Hornisse kämpft mit Libelle - ein trauriges Schauspiel
Als ich letzten Freitag nachmittags mit dem Fahrrad unterwegs war und kurz angehalten habe, um etwas zu trinken, habe ich ein trauriges Schauspiel der Natur mit ansehen müssen. Auf dem Boden war eine Libelle, die augenscheinlich versucht hat, eine Hornisse loszuwerden, die sich an ihrem Kopf festgesetzt hatte. Ich hatte so etwas zuvor noch nie gesehen und war erst mal erschrocken.
Aber dann habe ich nicht lange überlegt und mir ein Stöckchen gesucht, um die Hornisse zu vertreiben. Nach einigen Versuchen ist mir das dann auch gelungen und die Hornisse ist erst mal weggeflogen. Nur leider kam die Libelle nicht mehr hoch. Sie versuchte, zu fliegen, aber leider ist es ihr nicht gelungen. An der Stelle konnte ich auch nichts mehr machen und bin wieder weitergefahren.
Ich hatte mich dann abends im Internet belesen und auf einer Seite stand, dass Hornissen tatsächlich unter anderem auch Libellen fressen, sie gehören neben anderen Insekten zu ihrer Beute. Das dachte ich mir zwar schon, aber mit tat die Libelle einfach nur leid, ich konnte das eben nicht mit ansehen. Zumal es ja nur noch wenige von diesen hübschen Tieren gibt. Als ich noch ein kleines Kind war, hatten wir viele Libellen und Schmetterlinge, aber das hat sich ja längst geändert.
Habt Ihr auch schon solche oder ähnliche Situationen in der Natur beobachtet? Und falls ja, seid ihr dann eingeschritten oder habt Ihr der Natur ihren freien Lauf gelassen?
Ich lasse der Natur grundsätzlich freien Lauf. Dass da draußen kein Ponyhof stattfindet, hat mich meine Landkindheit gelehrt. Es gibt Raub- und Beutetiere von ameisengroß bis hin zu den klassischen Beutegreifern wie Luchs und Wolf, die in unseren Breiten glücklicherweise wieder auf dem Vormarsch sind.
Und da schmeiße ich mich auch nicht dazwischen, weil es ja so ein trauriges Schauspiel ist, wenn irgendein Tier seinen Hunger, wie von der Natur vorgesehen, an einem anderen Tier stillt. Libellen sind übrigens auch Fleischfresser, die eben banale Mücken jagen und keine "schönen" Insekten.
Generell habe ich sowieso den Eindruck, viele Menschen haben sich von der Natur und ihren Zyklen, Zusammenhängen und nicht-menschlichen Lebensäußerungen weiter entfernt denn je. Da ist auch mal das Entsetzen groß, wenn der Mensch zwar Fleischfresser im Zoo halten muss (warum auch immer), und ihnen dann auch mal tote Hühner zum Zerfleddern hinschmeißt.
Der Gedanke dahinter ist menschlich total nachvollziehbar, aber ich sehe das ehrlich gesagt eher kritisch. So schwer es fällt: In so einer Situation einzugreifen ist meist nicht förderlich. Sehr wahrscheinlich hat die Libelle den Angriff nicht überlebt, und durch das Eingreifen wurde ihr Leid eher verlängert als verhindert. Hornissen sind effiziente Jäger, und wenn sie eine Libelle bereits am Kopf gepackt haben, ist das Nervensystem in der Regel so stark geschädigt, dass Flucht oder Erholung kaum noch möglich sind.
Biologisch betrachtet gehört das einfach zum natürlichen Kreislauf. Hornissen regulieren Insektenbestände und jagen gezielt andere Insekten, darunter auch Libellen. Eine Libelle, die nicht mehr flugfähig ist, hat in freier Natur keine Überlebenschance, weil sie ohne Flug weder Nahrung aufnehmen noch sich vor weiteren Fressfeinden schützen kann. Das wirkt grausam, ist aber evolutionär genau so vorgesehen.
Ich verstehe trotzdem, warum man da eingreift. Mitleid ist menschlich, und niemand sieht gerne zu, wie ein Tier leidet. Für mich persönlich ist das aber genau der Punkt, an dem ich gelernt habe, einen Schritt zurückzugehen. Eingriffe aus Mitgefühl heraus verändern den Ausgang selten zum Guten, sondern verschieben ihn nur. Die Natur ist nicht fair, aber sie funktioniert nach klaren Regeln, und dazu gehört auch, dass nicht jedes Tier gerettet werden kann.
Solche Situationen habe ich selbst schon öfter beobachtet, und früher hätte ich vermutlich ähnlich reagiert. Heute lasse ich der Natur ihren Lauf, auch wenn es sich im Moment falsch anfühlt. Nicht einzugreifen heißt für mich nicht, herzlos zu sein, sondern anzuerkennen, dass mein menschliches Mitgefühl nicht automatisch zu einem besseren Ausgang für das Tier führt.
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