Würdet ihr zugeben Drogen zu nehmen oder eher verschweigen?

vom 21.12.2013, 22:28 Uhr

Bei meiner Bekannten war gestern der Bereitschaftsdienst da, weil es ihrem Mann abends relativ schlecht ging und er auch kurze Zeit bewusstlos war. Als der Arzt dann bei ihnen zu Hause war, hat er ihren Mann natürlich gründlich untersucht und ihm auch etliche Fragen gestellt. Unter anderem wohl auch die Frage, ob er Medikamente einnimmt und / oder illegale Substanzen. Diese Frage war ihm dann, obwohl er natürlich keine illegalen Substanzen konsumiert, sehr peinlich und er verneinte die Frage natürlich. Dass es ihm wohl peinlich war, eine solche Frage zu beantworten, hat er seiner Frau dann hinterher erzählt und gemeint, dass er es sicherlich auch nicht zugeben würde, wenn ihn jemand, egal wer, danach fragt.

Ich fand es zunächst auch etwas komisch, dass nach illegalen Substanzen gefragt wurde, aber in der heutigen Zeit weiß man eben bei niemandem, was er konsumiert und was er macht und insofern war die Frage ja berechtigt, wenn es um Leben und Tod bzw. um ernste gesundheitliche Probleme geht. Ich würde auf jeden Fall dann die Wahrheit sagen, habe mich aber gefragt, ob das hier wohl jeder täte, wenn ich so die Meinung des Mannes meiner Bekannten gehört habe.

Wie ist das bei euch? Würdet ihr in einer Situation, in der es um ernste, schwerwiegende gesundheitliche Probleme geht, dem Arzt die Wahrheit sagen, wenn ihr Drogen nehmen würdet oder würdet ihr es aus Scham oder sonstigen Gründen verschweigen, auch wenn das gegebenenfalls negative Auswirkungen auf eure Gesundheit hätte?

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» Nettie » Beiträge: 7663 » Talkpoints: 3,55 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Ich finde die Frage überhaupt nicht komisch. Es ist eine Standardfrage, die jedem gestellt wird. Die Sanitäter gucken sich doch nicht in der Wohnung um, um zu entscheiden, ob dieser Patient der Typ dafür wäre, Drogen zu nehmen. Und selbst wenn, alle Arten von Menschen nehmen Drogen. Es gibt ja auch die unterschiedlichsten. Einem Heroinabhängigen sieht man die Sucht eher - auch nicht immer - an als jemandem, der Koks konsumiert. Aber grundsätzlich kann das jeder sein, ob nun 13jährige Musterschülerin, 40jähriger Geschäftsmann und Familienvater oder 80jährige Großmutter.

Wenn mir also diese Frage gestellt werden würde, würde ich wahrheitsgemäß antworten. Den Arzt interessiert das Illegale an dem Konsum überhaupt nicht. In dem Moment will er mir doch nur die Schmerzen nehmen oder sogar mein Leben retten. Ärzte kriegen doch keine Provision für jeden Patienten, den sie an die Polizei verpfeifen. Nein, er stellt die Frage, weil sie wichtig ist. Die Drogen könnten Ursache der medizinischen Probleme sein oder mit den Medikamenten, die einem verabreicht werden, korrelieren.

Zudem glaube ich gar nicht, dass sich jemand, der wirklich Drogen konsumiert, dafür schämt. Entweder er ist so abhängig, dass es offensichtlich. Ein Alkoholiker schämt sich ja auch nicht dafür, dass er morgens um 10 schon besoffen das nächste Bier im Supermarkt kauft. Oder er ist ein funktionierender Abhängiger, der ganz bewusst konsumiert. Also z.B. ein Geschäftsmann, der kokst. Ich denke, Scham spielt da keine große Rolle. Das glaubt man nur als Nicht-Konsument, weil man ja bewusst nicht konsumiert.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9457 » Talkpoints: 21,72 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Für mich ist das eine absolute Standardfrage, daher sehe ich an dieser Frage so gar nichts schlimmes. Ich werde beim Arzt auch oft gefragt, ob ich denn schwanger sei, ob ich rauche und ob irgendwelche Vorerkrankungen vorliegen. Daher denke ich mir bei solchen Fragen gar nichts und würde sie immer ehrlich beantworten. Schließlich kann einem nicht gut geholfen werden, wenn man nicht die Wahrheit gesagt hat.

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» Täubchen » Beiträge: 27435 » Talkpoints: 0,77 » Auszeichnung für 27000 Beiträge



Natürlich würde ich einem Arzt gegenüber eine solche Frage ehrlich beantworten, wenn ich nicht lebensmüde wäre. Er braucht die Aussage ja sowohl für die Diagnose als auch für die Medikamente, die er vielleicht geben muss.

Anderen Personen gegenüber würde ich solche Dinge nicht unter die Nase reiben. Das geht niemanden etwas an. Eine Ausnahme würde ich machen, wenn mir dieser Mensch helfen könnte oder von sich aus das Gespräch darauf bringt und vielleicht ähnliche Erfahrungen oder Probleme hat. Die nächsten Angehörigen merken einen Drogenkonsum wahrscheinlich sowieso.

» anlupa » Beiträge: 10950 » Talkpoints: 4,27 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



Wie kommt man überhaupt auf die Idee eine Frage, die für die Behandlung relevant ist, falsch zu beantworten? Dann braucht man doch gar nicht zum Arzt zu gehen wenn man nicht bereit ist kooperativ zu sein. Der Arzt ist schließlich auf diese Informationen angewiesen um die richtige Behandlung zu finden.

Ich verstehe auch nicht, was daran peinlich sein soll. Glaubst du das ist das erste Mal, dass ein Arzt mit einem Drogenkonsumenten konfrontiert ist? Ich kenne ein paar wirklich interessante Geschichten mit Drogen aus der Notaufnahme und bin mir deshalb sicher, dass die meisten Notärzte nicht mal mit der Wimper zucken würden wenn man harten Drogenkonsum gesteht.

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» Cloudy24 » Beiträge: 21078 » Talkpoints: 155,54 » Auszeichnung für 21000 Beiträge


Ich denke auch, dass es äußerst gefährlich sein kann, wenn man hier nicht ehrlich ist. Gut, Marihuana ist sicher nicht so relevant. Aber andere Drogen können sich erheblich auf die Medikation auswirken, sodass die Leute sich mit Falschangaben keinen Gefallen tun. So muss zum Beispiel bei Menschen, die täglich viel Alkohol trinken, bei OPs die Narkose völlig anders gestaltet werden; ansonsten besteht die Gefahr, dass sie während des Eingriffs einfach aufwachen.

Bienenkönigin hat geschrieben:Ein Alkoholiker schämt sich ja auch nicht dafür, dass er morgens um 10 schon besoffen das nächste Bier im Supermarkt kauft.

Das finde ich allerdings auch immer merkwürdig. Wenn ich Freitag Abend mal ein paar Bier trinken möchte, dann kaufe ich das natürlich auch gleich morgens beim Einkaufen, was soll ich denn abends extra noch mal losgehen. Allerdings natürlich nicht besoffen. Aber viele Leute gucken dann trotzdem total komisch, die glauben dann immer, dass man es gleich trinkt.

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» Paulie » Beiträge: 197 » Talkpoints: 69,29 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Ich verschweige eigentlich fast gar nichts mehr beim Arzt. Über irgendwelchen potentiell peinlichen Dingen muss man drüber stehen und sich auf die Professionalität des Arztes verlassen. Ich konsumiere zwar keine Drogen und habe das auch nie, aber ich würde natürlich sofort sagen, wenn ich so etwas getan hätte, es geht dann in dem Fall schließlich um meine Gesundheit, vielleicht sogar um mein Leben.

Der Arzt als Notdienst ist in der Situation doch nicht der moralische Richter, der die Polizei ruft oder mahnend den Finger hebt. Ich gehe davon aus, dass die schon alles gesehen haben werden, von daher ist in so einer Situation Scham echt am falschen Platz. Generell bin ich überrascht, von welchen medizinischen Fragen Patienten sich so beschämt sehen, es gab ja hier schon andere Threads, die alle in eine ähnliche Richtung gehen.

Dass ein Alkoholiker oder Drogensüchtiger sich aber nicht für seine Sucht schämt, stimmt so nicht. Das sind doch auch ganz normale Menschen, oder glaubt jemand allen Ernstes, dass die irgendwann alle so abgewrackt und jenseits menschlicher Gefühle sind, dass denen alles egal ist? Viele Süchtige versuchen ihre Sucht zu verstecken, zu verheimlichen oder zumindest zu verharmlosen. Sucht und Scham sind ganz oft nahe miteinander verknüpft. Manche Süchtige können sogar bei dem Thema sehr aggressiv reagieren, weil sie sich selbst beschämt fühlen und das ihr wundester Punkt ist.

» Verbena » Beiträge: 3183 » Talkpoints: 11,07 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Sicher gibt es Schöneres, als das so offen zuzugeben, allerdings würde ich das beim Arzt immer tun. Es ist doch ein Arzt - zum einen unterliegt er der Schweigepflicht und zum anderen kann man sich doch sonst alle möglichen Arztgänge sparen. Auch Durchfall oder Erbrechen oder Hämorrhoiden und Warzen sind keine schönen Sachen, die man jedem auf die Nase bindet - beim Arzt sollte man das allerdings schon tun.

Der Arzt wird einen ja nicht auslachen oder einem sagen, dass man nicht mehr alle Tassen im Schrank hat. Er wird das einfach möglichst diskret behandeln. Und auch wenn es einem unangenehm ist - nur wenn man die Wahrheit sagt, kann man richtig behandelt werden. Und wenn man lügt, dann kann das unter Umständen sogar richtig gefährlich werden.

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» Prinzessin_90 » Beiträge: 30132 » Talkpoints: 131,00 » Auszeichnung für 30000 Beiträge


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