Steine im Gallengang durch Zertrümmerung ohne OP möglich?
Die Mutter einer Bekannten liegt im Krankenhaus. Bei ihr sind Steine im Gallengang festgestellt worden. Sie liegt im Moment schon eine Woche im Krankenhaus und bekommt Schmerzmittel. So wie ich das von meiner Bekannten verstanden habe, wird die Mutter auch vorerst nicht operiert. Die Ärzte beraten noch, ob sie mit Laser die Steine zertrümmern. Dann könnten die Steine irgendwie alleine ab gehen. Wie wurde ihr nicht gesagt.
Dass man so was mit Nierensteinen machen kann, habe ich schon gehört. Aber wie sollen denn die Steine im Gallengang von alleine abgehen, wenn sie zertrümmert sind. Kann man Gallensteine im Gallengang mit Laser zertrümmern und ist das wirklich harmlos? Ist eine Operation im Normalfall nicht unumgänglich? Sollte meine Bekannte darauf bestehen, dass die Mutter nun doch operiert wird?
Bestimmte Gallensteine kann man auch zertrümmern. Andere wiederum muss man entfernen, indem man die Gallenblase herausoperiert. Wenn die Gallensteine im Gallengang sind, geht das, soweit ich weiß, nicht mehr minimal invasiv.
Dass die Bekannte darauf bestehen soll, dass die Mutter operiert wird, ist ja wohl Unsinn. Das kann sie ja gar nicht entscheiden. Außerdem ist eine Zertrümmerung mit Laser, falls das in diesem Fall möglich ist, die schonendere Methode.
Je nachdem, wie groß die Steine sind, können sie durchaus laserinduziert zertrümmert werden. Das Verfahren nennt sich ESWL (=extrakorporale Stoßwellenlithotripsie), ist vom Prinzip her genauso wie bei Nierensteinen: Mit auf die Steine konzentrierten Stoßwellen werden diese zertrümmert und gleichzeitig verkleinert. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie dann den entsprechenden, hohlen Gang komplikationslos passieren ist dann entsprechend hoch.
Es ist aber insofern riskant, dass dadurch nicht garantiert werden kann, dass der Stein auch abgeht und keine Komplikation verursacht. Bei Gallengangssteinen würde ich jetzt von meiner Theorie ausgehend behaupten, dass eine ERCP mit gleichzeitiger Papillotomie/Sphinkterotomie (=endoskopische, retrograde Cholangiopankreatikographie mit Durchtrennung der Papille/des Schließmuskels) sinnvoller wäre, wenn auch invasiv. Zumindest sieht man dann am Monitor, dass der Stein auch wirklich abgegangen ist, teilweise wird er sogar mit dem sogenannten Dormia-Körbchen aufgefangen. Denn nach Zertrümmerung des Steines kann dieser in der Nähe der Papille immer noch steckenbleiben und bei Vorliegen eines zusammenhängenden Pankreas- und Gallenganges könnte dann eine Pankreatitis induziert werden. Bei der ERCP kann dies allerdings auch passieren, dementsprechend muss die Patientin aufgeklärt werden.
Bei Gallengangssteinen sind Operationen aber eher selten, zumindest kenne ich niemanden, bei dem es so gewesen ist. Eher sind Operationen bei "ruhigen" Gallenblasensteinen indiziert, wo man die Gallenblase samt Steinen entfernt.
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