Nach welchen Kriterien wählen Verlage Bücher aus?
Es ist euch bestimmt schon mal passiert, dass ihr ein richtig schlechtes Buch gelesen habt. Möglicherweise habt ihr es gar nicht erst zu Ende gelesen. Mir ist es gerade mit einem Buch passiert, dass vor langer Zeit mal sogar den Literaturnobelpreis bekommen hat. Ich habe die Intention dahinter schon verstanden (es ging um die Zeit Apartheid, also ein politisch spannendes Thema), doch es war unheimlich dröge und ohne viel Handlung.
Auch andere Bücher, wie die Bis(s)-Reihe oder Shades of Grey sind einfach nur schlecht. Wieso finden solche Bücher noch einen Verlag? Ich wette, es gibt einen Haufen talentierter Autoren, die von unzähligen Verlagen abgelehnt wurden. Alleine J.K. Rowling musste unendlich lange verzweifelt nach einem Verlag suchen. Die Leute, die da zur Probe gelesen und das Buch dann abgelehnt haben, schienen also nicht sehr kompetent zu sein.
Ich finde alles in allem die Praktiken von Verlagen sehr undurchsichtig. Gibt es Kriterien, an denen man sich als junger Autor orientieren kann?
Ich bin nicht direkt in der Branche tätig, aber ich vermute einfach mal, dass Verlage neue Titel danach auswählen, ob sie in ihr Programm passen, weil sie sich von der Konkurrenz schließlich abgrenzen müssen und der Markt der Unterhaltungsliteratur sowieso völlig übersättigt ist. Das zweite Hauptkriterium ist, wie ich annehme, die Frage, ob sich ein Buch bei der entsprechenden Zielgruppe gut verkauft.
Gerade die großen Verlage sind keine schöngeistigen Wohltätigkeitsveranstaltungen, denen es vorrangig darum geht, kulturell und sprachlich hochwertige Literatur zu fördern, sondern darum, Kohle zu machen. Und wenn gerade wieder Vampir-Schmonzetten oder historische Frauengestalten in sind, werden diese en masse auf den Markt geworfen, völlig unabhängig von der Qualität.
Das ist zumindest mein Eindruck, und ich habe schon viele mittelmäßige Bücher gelesen. Wenn es um leichte Unterhaltung geht, ist es sowieso häufig Geschmackssache und ein Ziel der Verlage ist es, den Geschmack möglichst vieler Leser zu treffen. Twilight und BDSM-Hausfrauenpornos haben sich schließlich millionenfach verkauft und sind zu richtigen Gelddruckmaschinen geworden. Also kann es den Leuten, die daran verdienen, völlig egal sein, ob die Qualität der Literatur objektiv gesehen verheerend ist. Offensichtlich lesen die Leute ja auch den größten Mist.
Und Harry Potter ist in meinen Augen auch kein absolutes Meisterwerk, nach dem sich alle Verlagslektoren die Finger lecken, sondern hat als ganz bescheidenes Kinderbuch einer unbekannten, mittelmäßigen Hobbyautorin begonnen. Man konnte eben nicht voraussehen, dass sich ein derartiger Trend daraus entwickelt. Der gute Harald war dann schlicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
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