Wann seid ihr zu kritisch mit euch selbst?

vom 15.04.2020, 11:06 Uhr

Ich übe durchaus hin und wieder Kritik an mir selbst. Ich finde es auch gut, hin und wieder selbstkritisch zu sein und sein eigenes Verhalten zu hinterfragen und zu reflektieren. Auf diese Weise kann man mit der Zeit aus seinen Fehlern lernen und einiges beim nächsten Mal besser machen.

Manchmal bin ich aber auch zu kritisch mit mir selbst. Ich bin in mancherlei Hinsicht recht perfektionistisch veranlagt und verlange dann oft zu viel von mir ab. Wann seid ihr zu kritisch mit euch selbst? Was kann man dagegen tun? Immerhin setzt man sich dadurch ja auch selbst unter Druck, was nicht immer notwendig und gut ist.

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» Prinzessin_90 » Beiträge: 33809 » Talkpoints: 166,21 » Auszeichnung für 33000 Beiträge



Bei mir ist es auch so, dass ich bei jeder Situation, die nicht so gelaufen ist, wie ich mir das vorgestellt habe, noch darüber nachdenke, was ich falsch gemacht habe, aber manchmal ist da auch nichts, wo ich wirklich einen Fehler gemacht habe. Trotzdem suche ich danach und würde auch gerne nicht so übertrieben kritisch mit mir sein. Aber leider funktioniert das nicht immer.

» Barbara Ann » Beiträge: 28347 » Talkpoints: 32,79 » Auszeichnung für 28000 Beiträge


Ich bin sehr perfektionistisch veranlagt, was gleichzeitig Fluch und Segen ist. Es hat mir in meinem Leben oft bei der Bewältigung schwieriger Aufgaben geholfen, dass ich mit sehr viel Energie, Disziplin und Korrektheit an Arbeiten herangegangen und bei diesen ein hohes Maß an Durchhaltevermögen bewiesen habe, und ich hätte sicherlich nicht so einen guten Schulabschluss, ein so zügiges Studium und den Aufbau eines recht stringenten Arbeitsrhythmuses geschafft, wenn ich mich nicht andauernd hinterfragt, kritisiert und selber zu Verbesserungen angespornt hätte.

Gleichzeitig ist es aber mental und körperlich auch extrem anstrengend, dass ich quasi gar nicht dazu in der Lage bin, etwas nur „halbherzig“ zu erledigen. Wenn ich eine Herausforderung vor mir habe, dann will ich das bestmögliche Ergebnis erzielen - egal, ob mir das unnötige Ressourcen und die doppelte und dreifache Zeit abverlangt oder nicht. Diese Einstellung hat leider auch zur Folge, dass ich selten wirklich stolz auf ein Ergebnis blicken und mir einfach voll und ganz überzeugt auf die Schulter klopfen kann, ohne dabei nach Dingen zu suchen, die ich vielleicht noch hätte besser machen können. Da bin ich sicherlich viel zu kritisch mit mir selbst, und meine Umwelt meldet mir das auch häufig zurück und reagiert zum Teil geradewegs mit Unverständnis auf meine Ambitionen. Aber abstellen kann ich das nunmal auch nicht so einfach.

» MaximumEntropy » Beiträge: 7334 » Talkpoints: 896,49 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Ich bin eigentlich fast immer zu kritisch mit mir selbst. Eine Freundin hat mir einmal vorgeworfen, dass ich immer alles schlecht rede, was ich mache, sei es das Essen, was ich koche, meine Gemälde oder mein Aussehen. Ich müsse aufpassen, dass ich das nicht auch bei meinen Kindern so mache. Das Problem ist, dass ich viele Dinge zu früh aufgebe, wenn ich merke, dass es nicht so perfekt wird, wie ich es mir in meinen Gedanken ausmale. Ich arbeite schon lange daran. Perfektionismus ist zwar manchmal gut, weil die Ergebnisse dann besser werden als bei anderen. Aber man muss auch rechtzeitig sagen können, dass das Ergebnis jetzt reicht, weil man sonst nie fertig wird.

» blümchen » Beiträge: 964 » Talkpoints: 65,03 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Auch wenn Perfektionismus als "schicke" Schwäche gilt, kann ich von mir nicht behaupten, allzu kritisch mit mir selbst zu sein. So etwas erledigt sich von allein mit den Jahren und der wachsenden Erkenntnis, dass es wirklich niemanden interessiert, ob ich immer die berühmten 110% gebe und mich aufreibe oder gemütlich mit 80 Prozent der Maximallast durch die Gegend kurve.

Heutzutage neige ich nur noch gelegentlich dazu, mich übertrieben zu rechtfertigen, etwa wenn ich etwas koche, was passabel, aber nicht gerade genial ist oder mein Hausarbeitspensum mal wieder schleifen lasse. Aber so sehr belastet bin ich dadurch nicht, dass ich daran schon wieder "arbeiten" müsste. Das wäre ja Selbstkritik wegen Selbstkritik, und das ist mir mittlerweile alles zu anstrengend.

Generell bin ich darauf aus, mein Verhalten nur dann noch kritisch zu hinterfragen, wenn ich wirklich etwas verbockt und/oder jemanden gekränkt habe, um im Idealfall daraus zu lernen. Der ganze Alltagskram kann mir in dieser Hinsicht dagegen schon länger gestohlen bleiben.

» Gerbera » Beiträge: 8999 » Talkpoints: 1,17 » Auszeichnung für 8000 Beiträge


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