Wie Alkoholiker begreiflich machen das er einer ist?

vom 12.12.2011, 22:38 Uhr

Der Vater meiner Freundin trinkt sehr viel. Er ist arbeitslos und er sieht wohlirgendwie keinen rechten Sinn mehr in seinem Leben. Er fängt schon morgens an zu trinken. Dabei ist er aber nicht bösartig, sondern macht eher immer einen traurigen Eindruck. Meine Freundin möchte ihrem Vater gerne helfen und auch die Mutter möchte ihrem Mann helfen. Aber wie macht man einem Alkoholiker klar, dass er ein Alkoholiker ist und sich Hilfe holen muss?

Ich habe mal gehört, dass man einem Alkoholiker das gar nicht klar machen kann und dass er von alleine darauf kommen muss und es selber einsehen muss, dass er den Alkohol braucht und nicht ohne Alkohol auskommen kann. Aber das kann es doch nicht sein. Mir tut der Mann und auch die Familie wirklich Leid und ich würde meiner Freundin und ihrer Mutter und natürlich auch ihrem Vater gerne beistehen und ihnen helfen.

Benutzeravatar

» MissMarple » Beiträge: 6786 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



Leider habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass man einem Alkoholiker nicht klar machen kann, dass er trinkt. Die meisten nehmen das nicht ernst, tun die Sache ab oder sagen sogar, sie seien keine Alkoholiker.

Ich weiß das so genau, weil ich es mit meiner Mutter mitgemacht habe. Als ich ein Kind war, hat sie regelmäßig getrunken und war oft auch betrunken. Es gab auch Zeiten, in denen sie wochenlang nichts trank, aber dann kamen auch immer wieder die Zeiten, in denen sie spät abends schwankend und leider auch streitsüchtig nach Hause kam. Ich habe ihr oft gesagt, dass sie eine Alkoholikerin sei, auch mein Vater hat das immer wieder versucht. Er hat ihr den Alkohol weg genommen, aber sie hat immer einen Weg gefunden, doch irgendwo welchen zu besorgen. Er hat ihr mit Scheidung gedroht, auch das half nichts. Letztendlich hat er es aufgegeben.

Eines Tages jedoch ist sie so betrunken nach Hause gelaufen, dass sie unterwegs gestürzt ist. Ein Freund von mir hat sie gefunden und ich wusste nichts mit ihr anzufangen, weil ich Angst hatte, dass sie sich ernstlich verletzt hätte. Ich habe dann den Notarzt gerufen und die haben mir zwei Varianten zur Wahl gegeben: entweder in die Ausnüchterungszelle der Polizei, dort würde sie aber aufwachen und wahrscheinlich einen Knacks bekommen. Oder aber in eine Klinik mit Alkoholentzugsstation. Dort kann sie bleiben bis sie wieder nüchtern ist, danach kann man sie aber nicht ohne ihren Willen festhalten. Ich habe sie dann dorthin bringen lassen, am nächsten Tag bin ich hin und sie wollte nach Hause. Selbst die Ärzte dort haben mir gesagt, dass sie eigentlich bleiben müsse, aber sie wollte nicht, sie hätte ja kein Problem. Offensichtlich war das aber so schlimm für sie, dass sie es sich doch nochmal anders überlegt hat. Sie hat ab dem Tag nichts mehr getrunken und hat auch mit dem Rauchen aufgehört.

Bei mir war das wohl ein Glücksfall, heute trinkt meine Mutter nicht mehr. Aber bei den meisten Alkoholikern muss es sicherlich sehr weit erstmal kommen, bis sie sich eingestehen, dass sie ein Problem haben. Durch bloßes Reden erreicht man oftmals gar nichts und man kann sie nicht zwingen etwas zu machen zum Entzug, das geht nur freiwillig.

Benutzeravatar

» Vampirin » Beiträge: 5979 » Talkpoints: 30,32 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


Solange der Mann nicht selbst begreift, das er ein Problem mit dem Alkohol hat, wird man ihm nicht helfen können. Weder gut zureden noch Drohungen bringen da etwas. Oftmals drohen ja die Frauen, das sie dann den trinkenden Mann verlassen. Und selbst wenn sie es dann machen, zeigt das meist selten Wirkung bei dem Trinker.

Ich kenne es im umgekehrten Fall, da war die Frau schon betrunken, wenn ihr Mann nach Hause kam. Es hat es über Jahre versucht und es hat nichts gebracht. Am Ende hat er sie verlassen wegen dem Alkohol, aber sie hat diesem dann auch nicht entsagt. Im Gegenteil, sie trinkt noch mehr, weil sie nun niemanden mehr hat um den sie sich kümmern muss.

» Punktedieb » Beiträge: 17425 » Talkpoints: 40,51 » Auszeichnung für 17000 Beiträge



Ja, man kann es ihnen sooft versuchen klar zu machen wie man möchte. Vielleicht sehen sie es auch ab und an ein und behaupten jetzt aufhören zu wollen. Klappt aber nur in den seltensten Fällen. Bei jemanden den ich kenne brauchte es erst einige Geschehnisse. Diese Person hatte einen Autounfall, keinen schlimmen aber das Auto war ziemlich kaputt und die Reparatur teuer. Es war auch nicht ihr Auto sondern das ihres Mannes, das der schon einige Kosten wegen ihr hatte, die nicht immer sehr gering verliefen, wollte er sich auch erst scheiden lassen. Er hatte wirklich viel mitgemacht mir ihr und ihr viele Chancen gegeben. Das war dann die letzte. Die hat sie auch genutzt und eine Therapie gemacht. Nun ist alles wieder bestens.

Ich schätze die brauchen sowas wie ein Schlüsselerlebnis. Etwas was ihnen die Augen öffnet. Es gibt aber auch Menschen die kapieren es nie. Da kann man einfach nichts dran ändern. Man kann höchstens versuchen immer wieder mit ihnen zu reden. Manchmal kann es vielleicht doch was bringen. Man sollte die Hoffnung nicht aufgeben.

» Jessy3794 » Beiträge: 127 » Talkpoints: -0,22 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Man kann einem Alkoholiker nicht klar machen, das er ein Alkoholiker ist. Das müssen diese Menschen schon selbst checken. Leider kann man einem Alkoholiker ohne das er selbst nicht einsieht, nicht helfen.

Mein Ex Freund war in meinen Augen ein Alkoholiker, der es nicht einsah und es auch nicht wahrhaben wollte. Immer wenn man etwas schlechtes über den Alkohol gesagt hat, wurde er laut und böse. Er hat kein Alkoholproblem usw. kam dann von ihm. In meinen Augen hat er ein ganz großes Alkoholproblem, denn er trank bei jeder Gelegenheit Unmengen an Bier und Kurzen. Seine Freunde fingen damit an und er natürlich mit. Wenn er nicht trank, wurde er beleidigt oder ignoriert. Also trank er mit, soviel wie ging oder solang wie die Anderen auch blieben und das konnte sich schon Stunden ziehen.

Ich habe ihm versucht zu helfen, doch das war alles umsonst. Ab und an kam er nach dem Fußball mit nach Hause ohne zu trinken, jedoch bemerkte man zu Hause, das er lieber geblieben wäre, obwohl er von sich aus mit nach Hause gegangen ist. Der Alkohol und seine Freunde fehlten ihm. Man ist als Partner oder Familienmitglied einfach machtlos, wenn der Mensch, der Alkohol zu sich nimmt, es selbst nicht einsieht. Letzendlich war er auch in nüchternem Zustand aggressiv. Er hat in alkoholisiertem Zustand Dinge angerichtet, die sein Leben zerstört hätten, u.a. seine Wohnung angefackelt und ist alkoholisiert ins Bett gegangen.

Er sagte zwar immer wieder, er könne ohne den Alkohol, doch das was er mir zeigte, war genau das Gegenteil. Angeblich hätte er mal ein halbes Jahr ohne Alkohol ausgehalten. Doch das war vor Jahren und jetzt ist jetzt und jetzt schafft er es nicht. Er hat mir versprochen das er das letzte halbe Jahr nichts mehr trinken wird, jedoch war mir das auch ungeheuer, denn was bringt mir das, wenn er im nächsten Jahr dann wieder anfängt? Nichts. Letzendlich habe ich das alles beendet und bin unheimlich froh drum, auch wenn ich ihm gerne geholfen hätte. Jedoch habe ich selbst Kind und möchte nicht, das mein Sohn so etwas mitbekommt, wenn er fast jedes Wochenende alkoholisiert heim kommt oder ich ihn holen muss.

Benutzeravatar

» SybeX » Beiträge: 3896 » Talkpoints: 11,19 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Ich denke, dass es einen Versuch wert wäre, dass ihr mal mit ihm redet- Ihr könnt ihm ja, sagen, was ihr davon denkt und dass ihr euch eben Sorgen um ihn macht. Wenn er dann meint, dass es unnötig ist und dass er auch ganz gut ohne Alkohol auskommt (und das wird er), dann sagt ihr ihm einfach, dass er es einen Monat lang durchhalten soll keinen Alkohol zu trinken. Wenn er dann aber irgendwann nervös wird, aggressiv oder unter anderen Stimmungsschwankungen leidet, was nämlich zu den häufigsten Entzugserscheinungen gehört, dann könnt ihr ihm vielleicht viel leichter klar machen, dass er einer ist.

Wenn er es dann auch einsieht, dann wird alles sehr viel leichter. Dann wird er nämlich der Tatsache, dass er Hilfe braucht, auch selbst in die Augen sehen und wird dann vielleicht auch eure Unterstützung und mit Sicherheit auch die Hilfe eines Therapeuten sehr viel eher annehmen als wenn er es nicht eingesehen hat.

So oder so wird es ein sehr schwerer, steiler und harter Weg dem Mann bewusst zu machen, dass er ein Alkoholiker ist und dass er eine Therapie machen muss. Eine Therapie ist sehr hart und viele Leute brechen diese ab, weil sie nicht das Durchhaltevermögen haben. Daher solltet ihr ihm beistehen und dann wird es sehr viel leichter für ihn werden.

» Hufeisen » Beiträge: 6033 » Talkpoints: 4,50 » Auszeichnung für 6000 Beiträge


Wirklich klar machen kann man ihm das nicht. Ihr könnt versuchen mit ihm zu reden, aber einsehen muss er es von sich aus. Erst wenn er selber realisiert, dass es so nicht weitergehen kann und er merkt das er ein Problem hat, kann er versuchen an sich zu arbeiten. Er muss dann natürlich eine Therapie machen, sonst klappt es nicht von dem Alkohol weg zu kommen. Am besten ist es halt in eine Klinik zu gehen, dass sind dann meist 3 Monate. Dort lernt er damit umzugehen und so. Sobald er halt einsieht, dass er abhängig ist, wird er merken das es alleine nicht funktioniert und das er Hilfe braucht.

» snake70 » Beiträge: 100 » Talkpoints: 0,04 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^