Kann ein Tod gut oder schlecht sein?
Wenn jemand stirbt, dann ist er für mich tot. Für mich gibt es da keine Bewertung, ob ein Tod als gut oder schlecht zu bewerten ist. Natürlich ist es nicht immer toll, wenn Angehörige zurückgelassen werden, aber das gehört nunmal zum Leben dazu.
Vor kurzem las ich ein Interview in dem jemand meinte, dass ein Tod dann gut wäre, wenn man sich darauf vorbereitet hätte. Was haltet ihr von dieser Aussage? Stimmt ihr dem zu? Oder findet ihr diese Kategorisierung befremdlich und wenig nachvollziehbar? Wann ist für euch ein Tod gut oder schlecht und warum ist das so?
Die Kunst des "guten Todes" ist heutzutage natürlich nicht mehr so im Bewusstsein der Menschen, aber im Mittelalter war sie vielen ein persönliches Bedürfnis. Damals war der Glaube an ein Jenseits noch viel tiefer verankert, weswegen man natürlich nicht unvorbereitet vor den göttlichen Richterstuhl treten musste. Deswegen war das, was uns heute als Ideal erscheint, also ein plötzlicher, schneller Tod, gar nicht so wünschenswert, sondern man wollte vorher schon noch seine Angelegenheiten regeln, seine Sünden bekennen und sich schon mal die passenden Antworten zurechtlegen, um in den Himmel zu kommen.
Aber auch heute kann ein Tod gut oder schlecht sein. Man kann langsam und qualvoll dahinsiechen oder beispielsweise in einem Hospiz gut betreut und begleitet das Erdendasein beenden. Man kann im Fernsehsessel vom Schlag getroffen und nach sechs Wochen vom Schäferhund angenagt gefunden werden oder im Kreise seiner Lieben und zugedröhnt bis obenhin friedlich verscheiden. Ich würde also durchaus behaupten, dass es auch heutzutage noch einen "guten Tod" gibt. Der Vorgang an sich ist neutral, aber man kann dabei mehr oder weniger leiden.
Auch heute gibt es einen guten Tod. Wer schon einige Menschen hat sterben sehen, der stellt so eine Frage nicht. Denn das Sterben ist nicht unbedingt leicht, schnell oder wenig qualvoll. Und gerade in der heutigen Zeit fehlt es oft an Zeit, Zuwendung und guter Versorgung. Das ist nämlich alles teuer und passt so gar nicht in die Kostendämpfungsideen in Medizin und Pflege.
Wer schon mal Sterbende, abgeschoben in irgendwelche Wirtschaftsräume im Krankenhaus, ein oder zwei Tage hat leiden gesehen und gehört, der wird nicht von einem guten Tod sprechen. Wer einen Senior über Wochen bei der Verweigerung von Nahrung und Flüssigkeit begleitet hat, was natürlich durch Infusionen verlängert wird
, der geht nicht von einem guten Tod aus. Wer schnell stirbt oder gut versorgt wird, der hat einen guten Tod.
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