Grundschule: Laufdiktate

vom 12.03.2010, 23:30 Uhr

Hier in diesem Thread 1. Schuljahr: Schwammdiktate wurden die sogenannten Laufdiktate schon angesprochen. Da dies ein Thema für sich ist, wollte ich das hier in einem neuen Thread mal ansprechen.

Diese Diktate sollen so sein, wie ich es verstanden habe, dass Texte oder Sätze irgendwo im Klassenzimmer aufgeschrieben werden und die Kinder dann aufstehen um das dann selber auf Papier zu bringen. Diesen neuen Methoden stehe ich sehr skeptisch gegenüber. Denn gerade diese Laufdiktate bringen doch sehr viel Unruhe ins Klassenzimmer und es gibt doch auch Kinder, die sich voll und ganz konzentrieren müssen und auch wollen und werden doch dann durch die anderen Kinder gestört, die immer herumlaufen um vielleicht jedes Wort einzeln ins Gedächnis zu rufen. Ausserdem sind doch die Kinder im Vorteil, die nicht weit von diesem aufgeschriebenen Text weg sitzen und auch sehr gute Augen haben und alles von der Ferne aus sehen können.

Meine Kinder konnten, als sie ins erste Schuljahr kamen an Weihnachten, also nicht mal nach dem ersten Halbjahr schon Zeitung lesen und Texte schreiben. sie lernten es nach der alten Methode, wo auf Rechtschreibung geachtet wurde und ganze Texte schon früh diktiert wurden. Sie haben sich zu Weihnachten Bücher gewünscht, die sie auch schon lesen und vor allem auch verstehen konnten.

Diese Laufdiktate finde ich noch schlimmer, als im oben verlinkten Thread die Schwammdiktate. Wonach wurden eure Kinder unterrichtet? Was haltet ihr von den Laufdiktaten? Ist es wirklich sinnvoll oder neumodischer Kram, der eher das Lernen verhindert? Welchen Sinn hat es, wenn die Kinder erst so spät lernen wirklich richtig zu schreiben und die Konzentration auf der Strecke bleibt?

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Hallo,
als ich in der Grundschule war haben wir auch schon diese Laufdiktate gemacht. Ich fand das eigentlich ziemlich gut, denn es war mal was anderes als immer nur dieses langweilige diktieren. Es brachte einfach ein wenig Abwechslung und Spaß in den Schulalltag.

Ich denke man lernt bei dieser Übung sich Sachen besser zu merken und sich nicht von anderen Ablenken zu lassen. Man muss sich ja merken an welcher Stelle man war und man muss sich auch den Satz merken bis man ihn aufgeschrieben hat. Sich durch die anderen rumlaufenden Kinder nicht stören zu lassen, soll man ,denke ich, ja erst bei dieser Übung lernen.

Es hat eigentlich nie Unruhe in den Klassenraum gebracht, da alle immer brav zu dem Blatt mit dem Diktat geschlichen sind und wieder zurück. Außerdem haben sich alle auf den gemerkten Satz Konzentriert, sodass sie gar keine Zeit hatten um anderen Blödsinn zu machen.

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» conansc » Beiträge: 1135 » Talkpoints: 1,83 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Laufdiktate kennt mein Sohn Kai auch und er ist in der 2 Klasse. Die Lehrerin versteckt im Klassenzimmer Blätter mit aufgeschriebenen Worten die im nächsten Diktat dran kommen. Die Kinder laufen durch das Klassenzimmer und suchen diese Zettel und somit sollen sie wohl spielerisch lernen.

Auch diese Methode finde ich komisch. Was wird wohl in 20 Jahren kommen, da darf man schon gespannt sein. Spielerisch lernen ist sicher eine gute Sache, aber so langsam wird es albern. Mein Son kennt auch Dosendiktate. Was es nicht alles so gibt.

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» MoneFö » Beiträge: 2938 » Talkpoints: -3,73 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Ich bin hier wirklich noch von der alten Schule und denke das diese Diktate irgendwie Unsinn sind. Sicher bringen sie Spaß und Abwechslung, aber ich denke der Lerneffekt ist sicher nicht gegeben. Zumindest nicht bei jedem Kind.

Wenn laufend wer im Klassenzimmer, oder noch schlimmer, im Gang herum rennt dann kann sich doch kein Mensch konzentrieren. Gerade Schüler die vielleicht ein wenig schlechter sind und mehr Konzentration benötigen, haben hier sicher einen Nachteil. Sicher finden es die Kinder lustig aber ich denke das sie einfach nicht genug lernen. Und man sieht das Resultat immer wieder, wenn man hört das die Lehrlinge teilweise nicht lesen, schreiben oder rechnen können. Früher hätte es das, glaube ich, nicht gegeben.

Wie man ja hört, müssen die Kinder in der ersten Klasse nicht mal mehr die Rechtschreibung beachten.Sie können schreiben wie sie wollen. Wo sollen sie dann bitte etwas lernen. Ich denke, das die alte Methode den Kindern etwas beizubringen, besser war. Sicher auch anstrengender für die Kinder, aber sie haben auch etwas dabei gelernt.

» wiesel » Beiträge: 1303 » Talkpoints: 0,26 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Ich habe auch noch eine Schulzeit ohne Laufdiktate und Co genossen und ich muss zugeben, als ich in den ersten Pädagogikseminaren davon gehört habe, war ich auch sehr skeptisch.

Laufdiktate haben ihren Ursprung im offenen Lernen. Diese Unterrichtsform wird heutzutage sehr häufig angewendet, insbesonder in der Volksschule, aber auch in höheren Schulformen. Mittlerweile bin ich großer Fan von diesen Laufdiktaten. Ich bin Legasthenietherapeutin und auch da wende ich diese oder ähnliche Übungen immer wieder an. Mit großem Erfolg!

Wenn die Übungen richtig angewendet werden, sollte es zu keiner großen Unruhe in der Klasse kommen. Dass manche Kinder besser sehen und dadurch weniger Laufen müssen, kann eigentlich nicht passieren, da die Texte auf Zetteln sind und nicht auf einer Tafel oder so. So muss jeder Laufen. Die Kinder drücken sich in der Regel auch nicht davor. Sie lieben die Bewegung.

Es gibt mehrere Studien, ich kann jetzt leider keine konkrete Nennen, sie stehen in irgendeinem Pädagogikskriptum, die mittlerweile bei mir im Keller gelandet sind, die belegen können, dass Bewegung das Lernen fördert. Es gibt vor allem in der Grundschule noch viele Kinder, die noch nicht den ganzen Vormittag ruhig auf ihrem Platz sitzen können. So bringen Laufdiktate eine willkommene Abwechslung. Die Motivation und die Freude am Lernen steigen und das ist schon mal die beste Voraussetzung des Lernens. Ich habe diese Lernform selbst im Gymnasium in der Oberstufe im Fremdsprachenerwerb angewandt. Die Schüler haben es geliebt auch wenn sie beim ersten Mal manchmal etwas gemurrt haben.

Ich bin großer Freund des offenen Lernens, weil ich selber gesehen habe, dass es großen Erfolg mit sich bringt. Selbst meine Diplomarbeit habe ich über dieses Thema verfasst. Ich finde jedoch schon auch, dass das offene Lernen ein Teil des Unterrichts sein soll und nicht im Extremen betrieben werden sollte. Zumindest nicht in der Oberstufe. In der Grundschule kann ich es mir schon eher vorstellen und wird oft auch so gemacht.

Die Unterrichtsformen ändern sich mit der Zeit. Derzeit sind sie sicher sehr kindgerecht mit vielen Spielen und offenen Formen gestaltet. In 20 Jahren wird wohl wieder auf eine andere Art und Weise unterrichtet werden und da werden viele wohl auch die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Aber die Zeiten ändern sich und man sollte mit ihr gehen.

Ich persönlich hatte in meiner Volksschulzeit durch die starre Unterrichtsform große Probleme. Ich hätte von den heutigen offenen Formen sicher sehr profitiert. In der Volksschule war ich so schlecht, dass sogar überlegt wurde, dass ich in eine Sonderschule kommen sollte. Ich habe mich dann aber irgendwie durchgeboxt. In der Hauptschule hatte ich ausgezeichnete Pädagogen, die schon nach Ansätzen des offenen Lernens unterrichtet haben. Ich bin regelrecht aufgeblüht und habe dadurch das Lernen gelernt! So ging es dann immer weiter und heute kann ich sogar einen Studienabschluss vorweisen. Das offene Lernen hat diesbezüglich sicher auch ein wenig beigetragen.

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» tournesol » Beiträge: 7773 » Talkpoints: 0,38 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


Die Methode ist keines Falles neu. Die gab es schon, als ich noch in die Grundschule ging und das ist scho sehr lange her. Allerdings wird das auch nicht in jeder Grundschule gemacht. Bei meiner Schwester wiederum wurde es gar nicht mehr praktiziert.

Ich finde und fand solche Laufdiktate auch nie sinnvoll. Die Unruhe im Klassenraum ist wirklich schlimm. Zwar wurde stets gesagt, dass alle leise sein sollen, aber allein durch das Stühle hin- und herschieben war es entsprechend laut und man hat durch die Geräuschkulisse auch wieder viel vergessen.

Der Sinn eines solchen Diktates war mir auch nie klar. Sicherlich sollten die Kinder sich das merken, aber das Gedächtnis kann man wirklich auch auf andere Art und Weise trainieren.

Bei uns wurden mehrere Zettel an zb. Schränke angeheftet und den Kinder wurde gesagt, welchen sie nehmen sollen. Sicherlich musste nicht jedes Kind genau die selbe Strecke laufen, aber gut verteilt war es schon. Und schummeln konnte man auch nicht.

Soweit ich mich erinnere wurde das bei uns aber auch nur in der zweiten Klasse gemacht und dann nicht mehr.

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» winny2311 » Beiträge: 15159 » Talkpoints: 4,91 » Auszeichnung für 15000 Beiträge


Als ich in der Grundschule war, haben wir auch manchmal Laufdiktate gemacht und ich fand sie sagen wir mal okay, aber doch auf dauer auch recht lästig. Ich konnte auch schon gut lesen und schreiben und habe mich damit eigentlich unterfordert gefühlt. Ich hätte gerne fortlaufend einen Text geschrieben, aber mit so einem laufdiktat wurde man ja dauernd unterbrochen. Sicherlich sollte das auch eher die Merkfähigkeit trainieren, aber naja, da gibt es möglicherweise auch bessere Methoden.

Wenn ich Grundschullehrer wäre, würde ich Laufdiktate vielleicht gar nicht anwenden, wenn es sich nicht vermeiden ließe. Die Lautstärke und das "Wuhling" waren doch ganz schön groß und so richtig erfolgsversprechend erscheint mir das Ganze auch nicht so recht.

» Mandragora » Beiträge: 1763 » Talkpoints: 0,49 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



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