Wo bekommt man gute Reitkleidung für Kinder? Worauf achten?

vom 07.07.2021, 09:26 Uhr

Meine Kinder haben bald ihre erste Reitstunde und können sich dort dann auch solche Dinge wie den Reithelm ausleihen. Ansonsten haben sie feste Schuhe an, aber keine Reitstiefel. Dies würde ich dann, wenn die Kinder das gut finden und weiter machen wollen, gerne ändern und deswegen möchte ich mich bei euch darüber informieren, auf was man da achten muss, aber vor allem wo man diese Reitkleidung herbekommt. Ehrlich gesagt bin ich selber nicht so in dieser ganzen Pferdewelt drinnen, deswegen weiß ich auch nicht, wo man die spezielle Kleidung kaufen kann. Welche Marken sind gut und wo habt ihr gute Erfahrungen gemacht?

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» Ramones » Beiträge: 46509 » Talkpoints: 2,20 » Auszeichnung für 46000 Beiträge



Niemals würde ich einem meiner Kinder einen gebrauchten oder geliehenen Reithelm aufsetzen! Ein Reithelm sollte niemals älter als vier Jahre sein und muss nach einem Sturz ausgetauscht werden. Ich möchte gar nicht wissen, wie oft ein Leihhelm einem ungeschickten Kind auf der Hand gefallen oder zornig geworfen worden ist. Ein neuer eigener Helm ist für mich auch für eine Schnupperstunde ein Muss! Nur so hat man die Sicherheit, dass das Ding passt und kein gefährlicher Vorschaden besteht.

Und einfach feste Schuhe gehen für mich auch nicht. Ohne Absatz ist das Risiko gerade bei Kindern mit den kleinen Füßen und bei Anfängern viel zu groß, dass der Fuß durch den Steigbügel rutscht. Auch hier ist mir die Sicherheit die Ausgabe wert Stiefel oder Stiefeletten zu kaufen. Die gibt es für ein paar Euro auch gebraucht.

Mehr brauchen so kleine Kinder eigentlich sowieso nicht. Statt spezieller Kleidung ist eine Sicherheitsweste eher sinnvoll. Ansonsten gibt es Reithosen und allen anderen Krempel gut erhalten gebraucht. Die Kinder wachsen so schnell. Wenn es neu sein soll, berät das Reitsportgeschäft in deiner Nähe ausführlich und findet mit dem Kind gemeinsam die Sachen, die passen und gefallen. Für den Reithelm solltest du da sowieso hin, denn da ist anprobieren extrem sinnvoll.

» cooper75 » Beiträge: 12513 » Talkpoints: 331,47 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


Sicherheitsgesetze ist für mich ein absolutes No-Go, gerade bei kleinen Kindern! Wenn du einmal selber eine anprobierst wirst du sofort wissen, warum ich so denke. Sie Schränken unheimlich stark in der Bewegung ein und machen es den Reitanfängern damit unheimlich schwer, einen unabhängigen und ausbalancierten Sitz zu entwickeln. In Folge dessen wird ein Sturz insbesondere in einer brenzligen Situation wahrscheinlicher. Der Grund dafür liegt in den oft zu langen Schnitten und dem sehr steifen Material.

Wenn Sicherheitsweste, dann eine hochwertige. Und da bist du leicht einige hundert Euro los. Für mich nicht sinnvoll, so lange man keinen Leistungssport betreibt und riskante Situationen erlebt, zum Beispiel in der Vielseitigkeitsreiterei oder beim Geländefahren. Hochwertige Sicherheitswesten erkennst du zum einen am Preis, zum anderen daran dass sie nicht aus einzelnen Platten gefertigt sind, sondern aus kleineren Elementen, die zusammen eine deutlich höhere Beweglichkeit aufweisen.

Die Sache mit dem Reithelm stimmt schon. Lass dich da bitte in einem Fachgeschäft beraten. Decathlon verkauft zum Beispiel zwar Reithelme, das Personal ist aber nicht entsprechend geschult um dir wirklich gut bei Seite zu stehen und einen gut sitzenden Helm auszuwählen. Hier ist der Einzelhandel die sicherere Alternative. Für die ersten Stunden habe ich persönlich keine weiteren Probleme mit einem Leihhelm, sollte es sich aber zu einem langfristigen Hobby entwickeln ist ein eigener Helm, mit dem pfleglich umgegangen wird, ein Muss.

Ansonsten braucht es eine Reithose. Die gibt es günstig, es muss keine besondere Marke sein. Achte darauf, dass sie zwar Hauteng sitzt, aber nicht einschneidet. Sie sollte nicht zu weit sein, das stört auf dem Pferd. Es könnten sich Falten bilden, die unangenehm scheuern. Handschuhe würde ich gerade bei kleinen Händen vermeiden. Ohne Handschuhe hat man eh mehr Gefühl.

Auch festes Schuhwerk reicht nicht aus, es sollte einen kleinen Absatz geben, um nicht durch die Steigbügel zu rutschen. Als günstigere Lösung sind hier Stiefeletten eine ganz gute Wahl, da ist es auch leichter etwas passenderes zu finden als bei Reitstiefeln. Dazu kann man dann so genannte Chaps oder, wenn es etwas teurer sein darf, Stiefelschäfte anziehen. Ich würde nicht nur mit Schuhen bzw. Stiefeletten reiten, weil das Bein aufgrund des Stoffes der Reithose zum Rutschen neigt. Sicherheitsrisiko!

Statt den Chaps gibt es mittlerweile auch Reitsocken mit einem Silikonbesatz am Innenbein, der auch gegen das Rutschen vorbeugen soll. Da habe ich aber keine Erfahrungen mit.

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» olisykes91 » Beiträge: 5361 » Talkpoints: 22,72 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



Olisykes, gute Westen behindern überhaupt nicht. Mein Ältester bestreitet seit Jahren Mounted Games in Schottland und England. Mir fällt spontan keine Disziplin im Reitsport ein, die mehr Bewegungsfreiheit erfordert. Und es funktioniert. Man muss halt in einen vernünftigen Laden gehen und verschiedene Modelle ausprobieren.

Da zu verzichten und auf Leistungssport und risikoreiche Disziplinen zu verweisen, halte ich für gefährlich. Mein Brustkorb ist bis heute verformt und die Rippen sehen aus wie ein Mosaik. Das war eine ganz normale Reitstunde an einer guten Reitschule, als ich etwa acht Jahre alt war. Der abgebrochene Dornfortsatz im Rücken passierte beim Warmreiten für eine normale Reitstunde. Die abgerissenen Bänder in der Hüfte beim Aufsitzen.

Die ersten zehn Jahre waren einfach die gefährlichsten, obwohl mir da gut ausgebildete Pferde und noch besser ausgebildete Reitlehrer zur Verfügung standen. Aber nichts geht über Erfahrung. Seit ich so weit war, mein Studium übers Reiten zu finanzieren und meine Pferde selbst ausbilde, ist nichts gravierendes mehr passiert. Dabei reite ich viel risikoreicher als damals... Meine Kinder schütze ich besser als mich damals. Das Zeug ist nicht ohne Grund erfunden worden und zu viele Menschen, die ich kenne, sind gestorben.

» cooper75 » Beiträge: 12513 » Talkpoints: 331,47 » Auszeichnung für 12000 Beiträge



Habe ich ja auch gesagt, dass es wenn, dann eine gute Weste sein muss. Und die wenigsten Familien beschaffen ihren Kindern eine wirklich gute Weste zu Anfang. Der Kostenfaktor ist nicht zu unterschätzen und man kann nicht immer absehen, wie lange das Kind bei der Sache bleibt. Kann ich nachvollziehen, dass man da nicht so gerne so viel Geld investieren will. Ein Großteil der Sicherheitswesten sind ein schlechter Witz und schränken die Bewegung ein. Nicht ohne Grund lassen diverse Reitschulen diese nicht im Anfängerunterricht zu.

Passieren kann immer was, egal ob mit Weste oder ohne. Und auch ganz egal, wie gut das Pferd ausgebildet ist oder wie brav es ist. Ich hatte Glück und habe mir nie was an den Rippen oder der Wirbelsäule getan - und dass, obwohl ich einmal über die Bande gesegelt und auf der Stallgasse aufgeschlagen bin und mehrfach mit dem Brustkorb auf Hindernisstangen oder Ständern gelandet bin. Dafür sind Knie, Becken und Ellbogen beschädigt. Eine Weste hätte mir da wenig geholfen.

Prinzipiell finde ich die Sicherheitswesten ja auch nicht schlecht - wenn es eben gut konzipierte sind. Persönlich werde ich aber wahrscheinlich nie ein Freund davon werden. Da ist mir ein hochwertiger, wirklich gut sitzender Reithelm deutlich wichtiger.

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» olisykes91 » Beiträge: 5361 » Talkpoints: 22,72 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


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