Prinzessinnenparty für 4jährigen Buben

vom 02.03.2012, 23:56 Uhr

Gestern habe ich meinen Sohn in den Kindergarten gebracht und in der Garderobe habe ich zufällig eine Diskussion oder genauer genommen eher ein Streitgespräch zwischen einer Mutter und ihrem 4jährigen Sohn mitbekommen. Der Sohn dürfte scheinbar in den nächsten Tagen Geburtstag haben und Mutter und Sohn haben über das Motto der Party gestritten.

Der Sohn wollte auf Biegen und Brechen eine Prinzessinnenparty mit allem drum und dran machen und er wollte sich da an dem Tag eben auch ein Prinzessinnenkleid anziehen und so weiter. Also es schien so, dass er eben wirklich eine sehr klassische Prinzessinnenparty wollte. Die Mutter war scheinbar jedoch sehr konservativ eingestellt und regelrecht schockiert. Sie wollte unbedingt eine Piratenparty für ihren Sohn und hat ihre ganze Überzeugungskraft eingesetzt um ihren Sohn davon zu begeistern. Allerdings ohne Erfolg. Er blieb bei seiner Meinung. :D

Die Mutter meinte, dass Buben das nicht machen können und dass er ausgelacht werden würde und so weiter. Die Argumente kann man sich denke ich vorstellen, wie die abgelaufen sind. Ich sehe das prinzipiell offener. Mein Sohn spielt auch durchaus mit klassischem Mädchenspielzeug und ich sehe darin kein Problem. Spontan würde ich auch sagen, dass ich kein Problem mit einer Prinzessinnenparty haben würde, wenn mein Sohn sich die wünscht. Es ist ja seine Party.

Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass es doch noch viele Eltern oder auch Kinder gibt, die das schon etwas seltsam ansehen würden. Die eine Mutter hat es ja vorgezeigt und bei meinem Schwager, der sehr konservativ ist, könnte ich mir auch dezente Reaktionen vorstellen. Wie würdet ihr in so einem Fall reagieren? Würdet ihr dem Buben eine klassische Prinzessinnenparty ermöglichen? Habt ihr vielleicht für einen Buben schon so eine Party gemacht? Wie haben dann die anderen darauf reagiert?

So selten ist der Wunsch denke ich gar nicht. Eine Freundin hat mir auch erzählt, dass im Kindergarten ihrer Tochter ein paar Buben als Prinzessin oder als Fee verkleidet waren. Es ist halt eben noch ein hartnäckig klassisches Rollendenken, dass in vielen Köpfen von Erwachsenen herumschwirrt. Viele Kinder sehen es gar nicht so. Mein Sohn hat zum Beispiel auch einen rosa Pudel als Marionette, die er über alles liebt. Warum auch nicht. Es gab aber schon einige Besucher, die sich über diesen Pudel lustig gemacht haben, aber eben nur, weil ich einen Sohn habe. Bei einem Mädchen würden sie ihn wahrscheinlich lieb finden.

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» tournesol » Beiträge: 7710 » Talkpoints: 28,75 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Es ist schon komisch, wenn ein Mädchen eine Piratenparty oder eine Cowboyparty machen will, dann würde keine Mutter etwas dagegen haben. Aber sobald ein Junge eine "Mädchenparty" machen will, wird sofort geblockt. Warum das so ist, habe ich mich schon lange gefragt. Als mein Sohn sich eine Puppe gewünscht hat und auch von mir bekommen hat, haben alle den Kopf geschüttelt. Aber als meine Tochter sich Autos wünschte, bekam sie von allen Seiten ein Auto geschenkt.

Ich finde dieses Schubladendenken auch schrecklich und wenn der Junge gerne ein Prinzessinenkleid tragen will, dann soll er es machen. Aber dem Jungen eine Piratenparty aufdrängen finde ich schrecklich. Es ist sein Geburtstag und den sollte er so feiern, wie er will.

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge


Genau diesen Vergleich habe ich auch zu Freunden gesagt. Die Tochter einer Freundin von mir ist heuer als Indianer verkleidet gegangen und sie wünscht sich nun zum Geburtstag auch eine Indianerparty. Das wird lustiger Weise sogar irgendwie als "cool" angesehen. Jedenfalls ist es in keinster Weise ein Problem.

Bei Buben ist die Reaktion dann doch immer wieder eine andere. Der Bub konnte mit Piraten definitiv nichts anfangen und ich habe vor allem eben auch arg empfunden, dass die Mutter des Buben dann als anderen Vorschlag gleich so eine ganz typische Bubenparty vorgeschlagen hat. Wohl durchaus auch um noch mehr zu "verheimlichen", dass sich ihr Bub eine Prinzessinnenparty wünscht. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass sie ihren Sohn schon später als Transsexuellen gesehen hat, zumindest, so wie sie reagiert hat und wie schockiert sie deswegen war.

Man darf jedoch leider auch nicht außer Acht lassen, dass es fürchte ich doch noch einige gibt, die eben dieses Klischeedenken haben. Deswegen würde es mich eben auch interessieren, wie das Umfeld auf so eine Party reagieren würde. So traurig es ist, aber ich habe mir danach so ein wenig Gedanken darüber gemacht und leider kann ich mir durchaus vorstellen, dass es in diesem Fall dann vielleicht tatsächlich den einen oder anderen Freund geben könnte, der den Buben dann damit womöglich gehänselt hätte. Vielleicht ist es ja auch nicht so, aber wie gesagt, in meinem Bekannten- und Verwandtenkreis würden mir durchaus ein paar einfallen, die eben über so eine Prinzessinnenparty schockiert wären.

Bleibt aber auch noch die Frage, wie Kinder darauf reagieren würden. In diesem Fall wären die Kinder ja etwa 4 Jahre alt. Da sollte es doch denke ich kein allzu großes Problem sein. Oder sind bereits einige 4jährige so von einer konservativen Erziehung beeinflusst, dass sie da das Geburtstagskind dann womöglich wirklich auslachen würden?

Ich war vor kurzem bei meiner Schwester zu Besuch. Sie hat einen 5 jährigen Sohn. Als ich dort war, hat er zufällig zwei Geburtstagseinladungen bekommen, die zum gleichen Zeitpunkt waren. Eine Einladung war von einem Buben, die andere von einem Mädchen. Mein Neffe wollte lieber zur Party vom Mädchen. Mein Schwager ist, wie bereits beschrieben, sehr konservativ eingestellt und der war selbst darüber regelrecht schockiert und hat alles daran gesetzt um seinen Sohn beizubringen, dass Buben auf einer Mädchenparty mehr oder weniger nichts zu suchen haben und dass er doch mal ein richtiger Mann werden will und so weiter!

Schockierend finde ich das! Ich war einfach nur noch baff, als ich das gehört habe! Aber an diese Szene habe ich mich dann eben auch erinnert, als diese Diskussion mit dem Buben und seiner Mutter war. Ich glaube, wenn mein Neffe auf die Idee einer Prinzessinnenparty kommen würde, würde mein Schwager einen Psychologen einschalten oder vor Schreck in Ohnmacht fallen. Und ich fürchte, dass da mein Schwager nicht der einzige ist, der so reagieren würde.

Natürlich bekommt kein Bub einen Schaden oder sonstwas, wenn er eine "Mädchenparty" macht und in vielen Bereichen gibt es ja zum Glück schon große Fortschritte in der Erkenntnis, dass diese Unterscheidungen ziemlich lächerlich sind, aber bei vielen dürfte diese Erkenntnis eben doch spurlos vorbeigegangen sein und da frage ich mich, warum.

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» tournesol » Beiträge: 7710 » Talkpoints: 28,75 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Ich finde es sehr schade, dass noch so viele Mütter konservativ eingestellt sind. Das habe ich hier im Forum schon mehrmals gelesen. Es ist doch wirklich nicht schlimm in meinen Augen, wenn ein Kind mit einem vorbestimmten Spielzeug des anderen Geschlechts spielt. Wenn der Junge zu seinem Geburtstag nun eine Prinzessinnenparty haben möchte, muss man ihm nicht etwas anderes einreden wollen. Er findet eine Prinzessin ganz toll.

Vielleicht hat er auch schon Bücher vorgelesen bekommen oder Märchenfilme gesehen. Der Mutter wird es nicht nur um den Wunsch des Jungen gegangen sein, sondern darum, was die lieben Eltern der anderen eingeladenen Kinder denken könnten. Leider gibt es so etwas öfter mal. Genau deine Frage zielt schon darauf ab, wie die anderen reagiert haben. Ist das nicht egal? Hier geht es um den Wunsch eines Kindes und nicht die Reaktion eines Erwachsenen.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



Einerseits würde ich sagen, dass es dem Kind doch nicht schadet, sich mal zu verkleiden und in einem Kleid herumzulaufen. Ich würde denken, dass man dem Jungen doch den Wunsch erfüllen kann. Aber auf der anderen Seite ist der Einwand, das Kind könnte ausgelacht werden, nicht ganz unberechtigt. Was ist denn dann, wenn sich nachher einige der anderen Kinder über ihn lustig machen und ihn verspotten? Kinder verhalten sich leider nicht immer politisch korrekt. Das würde ich dem Jungen auch nicht wünschen.

» vde » Beiträge: 397 » Talkpoints: 16,40 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Ich finde auch, dass man da nicht als Mutter gleich sagen sollte, dass das doch nicht geht und alle lachen würden. Wie hier schon geschrieben wurde, verkleiden sich Mädchen eben auch nicht mehr nur als Prinzessin oder Fee. Sie möchten sich dann auch als eher männliche Figuren verkleiden oder eben solche Mottopartys feiern.

Schlimm finde ich es auch nicht, dass der Junge eine Prinzessinnenparty haben möchte und würde ihm diesen Wunsch auch erfüllen. Es kann doch auch mal ganz lustig sein und er lacht vielleicht auch später noch drüber, wenn er dann mal älter ist und die Fotos von der Party sieht. Die Hauptsache ist doch auch, dass es dem Jungen Spaß macht und ihm gefällt.

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» Nelchen » Beiträge: 32238 » Talkpoints: -0,25 » Auszeichnung für 32000 Beiträge


Ich muss an dieser Stelle sagen, dass ich es meinem Jungen vermutlich auch nicht erlaubt hätte, eine Prinzessinnenparty zu feiern. Eine Prinzenparty definitiv, ganz klar. Auch eine Schlossparty oder eine Burgparty hätte ich ihm erlaubt. Auf einer solchen Party kann ja auch jeder so kommen wie er möchte und da hätte ich meinem Sohn vielleicht auch ein Prinzessinnenkleid erlaubt. Da kann man auch viele Spiele spielen, raufen und toben. Das finde ich auf dem Geburtstag eines Jungen schon wichtig und auf einer Prinzessinnenparty würden mir allgemein weniger Spiele einfallen, die zu dem Motto passen außer Teegesellschaft zu spielen. Ich frage mich ohnehin, warum eine Geburtstagsparty für einen Jungen der vier Jahre alt wird schon ein Motto haben muss.

Auf einer Mottoparty ist es ja so, dass sich die Gäste auch entsprechend dem Motto kleiden. Und so kenne ich es auch schon bei einer Party für Kinder. Da werden sich bestimmt nicht alle Jungen die eingeladen sind dazu überwinden, sich ebenfalls als eine Prinzessin zu verkleiden. ich würde meinem Sohn deshalb als Kompromiss eine Prinzen und Prinzessinnen Party vorschlagen. Dann können alle Gäste sich entscheiden, wie sie kommen möchten, man hat ein etwas breiteres Mott um auch mehr daraus zu machen und ich würde dem Jungen dann auch seinen Wunsch erfüllen und ihn ein Prinzessinnenkostüm tragen lassen.

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» olisykes91 » Beiträge: 5361 » Talkpoints: 22,72 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



Ich finde es ehrlich gesagt auch unmöglich, dass man als Junge keine Prinzessinnenparty feiern darf und als Mädchen komisch angeschaut wird, wenn man eine Piratenparty feiern will. Ich versteh wirklich nicht, wo das Problem ist. Genauso wird der Kopf geschüttelt, wenn ein Junge ein Zimmer in rosa streichen will und ein Mädchen blau sehr mag. Wobei ich glaube, dass es bei einem Jungen immer noch etwas anderes ist und man da noch intoleranter ist.

Und natürlich ist es seine Party und da kann er doch machen was er will, oder? Wenn er natürlich hauptsächlich männliche Freunde hat dürfte es nur in so weit problematisch werden, dass vielleicht die anderen Jungen keine Kleider haben die sie dann auf die Mottoparty anziehen könnten und ich gehe davon aus, dass nicht jede Mutter extra eines kaufen möchte und auch nicht jeder Junge eine Schwester hat, von der er sich etwas borgen könnte. Dann wäre das Geburtstagskind vielleicht als Einziger im Kleid. Aber man kann ja auch als Prinz gehen.

Vielleicht ist auch das, was der Junge eigentlich wollte - eine Prinzenparty? Oder wollte er richtig ein Kleid anziehen? Problematischer wäre das für mich auch nicht, aber vielleicht wäre das ein Kompromiss für die konservative Mutti, wenn der Sohn einfach ein Prinzenkostüm anzieht. Und dahingehend haben es Mädchen eh einfacher: sie können Hosen anziehen und Kleider und Jungen nicht. Und wenn sie das gerne mal probieren wollen, dann ist so eine Mottoparty doch genau die richtige Gelegenheit um so etwas mal anzuziehen.

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» winny2311 » Beiträge: 14929 » Talkpoints: 2,74 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


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