinken und keiner merkt es und der Job wird so gut gemacht, dass sich keiner beschweren kann. Wie kann man das schaffen?
Alkoholabhängigkeit ist ein komplexes Thema, welches sehr umfangreich ist und viele Sachen beinhaltet, von denen man anfangs gar nicht annehmen würde, dass sie auch dazu zählen. Per definitionem geht eine Abhängigkeit damit einher, dass man Alkohol regelmäßig konsumiert, grob gesagt würde man unter einer simplen Abhängigkeit dieses verstehen. Es ist beim Alkohol allerdings so, dass mindestens 3 der folgenden Punkte zutreffen müssen, um medizinisch von einer Alkoholabhängigkeit sprechen zu können: a) starkes Verlangen nach Alkohol (auch Craving genannt), b) Kontrollverlust hinsichtlich Beginn, Menge und Ende, c) zunehmende Dosissteigerung, d) Entzugssyndrome, e) Vernachlässigung anderer Interessen, f) Alkoholkonsum trotz physischer bzw. psychischer Symptome
Nun mag man meinen, dass es doch unmöglich ist alkoholabhängig zu sein und gleichzeitig eine hohe Position in der Arbeit inne zu haben. Wie das genau funktioniert, weiß ich nicht, aber es scheint auf jeden Fall möglich: Letztens habe ich ein Interview eines ehemaligen Alkoholabhängigen gesehen, der inzwischen trocken und auch sehr reumütig ist. Er erzählte, dass zu seiner Zeit über 90% der Top-Leute in Unternehmen alkoholabhängig waren und dass sie den Arbeitsalltag ohne Alkohol gar nicht überstehen konnten. Ich fans es auch total skurill und irgendwo war ich aber auch erschrocken, was scheinbar auf hohen Stellen vor sich geht. Denn in meinen Augen rechtfertigt gar nichts den Konsum von Alkohol auf der Arbeit. Vor 2 Jahren wurde in den Nachrichten ein Arzt gezeigt - natürlich optisch und stimmlich unkenntlich gemacht -, der ebenfalls täglich alkoholisiert Patienten behandelte. Wie die Patienten nicht dahinter gekommen sind, ist zwar eine andere Frage, aber dennoch war ich geschockt, was es doch scheinbar für verantwortungslose Menschen zu geben scheint.
Es gibt in höheren Positionen mehr alkoholabhängige Menschen, als man vermutet. Warum gerade sie dem Alkohol verfallen, dürfte klar sein. Sie haben Stress in Führungspositionen, weil vielleicht ihre Leistung nicht genügend gewürdigt wird. Oder sie greifen zur Flasche, weil ihr Einfluss nicht ausreicht, die Bezahlung nicht stimmt, entsprechend der Position. Vielleicht gibt es auch Querelen im häuslichen Umfeld, die dann Auswirkungen auf den Beruf nehmen.
Gerade diese Menschen brauchen dann immer einen gewissen Alkoholpegel, um alles ertragen zu können. Sie haben gelernt, wie sie ihre Sucht am besten verstecken können, so dass kaum einer oder nur ganz wenige es merken.
Ich habe persönlich einen solchen Menschen kennengelernt, der mich damals abgeworben hat. Als ich gerade dort angefangen war zu arbeiten, wurde er entlarvt und war plötzlich verschwunden. Mir begegnete man mit einem hohen Misstrauen, obwohl ich selbst keine Ahnung von seiner Abhängigkeit hatte. Zu der Zeit arbeitete ich als Kollegin seiner Frau und lernte ihn dadurch kennen.
Besonders schlimm ist es natürlich für einen Menschen, der als Arzt bei anderen Menschen durchaus einen hohen Schaden anrichten kann in einem solchen Zustand. Gerade in gehobenen Positionen kommt das auch dort vor. Wie man das allerdings so in den Griff bekommt, dass niemand etwas merkt, das weiß ich auch nicht.
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