Studiengang Buchhandel / Verlagswirtschaft

vom 01.05.2010, 07:57 Uhr

Ich mache zurzeit eine Ausbildung zur Medienkauffrau Digital und Print. Danach möchte ich aber gerne noch studieren. Derzeitig bin ich sehr unschlüssig, was ich genau machen soll. Ob es nun ein Fernstudium oder ein richtiges wird, weiß ich einfach nicht. Da ich mich aber schon ein wenig vor meiner Ausbildung erkundigt habe, kommt für mich unter anderem der Studiengang Buchhandel / Verlagswirtschaft in Frage. Die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) in Leipzig ist bis dato allerdings die einzige, die diesen Studiengang anbietet.

Nun möchte ich wissen, ob jemand von euch vielleicht dort studiert hat und welcher Erfahrungen ihr mit diesem Studium gemacht habt. Mit meiner Ausbildung sollte ich ja bereits ein gutes Fundament haben, das mir hilft. Dadurch müsste mir das, was dort kommt, nicht ganz neu sein. Was waren Kernpunkte im Studium? Wie seid ihr zurecht gekommen? Was fiel euch besonders schwer? Ich bin sehr gespannt. :)

» daturaferox » Beiträge: 174 » Talkpoints: 0,19 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Eine Bekannte von mir hat das studiert und ist bisher eher so mittelmäßig begeistert. Das Problem ist offenbar die Berufswahl oder generell erstmal das Berufsbild, das doch stark eingeschränkt ist. Natürlich wird man später mal in einem Verlag landen; die Chance, in einem Buchhandel unterzukommen ist relativ gering, weil kaum jemand nach einem Studium für so einen Hungerlohn arbeiten würde (außer du hast damit kein Problem, dann bliebe auch die Buchhandlung übrig für dich) - Und jetzt überlege mal wieviel Verlage es so gibt. Wenn da in jedem Wintersemester an die 70 - 90 Leute starten, müssen die am Ende auch irgendwo unterkommen und da beginnt eben das Problem. Es ist relativ unrealistisch, dass das passieren wird und genau deshalb ist meine Freundin derzeit auch etwas angespannt.

Ihr bleibt eben kaum eine Wahl. Sie kann sich mit ihrem Studiengang anderswo nicht bewerben, weil sie einfach so extrem spezialisiert ist auf etwas. Sie kann nicht einmal bei irgendeinem Forschungsinstitut für eine Stelle in Frage kommen, weil sie natürlich niemand einstellt, der weiß, das sie einen total festgefahrenen Beruf ausgebildet wurde. Wenn man vor Beginn des Studiums schon genau weiß, wohin man mal möchte und wo man unterkommen wird, finde ich das super. Aber dazu muss man auch wirklich sehr entschlossen sein und damit rechnen, dass man nach dem Studium mal eine zeitlang arbeitslos ist.

» Sippschaft » Beiträge: 7579 » Talkpoints: 1,58 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


Ich würde sagen es kommt auf den genauen Aufbau des Studiums an. Normalerweise hat ein Studium einen allgemein gehaltenen Teil und einen Aufbauteil, von daher kann man auch nach dem Studium woanders unterkommen und muss nicht zwangsläufig in dem Berufszweig arbeiten in dem man studiert hat. Ich habe auch studiert und bei uns haben ca. 1/3 abgebrochen und das ist glaube ich noch eine recht geringe Quote.

Mit deiner Ausbildung könntest du dich bei Verlagen/Zeitungen bewerben und dich auch noch im Bereich Marketing, Personal und Public Relations und bei Beraterfirmen umsehen. Insbesondere bei den letzten genannten haben Quereinsteiger gute Chancen unterzukommen. Ein guter Freund von mir hat Englisch und Geschichte auf Lehramt studiert und dann festgestellt dass er es hasst in einer Behörde zu arbeiten, das ganze Arbeitsumfeld war ihm zu steif.

Generell ist es gerade zur Zeit für Studenten nicht so einfach direkt nach dem Abschluss im Anschluss einen unbefristeten Job zu bekommen, das gilt aber generell für alle Studenten und nur für die Fachspezialisten

» simi » Beiträge: 52 » Talkpoints: 32,89 »



Nein, das gilt eben überhaupt nicht für alle Studenten und Absolventen und ist kompletter Mist. Es gibt Studiengänge, da nimmt man dich mit Kusshand und du kannst dich am Ende noch entscheiden, welchen der 5 Arbeitergeber du selbst ja am attraktivsten findest. Es ist schlicht totaler Quatsch zu behapten, derzeit seien die Zeiten nicht so toll und es sei für alle Absolventen nicht so einfach. Es handelt sich bei der Verlagswirtschaft einfach um einen sehr speziellen Bereich, der eben nicht so einfach in jeder Branche auszuüben ist und darum geht es doch auch. Jemand der beispielsweise Controlling studiert, der findet in fast jeder Branche einen Arbeitsplatz, weil jede größere Firma eben solche Leute braucht. Aber jemand, der sich auf das Verlagswesen spezialisiert hat, der wird eben auch nur von der entsprechenden Branche gesucht.

Das ist immer der Fall, wenn man so etwas studiert. Und ich denke, man muss da selbst entscheiden ob es ein Vor- oder ein Nachteil ist. Viele Leute finden es auch ganz wunderbar, dass sie nach ihrem Studium ganz genau wissen wohin sie gehören.

» Sippschaft » Beiträge: 7579 » Talkpoints: 1,58 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Ich hab Wirtschaftsrecht studiert und bei uns hatte 80% schon vor Abschluss einen Arbeitsvertrag in der Tasche und bei den restlichen 20% hat es eben ein wenig gedauert nach dem Abschluss und sie mussten sich dann mit dem Abschlusszeugnis bewerben.

Deutschland ist immer noch in der Wirtschaftskrise, auch wenn es langsam wieder aufwärts geht und die Firmen stellen generell langsamer ein. Vor ein paar Jahren wäre es undenkbar gewesen dass bei unserem Studiengang nicht 100% schon vor einem Abschluss einen Arbeitsvertrag unterschrieben haben. Weswegen wir von der Hochschule auch extra darauf hingewiesen wurden dass es eben keine Schande ist wenn man nicht sofort etwas im Anschluss findet und relativ normal wegen der Krise.

Ich habe im übrigen nicht abgestritten dass Verlagsrecht ein nicht spezieller Studiengang ist, aber auch in einem speziellen Studiengang gibt es allgemeine BWL Fächer und mit diesem Grundwissen kann man sich auch woanders bewerben oder sich leichter in ein anderes Gebiet einlesen und auch darauf soll ein Studium hinarbeiten, dem Studenten Techniken beibringen die helfen neue unbekannte Sachverhalte zu erarbeiten. Der Controller kann wenn er will auch in der Personalabteilung arbeiten, genauso wie jemand der Verlagswesen studiert hat und nur weil man etwas als Vertiefung studiert hat, heißt es nicht dass man zu 100% auch in diesem Gebiet arbeiten muss, man kann auch anderswo unter kommen, egal wie spezialisiert das Studium ist. Bei großen Beratungsfirmen arbeiten beispielsweise Leute in der Beratung die Musik und Medizin studiert haben und diese Studiengänge sind nicht sehr BWL lastig.

» simi » Beiträge: 52 » Talkpoints: 32,89 »


Natürlich sind die Zeiten momentan etwas schwieriger. Aber es gibt eben Studiengänge, bei denen werden die Zeiten einfach nie besonders rosig aussehen und derzeit ist doch gerade in der Branche der Verlage und Bücher nicht gerade Hochkonjunktur - Und das ist eben aber etwas, das man weiß und das sich mit Sicherheit nicht mehr ändern wird. Die allgemeine Entwicklung der Technik hat überhaupt nichts mit der Wirtschaftskrise zu tun.

Und mal im Ernst: Du willst punkten mit Grundwissen? Wen willst du damit denn vom Hocker hauen? Wie du selbst schon geschrieben hast: Jeder Studiengang bietet Grundwissen und Grundlagen der BWL, der Volkswirtschaft, des Marketing - Ja, genau. JEDER Studiengang tut das und genau deshalb interessiert sich wirklich kein Personalchef dafür was du im 1. oder 2. Semester so an allgemeinem Kram abgehandelt hast. Damit kann keiner etwas anfangen.

Es geht ja nicht darum, dass ich den Studiengang grundsätzlich schlecht machen möchte, aber ich wollte eben darauf hinweisen, dass es einer ist, bei dem es mich nicht wundern würde, wenn man nachher dann als Schreibkraft irgendwo landet und man ziemlich zum Freizeitvergnügen studiert hat. Aber das muss jeder selbst wissen. Wer mit Herzblut dabei ist und vielleicht schon gute Kontakte hat, tut sich damit sicherlich einen Gefallen.

» Sippschaft » Beiträge: 7579 » Talkpoints: 1,58 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


Es gibt andere Studiengänge die sind deutlich überlaufener als Verlagswesen mit deutlich geringeren Einstiegschancen. Ich würde mir mehr Sorgen um einen Job nach dem Studium machen wenn Verlagswesen an 20 Hochschulen angeboten wird, bei der Anzahl an Studienplätzen und Jobanzahl im Verlagswesen würde ich mir keine Sorgen machen. Bei einer geringen Anzahl an Studienplätzen hat man auch in einem spezialisierten Gebiet eine Chance. Generell sind Zukunftsaussagen auch schwierig, viele aus meinem Physik LK haben z.B. auf Ingenieur studiert, sind letztes Jahr genau zur rechten Zeit fertig geworden und haben länger gebraucht einen Job zu finden, als sie ihr Studium angefangen haben, hieß es dass man zu 100% einen Job findet…

Es gibt genügen Leute die nicht in dem Berufsbereich arbeiten in dem sie studiert haben. Wie oben schon angedeutet hat mit einem erfolgreich abgeschlossenen Studium nicht nur fachliche Kompetenzen erworben sondern generell gelernt wie man ein Problem anpackt und löst. Daher macht es für den Personalchef keinen Unterschied ob jemand Studiengang A oder B abgeschlossen hat, viel wichtiger ist ob man in der Lage ist Probleme zu lösen. Wenn es ganz nach einer Theorie ginge dann dürfe niemand nach dem Studium als Quereinsteiger arbeiten und dies ist eben nicht der Fall. Es kommt im Beruf nämlich nicht zu 100% auf Fachwissen an sondern eher ob man sich in einen (komplexen) Sachverhalt einarbeiten kann.

Im übrigen hatte ich auch ein Jobangebot als Personalreferent zu arbeiten, obwohl meine Qualifikation und nur mein Grundwissen den Personalchef ja eigentlich gar nicht vom Hocker hätte hauen dürfen :wink:

» simi » Beiträge: 52 » Talkpoints: 32,89 »



@ simi
Vielen Dank, dass du überhaupt nicht auf meinen Beitrag eingegangen bist. Hat mir nichts geholfen. Diesen Studiengang in der Kombination gibt es nur einmal in ganz Deutschland, gerade daher hatte ich bestimmte Fragen dazu. Wie das Studium aufgebaut ist, ist mir bekannt. Es gibt keine Alternative. Ansonsten kann ich euch beiden in einigen Punkten zustimmen. ;)

Kennt ihr denn jemanden, der dieses Studium absolviert hat? Ich würde gerne mehr dazu erfahren, weil sonst wird das hier echt OT. :D

» daturaferox » Beiträge: 174 » Talkpoints: 0,19 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Ich würde an deiner Stelle erst einmal diverse Vorlesungen aus diesem Studiengang besuchen und dich auch mit anderen Studenten zu diesem Thema austauschen. Es wäre ziemlich ärgerlich, wenn du dich immatrikulierst und dafür extra umgezogen bist (Umzüge sind ja teuer) und dann hinterher feststellst, dass das Studium eher öde und langweilig und so gar nichts für dich ist. Ich würde da gar nichts überstürzen und da eher in verschiedene Studiengänge reinschnuppern. Lieber Vorsicht als Nachsicht.

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» Täubchen » Beiträge: 25995 » Talkpoints: 2,82 » Auszeichnung für 25000 Beiträge


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