Was soll nur aus dir werden - und trotzdem Erfolg!?
Geht es euch auch manchmal so? Wenn ich mir die ehemaligen Mitschüler so ansehe, wo man sich überlegt hat, was einmal aus ihnen werden sollte und wo sie wohl einmal arbeiten werden, so muss ich sagen, dass ich allesamt durchaus falsch eingeschätzt habe. Es waren Schüler dabei, die eher auf der schlechteren Seite waren, ja sogar durchgefallen sind und jetzt trotzdem ein eigenes Geschäft haben. Ich kenne Mitschüler, bei denen man immer gedacht hat, sie werden Müllmann oder Putzfrau, die in den besten und angesehensten Berufen arbeiten.
Wenn ich mich manchmal so mit den "schlechten Mitschülern" vergleiche, bin ich doch manchmal etwas eifersüchtig, dass ich mich in der Schule so angestrengt habe, weil ich irgendwie momentan nicht gerade das erreicht habe, was ich möchte und desöfteren auch mit Neid auf meine Mitschüler schaue.
Nun wollte ich fragen, ob ihr solche und ähnliche Situationen kennt, oder ob euch diese völlig fremd vorkommen?
Ich denke, in Phasen in denen man mit seiner eigenen Situation unzufrieden ist, ist es völlig normal, mit etwas Neid auf andere zu gucken. Und wenn man nicht neidisch ist, so wünscht man sich zumindest, man wäre in deren Position. Mir geht es auch manchmal so. Vor allem wenn ich sehe, wie andere, die nicht studiert haben, sich eben schon ein eigenes Leben mit Haus und Familie aufgebaut haben und sichere Jobs haben. Dank des Studiums verzögert sich das natürlich alles, und ich stehe noch ganz am Anfang.
Dennoch kommen mir nie Gedanken wie "ich hätte in der Schule nicht so viel machen müssen" oder " ich hätte es mir leichter machen können". Denn ich war gerne gut in der Schule, ich habe gerne gelernt und neues erfahren. Und ich habe auch gerne studiert. Es gefällt mir, zu lernen und zu erfahren, ich möchte verschiedene Sichtweisen kennenlernen und meinen Horizont erweitern. Auch wenn es vielleicht momentan oder in schweren Phasen nicht danach aussieht, hat man dadurch viel für sich gemacht.
Nicht zu vergessen dass, zumindest bei mir war es so, ich die Schulzeit genoßen habe. Ich hätte es nicht mit mir vereinbaren können, den "kostbaren" Wissensschatz, der einem dort teilweise vermittelt wurde, einfach an mir vorbeiziehen zu lassen. Das war mir wichtig. Das bereue ich auf keinen Fall. Vielleicht hatten andere weniger Arbeit, haben sich so durchgeschummelt und viel Freizeit genossen. Und haben jetzt dennoch gute Jobs und eine sichere Zukunft. Das mag stimmen. Dennoch weiß ich, dass ich diese Zeit damals gut genutzt habe, dass ich gelernt habe, weil es mir wichtig war und mir etwas bedeutet hat.
Wirklich allesamt? Oder täuscht da nicht etwas die subjektive Wahrnehmung, dass man sich nur an die besonders erinnert die jetzt hervorstechen?
Vorweg denke ich da immer an meine alte Deutschlehrerin und Klassenlehrerin, die mal zynischerweise den Spruch gebracht hat (gerichtet an die Einser Schüler): "Seht euch die 3er und 4er gut an, denn für die werdet ihr später mal arbeiten!". Inwiefern da eigene Überzeugungen oder Peters Prinzip der Grund für die Aussage waren weiß ich bis heute nicht, ich nehme aber mal an: beides (das letztere resultiert ja teilweise aus ersterem).
Und aus eigener Erfahrung: Die größten Pfeifen und Chaoten bei uns in der Stufe scheinen das teilweise zu bestätigen (u. A. ich
): Im Gegensatz zu den Einsern sind 1/3 von denen (man googlet ja mal aus Neugier und im StudiVZ) alle entweder selbstständig oder haben sehr gute Jobs mit einem dicken Gehalt während unsere ehemaligen Musterschüler immernoch beim Studium herumbummeln oder fertig und arbeitslos sind. Natürlich nicht alle, aber erschreckend viele. Das andere Drittel ist übrigens genauso erfolgreich wie die Bummelstudenten - also gar nicht oder (mal wieder) arbeitslos. Die scheinen das also nicht zu bestätigen.
Interessanterweise ist jedoch der Anteil (meine Erfahrung) der "Schlechten" wesentlich höher bei dem, was man als etabliert und erfolgreich bezeichnen würde verglichen mit den "Guten" (da haben es auch welche geschafft, aber längst nicht soviele).
Achso: Das letzte Drittel der "Schlechten" bei uns im Jahrgang ist übrigens Lehrer / Pädagoge usw. geworden
.
Subbotnik, deine Schilderung hat mich gerade zum Lachen gebracht. Vielleicht hat sich die Lehrerin aber auch gedacht, dass die 4- er und 5- er dann arbeitslos sind, und die 1- er quasi für sie arbeiten, damit sie Arbeitslosengeld bekommen
Spaß beiseite, es ist wirklich so, dass es ewig lange Studenten gibt und irgendwie wollte ich das nie werden. Aber momentan hat mir mein kleiner Sonnenschein eben alles über den Haufen geworfen und da nutzt auch die beste Ausbildung nichts. Man muss eben dort arbeiten, wo man einen Job bekommt, denn der Wunschjob bekommt man eben nicht mit Kind, weil die Kinderbetreuungen eben nicht flexibel genug sind.
Allerdings arbeiten die größten Pfeifen bei uns heute auf der Gemeinde oder haben einen gut bezahlten Job auf der Bezirkshauptmannschaft oder gehen eben einem einfachen Job nach, bei dem sie sich kein Bein ausreißen oder wirklich viel verdienen.
wirreszeug hat geschrieben:Subbotnik, deine Schilderung hat mich gerade zum Lachen gebracht. Vielleicht hat sich die Lehrerin aber auch gedacht, dass die 4- er und 5- er dann arbeitslos sind, und die 1- er quasi für sie arbeiten, damit sie Arbeitslosengeld bekommen
Mit etwas Distanz betrachtet hat das wahrscheinlich auch den Grund gehabt, dass bei uns in der Klasse sehr viele Unternehmerkinder waren, u. A. eben ich, was eben auch zu der Aussage geführt hat. Und die meisten von denen wurden direkt nach der Schule entweder direkt als Junior Chef eingearbeitet oder haben sich selber selbständig gemacht und sind erfolgreich damit oder wurden von ihren Eltern an Elite Schulen geschickt wo sie sich dann da ins Zeug gelegt haben. Die meisten von denen waren im Grunde einfach nur faul, z. B. ich
Ansonsten trifft da bei uns wieder meine (unbewiesene) Theorie ins Schwarze, dass Unternehmerkinder sich eher selbständig machen und das meist auch klappt, da man von zuhause aus ja jahrelang mitbekommen hat wie es geht - ich habe es z. B. immer seit kleinauf zuhause und bei Verwandten mitbekommen und viele Fragen die sich andere stellen sind einem da schon klar, so dass die Hemmungen geringer sind und man auch weiß, wie man den Laden schmeißen muss. Freunde von mir aus Arbeiterhaushalten die jetzt auch selbständig sind hatten z. B. am Anfang immer das Problem, dass sie sich zu sehr als Angestellter benommen haben statt als Chef oder eben zu sehr als Chef - beide Extreme sorgen immer für Probleme
Aber nur mal als persönliche Aufstellung: Wir waren 25 Schüler im Jahrgang, davon sind nach 7 Jahren:
- 6 immernoch am studieren, davon 5 unserer Guten
- 7 haben sich selbständig gemacht und verdienen sehr gut, davon 6 Pfeifen
- 6 sind arbeitslos, davon 3 unserer guten
- und 6 sind Lehrer geworden, davon 5 Pfeifen
Warum es die ehemals schlechten vielleicht auch "besser" haben liegt vielleicht auch daran, dass hier der Druck höher ist, etwas zu leisten da man aus etwas miesem ja noch das Beste rausholen muss während man ja immer annimmt, dass die, die es gut haben es sowieso einfacher haben mit einem guten Zeugnis. Da bleibt entweder nur der Weg, alles auf eine Karte zu setzen oder den sicheren Weg einzuschlagen und beim Staat unterzukommen
Ich kenne diese Situation nur gut genug. Aus meiner eigenen Erfahrung. Wie oft hat es geheißen was soll nur mal aus dir werden. Ich war in der Schule halt trotz Anstrengung nicht die beste. Wenn ich heute alte Lehrer treffe und denen dann sage was aus mir geworden ist dann glauben sie es teilweise gar nicht. Ich denke die haben alle gedacht aus mir wird eine Putzfrau.
Geworden bin ich jetzt allerdings ein IT Systemadministrator der aus noch die ganze Kommunikation mitmacht. Ist echt lustig. Mit so etwas hätte wohl niemand gerechnet. Ich ehrlich gesagt auch nicht aber es ist der beste Job den ich hätte finden können. Bei anderen aus meiner Klasse habe ich mich auch oft getäuscht. Einer zum Beispiel ist ein Ingenieur auf einer Bohrinsel. Das hätte ich ihm überhaupt nicht zugetraut. Ein anderer, der relativ schlecht war ist jetzt Apotheker, und das Studium ist auch nicht gerade leicht.
Man sollte die Leute einfach nicht falsch einschätzen. Wenn es jemanden interessiert kann er über sich hinauswachsen.
Als ich den obigen Eingangsthread gelesen hatte musste ich unwillkührlich an eine Karikatur denken die ich vor Jahren einmal gesehen hatte. Auf dem Bild befanden sich zwei Autos, ein Kleinwagen und eine große Angeberkarre. Beide hatten einen Aufkleber auf der Heckscheibe. An dem Kleinwagen stand ABI 2008 und auf dem großen PKW Hauptschulabschluss 2004. Das trifft eigentlich den Kern der Sache, wer nach dem Abitur noch studiert fängt erst mit Ende Zwanzig an ordentlich Geld zu verdienen und brauch dann Jahre um den Vorsprung zum sechzehnjährigen Schulabgänger wieder aufzuholen. Später sieht es dann allerdings oft anders aus.
Die größten Looser aus meiner ehemaligen Klasse sind eigentlich auch heute noch die Verlierer. Sicherlich hatten sie seinerzeit einen gut bezahlten Job, waren Arbeiter und verdienten sofort nach der Lehre doppelt so viel wie eine Ingenieur mit mehrjährigem Studium. Wie hatten die mich ausgelacht weil ich noch nach der Fachschule ein mehrjähriges Studium aufgenommen hatte weil es mir Spaß machte mich mit Wissen vollzustopfen. Finanziell hatte sich das damals nicht gelohnt, ich hatte die Aussicht auf einhundert Mark monatlich mehr Lohn. Dann kam die Wende und für mich eine erfreuliche Gehaltsentwicklung. Meine ehemaligen Schulkameraden leben heute entweder von Harz IV, sitzen im Knast oder haben Alkoholprobleme. Die wenigsten haben eine kontinuierliche Arbeit vorzuweisen und wenn dann nur eine schlecht bezahlte.
Ich kann eigentlich nur von zwei Mann berichten aus denen trotz aller schlechter Vorsagen noch etwas geworden ist. Der eine Mitschüler machte seinen Techniker nach und arbeitet heute international in einem Ingenieurbüro, der andere Mitschüler hat nach der Wende durch viel Dusel eine Imbissbude an einem Standort aufgemacht der sich zur Goldgrube entwickelte. Er arbeitet nur im Sommer, den Rest des Jahres verbringt er als Alleinstehender in Thailand. Die relativ guten Schüler (bis Durchschnitt 2,0) haben heute eigentlich alle gut bezahlte Jobs, der Rest schlägt sich so durch. Lehrer ist übrigens nur einer geworden, eine ehemalige Sportskanone arbeitet als Sportlehrer und hat damit sein Hobby zum Beruf gemacht.
Ich kann also anhand meiner ehemaligen Schulklasse nicht unbedingt behaupten dass Mutters Spruch „Was soll noch aus dir werden?“ völlig unbegründet ist.
Hallo!
Ich bin auch manchmal etwas neidisch, wenn ich sehe, was meine damaligen Mitschüler geworden sind und das einige wirklich erfolgreich in ihrem Beruf sind. Da macht es mir dann auch schon mehr zu schaffen, dass ich " nur " Hausfrau bin.
Aber ich denke, dass man sich nicht nur über seinen Beruf profilieren kann und sollte. Es zählt ja noch mehr, als nur das, was jemand ausübt. Jeder hat mal eine Phase, wo er sehr unzufrieden mit sich und seiner beruflichen Situation ist. Es wird aber für dich auch wieder bessere Zeiten geben. Vielleicht sind auch einige deiner Mitschüler nur an einen guten Job gekommen, weil sie eben Beziehungen hatten und sich nicht alles selbst erarbeitet haben.
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