Kirchenaustritte lediglich aus steuerlichen Gründen?

vom 06.04.2019, 21:27 Uhr

Ich habe mich bereits in meiner Jugend von der Kirche losgesagt, weil ich damals keinerlei Zugang zum Glauben hatte und so war es für mich nur konsequent nicht Mitglied zu sein- ganz unabhängig von den Finanzen. Selbst wenn Vereine kostenlos sind, trete ich nicht ein, sofern ich nicht von der Satzung, dem Zweck und der Gruppe überzeugt bin. Ähnlich sah ich es auch bei der Kirche.

Von einer Bekannten hörte ich nun, dass sie mit ihrem Steuerberater über ihre Kirchenzugehörigkeit gesprochen hat, bzw. er einen Austritt aus steuerlichen Gründen ansprach und zu Bedenken gab. Sie verdient ziemlich gut und zahlt entsprechend hohe Kirchensteuern. Ich habe mir vorher noch nie darüber Gedanken gemacht. Ist es wirklich so, dass Steuerberater sozusagen Kirchenaustritte empfehlen?

Sollte es bei einer Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft nicht um so viel anderes gehen als um den Beitrag? Oder ist es heutzutage üblich den Kirchenaustritt aus Steuerspartipp zu sehen?

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» Trisa » Beiträge: 3175 » Talkpoints: 61,74 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Denk doch mal logisch. Die Kirche steht nicht gerade im besten Licht da. Sie sammelt Reichtümer ohne Ende (wenn du mir nicht glaubst, schau dir den Kölner Dom an und die Schätze, die dort ausgestellt und präsentiert werden), aber gleichzeitig wird gepredigt, dass man doch mehr für die Armen tun sollte. Ich finde, dass die Kirche oft Wasser predigt, aber Wein trinkt und das macht sie unglaubwürdig. Schließlich ist es schon heuchlerisch, wenn man von den Gläubigen mehr oder weniger erwartet, das letzte Hemd den Armen zu geben, aber gleichzeitig kriegt die Kirche den Hals nicht voll und will immer mehr Schätze und Reichtümer anhäufen.

Nicht zu vergessen diese ganzen Missbrauchsskandale, die das Image der Kirche nachhaltig beschädigen. Altmodische Ansichten wie über Verhütung, dass Sex nur in die Ehe gehört oder über Abtreibung kommen noch dazu. Die Kirche hat den Anschluss an die Moderne verpasst und das gefällt den Menschen natürlich nicht. Auch regen sich viele darüber auf, dass die Kirche so eine Sonderrolle genießt und die eigenen (nicht getauften) Mitarbeiter unter Druck setzen kann, was den Lebenswandel angeht.

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» Täubchen » Beiträge: 33313 » Talkpoints: -0,26 » Auszeichnung für 33000 Beiträge


Täubchen hat geschrieben:Denk doch mal logisch.

Logisch gedacht, verstehe ich das nicht. Der Kölner Dom den du ansprachst, ist nun keineswegs neu. Ich erkenne diesbezüglich auch keinen Zusammenhang zu Kirchenaustritten. Oder glaubst du, dass weniger Menschen austreten würden, wenn man den Kölner Dom und andere imposante Bauwerke in Deutschland abreißen würde? Oder sollte sie den Armen schenken? Glaubst du, dass damit jemanden geholfen wäre?

In der Kirche wird auch mal ein Schluck Wein getrunken, dennoch leben die meisten Geistlichen ein eher einfaches Leben. Und auch erwartet die Kirche von ihren Gläubigen doch nicht, dass sie wie der Papst ein einfaches Auto fahren.

Und was die Moral betrifft, so denke ich nicht, dass mehr Menschen den Weg in die Kirchen finden würden, wenn man dort Kondome verteilen und Scheidungen und Abtreibungen feiern würde. Eher im Gegenteil würden sich jene Gläubige dieser Zeit sicherlich zum Großteil abwenden.

Aktuell scheint es mir, als kennen die meisten ihren Kirchensteuersatz besser als das Glaubensbekenntnis ihrer Kirche. Einen Zusammenhang zu den Taten Einzelner kann ich dabei auch nicht erkennen.

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» Trisa » Beiträge: 3175 » Talkpoints: 61,74 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Die Zahl der Kirchenmitglieder, die man wohl als Karteileichen bezeichnen würde wenn die Kirche ein Fitnessstudio wäre, ist ja nun nicht gerade klein. Wenn ich jemanden in Finanzdingen beraten würde wären Mitgliedschaften, die man nicht nutzt, ziemlich weit oben auf der Liste, weil sich durch die Beendigung für den Betreffenden ja absolut nichts ändert.

Es gibt aber tatsächlich auch Christen, die die Kirchensteuerpraxis in Deutschland ablehnen und die deshalb ausgetreten sind. Die sind der Meinung, dass ihre Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft eine persönliche Sache ist, völlig unabhängig von Steuern. Ich glaube deshalb haben sogar schon Leute gegen die Kirche geklagt.

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» Cloudy24 » Beiträge: 24582 » Talkpoints: 81,61 » Auszeichnung für 24000 Beiträge



Cloudy24 hat geschrieben:Die Zahl der Kirchenmitglieder, die man wohl als Karteileichen bezeichnen würde wenn die Kirche ein Fitnessstudio wäre, ist ja nun nicht gerade klein.

Und gerade dies verstehe ich nicht. Im Fitnessstudio ist man oft an lange Laufzeiten und Kündigungsfristen gebunden, was zu vielen inaktiven Mitgliedern führt. Bei den Kirchen und Religionsgemeinschaften gibt es sowas nicht und man kann jederzeit austreten, soweit ich weiß.

Das sich nichts ändert, sehe ich hingegen nicht mehr so. Auch wenn es auf den ersten Blick so scheint. Ich habe schon erlebt, dass sich Leute danach beschweren wollen, wenn das Kirchenblättchen nicht mehr geliefert wird. Bei anderen verstehen die (meist älteren) Angehörigen nicht, warum denn nun kein Geistlicher zur Beerdigung kommt und diese nicht in der Kirche stattfindet. Auch sind Patenämter sowie Sakramente für die eigenen Kinder an die Mitgliedschaft gebunden.

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» Trisa » Beiträge: 3175 » Talkpoints: 61,74 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Trisa hat geschrieben:Auch sind Patenämter sowie Sakramente für die eigenen Kinder an die Mitgliedschaft gebunden.

Wobei mir als nichtreligiösem Menschen die Sakramente nicht viel sagen. Es ist ja einer der Gründe, warum ich damals aus der Kirche ausgetreten bin, weil ich keinen persönlichen Bezug dazu habe. Bei mir hat der Kirchenaustritt weniger steuerliche Gründe gehabt, sondern ich wollte einfach nicht länger Mitglied in einer Kirche sein, zu der ich keinen persönlichen Bezug habe, und dessen Kirchenoberhaupt zur damaligen Zeit in regelmäßigen Abständen beispielsweise abwertende und ausgrenzende Aussagen über Un- und Wiederverheiratete, Anders- und Ungläubige, sowie Homosexuelle gemacht hat.

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» lascar » Beiträge: 2129 » Talkpoints: 438,03 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Warum sollten die Sakramente für die Kinder an die eigene Mitgliedschaft gebunden sein? Kein katholischer Pfarrer darf die Taufe eines Kindes ablehnen, wenn die Eltern darum bitten. In der evangelischen Kirche hat die jeweilige Landeskirche Regelungen festgesetzt.

Dann ist das Kind Mitglied und natürlich stehen ihm danach die Sakramente offen. Man kann sich das auch später überlegen und das Kind ungetauft zum Kommunionsunterricht schicken. Wenn es möchte, gibt es dann Taufe und Kommunion zusammen.

Ein Pate wird sich schon auftreiben lassen, notfalls bezeugt der Vikar. Und der Mensch, den man sich wirklich wünscht, der wird eben Taufzeuge, wenn die Voraussetzungen für eine Patenschaft fehlen. Die Türen der Gemeinden sind viel offener als du denkst.

» cooper75 » Beiträge: 11865 » Talkpoints: 569,67 » Auszeichnung für 11000 Beiträge



Ja, man darf kein Taufpate werden, wenn man in der katholischen Kirche nicht das Sakrament der Firmung bekommen hat. Und wenn man aus der Kirche austritt, dann darf man in der katholischen Kirche auch kein Pate mehr werden. Sicher kann das jeder bezeugen, dass ein Kind getauft wird, Aber warum nehmen die Eltern einen Paten aus dem Umkreis und nicht den Vikar oder irgendeinen Menschen, den sie niemals wieder sehen? Weil sie Geschenke für die Kinder haben wollen. Warum lassen die Eltern denn die Kinder so jung taufen heutzutage? Damit Geschenke kommen. Warum heiraten viele kirchlich und müssen dann auch Kirchenmitglied sein? Weil sie groß feiern wollen. Weil sie pompös feiern wollen und nicht nur am Standesamt ja sagen wollen.

Ich habe nie katholisch oder kirchlich geheiratet obwohl ich katholisch getauft bin und alle Sakramente bis zur Firmung mitgemacht habe. Bis zur Firmung hatte meine Mutter noch den "Daumen drauf" und wollte, dass ich es mache. Ich finde eine kirchliche Hochzeit Heuchelei, wenn man nicht wirklich den kirchlichen Glauben lebt. Für mich ist die Kirche eine Institution, die Geld scheffelt und für jedes Sakrament auch Geld bekommt. Deswegen braucht ich die Kirche nicht und es ist nicht aus steuerlichen Gründen, dass ich nicht an die Kirche glaube.

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» Diamante » Beiträge: 41860 » Talkpoints: 10,10 » Auszeichnung für 41000 Beiträge


Trisa hat geschrieben:Das sich nichts ändert, sehe ich hingegen nicht mehr so. Auch wenn es auf den ersten Blick so scheint. Ich habe schon erlebt, dass sich Leute danach beschweren wollen, wenn das Kirchenblättchen nicht mehr geliefert wird. Bei anderen verstehen die (meist älteren) Angehörigen nicht, warum denn nun kein Geistlicher zur Beerdigung kommt und diese nicht in der Kirche stattfindet. Auch sind Patenämter sowie Sakramente für die eigenen Kinder an die Mitgliedschaft gebunden.

Wenn ich von inaktiven Mitgliedern schreibe meine ich keine Menschen, die Sonntags einfach nicht in die Kirche gehen. Wenn du mit der christlichen Kirche überhaupt nichts mehr zu tun haben möchtest, weil du nicht mehr an den christlichen Gott glaubst oder das vielleicht noch nie getan hast, dann sind dir Patenämter und Sakramente völlig egal und der Pfarrer wäre auf der eigenen Beerdigung eh nicht erwünscht.

Du hättest eine christliche Indoktrination deines Kindes auch vor dem Kirchenaustritt überhaupt nicht in Betracht gezogen. Und wenn das Kind alt genug ist um sich selber für eine Religion zu entscheiden ist, ist diese Entscheidung doch wohl unabhängig von den Eltern.

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» Cloudy24 » Beiträge: 24582 » Talkpoints: 81,61 » Auszeichnung für 24000 Beiträge


Ich fände es ein wenig befremdlich, wenn meine Kirche Steuern von mir einfordern würde. Allein schon aus Datenschutzgründen. Dazu muss die Kirche doch wissen wie viel man verdient und wie meine Bankverbindung lautet , oder nicht? Bei uns gibt es sowas jedenfalls nicht in der Gemeinde. Wir finanzieren uns durch Spenden, bekommen Geld vom Kirchenkreis und Gelder aus den USA (von dortigen Gemeinden).

» Sternenbande » Beiträge: 1861 » Talkpoints: 70,16 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


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