Rasende und rücksichtslose Radfahrer nerven nur noch

vom 01.09.2022, 10:25 Uhr

Radfahrer schimpfen gerne mal über rücksichtslose Autofahrer und sind selbst sehr rücksichtslos. Ich bin selbst früher mit dem Fahrrad jeden Tag zur Arbeit gefahren und habe mich an bestimmte Regeln gehalten. Zum Beispiel bei Rot an der Kreuzung angehalten oder wenn die Straße eng war und ich habe gemerkt, dass hinter mir ein Auto kam, ist man rechts in eine Lücke gefahren. Geht heute alles nicht mehr, sie fahren auf den Gehwegen, fahren wie die Bescheuerten an den Leuten vorbei und sie kennen auch keine roten Ampeln mehr. Ich finde es traurig, wenn man da was sagt, wird man noch beschimpft und beleidigt.

Nur kurz noch ein Beispiel, ich bin mit meinem Auto vom Einkaufen gekommen und auf dem Heimweg fuhr meine Nachbarin mit dem Fahrrad stur vor mir her, ich hatte angenommen sie fährt mal in eine rechte Lücke (Platz und Möglichkeiten gab es genug), im Gegenteil und hat mir noch den Stinkfinger gezeigt. Wo sie mich erkannt hatte, meinte sie, dass sie für keinen Autofahrer Platz machen würde. So finde ich verhalten sich viele Radfahrer und sie meinen, sie können machen was sie wollen. Habt ihr auch schon so ähnliche Erfahrungen gemacht und wie reagiert ihr darauf?

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» friedchen » Beiträge: 1245 » Talkpoints: 855,74 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Ich bin schon einige Male fast von Radfahrern auf dem Gehweg umgefahren worden. Es gibt in der Nähe meiner Wohnung eine Hauptverkehrsstraße mit breitem Gehweg und parallel verlaufendem Radweg, aber viele Radfahrer fahren entgegen der Hauptfahrtrichtung und weichen deswegen auf den Gehweg aus. Trotzdem achtet man oft nicht auf die Fußgänger, sondern prescht mit hohem Tempo über den Gehweg. Als Fußgänger achte ich meistens nicht auf von hinten sich nähernde Radfahrer, und wenn man versehentlich einen Schlenker macht, kann es passieren, dass man von hinten fast umgefahren wird. In solchen Fällen wird man oft auch noch als Verkehrshindernis beschimpft.

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» lascar » Beiträge: 3777 » Talkpoints: 688,27 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Ich wohne teilweise in einer Stadt, die als sehr Fahrrad-freundlich gilt. Entsprechend viele Leute sind mit dem Fahrrad unterwegs. Wenn ich von Fahrradfahrern "nur noch genervt" wäre hätte ich verdammt viel zu tun. Ich habe mich einfach daran gewöhnt.

Wenn ich über eine Kreuzung gehe oder aus der Bahn steige schaue ich tatsächlich in erster Linie nach Fahrradfahrern. Bei den Autofahrern kann man nämlich davon ausgehen, dass sie an einer roten Ampel anhalten oder wissen, dass man eine Straßenbahn an der Haltestelle nicht überholen darf, aber ich bin schon mehrmals fast über den Haufen gefahren worden weil ein Fahrradfahrer dachte, dass diese Regeln nur für andere gelten.

Meine "Lieblinge" sind aber die Leute, die mit Kopfhörer quer über die Schienen fahren ohne nach rechts oder links zu schauen. Da frage ich mich immer, ob die einen Todeswunsch haben. Ich habe es einmal erlebt, wie eine Straßenbahn ein Fahrrad erwischt hat, da war nicht mehr viel übrig, was man noch als Fahrrad erkennen konnte. Zum Glück ist der Besitzer rechtzeitig abgesprungen, aber man kann sich denken, wie der ausgehen hätte wenn er es nicht geschafft hätte.

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» Cloudy24 » Beiträge: 26891 » Talkpoints: 167,17 » Auszeichnung für 26000 Beiträge



Cloudy24 hat geschrieben:I
Wenn ich über eine Kreuzung gehe oder aus der Bahn steige schaue ich tatsächlich in erster Linie nach Fahrradfahrern. Bei den Autofahrern kann man nämlich davon ausgehen, dass sie an einer roten Ampel anhalten oder wissen, dass man eine Straßenbahn an der Haltestelle nicht überholen darf, aber ich bin schon mehrmals fast über den Haufen gefahren worden weil ein Fahrradfahrer dachte, dass diese Regeln nur für andere gelten.

Das stimmt. Ich beobachte fast täglich Radfahrer, die sich gar nicht an die üblichen Verkehrsregeln halten und beispielsweise rote Ampeln weitgehend ignorieren, sofern der Verkehr es irgendwie zulässt. Wenn man als Fußgänger über einen Fußgängerüberweg will, kann man relativ sicher sein, dass man die Autos bei rot halten, aber vor heranpreschenden Radlern ist man nicht sicher.

Dasselbe sieht man auch bei Einbahnstraßen, die von Autos in der Regel nur in der vorgesehenen Fahrtrichtung befahren werden, während die Radfahrer die Straße gern in beiden Richtungen benutzen. Oft radeln sie irgendwo seitlich am entgegenkommenden Verkehr entlang, was durchaus gefährlich werden kann, wenn man nicht mit diesem aus der falschen Richtung kommenden Fahrradverkehr rechnet.

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» lascar » Beiträge: 3777 » Talkpoints: 688,27 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



friedchen hat geschrieben: Nur kurz noch ein Beispiel, ich bin mit meinem Auto vom Einkaufen gekommen und auf dem Heimweg fuhr meine Nachbarin mit dem Fahrrad stur vor mir her, ich hatte angenommen sie fährt mal in eine rechte Lücke (Platz und Möglichkeiten gab es genug),

Das ist ja genau die egoistische Haltung. Jeder Verkehrsteilnehmer will nur schnellstmöglich vorankommen. Dabei wird jeder andere Verkehrsteilnehmer als potenzieller Störfaktor angesehen. Und das gilt auf allen Ebenen des Verkehrs. Da viele Menschen von sich aus leider kein Vernunftverhalten an den Tag legen, sah sich die Gemeinschaft gezwungen, diese Dinge auf gesetzliche und Verwaltungsebene durch einschlägige Vorschriften in der Straßenverkehrsordnung zu heben, was unter Sanktionierungsandrohung das Verhalten der einzelnen Verkehrsteilnehmer untereinander eindeutig regeln soll.

Und die StVO besagt nun einmal, dass ein Mindestabstand zum Radfahrer einzuhalten ist. Wenn ein Vorbeikommen dann unter bestimmten örtlichen Gegebenheiten nicht möglich ist, muss der "stärkere" Verkehrsteilnehmer eine "durch die Umstände nicht vermeidbare Behinderung" in Kauf nehmen. Einen Radfahrer zum Schlangenlinienfahren zu nötigen, um selber Platz zu bekommen, kann sogar strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Ich als Radfahrer hätte mich in der beschriebenen Situation sogar zu einer Anzeige hinreißen lassen können. Das aggressive Verhalten von Radfahrern, das es sicher auch gibt, rührt eben meistens daher, dass sie ständig von den stärkeren und motorisierten Verkehrsteilnehmern nicht für voll genommen werden.

Ich kann mich noch gut erinnern an die Zeit, wo ich mit dem Vredestein- Fahrrad mit den kleineren Reifen unterwegs war. Da blieben Hausbewohner und der Postbote stehen, drehten sich um und zeigten mir sogar gelegentlich den Vogel. Schnell hatte ich den Spitznamen bei Kollegen weg: Da kommt wieder der "fliegende Holländer". Größere Probleme hatte ich auf meinem Weg zur Arbeit in Köln aber nicht. Gefährliche Begegnungen gab es so gut wie keine.

Was auffällt, einige architektonische Sünden bei der Verkehrsplanung wurden durch Gemeinschafts-Verwendung zu vertuschen versucht. Zugänge zu S-Bahnsteigen sollten nun einmal für den Durchgangsverkehr tabu sein. Leider brettern da Radfahrer manchmal durch. Interessanterweise kann ich jetzt in Google-Street-View sehen, dass die Verkehrszeichen abmontiert worden sind, die zum Teil auch auf meine Initiative bei der Stadtverwaltung hin anmontiert worden waren. Schild Nummer Z237 wurde damals dann durch Z240 korrekterweise ersetzt. Auch wurden Fahrbahnmarkierungen aufgetragen, die auf eine Verengung hindeuteten. Jetzt fehlt beides. Und die Leute beschimpfen sich wieder.

Aber: Was bei den E-Bikes und Rollern mit elektrischem Hilfsmotor jetzt vom Verkehrsrat angeregt wurde, wird für Radfahrer über kurz oder lang auch Realität werden: Die Gefährdungshaftung. Bei steigendem Radfahrverkehr muss endlich eine praktikable Lösung zur Identifikation und Haftungsregelung im Kollisionsfalle her. Ja, auch Kennzeichenpflicht. Soll das Fahrrad nicht nur ein exklusives Freizeitvergnügen, sondern eine echte Alternative zum motorisierten Individualverkehr werden, hat nicht nur der Gesetzgeber eine immer größer werdende ToDo-Liste abzuarbeiten.

» Gorgen_ » Beiträge: 572 » Talkpoints: 229,04 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Gorgen_ hat geschrieben:Das aggressive Verhalten von Radfahrern, das es sicher auch gibt, rührt eben meistens daher, dass sie ständig von den stärkeren und motorisierten Verkehrsteilnehmern nicht für voll genommen werden.

Und deswegen ist es unumgänglich, auf einem Gehweg (nicht auf dem parallel verlaufenden Radweg) in hohem Tempo ohne Rücksicht auf die Fußgänger entgegen der Fahrtrichtung entlang zu preschen und auch bei Straßenkreuzungen und Einmündungen möglichst ohne abzubremsen vorbeizuzischen? Auch auf das Risiko hin, dass z.B. ein schneller Fußgänger aus der Querstraße bzw. einem querverlaufenden Gehweg angerannt kommt? Was spricht eigentlich dagegen, auf dem Radweg zu fahren und sich an die Verkehrsregeln zu halten?

Übrigens: man muss einen Fußgänger, der auf dem Gehweg nicht schnell genug ausweichen kann, nicht auch noch anfauchen oder beschimpfen. Manchmal würde es einfach helfen, die Bremse zu gebrauchen, das Tempo zu reduzieren und rücksichtsvoller unterwegs zu sein.

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» lascar » Beiträge: 3777 » Talkpoints: 688,27 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


friedchen hat geschrieben: ich bin mit meinem Auto vom Einkaufen gekommen und auf dem Heimweg fuhr meine Nachbarin mit dem Fahrrad stur vor mir her, ich hatte angenommen sie fährt mal in eine rechte Lücke

Man kann das natürlich tun, aber es gibt überhaupt keinen Grund, das zu fordern und sich deshalb zu ärgern. Für einen Radfahrer ist es durchaus mit, wenn auch vielleicht nur leichten, Gefahren verbunden, nach rechts auszuweichen und dann wieder zurückzublicken, um zu warten, bis er wieder zurück kann. Der Zeitverlust, es handelt sich wahrscheinlich nur um Sekunden oder Minuten für den Autofahrer, ist für den Radfahrer vielleicht sogar größer als für den Autofahrer.

Ich hätte zwar nicht den Stinkefinger gezeigt, mich aber auch über den Autofahrer geärgert. Ansonsten ärgere ich mich auch über viele rücksichtslose Radfahrer, aber in deinem Fall bis du als Autofahrerin die Person, die ein Recht einfordert, das sie nicht hat.

» blümchen » Beiträge: 4517 » Talkpoints: 75,18 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



Gestern Nachmittag hatte ich wieder so einen Vorfall erlebt: ich war in der Innenstadt in einem Gebäude, vor dem ein etwa 2-3 Meter breiter Gehweg verläuft. Parallel zum Gehweg gibt es auch noch einen Radweg. Beim Verlassen des Gebäudes trat ich auf den Gehweg, genau in diesem Moment zischte eine Radfahrerin auf eben diesem Gehweg sehr knapp an mir vorbei. Anscheinend hatte sie nicht damit gerechnet, dass jemand aus dem Gebäudeeingang kommen könnte. Sie konnte mit einem Schlenker gerade noch knapp ausweichen.

Auch hier habe ich mir wieder die Frage gestellt: warum hat sie nicht den Radweg benutzt? Warum ist sie nicht langsamer gefahren, wenn es schon unbedingt der Gehweg sein musste? Warum ist sie nicht auf den Gedanken gekommen, dass jederzeit jemand aus einem Hauseingang oder einer Seitenstraße kommen könnte?

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» lascar » Beiträge: 3777 » Talkpoints: 688,27 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


lascar hat geschrieben:Auch hier habe ich mir wieder die Frage gestellt: warum hat sie nicht den Radweg benutzt?

Hatte oben schon erwähnt, dass kein Verkehrsteilnehmer eine Ausnahme aus dem Egoismus darstellt. Um kurz noch einen Vorfall ähnlicher Art zu schildern: Eindeutig an der Bushaltestelle Gebot für Fußgänger beschildert. Trotzdem hätte mich beinahe ein Radfahrer beim Einsteigen in den Bus angefahren. Ja, es ist gerade Schichtwechsel bei einen großen Chemiewerk gewesen. Da werden an den Toren zum Werk die Verkehrsregeln zeitweise derart auf den Kopf gestellt, dass sogar die Polizei es aufgegeben hat, etwas gegen Verkehrsverstöße zu unternehmen. Anzeige zwecklos. Den Radweg auf der gegenüberliegenden Straßenseite haben sie auf kollektiven Druck hin sogar für Mopeds freigegeben.

Das Schärfste habe ich aber in den Niederlanden erlebt. Dort sind Bromfietsers, also motorisierte Kleinkrafträder auf den Radwegen zugelassen. Ich staune nicht schlecht, wie mich eine Harley Davidson rechts überholte. Die wurde auf dem Radweg gefahren.

Man könnte zu der Auffassung gelangen, dass, wenn der kleine Finger gereicht würde im Sinne einer Gestattung der Benutzung des Radweges, dann die ganze Hand gegriffen würde. Bestätigt nur meine Andeutung oben, dass eine Menge an Reglementierungen bis hin zur Versicherungs- und Kennzeichenpflicht auch für Radfahrende im Zuge des immer dichter werdenden Verkehrs absolut unumgänglich ist.

Und: Warum Radfahrer lieber weiter auf der Seite des Fußgängerweges fahren, hat einen ganz einfachen Grund: Weil sie nicht in eine plötzlich sich öffnende Autotüre hineinfahren möchten. Vielleicht werden bei Autos demnächst nur noch Schiebetüren zugelassen, um ein seitliches Herausragen der Türen zu unterbinden?

Genau das führt zu den Überlegungen, wie der Radfahrerverkehr am besten geführt würde. Ein hinter einer Reihe von parkenden Autos verlaufender Radweg birgt genau diese Gefahren. Auch in Folge für die Fußgänger, die dann von Ausweichmanövern belästigt würden. Die Zeiten, zu denen man sich beispielsweise in Köln als Fußgänger mit schlafwandlerischer Sicherheit zu jeder Tages- und Nachtzeit bewegen konnte, sind offensichtlich der Disziplinlosigkeit der Verkehrsteilnehmer und der laissez faire Politik der Ordnungshüter zum Opfer gefallen.

Radfahrer gehören auf die Straße. Aber da werden sie ja zu den Gejagten, wie oben schön beschrieben. Das würde sich meiner Meinung nach dann schlagartig ändern, wenn Radfahrer genauso Versicherung zahlen müssten, und Räder ein Nummernschild verpasst bekämen, womit sie dem anderen Verkehr zumindest imagemäßig gleich gestellt würden. Bis jetzt sieht es nämlich so aus, dass Radfahrer, wie ich oben schon sagte, nicht für vollwertige Teilnehmer am Straßenverkehr angesehen werden. Es wären eben nur Spaßvögel, die nur aus Jux und Dollerei Rad fahren, dabei alle Narrenfreiheit hätten.

Es wird höchste Zeit, Dinge zu unternehmen, die einerseits die Verkehrssicherheit für alle verbesserten und das Negativimage, das Radfahrer wohl noch haben, abbauen helfen.

» Gorgen_ » Beiträge: 572 » Talkpoints: 229,04 » Auszeichnung für 500 Beiträge


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