Teilzeitbeschäftigte sollen gleichen Lohn bekommen?

vom 08.02.2011, 22:46 Uhr
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Wie aktuell in Diskussion ist, muss entschieden werden, ob Teilzeitbeschäftigte den gleichen Lohn bekommen, wie fest Angestellte des Unternhemens. Ich finde es unmöglich, dass die gleiche Arbeit, verschieden bezahlt wird. Arbeit ist Arbeit, und ich glaube nicht, dass die Teilzeitbeschäftigten ihre Arbeit schlechter machen als die Angestellten. Ich denke, das ist einfach ein Unding!

Was denkt ihr über dieses Thema?
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» Fredda » Beiträge: 39 » Talkpoints: 21,95 »


Offen gesagt habe ich jetzt ein Problem mit deiner Frage, weil meines Wissen nach verdienen Teilzeitbeschäftigte das gleiche wie Vollzeitbeschäftigte, halt entsprechend weniger, weil sie ja weniger Stunden arbeiten, aber auf derselben Basis berechnet. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass dies in Österreich besser sein sollte als in Deutschland.

Auch wenn ich an meine verschiedenen Dienstverhältnisse denke, auch an die geringfügigen, ich wurde immer nach Kollektivvertrag bezahlt, und dann halt entsprechend der Stunden berechnet. Als ich nach unsrem Jüngsten in Elternteilzeit gegangen bin, wurde mein Gehalt auch entsprechend berechnet und für 20 Wochenstunden gab es dann 51% vom Gehalt des 40 - Wochenstunden – Jobs.
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» wolfsmama » Beiträge: 216 » Talkpoints: 89,39 »

Kann es sein, dass du Zeitarbeiter mit Teilzeitarbeitern verwechselt hast? Gestern kam nämlich ein Bericht im Fernsehen, dass Zeitarbeiter sehr viel weniger verdienen, als festangestellte Arbeiter. Das ist auch verständlich, weil die Zeitarbeitsfirma ja auch verdienen will. Sicher ist es ärgerlich, wenn man die gleiche Arbeit in der Firma macht und weniger bekommt. Aber diese Zeitarbeitsfirma soll ja eigentlich nur ein Sprungbrett ins Arbeitsleben sein. Aber leider gibt es da auch Ausnahmen.

Im Prinzip halte ích von Zeitarbeitsfirmen nicht viel, weil einige schwarze Schafe dabei sind, die immer wieder Verträge verlängern, als dass sie versuchen, dass die Firmen die Arbeiter auch übernehmen. Denn auch dadurch verdienen die Zeitarbeitsfirmen.

Teilzeitarbeiter bekommen in jeder Forma im Prinzip umgerechnet den gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Sie arbeiten eben nur in Teilzeit, also weniger Stunden und bekommen somit eben auch nur diese Stunden bezahlt, die sie arbeiten. Also haben sie keinen Nachteil.
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» Diamante » Beiträge: 34069 » Talkpoints: 22,31 » Auszeichnung für 34000 Beiträge


Ganz deiner Meinung. Wobei es unter den atypischen Beschäftigungsverhältnissen den von dir anesprochenen Teilzeitbeschäftigten fast noch gut geht. Die liegen im Lohn nur bei ca. 17% weniger, als die Vollzeiter.

Atypisch sind neben den Teilzeitbeschäftigten noch die befristeten, die geringfügig Beschäftigten und die Zeitarbeiter. Insgesamt liegen die atypischen Beschäftigungsverhältnisse ca. 50 % niederiger im Lohn, als der des normalen Arbeitnehmers. Viel schlimmer als den Teilzeitbeschäftigten geht es den Zeitarbeitnehmern. Die verdienen ca. 46% weniger als Vollzeiter. Hier wäre eine Regelung viel dringender notwendig, bzw. hier müsste es längst zu einem Mindestlohn gekommen sein. (Alle Zaheln von 2008)

Es war Schröder, der den Arbeitsmarkt geöffnet hat und es ist das passiert, was zu vermuten war. Die Lohndumpingbranche boomt und weil ein flächendeckender Mindestlohn fehlt, zieht es auch die Einkommen der Normalarbeitnehmer nach unten. Und die Zeitarbeitnhemer tragen dann gleich noch das Konjunktur- und Krisenrisiko. Das ist genau die Politik, die gewünscht war und die dazu beigetragen hat, dass Deutschland sich (unfaire) Vorteile im Wettbewerb gegenüber seinen europäischen Partnern geschaffen hat. So hängt eines mit dem anderen zusammen. Und das ist es übrigens auch, was Frau Merkel jetzt anderen europäischen Ländern empfiehlt.
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» ToniGard » Beiträge: 201 » Talkpoints: -2,27 »

@Diamante

Zeitarbeitsfirmen haben ihren Hauptverdienst nicht darin, das sie Arbeitnehmer in Festanstellungen vermitteln. Und wenn sie daran verdienen, dann nur weil sie die Vorauswahl der Bewerber treffen ohne das die suchende Firma erstmal namentlich bekannt gemacht wird. Und dabei hat sich vor allem Adecco in diese Richtung spezialisiert. Aber auch dort gibt es noch Angestellte, welche eben nur in andere Firmen verliehen werden. Bei Adecco ist das hauptsächlich der Sektor Bürotätigkeiten.

Das Zeitarbeitnehmer alle nur schlecht verdienen ist ein Ammenmärchen. Aber das wird auch durch die Medien geprägt, weil nur grosse Firmen, wie Manpower und Randstad gezeigt werden. Dort sind die Tariflöhne wirklich ein Hungerlohn und das selbst bei Facharbeitern.

Allerdings gibt es viele kleiner Firmen, welche durchaus vernünftige Löhne bezahlen. Dazu noch die tägliche Auslöse und Fahrtkostenzuschuss. Welcher normale Arbeitnehmer bekommt sowas denn? Dazu mal Zahlen, die real und mir persönlich bekannt sind. 10 Euro Stundenlohn, 15 Euro tägliche Auslöse und 30 Euro Fahrtkostenzuschuss pro Woche. Und damit liegt der Stundenlohn schon höher wie manchen Arbeitnehmer in einer festen Firma.

Und wenn man nun schreit, das die Zeitarbeitnehmer die selben Löhne erhalten sollen, als wenn sie in einer festen Firma angestellt sind, dann betrifft es eben nur die Zeitarbeitsfirmen, welche so niedrige Tariflöhne haben. Und da ist die Forderung durchaus berechtigt. Aber man kann eben auch nicht sagen, das alle Firmen so wenig zahlen.
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» Punktedieb » Beiträge: 14633 » Talkpoints: 43,10 » Auszeichnung für 14000 Beiträge

Ist es nicht so, dass der Großteil der Leiharbeiter keine abgeschlossene Berufsausbildung hat, beziehungsweise nicht im erlernten Ausbildungsberuf arbeitet? Warum sonst sollte man bei einer Zeitarbeitsfirma arbeiten? Von daher sind die niedrigeren Löhne schon leicht zu erklären. Natürlich streicht auch die Zeitarbeitsfirma einen unangemessen großen Teil des Gehaltes ein. Normalerweise haben die meisten Vollzeit beschäftigten Mitarbeiter aber eine abgeschlossene Berufsausbildung und arbeiten auch in diesem Bereich. Diese Leute verdienen dann auch weit mehr. Beispiel: Ich suche einen Job und denke nicht, dass ich mit 160 Stunden im Monat über 1.300 Euro Brutto kommen kann, da ich ja keine Berufsausbildung habe. Ein Kumpel von mir verdient aber 1.900 Euro im Monat, da er eine abgeschlossene Ausbildung zum Mechatroniker hat. Das würde schon einen großen Teil der Diskrepanz erklären, wenn die Leiharbeiter für die ausgeführten Beschäftigungen unqualifizierter wären als die Festangestellten.

Wenn es so ist, dass auch Vollzeitangestellte mehr verdienen als Minijobber und Teilzeitkräfte, dann freue ich mich schonmal, denn momentan suche ich mir auch eine Vollzeitbeschäftigung, da die zu überbrückende Zeit bis zum Studienbeginn jetzt deutlich länger geworden ist.
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» TuDios » Beiträge: 1476 » Talkpoints: 2,50 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Fredda hat geschrieben:Ich finde es unmöglich, dass die gleiche Arbeit, verschieden bezahlt wird.

Das kann man sicher so sehen. Dabei geht es dann aber bestimmt nicht um das Verhältnis zwischen "fest Angestellten" und "Teilzeitbeschäftigten" (weil Teilzeitbeschäftigte ja ebenfalls fest angestellt sind), sondern um das Missverhältnis zwischen "Leiharbeitern" und "Stammbelegschaft". Eben wie Diamante schon angemerkt hat.

TuDios hat geschrieben:Ist es nicht so, dass der Großteil der Leiharbeiter keine abgeschlossene Berufsausbildung hat,

Hier sehe ich ehrlich gesagt keinen Hinweis, der einen solchen Schluss zulassen würde. Wieso sollten Leiharbeiter nicht abgeschlossene Ausbildungen haben? Nebenbei gibt es auch Leiharbeitsfirmen für Akademiker (oft heisst das dann aber anders ;)) - und hier ist von einer entsprechenden Ausbildung mit Sicherheit fest auszugehen.

TuDios hat geschrieben:beziehungsweise nicht im erlernten Ausbildungsberuf arbeitet?

Auch das kann, muss aber nicht sein. Es ist aber auch nicht unbedingt entscheidend. Denn es darf ja gefragt werden, wieso Person A (angestellt bei einem Unternehmen und am Fließband arbeitend) ein bestimmtes Gehalt erhält und Person B (Leiharbeiter im Unternehmen) die gleiche Arbeit am Fließband verrichtet und dafür im besten Fall nur ca. 2/3 des Gehalts bekommt.

TuDios hat geschrieben:Warum sonst sollte man bei einer Zeitarbeitsfirma arbeiten?

Hier lese ich etwas, was entweder auf Ahnungslosigkeit oder schlichte Naivität zurück zuführen ist. Aber man kann die Sache auch zugespitzt beantworten: weil Unternehmer keine Leute anstellen und lieber Zeitarbeitsfirmen bemühen (schließlich kostet das weniger und kann als Sachleistung auch noch steuerlich angesetzt werden) gibt es schlicht immer weniger "reguläre" Arbeitsplätze und Menschen, welche von der Lohnarbeit abhängig sind, werden gezwungen, eben auch bei solchen Firmen ihren kargen Unterhalt zu erarbeiten.

TuDios hat geschrieben:Von daher sind die niedrigeren Löhne schon leicht zu erklären.

Die erklären sich durch Angebot und Nachfrage. Und hier haben Lohnabhängige in vielen Branchen einfach das Nachsehen, weil das Kräfteverhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber einfach noch nicht mal mehr den Anschein einer Ausgewogenheit macht. Hat also wirklich nichts mit der unterstellten fehlenden Qualifikation der Leute zu tun. Die könnten sonst ja nicht die Stammbelegschaft ersetzen.

TuDios hat geschrieben:Natürlich streicht auch die Zeitarbeitsfirma einen unangemessen großen Teil des Gehaltes ein.

Das könnte deren zustehender Anteil dafür sein, dass die Unternehmen eben Auftragsspitzen abfangen und so kurzfristig und zeitlich eng begrenzt diese Dienstleistung in Anspruch nehmen. Leider verkommt dies einfach immer mehr und es wird fest mit Leiharbeit gerechnet.

TuDios hat geschrieben:Normalerweise haben die meisten Vollzeit beschäftigten Mitarbeiter aber eine abgeschlossene Berufsausbildung und arbeiten auch in diesem Bereich.

Ich werde hier das Gefühl nicht los, dass Du hier die Leiharbeit missverstanden hast. Du könntest Dich mal bei den großen der Branche umschauen und deren Stellenanzeigen anschauen. Dort ist mitnichten der ungelernte Arbeiter gesucht. Vielmehr werden ganz gezielt ausgebildete Fachkräfte angeworben! Die sollen nämlich - und das ist der Streitpunkt und das Problem - nämlich genau die vollzeitbeschäftigten Festangestellten ersetzen. Weil die Leiharbeiter einfach billiger sind und die gleiche Arbeit tun. Was zur Ausgangsfrage führt.
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» derpunkt » Beiträge: 9348 » Talkpoints: 504,88 » Auszeichnung für 9000 Beiträge

Es ist schon ein Unding, was diese pervertierten "Zeitarbeitsunternehmen" aus dem Arbeitsmarkt in Deutschland machen. Das geht doch schon so weit, dass Zeitarbeitskräfte noch Hartz IV "Zuzahlungen" erhalten müssen, obwohl sie doch "Arbeit haben" - und das kann einfach nicht sein. Es darf ganz konsequent keine Jobs mehr geben, die noch schlechter als ALG II bezahlt werden, und das letztere ist auch schon zu niedrig - der Dampfplauderer Westerwelle hatte mit seinem Satz "Arbeit muß sich wieder lohnen" recht, aber die Fortestzung seines Satzes war dann wieder neoliberaler Schwachsinn.

Man muß mal von der Vorstellung wegkommen, dass es ein soziales Stigma wäre, keinen Job zu haben. Die meisten haben sich das nämlich nicht ausgesucht - sei es, dass der letzte Arbeitgeber pleite gegangen ist, oder Stellen "gekürzt" wurden, eine Selbstständigkeit gefloppt hat - die Vorstellung, die eine Menge Leute davon haben, ist völlig falsch. Vielmehr muß man mal überlegen, dass man von einer Arbeit auch leben können muß. Kann man das nicht, handelt es sich nicht um "Arbeit", sondern Ausbeutung, und dann kommen sich einge Leute dadurch, dass sie so einen unterbezahlten Job machen, auch noch "besser" vor als die, die so einen Job nicht machen - ein Irrglaube, denn die, die so einen Job nicht annehmen, haben den Sinn der Arbeit verstanden und sind auf dem richtigen Weg - einen Weg, den alle Arbeitnehmer gehen sollten. Erst, wenn keiner mehr für Hungerlöhne arbeitet, werden die Arbeitgeber endlich die Löhne erhöhen müssen. Solange irgendjemand noch für derartigen "Lohn" arbeitet, wird sich da leider nichts ändern.

Die Zeitarbeitsfirmen pervertieren diesen Zustand noch dadurch, dass sie ganz bewußt Leute zu noch billigerer Arbeit "zwingen", und aus Angst vor Repressalien seitens der ARGE lassen sich viele Menschen in diese Opferrolle drängen. Gewußt wie ist das aber nicht nötig - im Prinzip müßte jeder, der weniger als ALG II in seinem "Job" erhält, diesen Job sofort hinschmeißen, weil er ja trotzdem dasselbe Geld erhält. Von einer Arbeit muß man leben können, schließlich arbeitet man ja um zu leben, und nicht umgekehrt.

Die Zeitarbeitsfirmen sollten so wie sie derzeit vorliegen verboten werden - entweder sollten sie eine ähnliche Aufgabe erhalten wie sie es in den Niederlanden haben (dort erfüllen sie eine Ersatzfunktion für das, was man hierzulande als "Probezeit" kennt), oder wirklich "Springer" vermitteln, die eben bei Personalengpässen "einspringen", aber diese müssen dann dasselbe Gehalt wie eine normale Kraft erhalten. Dass das derzeit nicht den Tatsachen entspricht, ist schlicht verwerflich und muß dringend geändert werden.
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» fushicho » Beiträge: 373 » Talkpoints: 217,59 »

Ich finde, wenn die Teilzeitarbeiter den gleichen Lohn bekommen sollten wie richtige Angestellte müssen sie aber auch genauso viele Stunden arbeiten wie die Angestellten. Arbeiten sie aber gleich viele Stunden und genau in dem gleichen Bereich, dann sollten sie wirklich genauso viel bezhalt bekommen. Ich meine, sie machen ja die gleiche Arbeit und sind nur nicht fest angestellt.
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» Ewariane » Beiträge: 319 » Talkpoints: -2,24 »

fushicho hat geschrieben: .. - im Prinzip müßte jeder, der weniger als ALG II in seinem "Job" erhält, diesen Job sofort hinschmeißen, weil er ja trotzdem dasselbe Geld erhält. ..


Absolut richtig. Gleichzeitig verhält sich dieser Arbeitnehmer ja sogar auch noch i. S. der klassischen Ökonomie, die ja nun mal das Vorbild der Neoklassik bzw. des neoliberalen Schwachsinns ist. Nämlich so, wie ein berechnender homo oeconomicus es eben tun würde.

Leider wird so ein Verhalten von der Gesellschaft aus Unkenntnis und wegen der permanenten 'Gehirnwäsche' stigmatisiert und von den involvierten Organisationen bestraft. Dabei ist das Unsinn, denn da Angebot und Nachfrage den Preis regeln und da wird kein Neoliberaler widersprechen, würde es das Arbeitsangebot überhaupt nicht geben, wenn nicht der Steuerzahler dieses Angebot subventionieren würde. Man könnte ja sagen, ist doch nicht so schlimm, Hauptsache Arbeit, aber auch das ist Unsinn, denn wenn man das zulässt, erhöht sich auch der Druck auf die normalen Jobs. Man kann sich ausmalen, wie das endet.

Eigentlich müsste es genau andersherum sein. Diese atypischen Beschäftigungsverhältnisse müssten höher entlohnt werden, als 'normale Arbeit'. Denn schließlich trägt der 'Atypler' das Risiko. Es spricht alles für so einen Prekariatszuschlag. In Frankreich gibt es das und das nennt sich dort 'indemnité destinée à compenser la précarité'. Bei uns müsste in der Arbeitnehmerüberlassung eigentlich auch so bezahlt werden, wie jeder andere auch für die Arbeit bezahlt wird (§ 9 Nr. 2 AÜG), nur scheint das niemand zu überprüfen.
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» ToniGard » Beiträge: 201 » Talkpoints: -2,27 »

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