Was bringt das heutige Gesundheitszeugnis?

vom 06.08.2012, 21:42 Uhr

A hat am 1. August eine Ausbildung im Lebensmittelbereich angefangen und musste dafür ein Gesundheitszeugnis haben. A bekam einen Termin und musste einen Samstag Vormittag zum Gesundheitsamt. Dort wurde er belehrt, wie er sich hygienetechnisch im Betrieb verhalten muss und es wurde auch kurz angesprochen, was man im Erste Hilfe Schrank haben muss. Das war dann das Gesundheitszeugnis.

Ich kann mich an früher erinnern. Ich habe in einem Hygienebetrieb gearbeitet und meine Freundin im Lebenmittelbereich. Wir mussten auch, als wir anfingen in den Betrieben zu arbeiten zum Gesundheitsamt. Dort wurde man auf Herz und Nieren geprüft. Unter anderem wurde ein Tuberkolintest gemacht und die Lunge geröntgt. Es wurde Blut abgenommen um zu sehen, ob man eine Infektionskrankheit in sich trägt. Dann wurden wir auch über Hygiene belehrt. Es wurde wie bei A auch darauf Aufmerksam gemacht, dass man bei einem Infekt nicht arbeiten darf.

Was bringt das heutige Gesundheitszeugnis? Es wird nicht auf Infektionskrankheiten getestet. Es wird nur belehrt und nicht viel gemacht. Ist das in jedem Bundesland so oder meint NRW, dass man kein "richtiges" Gesundheitszeugnis mehr benötigt?

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Ich habe so ein Gesundheitszeugnis auch mal machen müssen, einmal bei einem Praktikum und erst kürzlich, als ich einen Aushilfejob bei einer Tankstelle hatte und dort dann nach dem Pächterwechsel ein solches Gesundheitszeugnis verlangt wurde. Es ging an sich eben darum, dass man dort auch mit Lebensmitteln aus dem Bistro handhabte. Was ich dabei gelernt habe? Nichts. Bei der Belehrung wurden einem ganz grundlegende Dinge aufgezeigt, die an sich jeder Mensch auch so weiß und die keiner gesonderten Belehrung bedürften, wasch dir die Hände nach der Toilette, wasch das Obst und Gemüse, fass die Sachen aus dem Bistro nicht mit bloßen Händen an. Ja ah? Nun ja, an sich fände ich es aber auch enorm übertrieben, wenn man dafür sowas durchmachen müsste, das du da machen musstest, sowas braucht man für einen gewöhnlichen Job mit Umgang mit Lebensmitteln ja jetzt nicht unbedingt, wie ich finde.

» Crispin » Beiträge: 14916 » Talkpoints: -0,43 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


Das heutige Gesundheitszeugnis kommt wirklich ohne Tests auf die inviduelle Gesundheit aus. Ich habe das Gesundheitszeugnis schon mehrmals gemacht, weil ich das Dokument nie von meinem Arbeitgeber zurückbekommen habe und das der schnellere Weg war, als hundert Mal anzurufen bis ich den Chef dran habe.

Bei diesen drei Gesundheitszeugnissen wurde mir kein Tropfen Blut abgenommen, auch kein Tuberkulosetest gemacht. Es war eigentlich immer nur eine zweistündige Belehrung. Bei einer Stelle habe ich den Test gleich zweimal gemacht und konnte den Vortrag beim zweiten Mal noch fast auswendig. Hepatitis, Salmonellen auf der Eierschale, etc. Es werden eigentlich nur Hinweise gegeben, die nach dem logischem Menschenverstand klar sein sollten. Aber so wird es Jedem halt nochmal ins Bewusstsein gerufen.

In der Praxis sieht es dann aber doch so aus, dass die Regeln des Gesundheitszeugnisses nicht so umgesetzt werden. Das Händewaschen wird vernachlässigt, die Zutaten werden auch nicht so hygienisch verwendet (z.B. bei Backwerk wo die Frikadellen aus den Frikadellenbrötchen an 3 verschiedenen Tagen in 3 verschiedenen Brötchen liegen, wenn sie nicht verkauft werden), denn wo kein Kläger, da die Gewinnoptimierung. Angestellte werden angehalten, auch krank zu arbeiten, solange der Schnodder nicht über das Essen läuft und ob es überhaupt ausreichend Seife und Desinfektionsmittel gibt ist oft auch fraglich. Dennoch scheint das System einigermaßen gut zu funktionieren.

» TuDios » Beiträge: 1475 » Talkpoints: 4,83 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Irgendwie kann ich das nicht glauben, was du geschrieben hast, dass ein Gesundheitszeugnis nur noch daraus besteht, dass man über Hygienemaßnahmen unterrichtet wird und man sich das noch bezahlen lässt. Das ist doch kein Gesundheitszeugnis. Wenn jemand in einem Lebensmittelbetrieb arbeiten möchte, ist es doch wichtig festzustellen, ob er eine infektiöse Krankheit hat.

Ferner sollte es doch wichtig sein, Laborwerte festzustellen und zumindest mal in den Mund und Rachen zu sehen. Ganz zu schweigen von einer Röntgenuntersuchung der Lunge. Alle Infektionen kann man so nicht feststellen. Ich stelle mit vor, dass jemand in der Wurst- oder Käseabteilung arbeitet und eine ansteckende Krankheit hat. Die wird nicht festgestellt, weil ja eine richtige Untersuchung fehlt. In meinen Augen ist das ein sträflicher Leichtsinn.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



@Cid: Genau dieser Meinung bin ich auch und ich konnte es auch nicht glauben, weil ich es von früher eben anders kenne. Aber ich kenne tatsächlich Leute, die das genauso machen mussten wie A. Nämlich einfach nur eine Belehrung anhören und fertig. In meinem Bekanntenkreis ist ein Koch, der letztes Jahr dort hin musste, weil er nach längerer Arbeitslosenzeit wieder in der Küche arbeitete. Er fand das auch reichlich komisch. Aber dieses "Gesundheitszeugnis" reicht heutzutage aus. Und da wundert man sich noch, wenn sich die Krankheiten ausbreiten.

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge


@Diamante, es ist erstaunlich, dass nicht nur für Lebensmittelbetriebe kein vernünftiges Zeugnis erstellt wird, sondern auch ein Koch aus deinem Bekanntenkreis keine richtige Untersuchung bekam. Weißt du zufällig, wie das in Krankenhäusern mit dem gesamten Personal gehandhabt wird? Müssen neue Mitarbeiter – egal ob Ärzte, Pflegepersonal oder sonstige – noch ein richtiges Gesundheitszeugnis vorlegen? So weit ich mich erinnere, mussten alle Mitarbeiter auch einmal pro Jahr eine Untersuchung über sich ergehen lassen.

Sollte das heute auch nicht mehr der Fall sein, muss man sich nicht wundern, wenn Keime verbreitet werden und viele Patienten Keimbelastet entlassen werden.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge


@TuDios, hätte es Dir wirklich etwas genutzt, das alte Gesundheitszeugnis wieder zu bekommen? Ich kann mich daran erinnern, dass auf diesem Zettel auch vermerkt war, dass der Nachweis über die Belehrung beim ersten Arbeitstag beim künftigen Arbeitgeber nicht älter als drei Monate sein darf. Oder hat sich das in der vergangenen Jahren auch schon geändert.

Da wäre dann auch der nächste Punkte. Ich kann mich gar nicht daran, dass auf diesem Schreiben etwas von Gesundheitszeugnis zu lesen war, vielmehr hieß es, dass da eine Belehrung nach bestimmten Paragraphen stattgefunden hätte. Wenn man aber beim Gesundheitsamt angerufen hat, dann war auch nur diese Belehrung im Angebot und mehr ist es nicht. Eine Belehrung in der Gruppe und dann noch mal ein Einzelgespräch, ob man denn alles verstanden hat. Das persönlichste, von dem ich mal gehört habe, war die Frage, ob eine Dame Ü50 sich den Job wirklich noch zutraue. Bei jüngeren Kandidaten war davon dann schon nicht mehr die Rede, da wurde einfach nur gefragt, ob alles verstanden wurde.

Ich dachte zunächst auch, dass es für künftige Arbeitnehmer im produzierenden Betrieben andere Untersuchungen gäbe. Aber das ist nicht der Fall. Weder Köche, noch Fleischer und auch nicht Erzeuger bekommen eine andere Belehrung. Hier ist lediglich der Arbeitgeber angehalten, unangekündigt regelmäßig Abklatschproben zu nehmen, ob Hygienemaßnahmen wirkungsvoll sind. Von regelmäßigen Untersuchungen ist auch hier nicht die Rede. Und wenn ein Mitarbeiter wirklich erkrankt ist, dann sollte der möglichst trotzdem zur Arbeit erscheinen, auch wenn er anders belehrt worden ist. Das ist leider traurige Realität und daher würde eine weitergehende Untersuchung zwar anfangs etwas bringen, in der Laufbahn dann aber nicht mehr.

» JotJot » Beiträge: 14058 » Talkpoints: 8,38 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Genau dieser Meinung bin ich auch und ich konnte es auch nicht glauben, weil ich es von früher eben anders kenne.

Du hast aber bereits vor fast vier Jahren darüber geschrieben. Siehe hier Gesundheitszeugnis - Welche Kosten kommen auf mich zu?. Da führst du die geänderten Richtlinien dafür ja schon auf. Mich verwundert sehr, dass du es erst heute merkwürdig findest, dass sich die Richtlinien geändert haben und welchen Sinn die neuen Regelungen haben.

@ Cid- ich denke, du meinst verschiedene Dinge. Hier scheint es Diamante um die Belehrung im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes in Zusammenhang mit dem Arbeiten mit Lebensmitteln zu gehen. So weit ich weiß, gibt es verschiedene Untersuchungen für verschiedene Berufsgruppen. Mit Sicherheit muss Pflegepersonal anders untersucht werden, als Menschen, die mit Lebensmitteln arbeiten.

Diese Belehrungen, statt einem Gesundheitszeugnis, gibt es schon fast 10 Jahre. Wenn ich mich nicht irre, müsste das um 2004 rum eingeführt worden sein. Man braucht auch nicht mehr zwingend zum Gesundheitsamt, es reicht eine Aufklärung durch den Arbeitgeber oder eine vom Arbeitgeber beauftragte Person. Wobei die Personen die aufklären, eine "größere" Schulung gemacht haben müssen. Zum Beispiel eben die von den Gesundheitsämtern. Aber auch Berufsgenossenschaften bieten die Kurse an.

Wenn ich mich nicht ganz irre, muss zumindest entweder der Arbeitgeber und/ oder eine Person im Betrieb die Schulung jährlich machen. Wenn ich nicht ganz irre, müssen auch die Mitarbeiter regelmäßig geschult werden. Ok Schulung heißt in dem Fall, man belehrt sie kurz über die allgemeinen Regeln zum Thema Hygiene. So Sachen wie, Hände waschen, wenn man auf der Toilette war und so weiter.

Fakt ist, schon die alten Untersuchungen, die Diamante ansprach, musste genau EINMAL gemacht werden. Vor dem Antritt der ersten Beschäftigung mit Lebensmitteln. Danach nie wieder. Ganz früher- zu Zeiten meiner Eltern- wurden die Kontrolluntersuchungen, mit allem drum und dran, noch jährlich gemacht. Da musste man dann einmal im Jahr im Gesundheitsamt antreten, Blutabnahme, Röntgen und Stuhlproben und so weiter. Etwas was ich auch heute noch für wichtig halten würde. Ich hielt schon die einmalige Untersuchung für lächerlich.

Problem ist aber, diese Untersuchungen verursachen Kosten. Kosten, die Vater Staat abwälzt. Es war schon zu Zeiten des alten Gesundheitszeugnissen kein Problem, seine Angestellten eben jährlich zur Untersuchung zu schicken. Zu Kosten des Arbeitgebers. Sprich, der konnte die Untersuchung anordnen, musste dann aber auch zahlen. Und die Kosten sind nicht so ganz ohne.

Weiteres Problem, egal ob nun mit altem oder neuen Gesundheitszeugnis: Der Arbeitgeber hat die Beweispflicht. Nehmen wir mal an, Kunde X holt sich eine Salmonellenvergiftung. Kunde X. kann nachweisen, er hat die Erkrankung nach dem Verzehr von Lebensmitteln aus dem Betrieb Y. Dann muss Betrieb Y. beweisen, dass er alles getan hat, um das zu vermeiden. Nehmen wir nun an, alle Mitarbeiter müssen nun eine Stuhlprobe abgeben und man findet was- der Mitarbeiter ist ja aufgeklärt worden und hätte handeln müssen.

Ob nun einmal im Leben diese Untersuchung oder nur eine Belehrung. Für mich heißt das nur, der Arbeitgeber selbst ist verantwortlich. Sprich, wenn er aufgeklärt wird, dass er eben bei Durchfall nicht zur Arbeit gehen soll, weil er was ansteckendes haben könnte, dann müsste er durch die Belehrung an sich wissen, was er zu tun hat. Geht er nun zum Arzt, zahlt die Krankenkasse. Somit werden die Kosten im Endeffekt auf den Arbeitnehmer abgewälzt.

Die von Diamante genannte frühere Untersuchung war quasi per Gesetz geregelt. Kosten hatten Staat (durch die Gesundheitsämter) und je nachdem wer den Gesundheitsausweis bezahlt hat. Da die ganzen aufwendigen Untersuchungen wegfallen, man die Verantwortung abwälzt, kommt das den Staat so billiger.

Im Endeffekt wird eben Eigenverantwortung gefordert. Was ich an sich im Umgang mit Lebensmitteln auch wichtig finde. Davon mal abgesehen, wenn sich jeder an die Grundregeln der Hygiene halten würde, würde das Problem gar nicht erst entstehen.

» LittleSister » Beiträge: 10426 » Talkpoints: -11,85 » Auszeichnung für 10000 Beiträge


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