Wie funktioniert ein E-Rezept ohne Smartphone?

vom 21.09.2022, 11:52 Uhr

Seit dem 1. September gibt es die E-Rezepte, und die kann man in ganz Deutschland in Apotheken einlösen. Meine Frage ist nur, wenn man kein Smartphone oder Tablet besitzt, wie soll das dann funktionieren? Gibt es das liebe gute ausgedruckte Rezept weiterhin? Sind die E-Rezepte so wichtig und was sind die Vorteile, außer dass man vielleicht Papier spart?

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» friedchen » Beiträge: 1245 » Talkpoints: 855,74 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Das ist tatsächlich mal ganz einfach gelöst auch wenn ich es nicht gedacht hätte. In den Fällen wo du als Patient kein Smartphone hast, druck dir dein Arzt ganz einfach das E-Rezept aus und du gehst mit dem klassischen Papierrezept zur Apotheke.

Abgeschlossen sein soll das Ganze voraussichtlich im Frühjahr 2023. Also eigentlich auch wenn es nicht so lange hin ist, noch in ferner Zukunft, wenn ich da meine Einschätzung so abgeben darf.

Auch wenn ich an sich sehr Technik affin bin und viel von Digitalisierung halte, ist das ganze System der Gematik für mich eine unheimlich teure Totgeburt. Egal ob es die elektronische Gesundheitskarte ist, die einige Kassen selbst nach fast 20 Jahren immer noch nicht eingeführt haben, weil sie keinen Mehrwert hat oder jetzt das in meinen Augen Desaster mit elektronischer Krankschreibung und Rezepten. Da sind einfach Leute am Werk, die handwerklich nichts drauf haben und keine Ahnung von der Arbeitsrealität haben.

Die Praxen wurden ja schon seit einiger Zeit dazu verpflichtet entsprechende Hardware anzuschaffen um das alles übermitteln zu können. Wer da früh dabei war, steht jetzt vor dem Problem, dass er noch vor der Einführung schon wieder neue Hardware kaufen muss, weil die eine bestimmte Halbwertszeit hat. Andere die darauf absichtlich verzichtet haben mussten Strafen bezahlen, obwohl es gar keine Pflicht für die Umsetzung von elektronischen Rezepten und Krankenscheinen gab.

Die Daten sind relativ unsicher in einer Cloud gelagert und können dort gehackt werden. Alles schon passiert noch bevor das System richtig gestartet ist. Und wenn ich dann anschaue, dass wir in meiner Klinik trotz einem Jahr Verspätung Vorreiter hier in der Gegend sind und uns alle Patienten immer ganz blöd angucken, wenn ich ihnen jetzt die neuen DIN A4 Krankenscheine ausdrucke, weil sie so etwas noch nie gesehen haben, dann weiß ich doch jetzt schon wie gut das anlaufen wird.

Von Kollegen in der Niederlassung weiß ich, dass die massive Probleme mit der Hardware haben, die sie kaufen mussten, da regelmäßig die Systeme abstürzen und dann gar nichts geht bis mal ein Techniker kommt, weil man selber an den Geräten nicht rum fummeln darf.

Weiter geht es dann ja damit, dass Privatversicherte sowieso keine E-Rezepte bekommen, weil das nur mit den gesetzlichen Krankenversicherungen abgestimmt wurde und BG-Versicherte auch nicht. Statt alles zu vereinfach und zu verschlanken, brauch ich also die zusätzliche Hardware für die ganze Übermittlung der Rezepte und Krankenschein und muss aber gleichzeitig meine ganzen alten Drucker samt Papierkrankenscheinen und Rezepten behalten.

Und ganz zu schweigen davon, dass wohl die EDV in den meisten Praxen und Krankenhäusern und sicherlich auch bei den Kassen gar nicht für die ganze Datenmenge ausgelegt ist. Also ich sehe da wahnsinnig viele Probleme und erlebe sie ja auch jetzt im Arbeitsalltag schon. Und es ärgert mich am meisten, dass dafür Milliardenbeiträge ausgegeben wurden und nur Murks bei rauskommt sowohl was Datenschutz, was die Schnelligkeit und was die Performance der Systeme angeht.

Da hätte man das Ganze auch einfach Microsoft, Google oder Amazon geben können und das würde alles schon seit 10 Jahren laufen. Und ob deine Daten nun von Google ausspioniert werden oder sich irgendwer in die Cloud der Gematik hackt macht jetzt auch keinen großen Unterschied.

» Klehmchen » Beiträge: 5418 » Talkpoints: 984,48 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


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