Als Berufstätiger ohne Kinder immer das Nachsehen haben?

vom 26.12.2017, 17:16 Uhr

Mein Bruder arbeitet schon seit einigen Jahren in einer Firma und ärgert sich etwas über die Mitarbeiter die Familie haben. Er selbst hat keine Kinder und möchte auch keine. In der Firma ist es aber so, dass viele Mitarbeiter Kinder haben und dann von den kinderlosen Mitarbeitern Opfer verlangen. Sie sollen benachteiligt werden, wenn es beispielsweise darum geht wann wer Urlaub nimmt. Auch müssen sie eher ran, wenn es mal um Überstunden geht und sollen häufiger ins Ausland geschickt werden.

Das Problem wurde in der Firma nun diskutiert, da sich viele Mitarbeiter beschwert haben. Der Vorstand hat aber versichert, dass kinderlose Mitarbeiter keineswegs benachteiligt werden dürften und Mitarbeiter mit Kindern wegen der Kinder keine Vorteile genießen sollten. Das finde ich auch fair, zumal es meist eh die Frauen sind die sich um die Kinder kümmern und nicht die Frauen.

Wie seht ihr das? Hat man als Mitarbeiter ohne Kinder häufiger mal das Nachsehen, da Mitarbeiter mit Kindern mehr fordern und es gerecht finden, wenn sie Vorteile haben? Wie wird das in eurem Unternehmen geregelt?

» Crispin » Beiträge: 14916 » Talkpoints: -0,43 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Was mich sehr stört, sind diese KI-Regelungen. Dass Eltern, wenn die Kinder krank sind, auch krank machen können. Ich habe Kollegen, die erschleichen sich damit im Jahr mehrere Wochen Sonderurlaub und sind andauernd nicht da, weil die Kinder krank sind. Das finde ich auch nicht fair. Klar, wenn die Kinder krank sind, muss sich jemand kümmern, aber da sollte man sich nicht selbst krank schreiben lassen dürfen, sondern Urlaub nehmen müssen. Schließlich sind die Kinder das Privatvergnügen. Ich bekomme auch kein Sonder-Frei wenn mein Haustier krank ist.

» vde » Beiträge: 359 » Talkpoints: 6,55 » Auszeichnung für 100 Beiträge


vde hat geschrieben:Was mich sehr stört, sind diese KI-Regelungen. Dass Eltern, wenn die Kinder krank sind, auch krank machen können. Ich habe Kollegen, die erschleichen sich damit im Jahr mehrere Wochen Sonderurlaub und sind andauernd nicht da, weil die Kinder krank sind.

Sich um ein krankes Kind zu kümmern kann man sicherlich nicht als Urlaub ansehen. Erholung sieht da deutlich anders aus. Davon abgesehen es gibt Regelungen, dass wenn das Kind eine Betreuung benötigt und ein Elternteil zu Hause bleiben muss, dann gibt es sogenannte Kind-Krank-Tage. Dafür wird vom Arzt eine entsprechende Bescheinigung ausgestellt, diese reicht der Arbeitnehmer dann beim Arbeitgeber ein.

Die gesetzliche Regelung sieht da maximal 10 Tage pro Elternteil vor (Alleinerziehende 20 Tage) und das für Kinder bis zum Alter von 12 Jahren. Dafür werden diese Tage dann aber auch entsprechend vom Gehalt abgezogen und der jeweilige Elternteil darf sich an die Krankenkasse wenden, um das entsprechende Geld zu erhalten, dies sind dann ca. 80 % vom Bruttolohn.

Häufig sind in Betriebsvereinbarungen, Tarif- oder Arbeitsverträgen noch weitere Regelungen zu finden, nämlich das die ersten 5 Tage als Sonderurlaub ausgeschlossen sind. Wenige Arbeitgeber machen keinen Gebrauch vom Lohnabzug etc. Wenn ein Elternteil sich übrigens ständig selber krankschreiben lässt, obwohl das Kind krank ist, dann ist das ein Kündigungsgrund.

» StarChild » Beiträge: 1405 » Talkpoints: 36,05 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Ich denke schon, dass man ohne Kinder eher in den Ferien und an Feiertagen arbeiten muss. Ich arbeite viel an Wochenenden und Feiertagen. Natürlich möchten Eltern Zeit mit ihren Kindern verbringen, aber dies muss ja nicht zwingend bedeuten, dass Kollegen ohne Kinder nicht auch gern die Zeit mit ihren Eltern verbringen.

In der Einrichtung, in der ich vorher gearbeitet habe, musste ich auch so gut wie jeden Feiertag arbeiten, da alle Kollegen Kinder hatten. Jedoch finde ich dies ziemlich ungerecht. Ich habe auch eine Familie und verbringe gern Zeit mit ihnen. Zudem habe ich auch einen Freund und unsere Tiere. Warum sollte ich nun kein Recht haben, sie zu sehen?

Natürlich lasse ich Kollegen mit Kindern gern den Vortritt, aber es wäre nicht fair keine Feiertage oder Wochenenden frei zu haben. Mein Freund arbeitet unter der Woche und wir haben uns sehr selten gesehen. Nun ist es besser. Ich arbeite nun in einem jungen Team, in dem wir alle noch keine Kinder haben. Somit können die Feiertage auch gerecht unter uns aufgeteilt werden, sodass jeder ein paar Tage zu Hause verbringen kann.

Meine Einstellung dazu ist auf jeden Fall, dass nicht nur Eltern das Recht haben ihre Kinder zu sehen, sondern auch Kinder das Recht haben ihre Eltern oder Lebenspartner zu sehen. Jeder sollte dabei das gleiche Recht haben und ich übernehme auch gern weiterhin mehr Feiertage für Kollegen mit Kindern, aber habe auch zwei Feiertage, die ich dann gern zu Hause verbringe.

» Ela123 » Beiträge: 847 » Talkpoints: 2,53 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Ich fühle mich als kinderlose Angestellte eigentlich nicht "benachteiligt", wenn ich in der Nebensaison Urlaub nehmen kann und auch mein Neid, was die berühmten Kind-krank-Tage angeht, hält sich in Grenzen.

Natürlich gibt es auch unter Vätern und Müttern Gestalten, die jede Regelung zu ihren Gunsten ausreizen, aber ich gehe zumindest bei mir im Betrieb davon aus, dass die überwältigende Mehrheit der Fälle, wenn jemand wegen kranken Kindes daheim bleiben muss, tatsächlich erkältete oder reihernde oder fiebernde Minderjährige im Spiel sind, und sich Papa und Mama mitnichten ihrer Freizeit erfreuen, sondern, wie es sich für Eltern gehört, mit Kinderarzt, Waschlappen und gebeuteltem Nachwuchs auf dem Sofa mehr als genug beschäftigt sind und sich eher ins ruhige Büro zurückwünschen, wo niemand ein Fieberzäpfchen braucht. Und wenn nicht, schlägt mir das auch nicht auf die Galle.

Ich bin auch schon lange nicht mehr auf dem "Kinder sind Privatvergnügen"-Trip. Im Gegenteil, auch wenn es für mich nichts ist, gehören unterschiedliche Familienmodelle auch mit Nachwuchs für mich zu einer lebenswerten, vielschichtigen Gesellschaft dazu, und der damit verbundene Mehraufwand kann sich in meinen Augen gerne auf unterschiedliche Schultern verteilen. Unabhängig davon, wer später meine Rente zahlt, finde ich es einfach schade, wenn Leute sich zwar Kinder wünschen, aber schweren Herzens davon Abstand nehmen, schon weil man ihnen nicht mal das minimale Entgegenkommen gönnt, dass sie im Krankheitsfall daheim bleiben können.

» Gerbera » Beiträge: 9998 » Talkpoints: 6,92 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Ich kenne von meinen Kollegen mit Kindern eher Aussagen wie "Ich würde ja auch so gerne mal nach X gehen, aber wir können ja nur in der Hauptsaison und da ist das verdammt teuer und überlaufen". Vielleicht gibt es Urlaubsorte, die nur zur Hauptsaison toll sind, aber ich hatte den Fall noch nie.

Wobei ich allerdings auch dazu sagen muss, dass mein Bundesland bei den Sommerferien immer als letztes dran ist. Wenn ich irgendwo in der Nähe Urlaub machen möchte und eine Hochsommer-Schönwetter-Garantie brauche bringe ich den Urlaub problemlos unter bevor die Sommerferien beginnen.

Bei kranken Kindern es bei uns die Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten oder die Arbeitszeiten so zu verschieben, dass man das mit dem Partner koordiniert bekommt. Über diesen vermeintlichen Vorteil kann ich auch nicht meckern, weil ich den ja genauso nutzen kann. Wenn ich zum Beispiel nicht Abends in der überfüllten Sprechstunde für Berufstätige beim Zahnarzt sitzen möchte sondern lieber Mittwoch Morgens ohne lange Wartezeit meine Kontrolle bekomme.

Und was Überstunden, Wochenendarbeit, Geschäftsreisen und so weiter betrifft - ich habe noch nie in einem Unternehmen gearbeitet, das mich dafür nicht sehr gut entlohnt hätte. Ich weiß, dass das nicht in allen Branchen der Fall ist, gerade wenn irreguläre Arbeitszeiten die Regel und nicht die Ausnahme sind, aber in der Regel weiß man auf jeden Fall bei Abschluss des Arbeitsvertrags, wie das läuft.

Ich fand es nicht tragisch wenn ich in meinem alten Job bis Jahresende noch ein Projekt abschließen musste und dafür dann fast den gesamten Januar im Freizeitausgleich verbringen durfte. Ich habe festgestellt, dass es Leute gibt, die sich deutlich mehr über einen Besuch nach den ganzen Feiertagen freuen. Bei einigen herrscht anscheinend nach dem ganzen Trubel ein bisschen Leere, da kommt ein Besuch zum plätzchenfreien Kaffee gerade recht.

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» Cloudy24 » Beiträge: 26545 » Talkpoints: 81,51 » Auszeichnung für 26000 Beiträge


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