Kfz-Mechanikerinnen sind lesbisch - typisch Vorurteil?

vom 23.06.2019, 22:10 Uhr

Anfang des Monats hatten wir ein Fest in unserer Stadt, wo wir dann gerne hingehen und mit Freunden gemeinsam trinken, und auch mal neue Menschen kennenlernen. Dort kam es dann auch zu alltäglichen Gesprächen und vor allem auch über Frauen, Frauenrechte und Frauenberufe.

Ein Typ, den wir dort aber erst kennengelernt haben ist der Meinung, dass jede KFZ-Mechanikerin lesbisch ist. Seiner Meinung nach sind Männerberufe wie Maurer, Elektriker und KFZ-Mechaniker meist von Frauen, die auf Frauen stehen, ausgeübt worden. Er begründet das damit, dass er viele Frauen kennt, die diesem Stereotype entsprechen, aber Ausnahmen hat er nie gesehen.

Das diese Ansicht für Diskussionsstoff gesorgt hat, muss ich hoffentlich nicht erwähnen. Da ging es durchaus richtig ab. Diesen Gedankengang kenne ich aber auch wirklich von einigen Berufen, die eher männlicher geprägt sind und ich sehe es als reinen Zufall an, dass es manchmal homosexuelle Damen sind, die dort arbeiten.

Findet Ihr, dass dies so ein typisches Vorurteil ist oder ein stereotypisches Denken? Woran liegt ein solcher Gedankengang und kennt Ihr welche, die so denken?

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» Kätzchen14 » Beiträge: 5843 » Talkpoints: 12,67 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



Da kann man eigentlich jede Berufsgruppe als Vorurteil von homosexuellen Mitarbeitern sehen. Sind alle Friseure oder Erzieher schwul? Sind alle Landwirtinnen lesbisch? Sind alle Schreinerinnen lesbisch? Sind alle Kosmetiker schwul? Sind alle Modedesigner schwul? Ich finde, dass man solche Vorurteile einfach aus dem Kopf bekommen soll. Was sollen denn solche Vorurteile? Es gibt halt Berufsgruppen, die früher unter Männerberufe und Frauenberufe gezählt haben. Aber wie gesagt FRÜHER und nicht heute. In der heutigen Zeit arbeiten so viele Frauen in Männerberufen und so viele Männer in diesen damals typischen Frauenberufen, dass man das als normal ansehen sollte, wie man auch Lesben und Schwule als normal ansehen sollte.

Die Frage hätte man vielleicht vor 50 Jahren stellen können. Schon als ich meine Ausbildung gemacht habe war das nicht mehr "unnormal", dass Männer Erzieher gelernt haben und als Friseur gearbeitet haben und NICHT schwul waren. Und auch umgekehrt. Damals haperte es noch an getrennte Toiletten und Duschen, dass nicht alle Betriebe auch beide Geschlechter einstellen durften. Aber deswegen waren die wenigsten Frauen lesbisch, die KFZ Mechaniker lernen wollten.

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge


Ich finde auch, dass dieses Klischeedenken einfach nur noch nervig ist. Es ist mittlerweile doch nichts ungewöhnliches mehr, wenn Männer in Berufen arbeiten, die sonst als Frauenberuf verschrien waren und umgekehrt. Das ist für mich keine Besonderheit und große Sache mehr.

Ich finde es reichlich engstirnig, wenn man wirklich meint, dass Frauen in Kfz. Berufen und anderen Bereichen alle homosexuell sein müssen. Da frage ich mich, woher diese Vorurteile kommen und wie manche Menschen echt davon überzeugt sein können.

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» Nelchen » Beiträge: 32238 » Talkpoints: -0,25 » Auszeichnung für 32000 Beiträge



Wenn das so wäre, dann gab es in der DDR sehr viele lesbische Frauen. Ich bin zwar nicht dort großgeworden, weiß aber aus Erzählungen, dass es dort normal war, dass Frauen Stahlwerker, Kranführer oder Maurer waren. Die Vorurteile kommen wahrscheinlich daher, dass sich viele Männer nicht wünschen, dass Frauen als Konkurrenz in ihr männliches Revier eindringen und deshalb sprechen sie ihnen ihre Weiblichkeit ab, eine Weiblichkeit, so wie sie sich diese wünschen, abhängig, schwach, untertänig.

Männer kommen auch schwer damit zurecht, dass Fußballer schwul sind. Ich habe keine Ahnung, warum. Wahrscheinlich ist in ihrer Vorstellung sportliche Kraft als männliche Eigenschaft irgendwie im Gehirn mit der Frau als beschützenswertes Wesen verbunden. Wenn da irgendwie was in ihrer Vorstellungswelt durcheinander gerät, sind sie verwirrt und gehen auf Abwehr. Vielleicht haben sie auch Angst davor oder können nicht damit umgehen, dass sie von einem Mann als sexuell attraktiv empfunden werden.

Aber mittlerweile sollten doch solche Vorurteile langsam aus den Köpfen verschwinden. Es gibt viele lesbische Frauen, die überhaupt nicht so aussehen, wie sich immer noch manche Männer Lesben vorstellen, also irgendwie männlich. Umgekehrt gibt es Männer in typischen Männerberufen, die überhaupt nicht so aussehen und sich so verhalten, wie es in manchen Filmen karikiert wird, wie etwa mein jüngster Sohn.

» blümchen » Beiträge: 3405 » Talkpoints: 21,45 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Also zur heutigen Zeit denke ich, dass man eine solche Aussage nicht auf ein Berufsfeld beziehen kann. Ich bin gelernte Erzieherin und schraube dennoch viel an Autos herum. Ein großer Anteil meiner Freizeit steckt in Autos. Von mir wurde leider noch erwartet, dass ich einen eher typischen Beruf für Frauen lerne. Aber ich denke, dass ich ansonsten auch eine gute KFZ- Mechatronikerin sein könnte. Und das hat definitiv nichts damit zutun, für welches Geschlecht ich mich interessiere. Ich finde Autos einfach interessant.

In meinen ganzen Berufsjahren habe ich zwei schwule Kollegen kennen gelernt. Alles anderen Kollegen hatten Frauen und waren nicht schwul. Für mich steht ganz klar fest, dass die berufliche Orientierung nichts damit zu tun hat, was oder wen man liebt. Wenn man einen Beruf ausüben kann, den man liebt, dann sollte man sich auch nicht von solchen Vorurteilen verunsichern lassen.

Ich würde diese Aussage auch eher als Klischeedenken abtun und hoffe, dass dieses Denken aus den Köpfen der Menschen irgendwann verschwindet. Jeder hat doch persönliche Vorlieben und sollte das machen können, was er möchte. Und wenn ich lesbisch wäre, könnte ich sicherlich dennoch als Erzieherin arbeiten. Ob homosexuell oder nicht spielt für mich keine Rolle mehr, da ich den Menschen an sich betrachte und denke, dass jeder so leben sollte wie er es möchte. Dazu gehört auch der Beruf, den man ausüben will.

» Ela123 » Beiträge: 847 » Talkpoints: 2,53 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Ich frage mich ja immer, wie jemand überhaupt auf die Idee kommt, dass die sexuelle Orientierung irgendwie die Interessen und individuellen Stärken eines Menschen beeinflusst. Also weil ich auf Männer stehe, werde ich Kindergärtnerin? Und wenn ich auf Frauen stehen würde, wäre ich in der Werkstatt? Sollte ich dagegen bisexuell sein, gehe ich in die Waschanlage, um beide Seiten auszuleben? :lol:

» cooper75 » Beiträge: 12363 » Talkpoints: 520,49 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


Grade in der heutigen Zeit kann ich mir ein solches Denken nicht erklären. Eigentlich gibt es doch inzwischen viel mehr Akzeptant was andere sexuelle Orientierungen jenseits von heterosexuell angeht und die Leute haben ja eigentlich schon mehr Verständnis dafür entwickelt und sich daran gewöhnt, dass es eben auch viele Leute gibt, die auf das gleiche Geschlecht stehen und homosexuell sind oder eben auch beide und sich als bisexuell identifizieren. Darüber hinaus gibt es natürlich noch zahlreiche andere Möglichkeiten.

Ich denke auch nicht, dass man anhand des Berufs die sexuelle Orientierung festmachen kann. Die eigenen Interessen sagen nichts darüber aus, welche sexuellen Vorlieben man hat. Schließlich wird ja auch nicht jeder Junge, der früher mit Barbiepuppen gespielt hat, homosexuell beziehungsweise schwul. Jeder Mensch hat andere Interessen und wieso sollte man einen anderen Beruf nur aufgrund des Geschlechts ausüben, der einem gar keinen Spaß macht?

Ich kann mir vorstellen, dass es zum Teil aber daher kommt, dass es bestimmte Berufe gibt, die eher für Frauen typisch sind und welche, die eher für Männer typisch sind. Männer sind meist in Berufen tätig, für die es früher sehr viel körperliche Kraft erfordert hat, wie zum Beispiel auf der Baustelle oder eben auch in anderen Handwerken. Die Frauen wurden dann oft eher in den sozialen Berufen wie Krankenschwestern etc eingeteilt. Vielleicht aufgrund dessen, dass man einen Beruf macht, der „nicht zum Geschlecht passt“ wurde dann auch suggeriert, dass man auf das Geschlecht steht, auf das die meisten in dem Beruf tätigten Leute stehen?

» Hufeisen » Beiträge: 6003 » Talkpoints: 16,55 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



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