Habt ihr euch schon einmal nicht integriert gefühlt?

vom 19.10.2015, 23:08 Uhr

Bei meinem ersten Studium habe ich mich gar nicht wohl gefühlt. Ich hatte damals im Ausland studiert und hatte auch eine wesentlich längere Anfahrt zur Uni, als meine Kommilitonen, so dass man auch nie gemeinsam etwas unternehmen konnte, weil ich einfach zu weit weg wohnte. Außerdem gab es anfangs auch noch sprachliche Schwierigkeiten, so dass ich mich einfach nie integriert gefühlt hatte und dann auch recht schnell den Spaß am Studium verlor.

Habt ihr euch schon einmal irgendwo nicht integriert gefühlt? Wann war das und habt ihr es geschafft, euch zu integrieren oder habt ihr irgendwann aufgegeben, es zu versuchen?

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» Prinzessin_90 » Beiträge: 34336 » Talkpoints: 0,15 » Auszeichnung für 34000 Beiträge



Bei mir war das in der Schule in einer meiner späteren Klassen so, das war allerdings mehr weil ich mich nicht selber integrieren wollte. Wenn man sich allerdings integrieren will und es nicht schafft, kann das einen schon zum Aufgeben bringen.

» talkgirly » Beiträge: 12 » Talkpoints: 1,53 »


Mir ging es in der Schule so, dass ich mich nicht richtig integriert gefühlt habe. Das lag daran, dass wir irgendwann umgezogen sind und ich dann später in eine Klasse gekommen bin. Wenn man als Klasse seit Jahren zusammen ist, dann stellt man sich ja auch aufeinander ein und es bilden sich gewisse Gruppen und Dynamiken. Da ist es echt schwer, reinzukommen, wenn man erst Jahre später dazu kommt, wenn diese Strukturen sich bereits verfestigt haben. Mich hat das damals ziemlich belastet, aber ich konnte nicht einfach die Schule wechseln, wegen dem Bezirk.

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» Täubchen » Beiträge: 33305 » Talkpoints: -0,78 » Auszeichnung für 33000 Beiträge



Bei mir war es auch in der Schule. Da gab es eine große Gruppe, die immer alles zusammen gemacht hat und eine Gruppe Außenseiter, bei denen ich dann letztendlich gestanden habe, auch weil ich es bescheuert gefunden habe, dass die große Gruppe die kleine Gruppe so mies behandelt hat. Integriert habe ich mich aber nicht gefühlt, da man ja doch lieber Teil einer Gemeinschaft ist und nicht ein Teil der Außenseiter.

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» Ramones » Beiträge: 46693 » Talkpoints: 11,45 » Auszeichnung für 46000 Beiträge



Irgendwie zieht sich das Gefühl, nicht "dazu zu gehören" durch mein ganzes Leben. In Kindergarten und Grundschule konnte ich schon lesen, war aber dafür mies in Völkerball, was schon reicht, um ausgegrenzt zu werden. Im Gymnasium gab es kleinere "Arbeiterkind"-Probleme, weil ich die klassisch-bürgerliche Erziehung nur rudimentär abbekommen habe, aber man hat mich am Rande mit durchgeschleppt.

An die Uni dann habe ich es nur auf Umwege geschafft, da stand mir das "Arbeiterkind" genauso im Weg wie das Alter und der chronische Geldmangel. Die meisten der anderen Studierenden haben bestenfalls damit kokettiert, "pleite" zu sein, mussten allerdings bei Licht besehen auf nichts verzichten.

Jetzt bin ich in einem Nischenberuf, immer noch "Arbeiterkind" unter AkademikerInnen, freiwillig kinderlos unter Eltern und immer noch finanziell bescheiden ausgestattet, weil ich keinen Partner gesucht habe, der mich "versorgt". Auch meine Hobbys sind eher solitärer Natur, und für Ehrenamt fehlt mir die Zeit. Bei mir will es also nicht so recht klappen mit der Integration. Spart aber auch einen Haufen Ärger.

» Gerbera » Beiträge: 10571 » Talkpoints: 4,12 » Auszeichnung für 10000 Beiträge


Gerbera hat geschrieben:Irgendwie zieht sich das Gefühl, nicht "dazu zu gehören" durch mein ganzes Leben.

Das geht mir auch so. Schon in der Grundschule war ich eher ein Außenseiter: etwas pummelig und klein, unsportlich, aber lesen konnte ich schon nach kurzer Zeit fließend. Das hat aber damals eher dazu beigetragen, dass ich ausgegrenzt wurde.

Eigentlich bin ich mein ganzes Leben lang eher ein Einzelgänger gewesen, der sich nur schwer in eine Gruppe integrieren kann, es sei denn, es handelt sich um ganz spezielle Gruppen, die sich über ihr Interesse an Kultur oder Sprachen definieren. Aber meistens ziehe ich allein meine Lebensbahnen, wobei ich einen Partner habe, aber keinen echten Freundeskreis.

In der Arbeit ist es im Prinzip so ähnlich, aber hier kommt es mir entgegen, dass auch meine Kollegen nicht zur Cliquenbildung tendieren, und jeder überwiegend seiner eigenen Wege geht. Deswegen bleibt mir hier der Spagat zwischen ungeliebtem Mitmachen bei Gruppenaktivitäten und meinem Bedürfnis nach Unabhängigkeit erspart.

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» lascar » Beiträge: 3778 » Talkpoints: 688,38 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Ich denke, dass fast jeder Phasen hat, in denen er sich als außerhalb einer Gruppe stehend fühlt. Das war bei mir zum Beispiel im Studium so, als ich erst im dritten Semester nach München kam und sich schon Gruppen gebildet hatten, die ich sehnsüchtig als Außenstehende beobachtete. Es hat fast ein ganzes Semester gedauert, bis ich mich als Teil des Ganzen fühlte.

Auch bei jeder neuen Arbeitsstelle war das Gefühl da, noch nicht dazu zu gehören. In den ersten Wochen ist man ja eher auf einer Art Beobachtungsposten. In bestimmten Situationen fühle ich mich nie dazu gehörend, was mich manchmal stört, etwa auf Festen, wo ausgelassen gesungen und getanzt wird. Manchmal möchte ich das auch können, ohne mir Gedanken darüber zu machen, wie lächerlich ich vielleicht dabei wirke.

Selbst in meiner eigenen Familie habe ich mich als Kind oft fremd gefühlt. Aber ich glaube mittlerweile, dass das fast jedem so geht, dass er oft ein Gefühl von Nichtzugehörigkeit hat, selbst die extrovertiertesten Menschen in bestimmen Situationen oder Gruppen. Manchmal kann man aktiv daran arbeiten, etwa in neuen Arbeitsstellen, manchmal sollte man die Situationen meiden und sich ein anderes Umfeld suchen, falls es möglich ist.

» blümchen » Beiträge: 4517 » Talkpoints: 75,18 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



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