Von Körperbewegungen oder Gestik anderer gestresst sein?

vom 19.09.2021, 22:25 Uhr

Viele haben sicher schon von der Misophonie gehört, bei der Betroffene durch meist von anderen Menschen verursachte Geräusche unter extremen Stress geraten. So führt zum Beispiel ein kauendes Familienmitglied zu messbar starken Ausschlägen auf allen Ebenen der Stressausschüttung beim Menschen. Diese Phänomen sind verifizierbar, keine Spinnerei oder Wichtigtuerei und meiner Auffassung nach häufiger als man denkt.

Über Misophonie gab es hier schon das ein- oder andere Thema. Was aber ist mit einem starken Reagieren auf Körperbewegungen, Mimik oder Gestiken anderer Menschen? Fällt das tatsächlich noch in den Bereich der Misophonie oder ist das ein anderes, eigenständiges Syndrom? Wann hat euch das physische Verhalten, eine Körperbewegung, eine Marotte oder ein Anblick anderer schon mal an den Rand der inneren Unbeherrschtheit gebracht?

» Verbena » Beiträge: 4418 » Talkpoints: 2,22 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



Dass das nicht unter Misophonie fällt, sagt ja schon der Begriff Hassen von Geräuschen. Was du meinst, nennt sich Misokinesie, also Hassen von Bewegungen. Allerdings ist das Phänomen kaum untersucht. Eine Studie mit rund 4.000 Studierenden ergab: Fast 40 Prozent fühlen sich von Zappeln gestört, fast ein Drittel auch von Geräuschen. Selten ist das nicht. Mich nerven auffällige Geräusche und Zappeln auch enorm. Wobei ich Hibbeln besser ausblenden kann als beispielsweise Schmatzen.

» cooper75 » Beiträge: 12295 » Talkpoints: 656,96 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


Ich bin recht schnell genervt von den Lebensäußerungen anderer, aber ich bin skeptisch, wo man hier die Grenze zu Miso-irgendwas ziehen soll. Ich habe auch schon davon gehört, dass manche Leute innerlich schier durchdrehen, wenn jemand laut atmet, aber wer hört anderen Leuten schon gerne beim Schmatzen zu? Ab wann ist es sozusagen "extremer Stress" und wo hört das genervte "Bitte denke an deine gute Kinderstube" auf?

Ich würde mich in dieser Hinsicht nicht mit einer psychischen Störung diagnostizieren, bin aber sicher, dass ich auch schon "messbar" genervt war, wenn jemand schmatzt, laut tippt oder alle drei Sekunden die Nase hochzieht. Und ähnlich geht es mir auch mit sinnfreien, repetitiven Bewegungen in meinem Blickfeld, weil mein Hirn wie das aller Primaten auf Bewegung reagiert und ich so unwillkürlich abgelenkt werde. Und ich halte es zu einem gewissen Grad auch für ganz normal, wenn andere Menschen so offensichtlich Nervosität durch ihre Körpersprache vermitteln, selber auch nervös zu werden.

» Gerbera » Beiträge: 9954 » Talkpoints: 3,90 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Bei mir hängt es davon ab, wie ich mich grade fühle. Wenn ich ausgeglichen bin und mich an dem Tag nichts stört und ich keinen Stress habe, dann reagiere ich auf so was nicht und dann sollen die anderen Leute doch machen, was sie wollen. Mir ist es egal, wenn jemand die ganze Zeit neben mir von A nach B zappelt, sofern er oder sie mich da nicht aktiv reinzieht, ist es mir relativ egal. Man kann niemandem verbieten sich auf eine gewisse Art zu bewegen oder eben eine bestimmte Gestik an den Tag zu legen. Dabei muss man auch daran denken, dass es Menschen gibt, die das Ganze nicht steuern können und solche Sachen nicht machen um einen bewusst auf die Palme zu bringen.

Wenn ich jedoch sowieso schon sehr stark gestresst bin, dann kann es durchaus vorkommen, dass ich mich dadurch beeinflussen lasse. Wenn ich selbst schon einen Moment habe, wo ich sehr gestresst und sehr hektisch bin, dann kann ich es nicht gebrauchen, wenn die Person neben mir sich genau so verhält und auch übertriebene und schnelle Bewegungen vollführt, dass führt dann dazu, dass ich mich ebenso schneller bewege und noch hektischer werde, was wiederum die andere Person beeinflussen kann. Alles in Allem ist es also ein Teufelskreis. :scep: :scep:

» Hufeisen » Beiträge: 5869 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



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