Hatewatching - Könnt ihr es nachvollziehen?

vom 02.05.2021, 21:55 Uhr

Hatewatching bedeutet, den Konsum einer Serie oder eines Filmes, obwohl man davon ausgeht oder sogar genau weiß, dass man das Produkt nicht mögen wird. Manch einer sieht sich so etwas an, um hinterher mitreden zu können oder weil er oder sie Freude daraus zieht, in den sozialen Medien vom Leder ziehen zu können.

Meiner Beobachtung nach kann das aber nicht alles sein, weil es Menschen gibt, die sich ganze Staffeln ansehen, über die sie hinterher öffentlich oder privat gar nicht soviel reden, von denen ich aber weiß, dass sie diese Sendung in jeder einzelnen Minute hassen. Und trotzdem ansehen, ohne darüber explizit zu reden. Es muss also noch andere Gründe geben.

So richtig will sich mir die Intention noch nicht erschließen. Welche Freude oder welchen Gewinn zieht man daraus, es zu lieben, etwas zu hassen? Warum sieht man etwas, was man so richtig kreuzdoof findet? Ich habe auch schon Serien angefangen zu hassen, aber diese dann abgebrochen, weil es mich persönlich zu sehr aufgeregt hätte, mir diesen Mist anzutun. Oder ziehen manche vielleicht Freude daraus, Dinge ironisch zu sehen?

» Verbena » Beiträge: 4348 » Talkpoints: 0,74 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



Als Beispiel würde mir das Dschungelcamp einfallen. Viele behaupten ja, sie finden das ganz schlimm und sind dann dennoch auf dem neuesten Stand, wenn es wieder im TV läuft. Ich denke, die mögen die Sendung schon und haben ein gewisses Interesse daran; hassen die Sendung also nicht. Sie tun dann aber so, als wäre das nicht ihr Niveau, weil es vielleicht nicht sozial erwünscht ist, Gefallen an so einer Sendung zu finden.

» Zitronengras » Beiträge: 9393 » Talkpoints: 1,18 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Natürlich habe ich zu gegebener Zeit auch mal diesen ganzen DSDS-, Dschungelcamp- und Topmodelquatsch geschaut, weil es eben gefühlt das einzige Thema auf dem Schulhof war und man wirklich blöd und abseits dastand, wenn man da nicht mitreden konnte. Wirklich begeistert oder tatsächlich emotional berührt haben mich diese Shows nie, und ich habe mich eher latent darüber lustig gemacht, weswegen das Anschauen aber phasenweise doch recht amüsant war.

Eine mehrstaffelige Serie oder einen Film anzuschauen, wo mich aber weder Thematik und Schauspielkunst oder Technik ansprechen und wovon gefühlt jede Minute eine Quälerei ist, läge mir mittlerweile aber fern. Meine Lebens- und Freizeit ist mir dafür echt zu schade, und ich habe genug Hobbies und anderes Programm auf meiner Watchliste, wofür ich sie lieber nutzen würde. Auch, wenn ich vielleicht nicht in einem Gespräch zwischen Kollegen und Freunden über das Thema mitreden kann, belastet mich das nun nicht mehr.

» MaximumEntropy » Beiträge: 8078 » Talkpoints: 887,33 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



Das mit der Ironie kann ich vielleicht erklären. Ich mag B-Movies (oder eher C-Movies) weil sie so schlecht sind, dass sie schon wieder gut sind. Für mich sind diese Filme die besseren Komödien weil sie nicht verkrampft versuchen lustig zu sein sondern erst dadurch lustig werden, dass sie sich selber viel zu ernst nehmen (von "Sharknado" mal abgesehen).

Mich bringt ein grottenschlechter Dialog oder ein Monster mit sichtbaren Reißverschluss eher zum lachen als ein gut geplanter und am Testpublikum ausprobierter Witz. Und natürlich macht das am meisten Spaß wenn man mit anderen zusammen vor dem Fernseher oder im Kino sitzt.

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» Cloudy24 » Beiträge: 26105 » Talkpoints: 118,17 » Auszeichnung für 26000 Beiträge



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