Kind erzählen, dass es abgetrieben werden sollte?

vom 30.11.2018, 11:48 Uhr

Eine Bekannte hat mir vor kurzem erzählt, dass ihre Mutter ihr ganz taktlos gesagt hätte, dass sie sie gar nicht haben wollte, als sie schwanger wurde. Sie hätte sogar versucht damals abzutreiben, aber das hätte nicht geklappt. Ich glaube, dass meine Bekannte auch heute noch darunter leidet. Sie ist eine erwachsene Frau und ihre Mutter schon verstorben, aber sie meinte, dass dies kein Kind gerne hören möchte.

Ich muss sagen, dass ich es unmöglich finde, seinem Kind so etwas zu sagen. Das ist anscheinend sehr Gedankenlos von der Mutter gewesen oder ihr war es einfach egal, wie sich ihre Tochter mit der Information fühlt. Selbst wenn es so gewesen ist, dann sollte man doch taktvoll sein und dies für sich behalten oder?

Würdet ihr es als Kind erfahren wollen, wenn ihr abgetrieben werden solltet? Würdet ihr das selbst eurem Kind irgendwann sagen, wenn das der Fall gewesen ist? Meint ihr, dass ein Kind das wissen sollte? Ist es nicht besser, wenn man das verschweigt und nicht darüber spricht? Kann das Kind dadurch nicht ein Trauma erleiden oder meinen, dass es weniger geliebt wird?

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» Nelchen » Beiträge: 29867 » Talkpoints: 2,68 » Auszeichnung für 29000 Beiträge



Ist man ungeplant schwanger geworden, finde ich schon, dass man das erwähnen kann, aber wenn man von der eigenen Mutter hört, dass man nur noch lebt, weil der Plan nicht geklappt hat, dann ist das eine unglaublich verletzende Sache, da hier einfach keine Liebe mehr mitschwebt.

Ich denke, dass es heutzutage schon klappt, wenn man abtreiben will und man gar nicht mehr vor der Wahl steht ob man es dann sagt oder nicht, sollte das Kind dennoch bleiben. Ich würde es aber auf keinen Fall dem Kind erzählen oder sonst irgendwie herum erzählen, dass der Versuch das Kind abzutreiben nicht geklappt hat. Letztendlich hat man sich ja dennoch dem Kind angenommen und sollte ihm auch entsprechende Liebe zukommmen lassen und das dürfte mit so einer Nachricht nicht der Fall sein.

Man muss schon wirklich sehr unsensibel sein, wenn man so etwas einfach seinem Kind an den Kopf knallt. Wenn es wirklich so ist, dann sollte man das Kind vielleicht lieber zur Adoption freigeben.

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» Ramones » Beiträge: 37042 » Talkpoints: 6,23 » Auszeichnung für 37000 Beiträge


Ich finde es schrecklich wenn Eltern ihren Kindern erzählen das Sie abgetrieben werden sollten. Genauso schlimm finde ich es wenn die Eltern ihren Kindern sagten das Sie Sie eigentlich gar nicht wollten. Natürlich darf man seinem Kind, wenn es alt genug ist, sagen das die Schwangerschaft ungeplant war. Aber entweder man belässt es bei dieser Information oder man sagt noch etwas positives dazu wie: „Aber dann haben wir uns wahnsinnig auf dich gefreut.“ Auch ist es unnötig wenn man dem Kind erzählt das ggf. die Beziehung der Eltern am Eltern werden gescheitert wäre. Diese Information ist genauso unnötig und vor allem unsensibel.

Ich werde nie verstehen warum Eltern ihren Kindern so etwas erzählen, auch wenn es vielleicht die Wahrheit ist. Kinder wollen so etwas nicht hören und tragen im schlimmsten Fall ein Trauma davon. Oder Sie denken das ganze Leben ob es für ihre Eltern nicht besser gewesen wäre wenn Sie nie geboren worden wären. Es macht mich richtig traurig das deine Bekannte das von ihrer Mutter hören musste.

» Anijenije » Beiträge: 2242 » Talkpoints: 55,99 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Ich bin auch der Meinung, dass es kaum etwas Schlimmeres für die Psyche geben kann, was lediglich verbal vermittelt wird, als wenn einem die eigene Mutter sagt, dass sie dich eigentlich gar nicht haben wollte. Rein rational gesehen ist natürlich nicht jede Schwangerschaft gewollt und ersehnt, geschweige denn finanziell oder zwischenmenschlich problemlos machbar.

Aber das Urvertrauen, das jeder Mensch braucht, um ein halbwegs gelingendes Leben zu führen, basiert eben auch auf der Erfahrung, dass zumindest bei den eigenen Eltern Sicherheit und Geborgenheit herrschen, und nicht, dass man als fehlgeschlagene Abtreibung eben durchgeschleppt werden musste.

Das geht, wie ich finde, schon weit über "taktlos" hinaus, weil ja direkt die Existenzberechtigung einer Person in Frage gestellt wird. Und daran hat man schon mal zu knabbern, schon aus rein biologischen Gründen, weil wir als Spezies eine enge Bindung an unsere Erzeuger schon fürs nackte Überleben brauchen.

» Gerbera » Beiträge: 7029 » Talkpoints: 2,91 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Wenn man so etwas seinem Kind tatsächlich erzählen sollte - und es ist egal wie nett man es formuliert - dann ist das Verhältnis zwischen Eltern und Kind nachhaltig belastet und zerstört und wird nie wieder so sein können wie es mal war. Wie schon angemerkt worden ist, wird dadurch die Daseinsberechtigung in Frage gestellt. Dafür gibt es keine Entschuldigung und keine Rechtfertigung. Selbst wenn ich ungeplant schwanger werden sollte und das Kind eigentlich nicht wollte, würde ich das dem Kind niemals unter die Nase reiben. So etwas macht man einfach nicht.

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» Täubchen » Beiträge: 27435 » Talkpoints: 0,77 » Auszeichnung für 27000 Beiträge


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